Tödliches Einmaleins von Walter Laufenberg

Buchvorstellungund Rezension

Tödliches Einmaleins von Walter Laufenberg

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Tödliches Einmaleins“,, 168 Seiten.ISBN 3945424631.

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Kurzgefasst:

Ein Student liegt erstochen am Dicken Turm. Brachte er sich selber um? Oder war es Mord? Ein Toter, Erpressung, Bestechung und ein rabiater Kutschenüberfall: 1718 ist viel los in Heidelberg, viel zu viel. Nichts als Ärger für Carl Philipp, den neuen Pfalzgrafen, der gerade erst ins Heidelberger Schloss eingezogen ist. Er will der Stadt doch neuen Glanz verleihen. Mit einem frech-pfiffigen Hofnarren an seiner Seite, dem Zwerg Perkeo, bildet er ein unmögliches Gespann. Als die Geheimpolizei versagt, wird der Hofnarr, der eigentlich nur auf Frauen und Wein aus ist, zum Ermittler. Der regelt alles auf seine Art, und die Täter wissen nicht, wie ihnen geschieht ...

Das meint Histo-Couch.de: „Ein Zwerg ermittelt“65

Rezension von Jörg Kijanski

1718. Vor zwei Jahren fiel dem Pfalzgrafen Carl Philipp nach dem Tod seines Bruders die Kurfürstenwürde zu. In der Folge musste er Innsbruck verlassen und residiert nun als Kurfürst bei Rhein in Heidelberg, dessen Schloss im Krieg von den Franzosen in arge Mitleidenschaft gezogen wurde. Stets an seiner Seite ist der Zwerg Perkeo, der als Lustiger Rat für die Unterhaltung am Hofe zuständig ist. Allerdings ist er auch eine Art Mädchen für alles und so empfängt er eines Tages drei Studenten der Jurisprudenz, die ihn nach seiner Einschätzung fragen, ob sie das bevorstehende Examen bestehen würden?

„Sonderbar, über Fälle von Bestechung haben mir meine Geheimen nie etwas mitgeteilt.“

„Deine Geheimen, Pfalzgraf, die gehören ja auch nicht zu den neuen Heidelbergern, wie du und ich.“

„Und? Was heißt das?“

„Wenn ich in eine Jauchegrube falle, kann ich nicht erwarten, dass die Scheiße, die darin schwimmt, mir raushilft.“

Perkeo weiß mit dieser absurd anmutenden Frage nichts anzufangen und zeigt den Studenten lediglich die Faust mit hochgerecktem Daumen. Drei Tage später wird einer von ihnen am Dicken Turm aufgefunden. Tot, zwei Messerstiche in der Brust, ein wertvolles Jagdmesser in seiner rechten Hand. Als Selbstmörder wird er beigesetzt und bei dieser Gelegenheit wird Perkeo auf eine junge Frau aufmerksam, die um den Toten trauert. Da der Zwerg hübschen Frauen noch nie abgeneigt war, macht er sich auf Umwegen mit dieser bekannt und erfährt dabei, dass ein praller Geldbeutel eine gute Voraussetzung ist, um das Examen zu bestehen. Als sich zudem herausstellt, dass es offenbar doch kein Selbstmord war, bittet der Pfalzgraf seinen Lustigen Rat, den Mörder zu suchen&

Spannungsbogen bleibt überschaubar

Zwei Messerstiche ins Herz, der erste bereits tödlich. Dazu eine Tatwaffe in der rechten Hand eines Linkshänders für den als Katholik ein Selbstmord eine Sünde gewesen wäre. Angesichts dieser Ausgangslage kann es schon mal ein paar Seiten dauern (eigentlich eher nicht) bis von einem Mord ausgegangen wird. Zwerg Perkeo darf man dabei keinen Vorwurf machen, denn er interessiert sich ohnehin fast ausschließlich für Wein und Weib bei ständig wechselnder Reihenfolge. Nebenbei gilt es den Pfalzgrafen bei Laune zu halten, Streitgespräche und Spöttereien beherrschen den Alltag am Hof. Allein bei der Religion versteht der Kurfürst keinen Spaß.

„Scheu vor einer Prüfung? Dann muss das aber eine doppelte Portion von Scheu gewesen sein, hatte der Kandidat doch zwei tiefe Messerstiche in der Brust. Beide direkt in’s Herz, wie der Hofmedikus und der Oberjägermeister festgestellt haben. Ich frage mich, wie der schmächtige Kandidat sich den zweiten tiefen Stich in Herz noch beibringen konnte, nachdem schon der erste Stich tödlich war. Er muss wahrhaftig von doppelter Scheu beflügelt gewesen sein, die ihn zu dieser übermenschlichen Kraftanstrengung befähigt hat.“

Das Leben am Hof wird in bunten Bildern zum Leben erweckt und auch die politische Lage kommt zur Sprache. Allerdings in überschaubarem Maße, was zumindest teilweise dem Umfang des Romans (insgesamt 160 Textseiten) geschuldet ist.

Durch das selbstherrliche Auftreten des Protagonisten und dessen losen Mundwerks bietet Tödliches Einmaleins eine kurzweilige Unterhaltung. Dabei sind die Alltagsprobleme der Hauptfigur – wie kommt er an Wein, wie zu der erwähnten jungen Frau, wie verhindert er eine Heirat mit der Comtesse Dorothee – die prägenden Themen des Plots. So gerät die kriminalistische Handlung deutlich in den Hintergrund oder anders gesagt, wer hier einen Krimi sucht, benötigt eine gute Sehschärfe. Alles in allem dennoch ein akzeptabler Mix mit einigen Schwächen; die größte sei noch kurz erwähnt: An einigen Stellen wechselt der Autor von einem Satz zum nächsten plötzlich von der Dritten Person zum Ich-Erzähler, was verständlicherweise für leichte Irritationen sorgt. Heidelberg bildet die Kulisse dieses Romans und hätte gerne deutlich ausführlicher dargestellt werden können. Wer nur einen kleinen Lese-Snack sucht, kommt hier aber dank dem Lustigen Rat dennoch auf seine Kosten.

Anm. d. Red.: Der Roman ist nicht zu verwechseln mit der Romanbiografie Perkeo – Der Zwerg von Heidelberg aus der Feder desselben Autors. Zudem soll Tödliches Einmaleins der erste einer geplanten Perkeo-Krimi-Trilogie sein.

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