Das Auge des Raben

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Rütten und Loening, 2009, Titel: 'Eye of the Raven', Originalausgabe

Couch-Wertung:

86

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Rita Dell'Agnese
Hier wird bewiesen, dass aus Indianer-Geschichten einiges rauszuholen ist

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2010

Kurzgefasst:

Die Neue Welt im Jahr 1760 - Franzosen kämpfen gegen Engländer um die Vorherrschaft in den Kolonien Amerikas. Mit Hilfe des Schamanen Conawago hat der Schotte Duncan McCallum das Massaker an seinem Clan überlebt, das von den Engländern verübt wurde. Nun ist er zusammen mit Conawago in den Wäldern unterwegs. Doch als sie einen sterbenden englischen Offizier finden, der an einen Baum genagelt worden ist, geraten sie erneut in Schwierigkeiten. Conawago wird verhaftet, weil man ihn für den Mörder hält. Um ihn zu retten, macht Duncan sich daran, die Wahrheit dieses Mordfalls herauszufinden. Bald erkennt er, dass es noch mehr Ritualmorde gegeben hat.

 

Duncan und Canawago sind zurück. Der in die Verbannung geschickte Hochlandschotte und sein indianischer Freund geraten auch im zweiten Band um das ungleiche Duo mehr als einmal in Todesgefahr. Denn mächtige Interessen stehen hinter einer ganzen Reihe von Ritualmorden, in die Duncan und Canawago unglücklicherweise verstrickt werden. Während Duncan von seiner Vergangenheit eingeholt wird, gilt Canawago als Mörder eines Offiziers und soll gehängt werden. Verzweifelt versuchen die beiden, die Situation zu meistern und dem wahren Mörder auf die Spur zu kommen. Doch je mehr sie erfahren, desto verzwickter wird nicht nur die Geschichte, sondern auch ihre eigene Situation.

Spannung und Historie

Wie kaum einer versteht es Eliot Pattison, Spannung mit Historie, angesiedelt in Pennsylvania im Jahr 1760, zu paaren. Weit entfernt von Winnetou und Co. erzählt Pattison die Geschichte der Indianer, die durch die Gier der Weißen nach und nach von ihrem Land verdrängt werden und die Stätten ihrer Vorfahren aufgeben müssen. Aber der Autor verhindert dabei die bei Indianer-Romanen oft zu beobachtende Moralisierung. In beiden Ethnien gibt es vernünftige, liberale und anständige Menschen - aber auch Menschen, die der Gier nach Land, Gold oder Alkohol verfallen, die rücksichtslos morden und zerstören. So entsteht das Bild eines tief gespaltenen Landes, in dem die Tradition der Indianer gegen die Tradition der weißen Siedler steht - sich aber da und dort vereinen könnte. Eine Rolle spielt dabei auch die Sklaverei, die eine weitere Ethnie ins Spiel bringt und zum Bevölkerungsgemisch beiträgt.

Gut erzählt

Die Ritualmorde, die im Zentrum des Geschehens stehen, passen ausgezeichnet ins Bild und tragen viel zur Spannung bei, auch wenn Pattison bei der Beschreibung der Leichen in die Vollen geht. Es wirkt weder voyeuristisch noch speziell gruselig, auch wenn man zeitweise geneigt ist, hinter der Tat einen Besessenen als Täter zu vermuten. Sehr schön spielt Pattison mit dem Leser, lässt ihn ein Stückchen des Mosaiks erkennen, um gleich darauf klar zu stellen, dass es sich hier ausschließlich um ein kleines Teilstück handelt. So wird das Buch - auch wenn der Lesefluss manchmal von etwas gar weitschweifigen Erklärungen gebremst wird - nie langweilig. Im Gegenteil - man mag es kaum aus der Hand legen, um endlich zu erfahren, ob jetzt der Mörder (oder der, den man für den Mörder hält) endlich einen Fehler begeht und sich verrät.

Witzige Sequenzen

Mit seinen Schilderungen über eine spezielle Sportart, die wohl eine Mischung aus Baseball und Football sein könnte, trägt der Autor einige echt witzige Sequenzen bei. Er macht das 18. Jahrhundert in Pennsylvania lebendig, zeigt einerseits den Willen der Einwanderer, sich hier ein Stück Paradies zu schaffen und andererseits die Problematik, die die Verschmelzung der Völker in sich birgt. Er zeigt auch auf, wie nach und nach eine Gesellschaft entsteht, die sich von den Gepflogenheiten der alten Heimat langsam entfernt.

Überzeugende Charaktere

Ein Autor läuft immer wieder Gefahr, Protagonisten, die den Lesern im ersten Band ans Herz wachsen, zu verwässern. Eliot Pattison schien sich dieser Gefahr durchaus bewusst und hat seine Figuren auf eine überzeugende Art weiter entwickelt, ohne dabei in Superhelden-Beschreibungen abzugleiten. Duncan bleibt erfrischend natürlich, Canawago kann sich seine geheimnisvolle Aura bewahren. Und die Figuren, die neu hinzukommen, sind stimmig in ihrer ganzen Art. Obwohl der Autor nicht ohne das Gut- und Böse-Schema auskommt, hat man keineswegs den Eindruck, hier eine platte Personenbeschreibung vorgesetzt zu bekommen.

Schön gestaltet

Eine Erwähnung verdient die Gestaltung des Buches, das anstelle eines Leineneinbandes eine Holzstruktur aufweist und auf diese Weise absolut stimmig zum Roman ist, der vornehmlich in den Wäldern spielt. Anmerkungen des Verfassers und eine übersichtliche Zeittafel vervollständigen den guten Eindruck und lassen kaum Wünsche offen. Einzig ein Personenregister fehlt, es hätte da und dort etwas zur Übersichtlichkeit beitragen können.

Auch wer normalerweise kaum zu Indianer-Romanen greift, wird hier gut unterhalten. Das Auge des Raben kann gut als Einzelband gelesen werden, wenn es auch mehr Spaß macht, die Entwicklung der Figuren von der ersten Zeile an, also bereits im Vorgänger Das Ritual zu verfolgen. Es ist zu hoffen, dass die Reihe um Duncan eine Fortsetzung findet.

 

Das Auge des Raben

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Letzte Kommentare:
29.08.2016 16:43:46
tassieteufel

Nach den hochdramatischen Ereignissen in "Das Ritual" ist Hochlandschotte Duncan McDugall mit seinem Freund und Mentor, dem alten Nipmuc Indianer in den tiefen Wäldern unterwegs. An einer Wegkreuzung finden sie einen sterbenden, an einen Baum genagelten englischen Offizier. Als Conawago dem Strebenden helfen will, taucht dessen Kompanie auf und verhaftet den Indianer als Mörder. Verzweifelt versucht Duncan seinem Freund zu helfen und dessen Unschuld zu beweisen. Da behauptet plötzlich Skanawati, ein einflußreicher Onandaga Häuptling, für den Mord verantwortlich zu sein. Doch dieses angebliche Geständnis birgt große Brisanz, denn es stehen wichtige Landabtretungsgespräche zwischen der irokesischen Liga, Virginia und Pennsylvania an und sowohl die Indianer als auch die Engländer sind untereinander uneins, ein Mordprozess gegen einen hohen Häuptling käme da nicht gelegen. Duncan und Conawago sind aber von Skanawatis Unschuld überzeugt und als weitere Ritualmorde geschehen, ist für Duncan klar, dass er das Rätsel lösen muß, auch um dem Preis, seinem alten Erzfeind Lord Ramsey in die Hände zu fallen.

„Das Auge des Raben“ ist der zweite Roman von Eliot Pattison mit dem Schotten Duncan McCallum und seinem Freund, dem indianischen Schamanen Conawago. Die Handlung setzt inhaltlich und auch recht zeitnah an den Vorgänger an, den man zum besseren Verständnis auch unbedingt gelesen haben sollte.
Die Handlung ist gewohnt sehr komplex und vielschichtig, die Hintergründe für die Morde erschließen sich erst ganz am Ende und durch viele Wendungen und unerwartete Ereignisse wird die Spannung bis zum Schluß hochgehalten. Viele kleine Puzzlestücke setzten sich nach und nach zusammen und ergeben erst am Ende ein sinnvolles Ganzes, bis dahin kann man als Leser mitraten und mitfiebern und möchte das Buch kaum aus der Hand legen.
Wie kein zweiter versteht es der Autor meisterhaft, seine fiktive Krimigeschichte mit realen Ereignissen und Charakteren zu verknüpfen und zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden. Dazu gibt es auch am Ende des Romas eine Zeittafel und Anmerkungen des Autors.
Neben eindrucksvollen Landschaftbeschreibungen gelingt es dem Autor auch ganz wunderbar, die Kultur und Spiritualität der Waldindianer zu schildern, ihre sich schnell verändernde Welt und den Aufprall der Kulturen bildhaft zu erzählen. Hier wird ein plastisches und trauriges Bild der damaligen Zeit skizziert, dass den Landhunger der Weißen, deren Traum von einer neuen, besseren Welt mit der Zerstörung der indianischen Kultur und Lebensweise einhergeht, ebenso gelungen schildert, wie dem Kampf der Indianer um ihre Identität und Kultur.
Als ebenfalls sehr interessant und teilweise auch sehr amüsant, empfand ich die Schilderungen mit der damals neuartigen Elektrizität, die zu einigen doch recht skurrilen Szenen führt, bei der man sich das Schmunzeln nicht verkneifen kann.
Neben Duncan und Conawago hat der Autor auch alle anderen Charaktere lebendig, detailliert und mit Stärken und Schwächen gezeichnet. Ein paar richtige Bösewichte gibt es zwar auch, aber die finden sich ja auch im richtigen Leben.

FaziT: Wie auch der Vorgänger nicht ganz einfach zu lesen, da die Handlung sehr komplex ist und aus vielen kleinen Puzzlestückchen besteht, also nichts zum einfach weglesen! Dafür besticht der Autor mit einer dichten und spannenden Erzählweise, die die damalige Zeit bildhaft zum Leben erweckt, so dass man hier wirklich sagen kann, so könnte es gewesen sein! Eine gelungene Kombination aus Krimi und gut recherchiertem historischen Hintergrund mit lebendigen Charakteren ergeben hier eine ganz tolle Mischung. Schade dass es bisher keinen weiteren Teil mit Duncan und Conawago gibt, aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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