Die Islandglocke

Erschienen: Januar 1951

Bibliographische Angaben

  • , 1943, Titel: 'Íslandsklukkan', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein grandioses Meisterwerk!

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2007

Um das Jahr 1700 herum gehörte die Insel Island noch zu Dänemark. Isländer und Dänen mochten sich nicht und so waren auch die Menschen nicht nett zueinander. Eine der großartigsten Geschichten aus dieser Zeit erzählt der Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness in seinem Roman "Die Islandglocke".

Unter Mordverdacht im Island des 18. Jahrhunderts

Um das Jahr 1700 bewohnt der Bauer Jon Hreggvidsson mit seiner Familie einen Hof, als Dänen kommen und eine Glocke beschlagnahmen, um sie einschmelzen zu können. Diese Glocke gehört jedoch nicht der Kirche, sondern dem Volk und so lästert Jon über die Regierung. Daraufhin wird er festgenommen und ausgepeitscht. Nach der Folter geht er mit seinem Peiniger, dem Henker und einigen anderen noch kräftig feiern. Nach diesem Saufgelage jedoch wacht er auf, der Henker ist tot und er steht unter Mordverdacht.

Jon wird zum Tode durch Köpfen verurteilt und wird zunächst ein halbes Jahr in ein Loch gesperrt, solange das Thinggericht das Urteil nicht bestätigt hat. Währenddessen begibt sich Jons Mutter nach Skalholt, um bei der Frau des Bischofs um Gnade für ihren Sohn zu bitten. Da diese unterwegs im Land ist, spricht sie mit Snaefridur, der Tochter des Richters, der Jon damals verurteilt hat. Auch bei der Beschlagnahmung der Glocke war Snaefridur dabei.

Nach der Urteilsbestätigung befreit Snaefridur Jon, damit er nach Kopenhagen gehen kann. Dort soll er beim Vertrauten des Königs, Arnas Arnaeus, darum bitten, den Fall wieder aufzurollen, da die Zeugenaussagen mehr als schwammig waren und eigentlich nicht für ein Todesurteil reichen. Jon flieht und es beginnt eine abenteuerliche und wirre Reise, in der Snaefridur und Arnaeus noch ihre Rolle spielen werden.

Packend und fesselnd erzählt

Als Halldór Laxness "Die Islandglocke" in drei Teilen in den Jahren 1943-46 schrieb, war das Buch hochaktuell, da Island erst 1944 als demokratische Republik ausgerufen wurde und seitdem unabhängig ist. Parallelen mit Laxness' Roman waren für die Isländer unverkennbar und so wurde das Buch bis heute sein beliebtestes. Der hohe Stellenwert des Buches liegt allerdings nicht nur in seiner historischen Aktualität, sondern auch einfach schlicht daran, dass Laxness mit seinem Roman ein Meisterwerk geschaffen hat.

Von der ersten Seite an versteht es Laxness eine Geschichte zu erzählen, die den Leser packt und fesselt. Obwohl er selber sagte, "Die Islandglocke" sei kein historischer Roman, beruht die Erzählung doch auf wahren historischen Figuren und Ereignissen. Mit sicheren Worten weiß Laxness eine Zeit und ein Volk zu beschreiben, wie man es nur selten präsentiert bekommt. Seine Ausdrucksweise ist knapp, aber flüssig und die sehr farbige Handlung und viele Charaktere machen einen bunt-düsteren Roman aus, der den Leser immer wieder zu überraschen weiß.

Viele Geschichten neben der Handlung

Jons Flucht nach Kopenhagen ist gefüllt mit vielen großen und kleinen Geschichten, die zunächst alle für sich stehen, insgesamt aber ein Bild der Zeit abgeben. Dabei geht es nicht nur Isländer gegen Dänen, sondern auch um Dänen, die mit den Schweden im Krieg liegen, um Protestanten gegen Katholiken, um isländische Traditionen und Sagen, um Land gegen Stadt, um niederer Stand gegen Obrigkeit. Laxness deckt alle erdenklichen Bereiche ab und so entsteht das Bild eines Landes, in dem das Leben zu dieser Zeit wahrlich kein Zuckerschlecken war. Dazu kommen das Singen von Liedern wie den Pontus-Rimur, sowie Geschichten von Trollen und Riesen, die in Island einfach dazugehören.

Die drei Hauptfiguren Jon, Snaefridur und Arnas Arnaeus beruhen auf wahren Persönlichkeiten und so verwundert es nicht, dass gerade diese drei besonders nah charakterisiert werden. Von Anfang an verfolgt man das Leben von Jon und man kann nicht nur Sympathien für ihn haben. Durch sein loses Mundwerk gerät er oft in noch mehr Schwierigkeiten, als er sowieso schon hat, was auch meistens zu Konsequenzen führt. Snaefridurs Handeln ist nicht immer direkt zu verstehen, aber letztendlich doch passend für ihre Figur. Arnas Arnaeus hat, als der Höchstgestellte der drei, ganz andere Sorgen als um sein Leben zu fürchten.

Die anderen Figuren werden, wenn auch nur mit ein paar Begriffen, so klug gezeichnet, dass man sie direkt vor Augen hat. Ob es der König von Dänemark ist oder der Saufbold und Dieb, der Jon seine Silberstücke klaut, jede Person ist wichtig genug, um durch ein paar Worte beschrieben zu werden. Und alles gelingt so selbstverständlich, dass man das Buch gut und flüssig lesen kann und immer wieder passiert etwas Neues.

Ein großes Stück Weltliteratur

Etwas ungewöhnlich ist es für viele Leser bestimmt, dass die Anführungszeichen für die wörtliche Rede weggelassen wurden. Dies hat Laxness auch in seinem Manuskript getan, wie auch im exzellenten Nachwort des Herausgebers des Buches beschrieben wird. Zunächst stört diese Aussparung den Lesefluss, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, taucht man umso intensiver in die Erzählung ein. Je nachdem, welche Ausgabe man liest, ist es sicherlich auch ein Wermutstropfen, wenn die traditionellen isländischen Buchstaben Ð (ð) und Þ (þ) ausgespart werden und der kontinentaleuropäischen Schreibweise angeglichen werden. Diese Zeichen hätten gerade einem historischen Roman gut zu Gesicht gestanden. Die Isländer benutzen diese Zeichen noch heute, uns sind sie nur noch in der Lautschrift bekannt. Aber das schmälert den Lesegenuss nicht.

Mit der "Islandglocke" hat Laxness den Roman geschrieben, der ihm seinen Platz in der Literaturwelt gesichert hat. Der Literaturnobelpreis 1955 beruhte nicht nur auf der "Islandglocke", sondern auch auf anderen Romanen wie "Atomstation", aber sicherlich hat dieser Roman einen gebührenden Anteil an dem Preis. Dieser Roman ist ein Stück großartige Weltliteratur, ein Meisterwerk, das in jedes Bücherregal gehört. Ein Klassiker, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Islandglocke

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Letzte Kommentare:
28.03.2011 08:35:34
maupe

Dieses Buch ist mit Sicherheit "Literatur" aber man ist als Leser Individualist und somit darf ich als Meinung sagen: Noch ein Buch dieses Autors wird es nicht in meine Hände schaffen.

Der Roman gliedert sich in drei Teile und erschien bei der Erstauflage auch so. Der erste Abschnitt ist noch der flüssigste. Man gewöhnt sich an die wörtliche Rede ohne Satzzeichen und kann dem Charakter Jon, an welchem sich der rote Faden entlang arbeitet, folgen.

Doch im zweiten und dritten Teil werden auch die anderen Charaktere näher beleuchtet und der Leser wird mit endlosen Dialogen belastet, welche die Geschichte auf eine für mich einschläfernde Wirkung erzählten.

Es ist erstaunlich wenn man am Ende anlangt und überlegt, was für Themen der Autor eigentlich geschafft hat in das Buch zu legen. Es geht um Island und Dänemark und deren Beziehung, um Liebe und Ehe, um Politik, Gerechtigkeit und bittere Armut. Aber leider verschwamm immer wieder alles und so kämpfte ich mich ab dem zweiten Teil nur noch durch das Buch, immer in der Hoffnung nun doch wieder den Faden zu finden, welchem ich im ersten Teil noch so gut folgen konnte. Leider vergebens.

Sicher kein schlechter Roman, aber bei mir wird das Buch in der Bücherkiste die Reise zu weiteren Lesern antreten.

18.08.2009 21:36:24
muprl

Laxness ist für mich eine Entdeckung. Klar, er hat 1955 bereits den Nobelpreis für Literatur bekommen - aber wer spricht denn noch heute von ihm? Ich kann nur sagen: Er ist zu unrecht so in Vergessenheit geraten. Aber es gibt Hoffnung: Gerade sind einige Neuauflagen des Steidl-Verlags in den Handel gekommen...
Mit "Die Islandglocke" zeigt er sich als eingängiger Erzähler, der skurille und schillernd-unvergessliche Charaktere entwirft, die dem Leser einfach Spaß machen. Doch diese Figuren behalten immer ein Geheimnis (oder mehrere) für sich. Sie liegen in ihren Motivationen nur selten offen vor dem Leser. Das heißt, der Leser darf und muss spekulieren - und das macht Spaß.
Auf der anderen Seite behandelt Laxness in der "Islandglocke" die geschichte seines Landes Island um 1700. Es ist die Zeit der dänischen Herrschaft über Island und der großen Unterdrückung dieses Landes. Armut und Macht- und Hilflosigkeit weden eindringlich geschildert und auch die politischen Verwicklungen kommen nicht zu kurz. Die Probleme werden von vielen Seiten beleuchtet, was sich schon allein durch die Erzähltechnik ergibt, die verschiedene Personen abwechselnd in den Vordergrund treten lässt. Das Grundthema "Gerechtigkeit" wird anhand eines außergewöhnlichen Gerichtsprozesses an einem "Schnurdieb" und mutmaßlichen Mörder seines Henkers, Jon Hgrevidsson, verfolgt, findet sich aber auch auf vielen anderen Ebenen der Erzählung wieder. Das Gerechtigkeit keine einfache Sache ist, wird dabei immer deutlicher.
Einen Nebenstrang, der sich durch das Buch zieht, bildet die alte isländische Dichtung. Von der Edda über die Skalda bis zu den Pontus-Rimur.
"Die Islandglocke" ist eine absolute Empfehlung von mir, fordert allerdings ausdauernde Leser, denn das Buch ist mit 440 Seiten nicht gerade dünn und mit Hochspannung sollte man auch nicht rechnen.

23.09.2008 15:20:47
Marco Maria

Dieses Buch läßt auf Grund seiner Farbigkeit sich einreihen in die Galerie der Großen alten Roadmovies wie "Simplicissimus", "Candide" oder "Don Quichotte", um nur drei Beispiele zu nennen.
Zugleich hat es eine ethisch versöhnliche Dimension, durch welche es am ehesten mit Werken der Art von Kleists "Kohlhaas", Zuckmayrs "Hauptmann von Köpenik" oder Tolstois "Der Gefälschte Kupon" verglichen werden kann.
Zum Schluss vereinen sich alle Protagonisten, Krieger und Elfe, Bauer und Königin gemeinsam zur Verbeugung vor dem großen Rätsel unserer Menschlichen Existenz.