Frost und Sonne

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Hoffmann & Campe, 2007, Titel: 'Frost und Sonne', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Gott, wie traurig mein Russland ist

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2007

Kann man eine Revolution so in einen Roman einspinnen, dass nichts von der Wucht des Umbruchs verloren geht und trotzdem die feinen Tönen, die melancholischen Momente nicht untergehen? Ja man kann - Asta Scheib beweist dies in ihrem Roman Frost und Sonne auf eine eindrückliche Art. Schritt für Schritt führt sie die Leser durch das Geschehen, lässt sie teilhaben an den Gefühlen jener Persönlichkeiten, deren Namen die Zeit überdauert haben. Angesiedelt ist der Roman im Russland des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Gesellschaft am Zarenhof lebt in einer üppigen Dekadenz, während die Bevölkerung hungert und friert. Fehlentscheide des Zaren, Kriege und Bluttage in Russland selber prägen die Geschichte des Volkes, das sich langsam aufzulehnen beginnt. Mitten im Geschehen steht Fürst Felix Jussupow, der jüngste Spross einer mächtigen und reichen Familie. Mit seinem angenehmen Wesen und seiner adligen Herkunft ist er in der Gesellschaft äußerst beliebt. Einzig seine Homosexualität stößt an - und soll durch den Wunderheiler Rasputin behandelt werden. Doch vieles kommt anders als geplant.

Intensives Erleben

Asta Scheib baut das Buch ausgesprochen geschickt auf. Mit einem szenischen Einstieg nimmt sie die erste Hürde mühelos und holt den Leser hinein in den Salon der Jussupows. Es ist, als würde man durch eine Türe in eine Welt hinein treten, die einem selbst dann nicht mehr los lässt, wenn man nach 364 Seiten das Buch zuklappt und zu verstehen versucht, dass es zu Ende ist. Man hat mit Felix geliebt und gelitten - intensive Momente erlebt und sich von der Sprache der Autorin mittragen lassen:

 

Doch wenn Felix Angst hatte, spürte er besonders stark, dass er lebte...

Anders als sein Bruder liebte Felix tatsächlich. Und er liebte mit einer Leidenschaft, die gut eingefangen und wiedergegeben ist. Obwohl gerade hinsichtlich Felix´ homosexuellen Neigungen die Gefahr ausgeht, dass sich der Roman auf eine voyeuristische Ebene verschiebt, verzichtet die Autorin auf jede Form von Beurteilung oder Verurteilung. Sie lässt dies geschehen, ohne die Geschichte unbewusst oder bewusst in eine Schmuddelecke zu steuern.

Treffender ging es kaum

Absolut geglückt ist hier auch die Titelsetzung: "Frost und Sonne". Nichts wäre treffender als diese Aussage. Denn Asta Scheib beschreibt strahlende Augenblicke ebenso wie kalte Verzweiflung. Auch den Zaren sieht sie ohne jede Verklärung: "... insgesamt aber war er ein Schwächling, als Zar völlig fehl am Platze - und somit gefährlich." Gefährlich ist auch Rasputin, dessen Leidenschaft für den jungen Felix Jussupow mit der Liebe zu seiner Frau Praskowja buhlt. Ihr gelten auch seine letzten Gedanken:

 

... O Gott - hörst Du es, Praskowja, hörst Du die Stimmen, die Rufe? Sie kommen über die Brücke... Jetzt haben sie mich gefunden, Praskowja, jetzt holen sie mich...

Die Autorin deckt Rasputins Mythos auf und verleiht ihm gerade dadurch hypnotisches Charisma, verzichtet aber auf verteufelnde oder verklärende Momente. Alleine durch ihre Sprachgewalt zeichnet sie intensive Bilder.

Feinfühlig und bewegend

Frost und Sonne ist ein Roman, sich von der breiten Masse der historischen Romane mühelos abhebt und gelebte Geschichte darstellt. Er verlangt von seinen Lesern nichts anderes, als dass sie sich ganz auf ihn einlassen, dafür hüllt er sie ein mit dichter Atmosphäre und nachhaltiger Wirkung.

Frost und Sonne

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Letzte Kommentare:
17.04.2011 13:00:51
Christine Zaschke

Ich habe schon mehrere Bücher über Rasputin und die Zarenfamilie gelesen. Es fällt mir schwer, mich für "Frost und Sonne" zu begeistern. Für einen historischen Roman sind mir viel zu viele persönliche von Asta Scheib hinein interpretierte Gedankengänge der geschichtlich wichtigen Persönlichkeiten enthalten. Diese Art der Berichterstattung hat mich etwas befremdet.

Zeitpunkt.
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