Die Giftmischerin von Bettina Szrama

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel „Die Giftmischerin“, , 324 Seiten. ISBN 3899777913.

Kurzgefasst:

Die Hansestadt Bremen im frühen 19. Jahrhundert. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, intelligent und schön, sehnt sich die junge Gesche nach Glanz und Reichtum. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihr jedes Mittel recht. Skrupellos und heimtückisch tötet sie alle, die ihrem Erfolg im Weg stehen.

Das meint Histo-Couch.de: „Schlaftablette mal anders“

von Katharina Lewald

Die Story um die Giftmischerin ist schnell erzählt: Gesche, laut Klappentext „intelligent und schön“, wächst in einer Familie auf, in der jeder Cent gleich mehrmals umgedreht wird. Dabei sehnt sie sich nach einem luxuriösen Leben mit schönen Kleidern und allerlei Tand. Sie heiratet den wohlhabenden Gerhard Miltenberg, doch auch das Leben, das er ihr bietet, ist für sie nicht genug. Bald schon beginnt sie mit Hilfe von Mäusebutter, die eigentlich zum Töten ungeliebter tierischer Mitbewohner gedacht ist, alle umzubringen, die ihr im Weg stehen.

Ach, wie müde macht dieses Buch!

Ok, da es die Gesche Gottfried wirklich gegeben hat, kann man Bettina Szrama die Namenswahl für ihre Protagonistin nicht vorwerfen. Aber was man ihr vorwerfen kann, ist ihr Schreibstil. Mehrere „Achs“ und „Ohs“ zieren beinahe jede einzelne Seite dieses Buches. Kaum einem Titel steht eine solche grauenhafte Theatralik, ob eingebettet in die wörtliche Rede der Personen oder nicht, gut zu Gesicht.

Ebenfalls vorzuwerfen ist der Autorin, dass ihr nicht gelingt, was der Klappentext verspricht: Da Gesche Gottfried als „Engel von Bremen“ bezeichnet wurde, weil sie ihre Opfer bis zum Gifttod aufopferungsvoll pflegte, erwartet der Leser vermutlich eins: Nämlich dass die Autorin eine gewisse Sympathie für ihre Giftmörderin entstehen lässt, sodass der Leser innerlich hin- und hergerissen ist zwischen der Tatsache, dass Gesche einfach jeden umbringt, der sie „schief anschaut“ und dass sie eigentlich ein nettes Mädel ist. Aber das ist sie eben nicht!

Ein naives Kind wird zur Serientäterin

Gesche kommt als naive, theatralische Göre daher, die weder durch ihre Heirat mit Gerhard Miltenberg, noch durch die Geburt ihrer eigenen Kinder erwachsen wird. Ständig ist sie bedacht auf ihr Äußeres und das auf eine so unglaublich egoistische Art, dass man seine Wut darüber am liebsten am Buch selbst auslassen würde. Hinzu kommt, dass sie ihrem Mann mehr als einmal mit verschiedenen Männern untreu ist und es sie überhaupt nicht stört, dass dieser ihre Bettgeschichten durchaus registriert.

„Weder möchte ich mit dem vorliegenden Roman eine Mörderin beschönigen noch nach irgendwelchen psychologischen Hintergründen suchen.“, schreibt Bettina Szrama im Schlusswort. Da braucht sie allerdings auch keine Angst zu haben, denn an keiner Stelle kommt auch nur ein Funken Sympathie für Gesche Gottfried auf. Auch nicht für all die anderen Personen (ihre Eltern, ihren Mann, ihre Liebhaber etc.), da diese auf Gesches schauspielerisches Geschick aber auch immer wieder hereinfallen, sodass man sich schon bald beginnt zu fragen: Können so viele Menschen so sehr auf einen einzigen hereinfallen? Irgendjemand muss das falsche Biest doch durchschauen! Aber das passiert nicht und macht das ganze Buch äußerst unglaubwürdig.

Dürftiger Anhang

Leider erfährt man im Anhang wenig darüber, was wahr und was fiktiv ist. Und auch die Rechercheliste der Autorin enthält nur vier Internetseiten (wobei eine Wikipedia ist) und eine populärwissenschaftliche Zeitschrift. Hier kann man wirklich nur hoffen, dass diese Liste ein Auszug ist …(worauf es allerdings keinen Hinweis gibt!). Hinzu kommt, dass man bei der „Giftmischerin“ keinesfalls von einem Kriminalroman sprechen kann – denn es kommt keine Spannung und man weiß schließlich von Anfang an, wer die Mörderin ist. Übrig bleiben Wut und Ernüchterung über ein Thema, aus dem man wesentlich mehr hätte herausholen können. Das war leider nichts, Frau Szrama!

Ihre Meinung zu »Bettina Szrama: Die Giftmischerin«

deafripper zu »Bettina Szrama: Die Giftmischerin« 30.03.2012
Die Giftmischerin, im Bremer Geschichtenhaus empfohlen und gekauft. Wirklich ein tolles Erlebnis, das Geschichtenhaus im Schnoorviertel. Historische Persönlichkeiten berichten da aus ihrem Leben und aus ihrer Zeit, u.a. auch Gesche Gottfried, die berühmt-berüchtigte Giftmörderin, die letzte Frau übrigens, die in Bremen mit dem Schwert hingerichtet wurde. Da passt der Roman „Die Giftmischerin“ ja scheinbar optimal, und man nimmt ihn gerne mit, um das Geschichtenhaus-Erlebnis zu Hause fortzusetzen. Aber was für eine herbe Enttäuschung!
Schon auf den ersten Seiten stutzt man. Als Säugling bekommt Gesche eine Amme: eine Zuchthäuslerin, eine abgelegte Mätresse, eine Mörderin, und dazu noch eine Negerin. Und schon wissen wir, warum Gesche so abgrundtief böse wird. Sie hat die Bosheit mit der Ammenmilch in sich aufgenommen. Soll das nun ein Aberglauben aus jener Zeit sein? Oder tatsächlich ein Deutungsversuch? Und dann noch dieser befremdliche Anflug von Rassismus! Historisch sicher nicht belegt. Was soll das also in diesem Roman?
Ohne oberlehrerhaft auftreten zu wollen, aber sollte ein Roman nicht sprachlich korrekt sein? Ob weder Autorin noch Lektorin beispielsweise den Unterschied zwischen wendete und wandte kennen? Über ähnliche Fehler stolpert man immer wieder mal. Auch wenn ein historischer Roman sich von den Fakten lösen kann, sollte er doch korrekt bleiben. Gesche ist lange nicht mehr in die Kirche und zur Beichte gegangen – im protestantischen Bremen! Was den Schreibstil betrifft, wundert man sich schon über schwarzglühende Augen, Blicke, die sich festsaugen usw. Groschenromanstil! Dazu passen dann auch die erotischen Ausschweifungen – von Gesche oder der Autorin? Ob das wirklich Frauengeschmack ist? Bestenfalls à la Courths-Mahler. Meiner jedenfalls nicht. Ich muss gestehen, dass ich nach der Hälfte des Buches nur noch weitergeblättert habe.
Weder wird der Roman der historischen Figur gerecht, noch ist er unterhaltsam oder gar spannend. Das Bremer Geschichtenhaus sollte ihn besser aus dem Kiosk entfernen!
maupe zu »Bettina Szrama: Die Giftmischerin« 12.05.2011
Der Name Gesche Gottfried ist mir seit Kindheit ein Begriff, doch die Geschichte über die Giftmörderin an sich nicht.

Das Buch beginnt erzählerisch schön. Das erste Vorstellen der Akteurin und deren Familie und wie der Leser sofort von der Schlechtigkeit der Person erfährt. Doch schnell nutzt sich der Stil ab. Es ist nur noch ein Aneinanderreihen der Opfer. Mehr biographisch denn als Roman geschrieben.

Gesche wird als kaltblütig dargestellt. Das wirklich treffend. Doch inzwischen gibt es auch Unterlagen, demzufolge die Frau psychisch gestört sein sollte. So wie die Autorin die Mörderin am Ende darstellt, könnte es wohl auch so gewesen sein, doch diesen Faden nimmt die Autorin erst im letzten Kapitel auf.

Zum Ende des Buches hin, verliere ich bei dem Erzählstil sogar die Übersicht, mit wem die Frau gerade anbändeln will, wen heiraten und wen sie warum mal wieder umbringt. Die Passagen muss ich öfter nachlesen.

Hätte ich das Buch als Biographie in die Hände bekommen, wäre der nüchterne Stil in Ordnung, doch im Nachwort weißt die Autorin darauf hin, dass sie wenige Namen und Daten geringfügig geändert hat.

Somit also nur für Leser zu empfehlen, die an der Geschichte der Gesche Gottfried interessiert sind. Ein guter historischer Roman oder Krimi sieht anders.
S.Claus zu »Bettina Szrama: Die Giftmischerin« 25.01.2010
Ich kann Katharina Lewalds Kritik in allen Punkten nur zustimmen. Enttäuschendes Buch. Die Sprache fand ich nicht atmosphärisch sondern angestrengt historisierend, und mehr als einmal hab ich mich in einem Absatz verirrt, weil ich nicht mehr wusste welches Possesiv- oder Relativpronom sich nun auf welchen Handelnden bezog. Hab mich durch das Buch gequält. Bloß gut, dass ich es kostenlos per Gutschein zu meinem eBook-Reader bekommen habe und nicht noch Geld dafür bezahlt habe.
S. Hoffmann zu »Bettina Szrama: Die Giftmischerin« 10.04.2009
Ich habe den Roman mit Interesse und Spannung gelesen. Er verbindet eine starke Frauenfigur, Erotik, Crime und den historischen Kontext, so dass ein spannender Unterhaltungsroman entstanden ist.. Die Sprache ist sehr bildlich, atmosphärisch und dicht. Sie leistet dennoch die Anforderungen, die man herkömmlich an einen richtigen Schmökerroman stellt. Alles ist schnell verständlich und unterhaltend und dennoch wird eine komplexe, lebendige Welt entfaltet. Die Spannung um die Hauptfigur Gesche hält sich in einer gesunden Balance zwischen Anziehung und Abscheu. Dabei ist besonders faszinierend, dass alle Geschehnisse auf wahren Ereignissen beruhen. Ein wirklich gelungener Roman. Unbedingt lesen!
S. Schneider zu »Bettina Szrama: Die Giftmischerin« 08.04.2009
Meine Bekannte,eine gebürtige Bremerin (82j),die die historische Geschichte aus ihrer Schulzeit noch kennnt und ich haben den Roman verschlungen.
Historisch und sprachlich ein Meisterwerk.Auch die Spannung
läßt nichts zu wünschen überig,auch wenn die Geschichte ein wenig langsam anläuft.Nun wünschen,warten und hoffen wir auf ein neues Buch der Autorin
E. Lange zu »Bettina Szrama: Die Giftmischerin« 08.04.2009
Die Meinung der Histo-Couch kann ich nicht teilen.
Ich habe das Buch gelesen und durch meinen Bezug zu Bremen ist mir die Geschichte bekannt. Die Autorin hat sich an ein schwieriges Thema gewagt, und ich denke, bis auf den vielleicht etwas zu konstruierten Mordablauf, der allerdings der Geschichte auf keinem Fall die Spannung und Glaubwürdigkeit nimmt, ist ihr das recht gut gelungen. Zudem geht die Autorin farbenfroh auf das soziale Leben in der Hansestadt jener Zeit ein und wird dem, auch durchaus, sprachlich gerecht. Der moralische Abstieg der Hauptfigur ist meisterhaft dargestellt und beinnhaltet ein lesenswertes Potpuri an Intrigen, Lügen und giftiger Morde. Auf jeden Fall ein historischer Lesegenuss.
Bettina Szrama zu »Bettina Szrama: Die Giftmischerin« 06.04.2009
Eine Kritik solte dem Autor hilfreich sein, auch eine Negative.
Der Schreiber, der hier seine Rezension zum Buch gegeben hat, kennt die Geschichte der Gesche Gottfried nicht. Er wertet das Buch herab. Auch scheint er den Roman nur teilweise gelesen zu haben. Denn es gab sowohl Menschen in Gesches Umfeld, welche Verdacht schöpften, oder die wahren Zusammenhänge zumindest ahnten. Siehe, ihr Bruder, ihr Geliebter Kassow und der Rechtsanwalt Xaver.
Die Geschichte der Gesche Gottfried wurde ausschließlich nach ihren eigenen Aussagen geschrieben, hinzuzüglich Internet und älteren Zeitschriften. Fast keine der Szenen ist fiktiv, sondern nur in literarische Bilder umgesetzt. Außerdem, denke ich sind 15 Morde nicht langweilig, wenn auch die Geschichte etwas ruhig beginnt, da die Jugend der Gesche, mit einzufügen, unerlässlich war.
Außerdem geht aus dem Roman sehr deutlich hervor, dass die Gesche sich von einem ganz normalen Teenager, langsam zum Monstrum entwickelt.
Übrigens hat der Schreiber vergessen, die Zeit zu erwähnen...Hier fehlt die Kritik. Oder ist die Annektierung Bremens durch Napoleon nicht aktuell...

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