Die Kuppel des Himmels

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2010, Titel: 'Die Kuppel des Himmels', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Gelungener Roman einer Epoche

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Nov 2010

Kurzgefasst:

Rom gleicht einem Hexenkessel. Kriegerische und luxusversessene Päpste beherrschen die heilige Stadt. Es ist die Zeit der Renaissance. Geld spielt keine Rolle. Als der alte Petersdom zur Ruine wird, sieht Papst Julius II. seine Chance gekommen. Er beauftragt Donato Bramante, eine neue Basilika zu bauen. Gewaltiger als irgendeine je zuvor: das größte Gebäude des Abendlandes. Ein Symbol für die Allmacht der Kirche. Doch es gibt erbitterte Gegner, die den Bau verhindern wollen. Sie gehen über Leichen. Ohne seine kluge Geliebte, die Kurtisane Imperia, wäre Bramante verloren. Aber sie fordert von ihm ein großes Opfer. Und dann ist da noch der große Rivale: der geniale Michelangelo...

 

Papst Julius II. ist es Leid, den Petersdom immer mehr verfallen zu sehen. Angespornt von ehrgeizigen Architekten und Baumeistern, ringt er sich dazu durch, den Baumeister Donato Bramante mit einem kompletten Neubau des Petersdoms zu beauftragen. In dieses soll ein riesiges Grabmal eingefügt werden, in dem er einst seine Ruhe finden will und das ihn für alle Zeiten verewigen wird. Konstruiert werden soll dies durch den jungen Bildhauer Michaelangelo Buonarotti, der mit seinen Plänen seine Heiligkeit begeistert und bald nach Carrara geschickt wird, um den Marmor auszusuchen.

Bramante hingegen konstruiert einen Kuppelbau, der das Licht des Herrn einfangen soll. Angespornt von Geldgebern und dem Papst, wird alsbald der Grundstein gelegt, auch wenn er das Grabmal für Julius II. nicht gutheißt. Er beginnt mit dem Bau der vier grossen Ecksäulen, wohl wissend, dass er das Ende des Baus wohl nicht erleben wird, aber dafür soll sein Name für den Beginn und vor allem für die Kuppel stehen. Ob es ein Zentralbau oder ein Langbau wird, lässt er in seinen Plänen völlig offen.

Doch es gibt Neider und Gegner eines neuen Kirchenbaus, und nicht jeder Papst kann sich mit dem Neubau identifizieren. Auch die Plünderung Roms ist für den Bau nicht hilfreich. Bramante kämpft an vielen Fronten, so auch gegen Michelangelo, der verzweifelt aus Rom flieht. Viele Steine werden dem Dombau in den Weg gelegt, bis Bramante stirbt und ein neuer Baumeister gesucht wird. Im Raum schwebt immer wieder ein Name: Michelangelo.

Kleine Geschichten erzählen eine grosse Geschichte

Sebastian Fleming hat mit seinem zweiten Roman Die Kuppel des Himmels nicht nur einen Roman über die Baugeschichte des Petersdoms vorgelegt, sondern auch eine Geschichte der Renaissance verfasst, in der mehrere historische Ereignisse anhand des Dombaus miteinander verwoben werden. Dabei schafft es der Autor mit Leichtigkeit, dem Leser ein Gefühl für die Zeit, als auch für die Schwierigkeiten des Dombaus innerhalb der katholischen Kirche und außerhalb davon zu vermitteln.

Natürlich ist es nicht möglich, einen 120 Jahre dauernden Dombau auf 670 Seiten zusammenzufassen und dabei eine möglichst spannende Geschichte zu erzählen, aber das versucht Fleming auch erst gar nicht. Nach ein paar einleitenden Kapiteln kennt man die zunächst wichtigsten Protagonisten des Buches: den Baumeister Donato Bramante, seinen mehr oder weniger Rivalen Michelangelo, wenngleich letztere viel jünger und unerfahrene und eigentlich Bildhauer ist, und zudem Papst Julius II., der durch geschickte Vorarbeit den neuen Dom in Auftrag geben wird. Um diese drei Personen rankt sich ein Großteil des Romans, und somit hat man einen guten roten Faden gefunden.

Gute Figurenzeichnung

Daher sind auch diese drei Figuren von allen vorkommenden Charakteren (leider fehlt ein Personenverzeichnis, das hilfreich gewesen wäre) am besten gezeichnet. Zahlreiche Nebenfiguren, die man aber nie durcheinander bringt, bringen den Roman voran und leiten so immer wieder in Nebenhandlungen, die zum Verständnis der Zeit und dem Handeln der Leute wichtig sind. So erlebt man Michelangelo in den Steinbrüchen von Carrara, wo er den Marmor für Julius' Grabmal aussucht, Bramantes Geliebte Invita, die sich von ihm trennt, um aus politischen Gründen mit dem Bankier Agostini Chigi zusammen zu leben, sowie Invitas schöne und begehrte Tochter Lucrezia, um nur einige Beispiele zu nennen.

Fleming präsentiert nicht nur bekannte Nebenzweige, sondern auch in unseren Breitengraden nicht so bekannte Ereignisse wie die Sacco di Roma, die Plünderung von Rom im Jahr 1527. Geschickt verwebt er diese Plünderung durch die Teilnahme einer bekannten Figur mit der Rahmenhandlung, und zudem wird die Plünderung politisch begründet und auch gut dargestellt, sodass sie gut ins Gesamtbild passt. Zudem gibt es auch noch Geheimbünde, von denen nie ganz klar wird, ob sie noch existieren oder nicht, aber auch das ist ja den Sinn und Zweck von Geheimbünden.

Im Mittelpunkt steht jedoch immer wieder der Bau des Petersdoms, mit allen Schwierigkeiten um die Architektur und die Bauarbeiter, die auch mit Nebenhandlungen bedacht werden. So entsteht vor den Augen des Lesers ein nahezu komplettes Bild der Zeit, und der Streit nach einem Zentralbau oder einem Langbau des Doms zieht sich durch den Roman wie die Frage nach der Kuppel, die von Bramante entworfen worden, nach seinem Tod aber wieder verworfen wurde. Die Frage, wie eine runde Kuppel auf einen eckigen Bau zu setzen ist, muss erst noch gelöst werden, und es ist schon beeindruckend, wie seinerzeit gearbeitet wurde, ohne die heutigen technischen Hilfsmittel.

Leider keine Extras

Über 670 Seiten und 120 Jahre ist es klar, dass die Hauptperson in diesem Roman der Petersdom sein muss und nicht eine lebende Person sein kann. So erzählen viele kleine Geschichten eine grosse Geschichte, und diese hätte auch gerne statt eines Taschenbuches mit einem Hardcover geadelt werden dürfen. Das Cover zeigt ein Bild der Kuppel des Petersdoms, um die sich letztlich alles dreht. Sie erscheint im Licht, und das ist es auch, was die Architekten wollten: Das Licht des Herrn fühlen lassen, mit dem Vorbild der Kuppel des Pantheons, heute immer noch begehbar und zu erleben. Wer demnächst einen Besuch Roms plant, sollte sich den Petersdom und einen Gang auf die Kuppel nicht entgehen lassen.

So bleibt ein Roman, der nach einer recht langen Einführung immer mehr an Tempo gewinnt und sprachlich immer spannend und gut umgesetzt wurde. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Der Roman, so lohnenswert seine Lektüre ist, ist mit keinerlei Extras ausgestattet. Man hätte einen oder mehrere Grundrisszeichnungen erwartet, eine Personenliste, eine Zeittafel oder ein Nachwort des Autors, aber leider findet sich all dies nicht. Das ist schade, denn es hätte einen stimmigen und gut zu lesenden Roman abgerundet. Dennoch darf man auf einen nächsten Roman des Autors gespannt sein.

 

Die Kuppel des Himmels

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Letzte Kommentare:
22.01.2011 16:00:12
arno

Für mich ist dieses Buch kein Roman über eine Person sondern über ein Bauwerk. Der Hauptprotagonist ist der Petersdom, da können noch so viele Archtikten und Päpste kommen und gehen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen nur das Ende kam mir etwas kurz vor. Aber in diesem Sinne in Erwartung weiterer Bücher von ihrer Hand, ihr Arno Sanders

19.01.2011 19:29:36
Martina

Ich kann bestätigen, dass hier viele kleine Geschichten den Rahmen bilden. Es werden Details gut beschrieben, jedoch fragt man sich später, warum einiges so ausführlich beschrieben wurde, das dann für den Fortgang der Handlung nicht wichtig war.
Die Sprache ist meiner Meinung nach nur Mittelmaß: Am Anfang erscheint sie mir sehr aufgesetzt, künstlich mit "renaissantischen" blumigen Begriffen und Ausdrücken versetzt, und manchmal werden Formulierungen auf aufeinanderfolgenden Seiten gleich mehrmals wiederholt. (So als ob dem Autor ein genialer Ausruck eingefallen wäre, den er unbedingt einbringen wollte.) Gegen Ende jedoch nimmt dieses "blumig-geschwollene" etwas ab und so ist kein durchgehendes Sprachniveau zu erkennen.
Im Großen und Ganzen fehlt mir im Buch der Höhepunkt; am Beginn wird ausführlich erzählt, das Ende wird schnell schnell herbeigeführt.
Irgendwie also nicht so überzeugend.

07.01.2011 16:05:02
Thomas71

Sebastian Fleming entführt den Leser mit seinem Roman "Die Kuppel des Himmels" ins Rom der Renaissance. Gekonnt erweckt er den Baumeister Donato Bramante zum Leben, der von Papst Julius II. den Auftrag erhält, Alt Sankt Peter, den Vorgängerbau des heutigen Petersdomes wieder instandzusetzen und seinen genialen Konkurrenten Michelangelo, der mit Bramante um die gunst Roms streitet. Fleming konzentriert sich dabei vor allem auf die Zeit von 1492 über den Baubeginn 1506 bis zum Tode Bramantes im Jahr 1514. Danach folgt noch ein kurzer Abstecher zum Sacco di Roma im Jahr 1527, um gleich weiter zum Tode Michelangelos im Jahr 1564 zu springen. Danach folgen noch ungefähr 50 Seiten bis zum Bauende 1626, wobei dem Autor die Zeit von 1574 bis 1626 (also immerhin 50 Jahre) gerade mal eine einzige Seite wert ist. Schade eigentlich, denn das Buch liest sich spannend wie ein Krimi und braucht den Vergleich zu einem Werk wie "Die Säulen der Erde" nicht zu scheuen. So allerdings drängt sich der Eindruck auf, dass der Autor das Buch schnell beenden wollte. Da ja ohnehin der Dom das rote Band ist, das dieses Buch zusammenhält, wäre es meiner Ansicht nach schön gewesen, hätte Fleming der ganzen Baugeschichte soviel Aufmerksamkeit geschenkt wie den ersten Jahren und seinen Protagonisten Bramante und Michelangelo...

06.01.2011 13:37:19
Bärbel

Ich habe den Roman ganz gerne gelesen, weil er manch Interessantes brachte - vieles, das ich schon wusste, und einiges, das mir neu war, aber dem uneingeschränkten Lob kann ich mich nicht anschließen. So richtig "Feuer fangen" vermochte ich beim Lesen nicht, mir hat ein held oder eine Heldin gefehlt, mit dem/der ich brennen konnte, und das sprachliche Können fand ich auch nicht überragend, sondern nur durchschnittlich. Stimmt schon, ist eher eine Story, die sich aus kleinen geshcichten zusammensetzt, anstatt eine große, mitrei0ende Linie zu fahren - ein Dom ist eben doch kein Wesen aus Fleisch und Blut - und die brave Kirchengläubigkeit merkt man dem Autor leider doch an vielen Stellen an. Mit hat der Zauber Roms gefehlt, den auch keine (nicht mit gelieferten Bauplöne) hätten bringen können, sondern einzig und allein ein begnadeter Erzähler, den ich hier leider schmerzlich vermisst habe.
Für mich absolut KEIN Historikus, aber doch gutes Mittelmaß, das man gerne lesen kann (aber nicht muss).
70 Punkte.

05.01.2011 13:42:33
didi

Ein sehr spannendes Buch, dessen Geschichte und die vom Autor Erzählungen den Leser in die Vergangenheit reisen lassen und durch dessen vielfaltigen Charakteren man kann das Leben und die Atmosphäre in Rom, und nicht nur, vor 500 Jahren sehr gut kennenlernen .
Das Buch ist kein technisches sonder ein historischer Roman und daher lässt meiner Meinung nach, kein Grundrisszeichnung vermissen. (schliesslich selbst Bramante hatte keine gehabt).
Einfach sehr lesenswert!!!!

30.12.2010 20:09:17
Krevo

Wir reisen ins Rom der Renaissance. Der alte Petersdom wird immer baufälliger und auf seinem steinernen Rücken werden verschiedene Kämpfe ausgefochten. Kämpfe persönlicher, politischer, architektonischer, rechtlicher ja sogar kriegerischer Natur bis hin zu Kämpfen des Glaubens und der Auslegung des Glaubens!
Es ist ein monumentales Werk - der Petersdom und dieses Buch darüber. Denn all die so vielen historischen Begebenheiten und Personen sollen ihren gerechten Wiederhall darin finden!
So ist es anfangs schwierig, sich richtig in die Geschichte ( im doppelten Sinne) hinein zu finden, doch dann faszinieren die Persönlichkeiten und Schicksale rund um Sankt Peter den Leser, selbst das Schicksal des Bauwerkes zieht den Leser in seinen Bann.
Ganz besonders gelungen ist dabei der Einblick in das Genie so berühmter Meister wie Michelangelo, Raffael oder eben Bramante.
Man bekommt eine Ahnung davon, daß Kunst und Architektur wahrlich mehr als nur gutes Handwerk sind!