Die Insel des Mondes von Beatrix Mannel

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Die Insel des Mondes“,, 512 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Madagaskar 1880: Nach dem dramatischen Ende ihrer Ehe wagt die junge Paula auf der entlegenen Insel den Neubeginn. Auf der Vanilleplantage ihrer Großmutter Mathilde will sie deren Rezepte weiterentwickeln und den großen Traum vom einzigartigen Parfüm verwirklichen. Als Paula zusammen mit drei Männern den gefährlichen Weg durch den Dschungel antritt, ahnt sie noch nicht, wie sehr sich ihr Leben verändern wird. Und dann beschwört ihre Ankunft auf der verlassenen Plantage dunkle Geister der Vergangenheit herauf, die Paula in ein tödliches Spiel zwingen. Ein Spiel, das sie allein mit einem magischen Duft gewinnen kann, einem Duft, der nicht nur ihre Seele rettet, sondern auch ihr verwundetes Herz.

Das meint Histo-Couch.de: „Sinnliches und dramatisches Abenteuer in Madagaskar“84

Rezension von Eva Schuster

Madagaskar 1880: Die 21-jährige Paula aus Schwabing hat bereits eine Scheidung hinter sich und sucht auf Madagaskar einen Neuanfang. Zu ihrem vierzehnten Geburtstag erhielt sie ein Buch ihrer verschollenen Großmutter, das sie intensiv in die Welt der Düfte und der Parfümherstellung einführte. Immer größer wurde ihr Wunsch, die Vanillefarm von Großmutter Mathilde im Nordosten der Insel zu finden und gegen den Wunsch ihrer Mutter macht sie sich auf den gefahrvollen Weg.

Auf Paula warten eine Reihe von Hindernissen: Die genaue Lage der Farm ist ihr nicht bekannt, zudem muss sie zunächst zu Königin Ranavalona II. in Ambohimanga gelangen, um notwendige Unterstützung zu erhalten. Ihre Reisegefährten sind die einheimische Noria und drei grundverschiedene Männer, die ebenfalls ihre Anliegen der Königin vortragen wollen: Der norwegische Missionar Morten, der eine Station eröffnen möchte, der Arzt Henri Villeneuve, der unentdeckte Pflanzen erforschen will und sein ungarischer Assistent Lázló Kalasz.

Paula fühlt sich nicht gerade wohl in Begleitung der drei Männer, doch ihr Wunsch, zur Plantage zu kommen, ist stärker. Während des strapaziösen Wegs durch den Dschungel ahnt sie nicht, dass einer ihrer Begleiter ein falsches Spiel mit ihr spielt und sie bald in Lebensgefahr gerät …

Ein Abenteuer für die Sinne

Es ist ein exotisches Setting, in das Beatrix Mannel ihre Leser entführt und in dem sie ihnen ein abwechslungsreiches Abenteuer präsentiert. Im Mittelpunkt steht das Schicksal der jungen, sympathischen Paula, deren Lebenstraum die Parfümproduktion auf der Plantage ihrer Großmutter ist. Nach dem frühen Tod ihres geliebten Vaters nahm Paulas bis dahin behütetes Leben in Wohlstand eine erschütternde Wende: Der Vater hat ihr und der Mutter hohe Schulden hinterlassen und Paula wurde daher zur unglücklichen Ehe mit dem reichen und unangenehmen Eduard von Wagenbach gedrängt, an die sie sich nur noch mit Schaudern erinnert. In Madagaskar will Paula endlich ihren Traum verwirklichen und Parfüms nach den Rezepten ihrer Großmutter kreieren. Es ist ein mutiges und riskantes Unterfangen, doch Paulas Leidenschaft für betörende Düfte wird so überzeugend dargestellt, dass es realistisch wirkt, dass die junge Frau diesen Schritt auf sich nimmt.

Paulas Welt sind die Parfümöle, die die bei sich trägt und die sie nach den Rezepten ihrer Großmutter zu mischen versteht. Der Leser taucht ein in diese olfaktorischen Genüsse und erhält nicht nur wunderbar bildliche Beschreibungen von den zahlreichen Gerüchen, sondern auch noch interessante Einblicke in die Parfümherstellung. Gleichfalls gelungen sind die Schilderungen des Regenwaldes. Die Schönheit der facettenreichen Natur kommt ebenso zum Zuge wie die Strapazen, mit denen Paula und ihre Begleiter sich auseinandersetzen müssen, von Schlamm über ständige Regenfälle, entzündete Wunden und Stechmücken bis zu Blutegeln.

Spannung, Dramatik und ein Hauch Romantik

Allein die exotische Kulisse, die fremden Riten und nach Paulas Verständnis oft grausamen Praktiken der Einheimischen und der ungewisse Weg durch den Dschungel sorgen bereits für Spannung bei der Lektüre. Zusätzlich erfährt der Leser schon früh, dass einer der Mitreisenden ein böses Spiel mit Paula plant. Grundsätzlich wird der Roman aus der personalen Perspektive erzählt, doch zwischendrin gibt es kurze Kapitel aus Sicht des Unbekannten, der düsteren Gedanken und hinterhältigen Plänen nachhängt – wer aus der Gruppe die entsprechende Person ist und was ihre Motive sind, bleibt für eine ganze Weile verborgen. Die Unterschiedlichkeit und Undurchsichtigkeit der Reisenden hat besonderen Reiz: Da ist der anfangs liebenswerte und hilfsbereite norwegische Missionar Morten, der sich nach und nach aber zunehmend von seiner mürrischen Seite zeigt und auf Paula zunehmend aufgesetzt wirkt. Da ist der charmante und attraktive Lázló, der auf Paula eine merkwürdige Faszination ausübt. Und da ist der undurchsichtige Arzt Villeneuve, der meist spöttisch und zynisch, teils aber auch verletzlich wirkt und den Paula am wenigsten einzuschätzen vermag. Über die Begleitung der madagassischen Noria, die als Dolmetscherin fungiert, ist Paula zunächst sehr froh, doch auch zu ihr ist das Verhältnis eher angespannt und ambivalent.

Immer wieder gibt es kleine Szenen, in denen man glaubt, einen Charakter gut einschätzen zu können, nur um dann wenig später eine andere Sicht auf die Dinge zu erhalten. Die Figuren sind angenehm vielschichtig, fernab von schnöder Schwarz-Weiß-Malerei. Die Geschichte ist zudem einerseits reich an abwechslungsreichen Geschehnissen und legt doch immer wieder Passagen ein, die vor allem gefühlsbetont und atmosphärisch sind. Mit fortschreitender Handlung spitzt sich die Spannung immer weiter zu, auch mit bedauernswerten Todesfällen muss der Leser rechnen. Die Romantik hält erst spät Einzug und das ist als Gewinn zu werten – statt sich von der Kulisse zu seichten Liebeshandlungen hinreißen zu lassen, bewahrt die Autorin angenehmerweise den Fokus.

Kaum Schwächen

Zu den gering ausfallenden Schwächen des Romans zählt die Anfangsstruktur, die nicht optimal gestaltet ist. Die Handlung steigt in medias res ein mit einer Paula, die sich im Dschungel verirrt hat und verzweifelt versucht, Anschluss an ihre Reisegefährten zu finden. Zwischendrin gibt es kurze Rückblicke in ihr altes Leben in Deutschland, ohne dass sich daraus jedoch ein konkretes Bild formen würde. Erst nach und nach wird klar, was überhaupt ihr Ziel ist und wer ihre Reisegefährten sind; Paulas Vorgeschichte wird sogar erst in den zweiten Hälfte des Werkes komplettiert. Geschickter wäre gewesen, die wichtigsten Ereignisse vor der Madagaskarreise der Haupthandlung vorzuschalten und nur ergänzende Details als Rückblenden einzuflechten. Zudem ist es nicht schwer, lange vor der offiziellen Enthüllung zu erraten, wer die Person aus der Gruppe ist, die Paula schaden will; einige Andeutungen aus seinen Monologen sind etwas zu deutlich geraten.

Als Fazit bleibt ein sehr lesenswerter Roman, der in das exotische Madagaskar des ausgehenden 19. Jahrhunderts und die Welt der Düfte und Parfüms entführt – fesselnd, dramatisch und sinnlich.

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