Zeit der Dämmerung

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • , 2009, Titel: 'Das Geheimnis der Rosenlinie: Zeit der Dämmerung', Originalausgabe

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Birgit Stöckel
Mystischer Historienthriller mit einigen Schwächen

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Nov 2010

Bonn Anfang des 17. Jahrhunderts: Der junge Jesuit Maurus van Leuven findet im Kölner Domarchiv eine geheimnisvolle Truhe mit alten Dokumenten, welche er in jahrelanger Arbeit für den Kölner Erzbischof und Kurfürsten Ferdinand von Wittelsbach ordnet. Kurz nach der Fertigstellung werden weitere Schriften gefunden, von denen eine kurz darauf gestohlen wird. Zusätzlich geschehen ein paar brutale Morde. Der kurfürstliche Advokatus Matthias Liebknecht wird mit den Ermittlungen beauftragt und macht sich auf die Jagd nach einem übernatürlich scheinenden Gegner und kommt dabei einem seit 2000 Jahren gehüteten Geheimnis auf die Spur, das die Kirche in ihren Grundfesten erschüttern könnte.

Quer durch die Jahrhunderte

Wilfried Esch legt mit Zeit der Dämmerung den ersten Teil einer geplanten Trilogie um Das Geheimnis der Rosenlinie vor, von der bisher zwei Bände erschienen sind. Der Autor fordert in diesem Buch seine Leser gleich von Anfang an, denn er erzählt nicht linear, sondern aus verschiedenen Perspektiven auf verschiedenen Zeitebenen. Dabei springt er zwischen Jahrhunderten, zwischen Jahrzehnten, zwischen Jahren und sogar innerhalb eines Jahres hin und her. Da fällt es nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten, denn es werden eine Vielzahl von Personen, Daten, Orte und Ereignisse vorgestellt, und die chronologische Reihenfolge zumindest im Kopf herzustellen und zu behalten, ist eine Herausforderung.

Trotzdem gelingt es Esch rasch, Spannung aufzubauen und den Leser bei der Stange zu halten. Es werden viele Fährten ausgelegt, viele Puzzleteile ausgestreut, die es zusammenzusetzen gilt, und viele Fäden nach und nach miteinander verwoben. Der Leser weiß allerdings schon relativ schnell, was sich hinter dem Geheimnis der Rosenlinie verbirgt. Darauf weist bereits der Prolog hin und Kenner von Dan Browns Sakrileg dürfte das Thema ebenfalls bekannt vorkommen. Das tut der Spannung jedoch zunächst keinen Abbruch, denn die genauen Zusammenhänge beginnen sich erst nach und nach zu erschließen und man ist gespannt, wie die einzelnen Protagonisten die bruchstückhaften Informationen langsam zusammensetzen.

Kommafehler über Kommafehler

Erzählt wird Zeit der Dämmerung in einer sehr einfachen, doch gefälligen Sprache, die sich leicht lesen lässt. Hier und da wirkt sie etwas sehr modern, aber das stört nicht weiter. Auffälliger sind da ein paar ärgerliche Rechtschreibfehler, und besonders lästig sind die haufenweise vorkommenden Kommafehler. Dadurch wird man als Leser immer wieder aus dem Lesefluss gerissen, und teilweise muss man Sätze zweimal lesen, um den Sinn zu verstehen. Das hätte ein aufmerksames Lektorat verhindern oder zumindest eindämmen können.

Im zweiten Teil des Buchs wird die Geschichte zunehmend linearer erzählt. Dadurch kann man als Leser den Ereignissen zwar leichter folgen, aber es treten auch zunehmend Längen auf. Besonders da der Leser zu diesem Zeitpunkt schon weiß, welches Geheimnis es zu lüften gilt. Außerdem werden viele Informationen hauptsächlich mit Andeutungen vermittelt, dass man sich fragt, wie die Protagonisten es schaffen, aus diesem geschwurbelten Gerede die richtigen Schlüsse zu ziehen, ohne dass sie über das Hintergrundwissen des Lesers verfügen.

Abflachender Spannungsbogen

Am Ende der Geschichte bleibt einiges offen. Natürlich ist das bei einer geplanten Trilogie nur logisch, doch trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass der Abschluss nicht rund ist. Zu viele Details, die am Anfang eingeflochten wurden, gehen unter. Bleibt abzuwarten, wie Esch das im zweiten Teil gelöst hat - und wie er es schafft, seinen Leser dort noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse in Erinnerung zu rufen, ohne zu langweiligen.

Insgesamt ist Die Zeit der Dämmerung ein überwiegend kurzweiliger Roman, der mit einer Theorie zum Heiligen Gral spielt. Die kleinen Fäden, die nicht konsequent zu Ende geführt werden,  die oftmals umständlichen Erklärungen und das sehr oberflächliche Lektorat verhindern jedoch einen ungetrübten und nachklingenden Lesegenuss.

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