Die Tänzerin

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2009, Titel: 'An Invitation to Dance', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:93
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":1,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Carsten Jaehner
Bemerkenswerte Einladung zum Tanz

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Dez 2010

Kurzgefasst:

Die klassische Femme fatale. Sie verzauberte einen ganzen Kontinent und wusste die Reichen und Mächtigen um den Finger zu wickeln: Lola Montez (1821-1861). Zu ihrer Zeit war Lola Montez in ganz Europa für ihre Tanzkunst, noch mehr jedoch für ihre Skandale bekannt. Bayernkönig Ludwig I. und der Komponist Franz Liszt waren ihr verfallen, unzählige Liebhaber erlagen ihrem Charme.

 

Eliza Gilbert ist ein irisches Mädchen, das bis zum Alter von fünf Jahren in Indien lebt. Ihr Vater ist Diplomat und stirbt kurz nach der Ankunft. Man schreibt das Jahr 1826, und Eliza wird von ihrer Mutter allein zurück nach Schottland geschickt, wo sie bei nahen Verwandten aufwächst. Sie wird nach Bath geschickt, wo sie in einem Internat für Höhere Töchter unterrichtet wird und entfremdet sich immer mehr von ihrer Mutter. Diese besucht sie gelegentlich und scheint neben ihrem Mann einen neuen Liebhaber gefunden zu haben, den Offizier Thomas James.

Eliza mag ihn zunächst nicht, doch man kommt sich näher, und schließlich flüchtet die Tochter mit dem Liebhaber ihrer Mutter und die beiden heiraten im Jahr 1837, Eliza ist da gerade 16 Jahre alt. Sie gehen nach Indien, doch schon 1839 trennt sie sich von ihrem Mann, ein Skandal in dieser Zeit, der sie für den Rest ihres Lebens verfolgen wird. Sie lernt in London spanische Tänze, was sie in Spanien selber vertieft, und bei ihrer Rückkehr nach London wird sie zur gefeierten Tänzerin Lola Montez aus Sevilla, die sich von reichen Herren aushalten lässt.

Ihre Karriere als Tänzerin, die sie um die ganze Welt führen wird, nimmt ihren Lauf, doch daneben wird sie nicht glücklich. Immer wieder scheitern Beziehungen zu Männern, auch wenn diese Berühmtheiten wie Alexandre Dumas, Franz Liszt oder König Ludwig I. von Bayern sind. Immer ihre ungeliebte Mutter und ihre immer noch nicht geschiedene Ehe im Nacken, flüchtet sie vor ihren Männern, ihren Gläubigern und vor sich selbst.

Ein buntes und eindrucksvolles Leben

An Invitation to Dance, "Eine Einladung zum Tanz" heißt der zweite Roman der Britin Marion Urch und der erste, der von ihr auf deutsch erschienen ist. Darin erzählt sie eindrucksvoll das Leben ihrer Landsmännin Eliza Gilbert, die später als Tänzerin Lola Montez weltberühmt und -berüchtigt wurde. Der Roman ist in vier größere Abschnitte unterteilt und die einzelnen Kapitel mit verschiedenen Modestoffen betitelt. Die ersten drei Abschnitte sind aus Lolas Ich-Perspektive beschrieben, der letzte hingegen aus neutraler Erzählposition.

Der erste Abschnitt beginnt mit Elizas Kindheit, und dementsprechend ist auch die Sprache noch nicht so ausgefeilt. Es gibt einige Erzähllücken, und manchmal bekommt man als Leser das Gefühl, dass da doch einiges durcheinander erzählt wird und ein wenig unsortiert ist. Gleichwohl passt das ins Bild, ist doch ein Hauptaspekt derjenige mit der Mutter, die ihre Tochter mit Gleichmut und ohne Liebe behandelt. Dennoch gibt es keine Erzähllücken, und die eher einfache Sprache ist dennoch eindrücklich.

Sprachliche und persönliche Entwicklung

Im weiteren Verlauf, wenn Eliza ihrer Mutter den Liebhaber ausspannt und schon bald nach der Hochzeit bemerkt, dass es wohl doch nicht das war, was sie sich vorgestellt hat, wird auch die Sprache erwachsener. Marion Urch entwickelt ihre Sprache parallel zu Eliza, und das liest sich sehr flüssig und bisweilen sogar packend. Sie versteht es, den Leser mitleiden und mitfiebern zu lassen und den Leser neben den Konflikten mit wenigen Sätzen in die vielen wechselnden Orte zu versetzen und somit Stimmungen in Eliza und den verschiedenen Personen einzufangen. Einzig der teilweise recht detaillierten Liebesbeschreibungen hätte es in diesem Umfang nicht unbedingt gebraucht.

Eliza, die sich später Lola nennt, gerät von einer Männerbekanntschaft zur nächsten, erst ungewollt, später geplant, und sie stumpft dabei immer mehr ab. Die Beschreibungen der Charaktere ist treffend und lassen den Leser über Indien, Frankreich, England, Russland, Bayern, Australien und Amerika eine Leben mitleben, dass heutzutage unmöglich erscheint und es für die damalige Zeit erst recht gewesen sein muss. Die Einbettung Lolas Leben in tatsächliche historische Ereignisse wie zu der Zeit, als sie die Geliebte König Ludwigs I. von Bayern war, machen die Erzählung noch eindrücklicher. Gerade dieser Abschnitt dürfte einigen Lesern bekannt sein, der Rest allerdings eher nicht. So ergibt sich allerdings ein beeidruckendes Gesamtbild Lolas.

Insgesamt ist Die Tänzerin das Porträt einer historischen, unglücklichen Frau, die ihr Leben gelebt hat und die sprichwörtlich nichts ausgelassen hat. Marion Urchs Erzählstil ist packend, und durch die verschiedenen Orte, wo sich Lola aufgehalten hat, gibt es ein kompaktes Bild der Welt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die 430 Seiten des Romans vergehen wie im Flug, und man ist geneigt, sich mehr mit dieser interessanten Person zu beschäftigen. Ein gelungener Roman ohne nennenswerte Schwächen, der dem Leser sowohl Exotik als auch Gewohntes präsentiert. Diese Art von einem bunten und abwechslungsreichen und dennoch dichten historischem Roman würde man gern öfter in den Händen halten.

 

Die Tänzerin

Die Tänzerin

Deine Meinung zu »Die Tänzerin«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
29.12.2014 12:02:26
Christian Döring "leseratte"

Versprochen hat mit der Verlag bereits auf dem Cover Einen "Lola - Montez - Roman. Aber erst als ich weit mehr als die Hälfte des Buches gelesen hatte, war klar, dass aus der kleinen in Irland geborenen Eliza Gilbert einst eine viel bejubelte Tänzerin werden würde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erblickte Eliza das Licht der Welt. Ihre Mutter war gerade mal 15 Jahre alt und war nie fähig ihr einziges Kind zu lieben. Mit drei Jahren ging die Familie nach Indien. Ein richtiges zu Hause lernte Eliza nie kennen. Der einzige der sie wirklich liebte war ihr Vater und der starb auf der Überfahrt nach Indien.

Schon bald heiratete die Mutter erneut. Eliza wurde nach England in ein Mädcheninternat geschickt. Endlich hatte Eliza einmal eine wirkliche Freundin gefunden, aber auch hier zerstörte die Mutter wieder alles. Sie kam eines Tages um Eliza zurück nach Indien zu holen. Die Mutter hatte eine Hochzeit mit einem um Jahrzehnte älteren Richter arrangiert. Völlig zu Recht fühlte sich Eliza ungeliebt und herumgeschubst.

Nach vielen Umwegen und sicher auch Glück besuchte sie eines Tages, mit der Mutter hatte sie längst gebrochen, in England eine Tanzschule. Ihr Talent wurde schnell entdeckt, sie wurde sogar nach Spanien zum Unterricht geschickt. Eliza mühte sich, aber ihr wurde gesagt, sie tanze ohne Herz. Sie kam zu einer einfachen Familie für die der Tanz zum Lebensstil, ja zum Alltag gehörte. Als ihr dort eines Tages gesagt wurde: "Sie tanzen wie eine alte Milchkuh auf dem Feld." begriff sie was ihr beim tanzen fehlte und ihr Tanz veränderte sich. Vielleicht war dies auch der Moment in dem aus der Eliza die Lola Montez geboren wurde.

Lola Montez kehrte nach England zurück und das Publikum lag ihr zu Füßen. Ebenso in Dresden, Warschau, Paris und in New York am Brodway. Lola Montez hat hart dafür bezahlen müssen, eine eigenständige, unabhängige Frau sein zu wollen. Vielleicht war sie gar eine der frühen Emanzen.

Die Autorin Marion Urch schreibt in der Ich - Form, damit kommt uns die Irin Eliza und auch die feurige Lola um so näher. Dieses Buch ist nicht nur einfach ein Frauenporträt, es ist auch zugleich die Beschreibung einer fernen Zeit in der die Frauen in gesellschaftlichen Zwängen oft zu Objekten degradiert wurden.

08.05.2012 22:50:25
anath

Dieses Buch bezieht klar Stellung : Pro Lola Montez. Das will was heißen, schließlich ist die Dame eine der größten Skandalnudeln des 19. Jahrhunderts. Viel wurde über ihre Verschwendungssucht geschrieben, über ihre Habgier, über ihre Versuche, politische Persönlichkeiten zu manipulieren. Und ganz klar hat Lola Montez die Menschen in ihrer Umgebung polarisiert - pro und contra Montez. Auch Marion Urch hat sich entschieden, und ihr ist wohl auch durch diesen Schritt eine feinfühlige Romanbiographie geglückt. Hier geht es nicht um das pure Nachzeichnen eines wilden Lebens. Beweggründe werden aufgedeckt, Ursachen erforscht.
Es gelingt der Autorin, den Leser mit in den Bann dieses bewegten Lebens zu ziehen und ihm eine Frau zu zeigen, die schwere Kämpfe auszufechten hat, die sich immer aufs Neue gegen die Widrigkeiten des Lebens behaupten muß um das zu finden, was sie sucht : Selbstbestimmung und Unabhängigkeit.

Das Buch liest sich spannend und schenkt dem Leser viele Informationen über die Zeit, in der die Tänzerin lebte, über die Menschen, die ihren Weg kreuzten und ihn vielleicht auch ein Stück weit gemeinsam mit ihr gingen. Mir hat es gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

Und ansonsten bin auch ich jetzt pro Montez. ;-)

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren