Ein Paradies für alle

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Schröder, 2010, Titel: 'Ein Paradies für alle', Originalausgabe

Couch-Wertung:

87

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
1 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:35
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":1,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Daniela Loisl
Familiengeschichte mit feinem Humor, aber unterschwellig bedrückend

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jan 2011

Kurzgefasst:

Der Kaufhauskönig Georg Wertheim verliebt sich unsterblich in die junge Hanna. Sie erwidert seine Liebe von ganzem Herzen. Doch seine Familie und ein von Hanna sorgfältig verborgenes Geheimnis verhindern die Hochzeit der beiden. Er heiratet eine andere, Hanna aber bleibt die Liebe seines Lebens. Als Georg von den Nazis bedroht wird, steht plötzlich auch ihr Leben auf dem Spiel.

 

Ida und Abraham Wertheim leben mit ihren sieben Kinder in Stralsund und kommen durch Idas kleinen Stoffladen mehr schlecht als recht über die Runden. Sie schicken die beiden älteren Söhne Georg und Hugo zu ihrem Onkel nach Berlin, damit sie in seinem großen Handelshaus das Handwerk eines Kaufherrn und Händlers erlernen können. Schnell zeigt sich, dass Georg ein besonderes Talent zum Kaufmann hat und als die beiden Brüder nach abgeschlossener Lehre zurück nach Stralsund kommen, machen sie aus dem kleinen unscheinbaren Laden ein richtig strahlendes Geschäft mit exzellenter Ware. Dies ist aber nur der Anfang, denn es wird weiter expandiert nach Rostock und Berlin und Georg avanciert zum großen Handelsunternehmer, der nicht nur in den jüdischen Reihen geachtet und respektiert wird. Als dann Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts die Nazis immer mehr an die Macht kommen, ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch der Name Wertheim immer mehr an Achtung und Respekt verliert.

Leichte und feine Erzählung - die Tragik liegt zwischen den Zeilen

Justus Pfaues Erzählstil ist leicht und schwingend, nimmt den Leser sofort mit und führt ihn ein in eine vermeintlich ebenso leichte Geschichte. Dies jedoch trügt, denn das Leben der Wertheims war alles andere als einfach.

Die Wertheims waren Juden, und so war nicht nur das (Über-)Leben an sich schon hart und schwer, sondern es kamen noch Anfeindungen durch bornierte christliche Mitmenschen und Nachbarn hinzu. Sehr eindringlich wird das harte und karge Leben der Familie geschildert und die unterschiedlichen Charaktere der Protagonisten werden einem schnell vertraut und wachsen einem ans Herz. Da Georg Wertheim letztendlich der Firmeninhaber ist und das damals größte Kaufhaus der Welt zu dem machte, was es war, begleitet man auch ihn auf seinem Weg und erlebt die Dinge aus seiner Perspektive.

Der Autor zeigt die Entwicklung vom kleinen ärmlichen Stoffgeschäft zu einem der größten und angesehensten Firmen der damaligen Zeit auf sehr behutsame Weise. Er lässt den Leser hinter die Kulissen blicken, lässt ihn teilnehmen am Streben der Wertheim-Brüder Georg und Hugo und erlebt geschäftliche Rückschläge und familiäre Tragödien hautnah mit. Alles scheint leicht und locker und doch spürt man das Damoklesschwert der zunehmend an Macht gewinnenden Nazis schon über den Köpfen der Figuren schwingen. Das Drama bahnt sich schon zwischen den Zeilen an und Pfaue versteht es, den Leser so mitzunehmen, dass dieser trotz besseren Wissens dennoch hofft, der bittere Kelch des Antisemitismus möge an den Wertheims vorübergehen.

Die Figuren hätten mehr Farbe vertragen

Die große Familie der Wertheims wird einem vertraut. Man lernt sie alle kennen; Ida und Abraham, die Eltern der insgesamt acht Geschwister, Onkel Wolff, bei dem Georg und Hugo in die Lehre gehen, den Polka Wolff, ebenfalls ein Onkel und natürlich auch Hanna Berger, Georgs Lebensgefährtin und eigentliche Seele des Wertheim´schen Kaufhauses in späteren Jahren. Alle kennt man und von den meisten weiß man auch die Eigenheiten, Vorlieben, Stärken und Schwächen. So umfassend dies nun erscheint, so erstaunlicher ist es dennoch, dass die Figuren trotzdem etwas blass und oberflächlich bleiben. Man lernt sie eben nur von außen kennen, wie ein Bekannter, der den vielen Szenen als stiller Zuseher beiwohnen darf, aber nicht in das Innerste der Menschen blicken kann. Die Figuren sind die schwache Seite des Buches, das doch eine so authentische und mitreißende Geschichte erzählt. Was sich aber in den Köpfen von Georg und Hanna abspielt, die aufgrund eines entsetzlichen Faktums nicht heiraten können oder wie tief treffend es für Georg ist, stets als Jude angefeindet zu werden, dies bleibt leider außen vor. Dieses Manko zeigt sich gerade dann sehr klar, als es zum politischen Umbruch kommt, die Nazis die Führung übernehmen und den Wertheims das Lebenswerk entrissen wird. Hier verhindert die Leichtigkeit des Erzählens den Tiefgang bei den Figuren.

Etwas befremdend mutet an, dass laut kurzer Danksagung und auf der ersten inneren Buchseite nicht nur Justus Pfaue als Autor angeführt ist, sondern auch Philip Tempel. Am Cover des Buches prangt jedoch nur der Name Pfaues, was zu der berechtigten Frage führt, ob Pfaue das Buch nun wirklich alleine schrieb oder Tempel nur eine so geringe Rolle bei der Schaffung des Buches gespielt hat, dass man ihn im Erscheinungsbild des Buches quasi unter den Tisch hat fallen lassen.

Ist das Buch in sich stimmig und stringent, so wäre es dennoch gut gewesen, wenn der Autor bzw. die Autoren in einem ausführlicheren Nachwort noch angeführt hätten, welche Ereignisse und Figuren historisch belegt und welche der Phantasie entsprungen sind. So muss sich der interessierte Leser selbst bemühen und nachrecherchieren, will er Wahrheit von Fiktion unterschieden wissen.

Im Gesamten ein äußerst interessantes Buch, das die Entwicklung einer Familie von der Armut bis hin zu den angesehensten und reichsten der damaligen Zeit zeigt, die durch die Macht der Nazis alles verliert.

Ein Paradies für alle

Ein Paradies für alle

Deine Meinung zu »Ein Paradies für alle«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
09.04.2011 11:03:13
enzian

Im Berlin des Jahres 1931 steht Georg Wertheim auf dem Höhepunkt seines unternehmerischen Schaffens. Er hat das Kaufhaus Wertheim zu einem der größten und erfolgreichsten Warenhäuser der Hauptstadt geführt. An seiner Seite befindet sich immer Hanna Berger. Sie ist Sekretärin, Beraterin, Geliebte, eine Frau für alles, Jüdin, wie Wertheim auch. In dieser Zeit kommt es gehäuft zu antisemitischen Anfeindungen und Übergriffen, denen auch das Warenhaus Wertheim ausgesetzt ist. Georg hat aber einen Gönner, den Bankier Emil-Georg von Strauß, der ihn vor dem Schlimmsten bewahrt.
Stralsund 1871, wir lernen die Kindheit Georgs kennen. Die Familie ist arm, mit Hilfe des reichen Tuchhändlers Wollf, einem Onkel Georgs, gelingt ihm und seiner Familie der gesellschaftliche Aufstieg.
Durch die Herrschaft der Nationalsozialisten wird dem später ein jähes Ende gesetzt. Auch das Kaufhaus Wertheim wird arisiert. Mit Hilfe des Bankiers von Strauß kann Georg Wertheim überleben und stirbt 1939 in der Berliner Villa seiner Mutter.

Der Roman ist die Geschichte des Wertheim-Konzerns. Der Autor hat das Buch in drei Handlungsstränge aufgeteilt. Der Schreibstil ist flüssig, das Buch besticht durch lebendige Protagonisten. Mit eindrucksvollen Schilderungen zeichnet Justus Pfaue ein realistisches Bild vom Leben in dieser Zeit. Tief betroffen war ich von der Beschreibung der Kinderarbeit unter schlimmsten Bedingungen. Im Gegensatz dazu wird das luxeriöse Leben der Oberschicht geschildert. Detailliert werden die Neuerungen im Handel aufgezeichnet, die Georg Wertheim eingeführt hat, wie z.B. Festpreise, Winterschlussverkauf, Selbstbedienung bei Lebensmitteln. Die Entwicklung einer neuen Verkaufsstrategie war für diese Zeit bahnbrechend.
Die politischen Zeichen stehen nicht gut, dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. Die Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung bekommt der Leser nur am Rande mit, am Beispiel der Wertheims. Viele der Protagonisten haben gelebt, andere Figuren hat der Autor erfunden. Das Geheimnis um Hanna wirkt auf mich klischeehaft. Ansonsten handelt es sich um einen lesenswerten historischen Roman.