Die Rebellen von Irland

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • , 2006, Titel: 'Ireland Awakening', Originalausgabe

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Bettina Weiß
Vielschichtige und spannende Fortsetzung der <cite>Prinzen von Irland</cite>

Buch-Rezension von Bettina Weiß Aug 2007

Ende des 18. Jahrhunderts haben es die Walshs geschafft: Sie sind einflussreiche Geschäftsleute mit Sitz im irischen Parlament. Auf ihrem großen Gutsbesitz empfangen sie den amerikanischen Freiheitskämpfer Benjamin Franklin, dessen Besuch die Iren dazu inspiriert, sich größere Unabhängigkeit von England zu erstreiten. Neben Benjamin Franklin lernen wir zahlreiche große Gestalten der Geschichte von ihren menschlichen Seiten her kennen: den englischen König Karl I., den exzentrischen Pfarrer, Schriftsteller und Hypochonder Jonathan Swift, den Dichter Yeats oder Arthur Guinness, den Erfinder des gleichnamigen Biers.

Der zweite Teil der großen Dublin-Saga beginnt 1597 mit der Ankunft des protestantischen Engländers Simeon Pincher in Irland, wo er am neu gegründeten Trinity College seine Lehrtätigkeit aufnehmen soll. Damit beginnen die Auseinandersetzungen zwischen den irischen Katholiken und den protestantischen Engländern, welche die irische Geschichte bis heute prägen. Pincher versucht sich den Besitz der irischen Anwaltsfamilie Walsh anzueignen und stößt hierbei auf erbitterten Widerstand. Er und seine Nachfahren sind die Profiteure der Glaubenskämpfe, während die Familie Walsh durch die Eigensinnigkeit und die Liebesabenteuer von Anne vor eine harte Zerreißprobe gestellt wird. Endes des 18. Jahrhunderts hat es die Familie Walsh zu Ansehen, Reichtum und zu einem Sitz im Parlament gebracht, während andere ehemals hochangesehene Familien verelenden.

Könige und Freiheitskämpfer prägen die Zeit

Der Besuch des großen Freiheitskämpfers Benjamin Franklin stellt die Familien erneut an einen Scheideweg wie es mit Irland weitergehen kann. Neben Benjamin Franklin treffen wir auch auf den wankelmütigen Georg III., Königin Victoria von England, den bekannten Bierbrauer Arthur Guinness und den Freiheitskämpfer Daniel O´Connell. Mit ihm entsteht ein ganz neuer Typ eines Berufspolitikers.

Geschichtsepos und Familiensaga

Rutherfurd ist ein äußerst spannender und informativer Roman gelungen, der von der ersten Seite in seinen Bann zu ziehen vermag. Es gibt ein Wiedersehen mit den bereits aus dem ersten Teil der Saga bekannten Familien. Neben echter Wiedersehensfreude kommt sogleich die spannende Frage auf, wie sich die Familien und die Nachkommen weiterentwickeln und welchen Einfluss sie auf Irland und Dublin ausüben. Der Roman umfasst eine Zeitspanne von 300 Jahren, sodass Zeitsprünge nicht ausbleiben können. Es entsteht dadurch jedoch kein Bruch in der Erzählweise, da durch die immer wiederkehrenden Familien der Zusammenhang erhalten bleibt. Dem Autor bleibt nicht viel Zeit, die einzelnen Personen lang einzuführen, dies tut dem Lesefluss jedoch keinen Abbruch, da es dem Autor gelingt, die Personen sehr einfühlsam, aber auch prägnant zu beschreiben.

Der Spannungsbogen, der mit der Ankunft von Simeon Pincher in Dublin beginnt, wird bis zum Ende des Romans ohne Bruch durch die immer neuen und überraschenden Wendungen der Geschichte aufrecht erhalten. Dadurch ist eine fesselnde Geschichte entstanden, die trotz der über 760 Seiten im HC an keiner Stelle Längen hat.

Fiktive Charaktere und historische Personen
prägen die Geschichte

Die Charaktere der einzelnen Personen sind spannend und facettenreich geschildert. Sie bleiben nicht oberflächlich, sondern gewinnen an Tiefe durch die Verknüpfung über die Jahrhunderte. Trotz der teilweise nur kurzen Lebensabschnitte der handelnden Personen werden diese durch die Erzählkunst von Rutherfurd lebendig und fesseln die Leserschaft. Kleine Familieneigenheiten werden liebevoll gezeichnet und schaffen auch über die Zeitsprünge hinweg eine Verbindung der unterschiedlichen Ereignisse.

Geschichte, hautnah erlebt

Die Schreibweise des Romans ist sehr flüssig und die Sprache leicht verständlich, sodass die geschichtlichen Details wie nebenbei vermittelt werden. Über die bekannten historischen Personen und die liebevollen Kleinigkeiten, wie dem Einführen von Arthur Guinness und den Erklärungen zum Bierbrauen, bleibt der Roman trotz der vielen Fakten und des brisanten Themas eine spannende Lektüre.

Am Ende des Romans bleibt die Erinnerung an ein wunderbares Buch, viel Verständnis und auch neue Erkenntnisse zu der aktuellen Situation in Irland. Der Roman schafft es deutlich zu machen, wie sehr die Religionskonflikte, aber auch Einflüsse von außen, Irlands Geschichte prägten.

Das Buch ist ausgestattet mit Kartenmaterial zu Dublin und Irland sowie einem Stammbaum der wichtigen Familien. Dies hilft die Verbindungen auch zwischen den Familien zu verstehen und ist eine schöne Ergänzung.

Die Rebellen von Irland

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Letzte Kommentare:
12.06.2011 15:59:02
Silky

Auch in diesem Buch werden die Personen der einzelnen Familien wieder toll beschrieben und zum Leben erweckt. Sehr schnell ist man wieder mittendrin in der Geschichte. Ich fand dieses Buch spannend, aber auch sehr lehrreich. Man kann es nicht einfach nur so lesen, denn es bringt einem sehr schnell zum Nachdenken. Edward Rutherfurd gelingt es, einem die Konlikte der Religion in Irland näher zu bringen. Ebenso toll beschreibt er die Lebensbedingungen der einzelnen Schichten der Bevölkerung in den verschiedenen Zeiten. Sehr berührt hat mich die große Hungersnot und die dazugehörige Geschichte der Familie Madden.
Der Autor schafft es, das einem Irland und seine Geschichte nicht mehr so schnell aus dem Kopf gehen und man vielleicht einiges besser verstehen kann. Ich kann dieses Buch nur empfehlen.