Eidergrab von Volker Streiter

Buchvorstellungund Rezension

Eidergrab von Volker Streiter

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Eidergrab“,, 304 Seiten.ISBN 978-3954519026.

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Kurzgefasst:

Eiderstedt 1846: Dina Martensen soll nach dem Verbleib einer jungen Milchmagd forschen, von der jede Spur fehlt. Die Gendarmerie nimmt den Fall zunächst nicht ernst, doch dann wird eine Frauenleiche in der Marsch gefunden, gefesselt und geschändet. Ist die Tote die Vermisste? Als wenig später ein Knecht vergraben im Deich entdeckt wird, beginnt für Dina ein Wettlauf gegen die Zeit.

Das meint Histo-Couch.de: „Spannende Vermisstenjagd in Nordfriesland“88Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Amrum, 1846. Dina Martensen, Magd und inzwischen ein wenig erfahren in Sachen Kriminalistik, bekommt vom Ehepaar Simons den Auftrag, nach ihrer verschwundenen Tochter Immke zu suchen. So macht sich Dina auf den Weg nach Eiderstedt, wo sie beginnt, nach der jungen Milchmagd zu forschen. Schnell erfährt sie, dass eine weitere Magd vermisst wird. Als kurz darauf eine Frauenleiche gefunden wird, stellt sich heraus, dass es die andere Magd ist.

Nicht lange danach wird in den Fundamenten eines neu angelegten Weges die Leiche eines Mannes gefunden. Es stellt sich heraus, dass die Opfer ein Paar waren. Dina lässt sich als beim Hof einstellen und versucht, den Geheimnissen auf die Spur zu kommen.

Doch sie ist nicht die einzige, die in den Fällen ermittelt. Neben Gendarmerie Leutnant Cornelius Asmus ist dies vor allem auch der neue Schulmeister Bernhard Albert Rose, der von allen vor Ort schräg angeschaut wird und es schwer hat, Fuss zu fassen. Werden sie den Mörder finden?

Friesische Atmosphäre

Dina Martensen wird von Autor Volker Streiter bereits zum zweiten Mal losgeschickt, einen verzwickten Mordfall zu lösen. Streng beäugt von allen dort lebenden Bewohnern und vor allem kritisch ihr als Fremde gegenüber, lassen sie sich nicht so leicht aus der Reserve locken und sind sehr verschlossen. Sie versucht, sich auf dem Hof zu verdingen, auf dem die Gesuchte gearbeitet hat, da sie erfahren hat, dass dort eine Stelle als Magd frei geworden ist. Damit kommt sie zwar genau richtig, aber das Misstrauen ihr gegenüber ist trotzdem allgegenwärtig, zumal sie doch sehr neugierig erscheint.

Das passt in das Gesamtgefüge, das Autor Volker Streiter als Kulisse für seinen Roman ersonnen hat. Die Menschen an der Nordseeküste sind verschlossen und eigen, und diese Atmosphäre fängt er exzellent ein. Wie die Menschen mit ihren Traditionen lebten, wie die Rangfolge auf einem Hof und die Rangfolge der Höfe in einem Dorf war, das ist gut recherchiert und entführt den Leser in eine Zeit, in der der Stand und die Arbeit noch wichtiger waren als persönliche Befindlichkeiten. Dass Eiderstedt damals noch zu Dänemark gehörte und somit die politischen Verhältnisse noch ganz andere waren, ist ein interessanter Aspekt, von derart Streiter so einige hervorgeholt hat und die den Roman zu einem besonderen Erlebnis machen.

Sperriger und spannender Kriminalfall

Land und Leute werden bildreich geschildert und so hat man während der gesamten Lektüre das Gefühl, wirklich in dieser Zeit vor Ort zu sein. Streiter nutzt seine Sprache, um die Menschen treffend zu charakterisieren und ihnen so Ecken und Kanten zu verpassen. Viele Personen ergeben auch viele Verdächtige, und die Suche nach dem Mörder aus drei verschiedenen Perspektiven erlaubt es dem Autor, immer wieder Cliffhanger einzubauen, die die Spannung beim Lesen hochhalten.

Der Kriminalfall selber entpuppt sich als zunächst sperrige Angelegenheit, da niemand mit den Ermittlern sprechen will. Nur nach und nach schält sich heraus, was damals passiert sein könnte. Die beiden Leichen waren miteinander bekannt, allerdings sind sie zu verschiedenen Zeiten ums Leben gekommen, wie sich feststellen lässt. Wer hier wen getötet hat und vor allem warum, das erfordert Dinas Gespür und das von Asmus und Rose, die zwar jeder einzeln für sich, doch aber letztlich gemeinsam den Fall lösen. Und für Dinas Herz ist auch was dabei.

Gerne mehr!

Das Ende des Romans schreit nach einer Fortsetzung, obwohl der Fall aufgeklärt wird. Die Leserschaft hat bestimmt nichts dagegen, wenn Dina noch das eine oder andere Mal ins Feld geschickt wird, um den einen oder anderen Mordfall aufzuklären. Wünschenswert wäre es jedenfalls.

Eine Karte der Ermittlungsgegend und ein Personenverzeichnis, das auch reale Persönlichkeiten von fiktiven unterscheidet, ergänzen den gelungenen Roman, in dem sogar der Dichter Theodor Storm eine winzige Rolle spielen darf. Eidergrab ist ein gelungener historischer Küstenkrimi, der bis zum Ende spannend beliebt und der die Leser vorzüglich in die Mitte des 19. Jahrhunderts entführt. Bleibt zu wünschen, dass man bald mehr von Autor und Protagonistin lesen darf.

Ihre Meinung zu »Volker Streiter: Eidergrab«

tassieteufel zu »Volker Streiter: Eidergrab«21.06.2016
Das Wirtspaar Simons von der Insel Amrum ist verzweifelt, schon seit Wochen haben sie nichts von ihrer Tochter Immke gehört, die sich in Eiderstedt als Milchmagd verdingt. Nun kam auch noch ein Brief von ihrer Nichte, die davon berichtet, dass Immke nach einem Pferdemarkt verschwunden ist. Auguste Simons bittet Dina Martensen um Hilfe, da es Dina doch schon einmal gelungen ist, einen Mörder zu entlarven. Dina fährt nach Eiderstedt und kann mit Hilfe von Pastor Wolf auf dem selben Hof eine Anstellung finden, auf dem Immke verschwunden ist. Schon bald findet Dina heraus, dass Immke nicht die einzige verschwundene Magd ist und dann wird eine tote junge Frau aus der Marsch geborgen. Inzwischen ermittelt auch Gendarmerie Leutnant Asmus und der neu ansässige Schulmeister Rose, der ebenfalls einen toten jungen Mann aus dem Deich gezogen hat, stellt ebenfalls Ermittlungen an.

Wie in seinem Vorgängerband, in dem ebenfalls Dina Martensen ermittelt hat, gelingt es dem Autor auch diesmal, Land, Leute und das Alltaggeschehen Mitte des 19. Jahrhunderts an der Nordseeküste einzufangen und plastisch und bildreich zu schildern. Gesellschaftliche Gepflogenheiten werden ebenso kurz angerissen wie die politische Situation dieser Zeit, als Eiderstedt noch zum Königreich Dänemark gehörte. Hier bekommt man als Leser einen guten Einblick in die damalige Zeit und die Schilderungen verleihen dem Krimifall den historischen Rahmen.
Die Ermittlungsarbeit gestaltet sich schwierig, da Dina mit ihren Fragen auf wenig Gegenliebe stößt. Zwar wurde sie zunächst von den Eltern der verschwundenen Immke mit der Suche betraut, doch auf Eiderstedt wird eigentlich von 3 verschiedenen Personen ermittelt. Neben Dina sind das Schulmeister Rose, der eine Leiche aus dem Deich zieht und Gendarmerie Leutnant Asmus, der nach dem Fund einer Frauenleiche die offiziellen Ermittlungen übernimmt. So wird aus Sicht von 3 sehr unterschiedlichen Charakteren aus der Fall geschildert und so erhält der Leser auch einen breiten Blick auf das Geschehen und wird mit immer neuen Wendungen und erwarteten Ereignissen konfrontiert. So fällt es schwer, hier überhaupt einen Verdächtigen auszumachen und ich habe lange Zeit im Dunkeln getappt, wer hier wohl der Übeltäter sein könnte.
Der Spannungsbogen ist gut aufgebaut und wird auch bis zum Ende gehalten. Mir kam das Ende allerdings ein wenig zu abrupt und ein paar Seiten mehr hätten hier nicht geschadet! Eine offene Fragen Dina betreffend lassen vermuten, dass es ev. noch einen Folgeband gibt, man darf also gespannt sein!

FaziT: gelungene Fortsetzung, auch wenn es zum guten Verständnis des Buches nicht notwendig ist, den Vorgänger gelesen zu haben! Insgesamt ein spannender historischer Krimi, der einen gut konstruierten Fall und einen atmosphärisch dichten historischen Hintergrund bietet.
Franz-Josef Strathausen zu »Volker Streiter: Eidergrab«19.06.2016
Deutschland im Vormärz. Forderungen nach deutscher Einheit und sozialer Gerechtigkeit machen auch vor der entlegenen Halbinsel Eiderstedt nicht halt, die damals staatsrechtlich zum Königreich Dänemark gehörte.

Vor diesem historischen Hintergrund spielt der zweite Krimi Volker Streiters. Die schon aus dem Vorläufer bekannte Dina Martensen ermittelt diesmal quasi als Undercover-Milchmagd. Die Amrumerin wird von einer Bekannten gebeten, auf Eiderstedt nach ihrer verschwundenen Tochter zu suchen, da sie ihr mehr als der Obrigkeit vertraut. So reist Dina auf die Halbinsel um sich als Magd zu verdingen, um so unauffällig, der angelblichen weiblichen Neugier entsprechend, Fragen nach dem verbleib der Gesuchten zu stellen.

Kaum angekommen, wird dort eine Tote aufgefunden, Dina befürchtet bereits das Schlimmste, doch die Leiche stellt sich als die einer anderen Magd dar. Als dann auch noch eine weitere Leiche gefunden wird, muss Dina, die sich nebenher in einen Gendarmen verliebt, unter Hochdruck ermitteln.

Volker Streiter gelingt es, die Magie und die Mythen der Landschaft an der Nordsee zu vermitteln, so dass die Lektüre einfach nur Spaß macht.

Am Ende stellt sich die Frage, wie es mit Dina weitergeht, wird sie ihrem Herzen nach Eiderstedt folgen oder zurück in ihre geliebte Heimat, die Insel Amrum, kehren?
dorli zu »Volker Streiter: Eidergrab«16.06.2016
In seinem historischen Küstenkrimi „Eidergrab“ entführt Volker Streiter den Leser in das Jahr 1846 auf die Halbinsel Eiderstedt und wartet mit einer spannenden Geschichte auf.

Als die Amrumer Wirtsfrau Auguste Simons erfährt, dass ihre Tochter Immke, die als Magd auf einem großen Hof im Eiderstedter Land arbeitet, seit Wochen verschwunden ist, bittet sie Dina Martensen, die Vermisste zu suchen. Mit einer Empfehlung des Inselpfarrers Mechlenburg in der Tasche macht Dina sich auf den Weg nach Eiderstedt, nimmt auf dem Ehsterhof eine Stellung als Milchmagd an und beginnt nach dem Verbleib von Immke zu forschen…

Es ist Volker Streiter hervorragend gelungen, Land und Leute darzustellen. Nicht nur die Landschaft und die Gegebenheiten Eiderstedts im 19. Jahrhundert werden detailreich beschrieben, auch die Mentalität, die Eigenarten und die Lebens- und Arbeitswelt der Küstenbewohner sowie die politische Situation und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten der damaligen Zeit fließen in die Handlung ein. Das Geschehen wirkt dadurch durchweg echt und glaubwürdig. Besonders gut gefallen hat mir, dass über der Geschichte stets eine etwas düstere, schaurige Stimmung schwebt, die dem Krimi eine Extraportion Spannung verleiht.

Dinas Nachforschungen gestalten sich zunächst als sehr schwierig, da sie durch ihre Fragerei inmitten der wortkargen Eiderstedter schnell auffällt. Als jedoch in der Marsch eine Tote gefunden wird, steht Dina mit ihren Ermittlungen nicht mehr alleine da, sowohl Gendarm Cornelius Asmus aus Garding wie auch der neue Dorflehrer Bernard Rose aus Ording unterstützen sie tatkräftig.
Der Blick des Lesers wird während der spannenden Spurensuche durch einige Überraschungen und Wendungen in unterschiedliche Richtungen gelenkt, so dass man bis zum Schluss über die Identität des Täters mitgrübeln und miträtseln kann.

Neben den fiktiven Figuren bevölkern auch einige historische Persönlichkeiten diesen Krimi, so begegnet man im Verlauf der Handlung wichtigen Eiderstedter Amtsleuten und auch dem Schriftsteller Theodor Storm.

„Eidergrab“ lässt sich angenehm zügig lesen und hat mir nicht nur spannende, unterhaltsame Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in die Historie Eiderstedts ermöglicht.
leseratte1310 zu »Volker Streiter: Eidergrab«15.06.2016
Auguste Simons ist 1846 Wirtsfrau auf Amrum. Ihre Tochter Immke arbeitet als Magd auf einem großen Hof auf der Halbinsel Eiderstedt. Als Auguste erfährt, dass ihre Tochter seit Wochen verschwunden ist, bittet sie Dina Martensen, ihre Tochter zu suchen. Dina macht sich auf den Weg, um sich in Eiderstedt anstellen zu lassen. In der Tasche hat sie eine Empfehlung von Pfarrer Mehlenberg. Die Gendarmen messen dem Verschwinden von Immke keine Bedeutung bei. Doch dann wird eine Frauenleiche in der Marsch gefunden und Dina vermutet das Schlimmste. Aber es bleibt nicht bei dieser Toten.
Dina Martensen hat in der Vergangenheit schon mal einen Fall geklärt. Daher fällt ihr in Eiderstedt auch gleich auf, dass nicht nur Immke verschwunden ist. Aber sie wird aufgrund ihrer Fragerei natürlich misstrauisch beäugt. Doch als die Tote in der Marsch auftaucht, erhält Dina bei ihren Ermittlungen Unterstützung. Der Gendarm aus Garding, Cornelius Asmus, will die Sache aufklären und auch der neue Dorflehrer Bernard Rose ist nicht untätig.
Dina Martensen ermittelte auch schon in dem Vorgängerband „Das Geheimnis des Strandvogts“. Doch die Bände können ohne Weiteres unabhängig voneinander gelesen werden.
Die Ermittlungen sind nicht einfach, denn die Spuren geben Hinweise in die unterschiedlichsten Richtungen. So bleibt es bis zum Schluss spannend.
Die Menschen und die Umstände, wie sie leben, sind sehr gut beschrieben. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß. Die Mägde und Knechte sind von ihrer Herrschaft abhängig. Wer nicht spurt, muss gehen. Zudem müssen sich die Mägde auch noch vor den Knechten in acht nehmen. Frauen sind die Leitragenden, wenn sie dann schwanger werden. Tagelöhner sind oft noch schlimmer dran, denn man holt sie nur, wenn sie gebraucht werden.
Es ist toll, dass der Lehrer Rose schon zu der Zeit erkennt, dass Bildung vonnöten ist, um etwas zu ändern. Aber auch Dina ist ihrer Zeit voraus, denn sie ist eine selbstbewusste Frau. Die Charaktere sind allesamt gut ausgearbeitet. Mit gefällt, wie historische Personen mit fiktiven Charakteren in dieser Geschichte zusammentreffen.
Die historische Krimi ist gleichzeitig unterhaltsam und gesellschaftskritisch. Daher von mir eine absolute Leseempfehlung!

*****
Franz Jung zu »Volker Streiter: Eidergrab«29.04.2016
noch ein Nachsatz:
Das Vorläuferbuch "Das Geheimnis des Strandvogts" spielt auf Amrum, 1845, also 1 Jahr davor. Auch sehr leenswert. Aber man muss es nicht gelesen haben, um "Eidergrab" zu verstehen, beide Bücher stehen für sich. Auch wenn natürlich mit Dina Martensen eine Hauptfigur von einer in die andere Geschichte springt.
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