Der Schattenfürst von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1996unter dem Titel „Enemy of God“,deutsche Ausgabe erstmals 1997, 640 Seiten.ISBN 3-499-24625-2.Übersetzung ins Deutsche von Gisela Stege.

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Kurzgefasst:

Nach der großen schrecklichen Schlacht von Lugg Vale hat Arthur endlich die zerstrittenen Stämme Britanniens geeint. Die Erfüllung seines großen Traums von Gerechtigkeit und Ordnung scheint greifbar nahe. Aber etwas hat der charismatische Kriegsherr über seinen kühnen Visionen vergessen – die alten Götter. Nur einer erinnert sich noch an ihre grausame Machtausübung – Merlin, der Druide, der Schattenfürst.

Das meint Histo-Couch.de: „Arthurs Tafelrunde mit leichten Schwächen“85Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Britannien im 5. Jahrhundert. Arthur hat einen großen Sieg errungen und die große Schlacht bei Lug Vale ist geschlagen, aber noch immer herrscht kein Frieden. Im zweiten Teil seiner Artus-Trilogie erzählt Bernard Cornwell den Fortgang um Arthur und seinen Gefährten, und wieder ist einiges anders, als man allgemein vielleicht zu wissen glaubt.

Der Mythos geht weiter

Arthur, der Ich-Erzähler Derfel Cadarn und der oberste Druide Merlin stehen zu Beginn des Romans im Mittelpunkt. Merlin hat sich auf die Fahnen geschrieben, die zwölf Heiligtümer der Briten zusammen zu sammeln, die eigentlich alle aus Sagen stammen und an deren Existenz niemand so wirklich glauben will. Durch einen Eid an Merlin gebunden, hilft er ihm, einen goldenen Kessel zu holen, der dem Besitzer, der weiß, wie man damit umgehen muss, große Macht verleiht. Doch Merlin scheint nicht der Einzige zu sein, der es auf den Kessel abgesehen hat.

Derweil ist Lancelot sauer, dass seine Hochzeit mit Ceinwyn, einer Prinzessin, vor dem Altar geplatzt ist und sie zu Derfel, dem Erzähler, ging. Arthur schafft es, einige Stämme miteinander zu vereinen und für eine kurze Zeit den Frieden im Land zu sichern. In einigen Königreichen brodelt es allerdings, und es gibt mehr Feinde und falsche Freunde als echte Gefährten. Der eigentliche König Mordred wächst unter der Obhut von einigen Königen und später unter Derfel auf, doch entwickelt er sich nicht so, wie man es sich erhofft hatte. Zwar sind alle an den Eid gebunden, ihn an seinem 18. Geburtstag zum König zu krönen, doch zeigt sich immer mehr, dass ihn eigentlich niemand als König haben will.

Währenddessen spinnt Bischof Sansum neue Intrigen und heiratet sogar Merlins Schwester Morgan. Und auch Lancelot, der noch nie in einer Schlacht als Kämpfer hervorgetreten ist, ist im Hintergrund nicht untätig. Während Arthur durch die Lande zieht, beginnt sich seine Frau Guinevere zu langweilen, weiß aber Lancelot in ihrer Nähe. Und zudem hat sich König Tristan in die erst 15-jährige Frau seines Vaters verliebt. Sie hört auf den Namen Iseult …

Intensive Erzählung

Es geht hin und her im Britannien des 5. Jahrhunderts und doch schafft es Bernard Cornwell, dem Leser die komplizierten politischen Machenschaften und Traditionen auf leichteste Weise nahe zu bringen. Mit dem zweiten Teil seiner Artus-Trilogie schließt er nahtlos an den ersten Teil „Der Winterkönig“ an, in dem bereits alle wichtigen Personen vorgestellt und die Verhältnisse untereinander weitestgehend geklärt wurden.

Sprachlich zieht Cornwell wieder alle Register, sein Erzählstil ist trotz des finstersten Mittelalters bunt und variantenreich, gewürzt mit einer kleinen Prise Humor. Alle Charaktere werden so menschlich und von ihren sagenumwobenen Sockeln gestoßen. Wurde schon im ersten Teil die Sache mit dem Schwert im Stein geklärt, werden hier die Mythen von Camelot und die große Liebe von Arthur und Guinevere ins rechte Licht gerückt. Zu Hilfe kommt Cornwell dabei nicht nur seine geschickt gewählte Erzählperspektive, sondern auch die Rahmenhandlung, in der Lord Derfel der Königin Igraine seine Lebensgeschichte aufschreibt und so einen reflektierten Rückblick auf die Geschehnisse hält. Igraine bekommt so die Position des Lesers, der einige Details anders zu kennen glaubt als Derfel, der jedoch dabei war und daher alles aus erster Hand erzählt. So kommt niemand auf die Idee, dass alles nicht so gewesen sei.

Weniger Zusammenhang als im Vorgänger

Was allerdings anders ist als bei seinem Vorgänger, ist eine Vielzahl kleiner Geschichten, während man über eine längere Zeit einen roten Faden durch das Buch vermissen mag. Dass alles miteinander zu tun hat, das geht einem erst gegen Ende des Buches auf, wo alle Handlungsfäden recht spät, aber rechtzeitig miteinander verwoben werden. Zudem schafft es Cornwell, seinen Roman logisch zu beenden, dabei aber genug Spannung zu halten, die dann in den abschließenden Teil der Trilogie münden lässt.

Über 680 Seiten lässt Cornwell ein Britannien entstehen, in dem große und kleine Geschichten passieren. Niemals lässt er den Leser unwissend, allenfalls werden Andeutungen gemacht, wie es weitergehen könnte. Gerade im Mittelteil, wo die kleineren Geschichten sich häufen und es etwas konfus zu werden droht, malt er dabei aber schöne Bilder und schaut dem Volk in seine erbärmliche Hütte. Da zudem die Christen drohen, den Glauben an die alten Götter abzulösen, wogegen gerade Merlin immer wieder wettert und für eine Ohrfeige gut ist, sind Konflikte vorprogrammiert. Erst als die Geschichte von Tristan erzählt wird, nimmt der Hauptplot wieder Fahrt auf. Und auch Tristans Geschichte ist anders, als man sie von Gottfried von Straßburg oder von Richard Wagner zu kennen glaubt.

In diesem Roman passiert sehr viel, und daher soll an dieser Stelle auch nicht viel mehr verraten werden. Wer sich ein bisschen in der Mythologie um Arthur auskennt, der weiß, was kommen sollte, wird aber überrascht sein, wie es präsentiert wird. Man trifft die liebgewonnen Charaktere aus dem ersten Teil wieder und wird doch immer wieder überrascht. Natürlich werden nicht alle die letzte Seite des Buches lebend erreichen. Es wird viel taktiert und recht wenig gekämpft, aber spannend ist es allemal. Ein aufschlussreiches Nachwort und zwei Karten und Namenslisten zu Beginn des Buches runden den Roman ab.

Vom Gesamtzusammenhang kann der Roman nicht mit dem ersten mithalten, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Auch in einem vielleicht ein wenig schwächeren Buch ist Cornwell anderen Autoren immer noch weit voraus.

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Der Schattenfürst«

Stefan83 zu »Bernard Cornwell: Der Schattenfürst«19.07.2010
Der Schwachpunkt einer jeden Trilogie ist bekanntlich fast immer der zweite Teil, da ein Großteil der vorhergehenden Ereignisse wiederholt werden und das Buch zwangsläufig mit einem offenen Ende schließen muss. Bernard Cornwell schafft es jedoch, trotz dieser offensichtlichen erzählerischen Einschränkungen, nochmals eine Schüppe oben drauf zulegen und den ohnehin schon überragenden ersten Part der Artus-Saga, „Der Winterkönig“, zu überflügeln. Erneut entzaubert er die bis dato bekannte Legende um die Tafelrunde und Camelot, um stattdessen dem Leser eine Alternative zu kredenzen, welche dank sorgfältiger Recherchen nicht nur historisch glaubwürdiger daherkommt, sondern zugleich den sonst sehr stereotyp gezeichneten Heldenfiguren und Bösewichten ein gehöriges Maß an Facettenreichtum und Tiefgang verleiht. Herausgekommen ist ein historischer Roman, der als schulmeisterliches Beispiel für die Verknüpfung von Fakten und Fiktion gelten darf.

Britannien Ende des 5. Jahrhunderts. Nach der Schlacht von Lugg Vale ist Arthurs lang ersehnter Traum in Erfüllung gegangen: Die bisher zerstrittenen britannischen Stämme sind endlich im Kampf gegen die sächsischen Eindringlinge vom Festland geeint und Gerechtigkeit und Ordnung scheinen greifbar nahe. Nach mehreren Kämpfen an der sächsischen Grenze wird ein zerbrechlicher Frieden ausgehandelt, der dem Land einige Jahre der Ruhe beschert. Doch während der bösartige Mordred auf seine Rolle als König vorbereitet wird, ziehen am Horizont bereits dunkle Wolken auf, denn mit dem Sieg bei Lugg Vale ist auch das Christentum in Britannien erstarkt. Einzig und allein Merlin, der Druide, und seine Gehilfin Nimue glauben noch an die Wiederkehr der alten Götter. Um die deren Mächte neu zu entfesseln, brauchen sie den Kessel von Clyddno Eiddyn, eines der dreizehn Kleinodien der Briten, das sich auf der Insel Ynys Mon und damit tief im Territorium des gefürchteten irischen Königs Diwrnach befindet. Durch einen Eid an Merlin gebunden, schließt sich der Krieger Derfel Cadarn dem Druiden an und reist gemeinsam mit diesem tief ins Feindesland … wo Diwrnach bereits auf sie wartet.

Währenddessen droht von anderer Seite ebenfalls Gefahr. Guinevere, Arthurs Frau, hat genug von ihrer Rolle als stilles Eheweib und sucht den Kontakt zum machtgierigen und selbstverliebten Lancelot. Und der hat, da ihm Derfel einst die Frau vor dem Altar stahl, mit Arthurs bestem Mann schon seit langem eine Rechnung offen …

Erneut wird uns die Geschichte rückblickend aus der Sicht von Derfel Cadarn erzählt, dem bei den Briten aufgewachsenen Sachsen, welcher nun im hohen Alter im Kloster lebend, der Königin Igraine die Legenden um Arthur niederschreiben soll. Dabei wird einiges wieder ganz anders dargestellt, als man es gemeinhin aus den Sagen kennt. Ein Umstand, den die heldenliebende Igraine stets aufs Neue bemängelt, dem Leser jedoch nur zugute kommt, denn Bernard Cornwells Darstellung von Arthur, Merlin, Lancelot und Co. hebt sich erfrischend vom klischeehaften Einerlei bisheriger Literaturfassungen ab. So hat Arthur nichts mit dem strahlenden Recken zu Pferde gemein, sondern wird als idealistischer, kühner Mann voll Schwächen gezeichnet, welcher in Merlin einen Verbündeten hat, den einzig und allein die Götterwelt und weniger die Geschicke der Menschen interessiert. Guinevere hat auch hier nichts von ihrer Schönheit verloren, ist jedoch zudem mit einer überragenden Intelligenz gesegnet, die große Ambitionen in ihr nährt, wohingegen Lancelot als narzisstischer und opportunistischer Feigling wohl den größten Gegensatz zur altbekannten Vorlage darstellt.

Cornwell hat mit der Zeichnung seiner Charaktere beeindruckendes, ja streckenweise atemberaubendes geleistet, denn trotz all dieser neuen Facetten, nimmt einen das hier geschilderte Frühmittelalter von der ersten Seite gefangen. Man leidet, hofft und bangt mit den Helden, welche allesamt mit unglaublicher Tiefe ausgestattet sehr menschlich skizziert wurden und im Verlauf der Trilogie eine jederzeit nachvollziehbare Entwicklung durchmachen. Auf der anderen Seite wird die Bühne dieser Erzählung von einer ganzen Schar äußerst hassenswerter Bösewichte besiedelt, welche uns stets um Arthurs Hoffnungen und Träume bangen und ein Happy-End nicht selten in weite Ferne rücken lassen. Ohnehin ist auch Band zwei der Artus-Chroniken wieder mal nichts für zartere Gemüter, was schon in der Erzählperspektive des Buches begründet liegt. Derfel, als Kind einer druidischen Todesgrube entkommen, ist als Krieger aufgewachsen und schreibt deshalb aus auch deren Sicht. Seine Geschichte Arthurs ist eine Geschichte voller Kriege zwischen Angeln und Sachsen, vom Konflikt des Druidentums mit dem aufkommenden Christentum. Sprachlich wird nichts beschönigt, die Taten auf und neben dem Schlachtfeld detailliert geschildert. Das frühe Mittelalter war eine rauhe, eine rohe Zeit. Und genau das will Cornwell auch zeigen. Wem das liegt, der sollte lieber zu Iny Lorentz und Konsorten greifen.

Das sich Cornwell damit zwangsläufig vom ätherischen, magischen Mythos im Stile Marion Zimmer Bradleys entfernt, liegt auf der Hand. Und dennoch verliert die Erzählung nichts von ihrem Zauber und ihrer Unterhaltung. Da wird die „Tafelrunde“ kurzerhand zum bierbefleckten Holztisch voll schnarchender, besoffener Speerträger umfunktioniert, was neben den Auftritten Merlins eine der humorigsten Passagen des Buches darstellt. Cornwell gelingt das, was nur wenigen gelingen will. Einen Mythos neu zu interpretieren, in dem er ihm zwar den Glanz nimmt, aber gleichzeitig glaubwürdiger, nachvollziehbarer und damit bewegender macht. Die bildhafte, herrlich unkomplizierte Sprache lässt selbst die verworrensten politischen Intrigen und Verwandschaftsverhältnisse verständlich werden, ohne das an irgendeiner Stelle deutlich wird, wo die Fakten aufhören und die Fiktion beginnt. „Der Schattenfürst“ funktioniert somit als fantastischer und historischer Roman gleichermaßen. Nicht zuletzt deshalb, da Cornwell Kenner der Mythologie das Erwartete auf völlig andere Art und Weise präsentiert und neben seiner üblichen Liebe zu Schlachten diesmal auch besonders im Hinblick auf die Charakterzeichnung zu punkten weiß.

Für mich wird „Der Schattenfürst“ am Ende des Jahres ohne Zweifel zu meinen persönlichen Favoriten gehören. Über knapp 700 Seiten hat Cornwell mich mit herrlichen Bildern und ungeahntem Tiefgang auf allerhöchstem Niveau unterhalten, bewegt und bis zum Ende nicht losgelassen. Wenn man in manchen Passagen (hier möchte ich besonders Cornwells Erzählung von Tristan und Iseult/Isolde hervorheben) einen Kloß im Hals hat, an anderer Stelle vor Wut und Empörung kocht, um dann wieder im Wüten der Schlacht das Adrenalin steigen zu spüren, dann, ja dann, hat ein Buch bemerkenswertes geleistet.

Insgesamt hebt sich Bernard Cornwell mit „Der Schattenfürst“ endgültig weit von der trivialen Konkurrenz ab und schafft eine Neuerzählung des Mythos, welche den Geist jener Zeit lebendig macht und den ohnehin schon brillanten Vorgänger (den man vorher gelesen haben sollte) zu übertrumpfen weiß. Ein episches Meisterstück, das mit zwei Karten, Namensliste und äußerst informativen Nachwort abgerundet wird. Ich freue mich auf Band 3!
Ronny Finke zu »Bernard Cornwell: Der Schattenfürst«10.01.2009
Ich vergötter Bernard Cornwell hab fast alles von ihm gelesen auch wenn ich grad bei meiner Lieblingsreihe von ihm mit Schwertgesang durch bin (Kann´s kaum erwarten das es weiter geht) kann ich nur sagen wenn man eins gut fand, findet man bei ihm an allen gefallen. Na ja das ist meine Meinung und auch mein lieblings Genre er hat für mich ein Erzählstil der mich bannt wie kaum ein anderer!!!!!!!!!
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