Der eiserne Wal

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2002, Titel: 'Der eiserne Wal', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Detailverliebter Krimi aus Hamburg, Mitte des 19. Jahrhunderts

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2007

1862. Über den künftigen Ausbau des Hamburger Hafens wird - wie schon seit Jahren - heftig gestritten. Unterschiedlichste Interessen prallen aufeinander. Docks mit Schleusen nach englischem Vorbild oder eher ein Tidehafen? Für das Sandthor-Becken stellt sich diese Frage nicht mehr. Hier laufen die Arbeiten, doch dann wird ein Ingenieur aus England ermordet aufgefunden. Einen Tag vor der Vorführung eines neuartigen Dampfkranes. Commissarius Hendrik Bischop und sein Inspektor Johannes Schütz übernehmen die Ermittlungen. Mehr und mehr gelingt Bischop ein Blick hinter die Kulissen, wo nicht nur mächtige Reedereien wie Hapag um Einfluss kämpfen.

 

"Kaufmännisches Denken und Profitgier liegen häufig dicht beieinander."

 

Auch andere Honoratioren der Stadt wollen ein Stück vom großen Kuchen abbekommen, den die Hafenerweiterung verspricht. Derweil verliert Bischop seinen vierzehnjährigen Sohn Sören ein wenig aus den Augen, der sich gerne im Werftgelände herumtreibt. Als Sören eine Flaschenpost mit kyrillischer Schrift entdeckt, gerät er dank seiner Neugier in große Gefahr. Derweil bewegt viele Bürger der Stadt neben dem Hafenausbau eine ganz andere Frage: Wie kommt ein weißer Wal in die Elbe?

Pflichtlektüre wenn man sich für die Seefahrt und/ oder Hamburg interessiert  

Die historischen Hamburg-Krimis von Boris Meyn sind nicht nur für Hamburger, die sich für die Geschichte ihrer Heimatstadt interessieren, äußerst lesenswert. Die Reihe besticht durch eine große Detailverliebtheit, in der es der Autor prächtig versteht, seine fiktiven Figuren (u. a. die Familie Bischop) mit historisch belegten Personen und Ereignissen zu verknüpfen. Der mehrseitige Epilog bietet hierzu umfangreiche Informationen.

Vordergründig geht es um die Geschichte des Hafenausbaues in der Zeit von 1835 bis 1860, doch genauer gesagt um die Frage, warum dieser gerade nicht ausgebaut wurde. Pläne gab es reichlich, aber die Diskussion um Docks mit Schleusen oder Tidehafen dauern an. Die Interessen großer Reedereien passen nicht zur Interessenlage der zahlreichen kleineren Betriebe, denn vor allem Hapag, die sich in scharfer Konkurrenz zur Norddeutschen Lloyd befindet, benötigt für den Ausbau der Passagierschifffahrt neue und größere Anlageplätze. Damit wäre auch schon das eigentliche Thema angesprochen: Der Transport von Menschen, von Auswanderern, die vor allem in Afrika und Australien sowie zunehmend in der Neuen Welt (Amerika) ihr Glück suchen. Dabei geht es nicht immer nur um den Transport, sondern wie so oft um Gewinne.

 

"Cesar hält sich streng an die Vorschriften!"

"Aber auch er transportiert Zwischendeckler."

"Paragraph sechs der Hamburger Verschiffungsverordnung besagt, bei einer Deckshöhe von 1,72 Meter muss jedem erwachsenen Passagier eine Fläche von 0,98 Quadratmetern, bei 1,57 Meter Höhe von mindestens 1,15 Quadratmetern zur Verfügung gestellt werden."

 

Um Gewinne geht es auch vielen Senatoren, die mit Grundstücksspekulationen Kasse machen wollen. Für Bischop ein fast undurchschaubares Dickicht, denn nahezu die gesamte Hamburger Oberschicht ist involviert. Zudem belastet Bischop ein privates Problem, denn seit dem Umzug in ein eigenes Haus fühlt sich seine Frau Clara zunehmend unterfordert, gar gelangweilt. Sie will unbedingt wieder arbeiten und erhält ein verlockendes Angebot zum Aufbau eines Herbatoriums. Alles wunderbar, würde dies nicht eine monatelange Abwesenheit bedeuten, denn sie müsste hierfür in Brisbane arbeiten.

 

"Vielleicht sollte man anregen, dass die Passagiere erst am Ende der Passage bezahlen müssen. Dann werden die Reeder zumindest dafür sorgen, dass die Auswanderer die Reise überleben."

 

Insgesamt bietet Der eiserne Wal eine spannende und vor allem informative Geschichte, bei der man sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren kann, dass der Autor vielleicht ursprünglich ein Sachbuch über den Hamburger Hafen schreiben wollte. Kenntnisreich und bisweilen sehr detailverliebt, denn wer sich im Schifffahrtsbau nicht auskennt, der wird von all zu vielen technischen Fachbegriffen förmlich erschlagen; allerdings nicht mit einer Eisenstange, wie jener englische Ingenieur zu Beginn des Buches.

Der eiserne Wal

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Letzte Kommentare:
26.06.2011 01:17:49
tassieteufel

Hamburg im Sommer 1862, es ist schwülheiß, die Stadt ist voller Auswanderer und die ganze Bürgerschaft debattiert über das neue Großprojekt Hafenausbau. Als ein toter englischer Ingenieur auf dem Hafenglände gefunden wird, ruft das Commissarius Bishop auf den Plan.
15 Jahre sind vergangen seit dem ersten Teil "Der Tote im Fleet" Hendrik Bishop hat inzwischen seine Clara geheiratet und die beiden haben einen 14 jährigen Sohn, der sich brennend für alles interessiert was mit Schiffen zu tun hat und dementsprechend oft im Hafengelände herumstromert. Nach dem Fund einer Flaschenpost gerät der Junge jedoch in arge Gefahr.
Wie schon der Vorgänger ist auch dieses Buch sehr gut recherchiert, man merkt jeder Seite an, wie gut sich der Autor auskennt, allerdings ist es für den Leser, besonders für einen der sich nicht so gut mit der Hamburger Stadtgeschichte auskennt, nicht ganz einfach, dem wirren Geflecht der familiären Verwicklungen der Hamburger Oberschicht und ihren Machenschaften in der Stadtpolitik und sich den daraus ergebenden Intrigen zu folgen. Zwar gibt es ein Glossar, in dem man über aller Personen nochmal nachlesen kann, was ich auch des öfteren getan habe, aber das stört dann wieder den Lesefluß.
Als Manko habe ich auch wieder empfunden, daß der Krimifall vor der historischen Kulisse doch arg vernachlässigt wird, da fehlte für mich das ausgewogene Verhältnis und so richtig spannend wurde es daher auch nur im letzten Viertel als Commissarius Bishop dann dem Ge-
heimnis des eisernen Wals und auch seinem Mörder auf die Spur kommt.
Ich will aber nicht nur meckern, das Buch ist wieder sehr schön ausgestattet, mit einem umfangreichen Glossar und vielen Erklärungen zum Schiffbau und im Mittelteil gibt es wieder eine
Reihe von historischen Fotos, die zum besseren Verständnis beitragen. Insgesamt nicht so ganz einfach zu lesen und mir persönlich hat hier doch die Spannung gefehlt!

Fazit: als Leser braucht man ordentlich Durchhaltevermögen, bis der Krimifall überhaupt in die Gänge kommt, denn in dem wirren Geflecht von Intrigen und Machenschaften und der Vielzahl von Personen verliert man leicht den Überblick. Wer sich mit der Hamburger Stadt-
geschichte auskennt ist hier klar im Vorteil!