Schule der Gaukler

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • , 2009, Titel: 'La Cire Perdue', Originalausgabe

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95

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Rita Dell'Agnese
Intensiver Roman mit leisen Tönen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2010

Kurzgefasst:

Die Lebensgeschichte des Gauklers Hardouin, im Gepäck ein in Alkohol eingelegter Hermaphrodit. Es ist aber nicht nur seine Geschichte, sondern auch die Geschichte dieses namenslosen Hermaphroditen, seiner beiden Assistenten Tiécelin und Juan, und dem Grüppchen sonderbarer Menschen, die sich nach und nach dem Gaukler und Schauspieler auf seiner Reise durch Europa anschließen. Die Geschichte streift den Karneval von Venedig, begleitet Kolumbus' Fahrt nach Westen und zu guter letzt auf dem Galgenberg von Marseille.

 

Tiécelin ist sieben Jahre alt, als er sich zusammen mit über 20 anderen Kindern mit phantasievollen Geschichten auf den Hunger- und Kältetod vorbereitet. Im letzten Augenblick holt ihn der Gaukler Hardouin ins Leben zurück. Doch Tiécelin braucht Zeit, um dem alten Gaukler zu vertrauen. Je länger die beiden miteinander unterwegs sind, desto stärker wird die Bindung und so erfährt der Junge nach und nach mehr vom Leben seines väterlichen Freundes. Hardouin bereitet den Jungen sorgfältig auf das Leben vor. Sie ziehen durchs Land und stellen einen in Alkohol konservierten Hermaphroditen zur Schau. Durch die zwielichtige Wahrsagerin Grand Macabre erfährt Tiécelin die Geschichte des "Dings", das ihm zu Beginn großen Schrecken einjagt.

Feinfühlige Figurenzeichnung

Autor Olivier Sillig hat geschafft, was vielen misslingt: Er verbindet einen farbenfrohen und intensiven Roman mit ganz leisen Tönen und legt damit ein außergewöhnliches Buch vor. Dabei sind es vor allem die Charaktere, die die Magie dieser Geschichte ausmachen. Der neugierige Junge Tiécelin ist ebenso überzeugend wie der alte Hardouin, den das Leben viel Geduld lernte. Doch auch Juan, Tiécelins Vorgänger an der Seite Hardouins, ist stimmig und facettenreich charakterisiert. In ihrem Zusammenspiel verschmelzen die Figuren zu einer Gesellschaft, die hervorragend in die letzten Jahre des 15. Jahrhunderts passt. Sie zeugen von einer intensiven Vorstellungskraft des Autors und entwickeln im Verlauf der Geschichte ein so überzeugendes Eigenleben, dass man glauben mag, den Personen einst persönlich gegenüber gestanden zu haben. Ausgesprochen wohltuend ist der Umstand, dass der Autor keine Heldengeschichte erzählt, sondern seine Charaktere zwar als facettenreiche Persönlichkeiten schildert, aber sie nicht mit übernatürlicher Stärke, Schönheit oder anderem ausstattet.

Viele Anknüpfungspunkte

Olivier Sillig hat nicht nur die Welt der Gaukler im 15. Jahrhundert auferstehen lassen, er verknüpft seinen Roman auch äußerst geschickt mit den Ereignissen dieser Zeit. So lässt er etwa Juan teilhaben an der Entdeckungsreise von Kolumbus und schildert auch die Hinrichtungspraxis jener Zeit. Außerdem stellt Sillig das Thema Homosexualität ins Zentrum des Romans, bleibt dabei aber bei den leisen und überzeugenden Tönen und verzichtet auf jede Form von Effekthascherei. So bleibt der Roman auch im Verlauf der immer farbenprächtigeren Geschichte das, was er schon zu Beginn war: ein intensives Leseerlebnis, das den Leser auf eine Reise mitnimmt, deren er sich nicht entziehen kann.

Gelungene sprachliche Umsetzung

Geht man zunächst - wohl nicht zuletzt durch die vom Üblichen abweichende Gestaltung des Buches - mit einer gewissen Vorsicht an den Roman heran, merkt man schnell, dass zwar hier ein hochkarätiger Stoff präsentiert wird, die sprachliche Umsetzung aber keine Verrenkungen des Lesers verlangt. Die Erzählung ist eindringlich, überzeugend und gut verständlich - sowohl der Autor als auch die Übersetzerinnen haben hier ganze Arbeit geleistet.

Schule der Gaukler ist ein Roman, der all jene ansprechen dürfte, die hohe Ansprüche an einen historischen Roman stellen, dabei aber Wert auf gute Unterhaltung legen. Olivier Sillig hat die richtige Mischung gefunden und berührt mit seiner Geschichte die Seele der Leser.

 

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Letzte Kommentare:
28.12.2015 18:19:00
Friedhelm

Ein fulminanter Anfang mit einem starken Plott, versickert leider in einer belanglosen Aneinanderreihung von Episoden. Der 60jährige Autor verliert sich für mich zu oft in Altmänner-Phantasien, die in epischer Länge (wie auch manche Geburten) ausgebreitet werden. Das sind dann die Stellen im Buch, wo man Seiten ohne jeden Verlust überschlagen kann.
Die Idee, einen Zwitters als Ausstellungstück dem Leben des Hardouin mit seinen sexuellen Problemen gegenüberzustellen trägt nicht für das ganze Buch, welches zum Schluss auch noch kein Ende findet. Was für Möglichkeiten bietet doch das ausgehende Mittelalter als Grundlage für einen Gauklerroman, diese hat der Autor leider nicht genutzt und die Protagonisten bleiben blass!
Der Roaman lebt nicht in der "Geschichte" und wesentliche Persönlichkeiten wie Columbus und Jeanne d'Arc verkommen zu Randfiguren. Insbesondere wie die nahe Verwandtschaft der Jungfrau von Orleans in die Geschichte eingeflochten wird ist schon fast grotesk um nicht albern zu sagen.
Leider eine Enttäuschung