Alessandro Manzoni

Der italienische Schriftsteller Alessandro Francesco Tommaso Manzoni wurde 1785 in Mailand geboren. Sein Großvater Cesare Beccaria war bereits angesehener Jurist und Schriftsteller und wurde für sein Buch Dei delitti e delle penne (dt. Über Verbrechen und Strafen) bekannt. Auch seine Mutter Giulia war literarisch sehr interessiert. Sein offizieller Vater, Graf Don Pietro, war ein strenger Feudalherr, sein wirklicher Vater soll aber Giovanni Verri gewesen sein, den Giulia schon vor ihrer Heirat kannte. Giulia trennte sich bereits 1792 von Don Pietro, so dass der Junge bis 1803 in kirchlichen Internaten erzogen wurde, wo er nur langsam lernte und als Versager galt.

Als er fünfzehn Jahre alt war, entdeckte er für sich die Leidenschaft für Literatur und ging mit zwanzig Jahren nach Paris, wo seine Mutter inzwischen lebte. In dieser napoleonischen Zeit lernte er viele Voltaire-Anhänger kennen, unter anderem auch Claude Fauriel, der ihn mit den neuen literarischen Strömungen und Shakespeare bekannt machte und der ihn auch mit den Ideen der aufkommenden Romantik vertraut machte. So veröffentlichte Manzoni ab 1807 erste eigene Gedichte.

Aufgrund einer Erbschaft seines Stiefvaters zog er in eine Villa in Brusuglio im Norden Mailands und heiratete 1808 die Bankierstochter Henriette Blondel, durch die er auch zum Katholizismus konvertierte. Die Ehe verlief sehr glücklich, auch als er 1818 sein Erbe verkaufen musste, da er an einen unehrlichen Makler geraten war. 1819 erschien seine erste Tragödie Il Conte di Carmagnola, die lebhafte Kontroversen entfachte, von Goethe allerdings verteidigt wurde.

Nach weiteren Oden, Gedichten und Tragödien machte er sich nach umfangreichen Studien der Geschichte Mailands und der Pest an einen großen Roman, dessen erste Fassung Fermo e Lucia im September 1823 erstmals erschien, von ihm jedoch sofort einer Revision unterzogen wurde. Diese zweite Fassung bekam den Titel I Promessi Sposi und erschien 1827 in drei Bänden, die deutsche Fassung erhielt den Titel Die Verlobten, heute Die Brautleute. In den 1830er Jahren bearbeitete Manzoni den Roman erneut und bereinigte ihn von lombardischen Dialektresten. Diese Version erschien 1840-42, zusammen mit einer Art Nachfolger La Storia Della Colonna infame (dt. Die Schandsäule). Inzwischen ist der Roman mehrere Male neu übersetzt worden.

Nachdem seine Frau 1833 verstorben war und er 1837 ein zweites Mal geheiratet hatte, schrieb er keine literarischen Werke mehr, sondern nur noch Abhandlungen über die italienische Geschichte und über die Notwendigkeit einer allgemeinen italienischen Sprache. Auch dadurch wurde er zu einer Indentifikationsfigur des Risorgimento, der italienischen Nationalbewegung, besonders nach der Einigung Italiens. 1844 war er bereits als ausländisches Mitglied in den deutschen Orden Pour le Mérité aufgenommen worden, 1860 wurde er Senator des neuen Königreiches ernannt.

Bereits zum zweiten Mal verwitwet, erlebte er den Tod von sieben seiner neun Kinder. Nachdem sein ältester Sohn 1873 gestorben war, stürzte er beim Verlassen der Kirche und zog sich eine Schädelverletzung zu. Er erlitt einen Zusammenbruch und erkrankte schnell und starb am 22. Mai 1873 an einer Hirnhautentzündung. Seine Beisetzung wurde mit hohem Prunk begangen, das ganze Land trauert um ihn. An seinem ersten Todestag 1874 wurde das ihm gewidmete Requiem von Giuseppe Verdi uraufgeführt, einer weiteren Ikone des Risorgimento.

Historische Romane von Alessandro Manzoni (Auswahl):

  • (1823) Die Nonne von Monza
    La Monaca di Monza
  • (1827) Die Verlobten (auch unter Die Brautleute erschienen)
    I Promessi Sposi
  • (1842) Die Schandsäule
    La Storia Della Colonna infame