Die Farbe der Sonne

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Kindler, 2007, Titel: 'Il colore del sole', Originalausgabe

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Dirk Jaehner
Ein listiger Caravaggio-Roman - lesenswert

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Jul 2010

Kurzgefasst:

Andrea Camilleri reist in seine Heimat Sizilien, um sich die Aufführung einer griechischen Tragödie anzusehen. Doch auf der Insel geschehen seltsame Dinge. Während der Vorstellung steckt ihm ein Fremder einen Zettel zu. Am Tag darauf wird der Schriftsteller mit verbundenen Augen in ein abgelegenes Haus in die Campagna gebracht. Was soll das Spiel? Handelt es sich bloß um die übersteigerte Fantasie des berühmten Krimiautors? Aber nein. In dem Haus trifft Camilleri den Mann vom Vorabend wieder, der über ein bisher unveröffentlichtes Tagebuch des berühmten Malers Caravaggio verfügt. Und so steigt Camilleri ein in die packende Vita des vor vierhundert Jahren verstorbenen Künstlers - und entdeckt, dass dessen Leben bisher nie gekannte Geheimnisse birgt...

 

Italienische Schriftsteller scheinen eine Vorliebe für Geschichten innerhalb von Geschichten zu haben. Umberto Ecos literarisches Mittelalter-Gemälde Der Name der Rose ist ein schillerndes und äußerst virtuoses Beispiel dafür. Andrea Camilleri hat mit seinem Kommissar Montalbano quasi die sizilianische Antwort auf Donna Leons Venezianer Commissario Brunetti geliefert. Diese Figur hat ihn zu Weltgeltung in der Krimi-Leserschaft gebracht, doch ist Camilleri auch auf historischen Pfaden unterwegs. Mit Die Farbe der Sonne schaltet er sich in die Feierlichkeiten zu Caravaggios 400. Todestag (18. Juli 2010) ein. Doch sein historischer Roman ist auch Verbeugung vor Ecos Name der Rose. Denn Camilleri setzt seinen Roman aus angeblichen Bruchstücken des Tagebuches des Malers zusammen und schildert in einer Rahmenerzählung (mit gefühltem heftigem Augenzwinkern), wie er bei einem Theaterbesuch auf Sizilien von einem Unbekannten quasi entführt wird und auf dessen Gutshof eben jenes bislang verschollen geglaubtes Tagebuch zu lesen bekommt. Als ihm klar wird, was er da liest, fertigt er eine Abschrift an. Unvollständig und hastig. Der Roman besteht aus jenen "Abschriften" und schildert Caravaggios Leben von seinem Aufenthalt auf der Insel Malta bis zu seinem Aufbruch nach Palermo von Neapel aus, also etwa die letzten drei Jahre seines Lebens.

Die Sicht des Künstlers

Wie so häufig in der Caravaggio-Literatur versucht auch Camilleri zu erklären, was hinter der geheimnisvollen Farbgebung der Gemälde steckt - die Hauptfiguren sind beleuchtet, der Hintergrund liegt meist im Zwielicht. Der sogenannte Chiaroscuro-Stil wurde im Barock entwickelt und lebt von Hell-Dunkel-Kontrasten, die besondere Dramatik erzeugen sollen und dabei die handelnden Personen in den Vordergrund rückt. Doch Camilleri hat eine andere, vermutlich jedoch erfundene Erklärung parat. Er lässt seinen Caravaggio von einem Augenleiden erzählen, das er "das Licht der schwarzen Sonne" nennt. Zunächst konnte der Maler das Sonnenlicht nicht mehr ertragen, dann, nach einer Behandlung mit einer Tinktur einer Zauberin, wurde das Sonnenlicht schwarz, und Tag und Nacht hatten keinen Unterschied mehr.

Zwischen den Zeilen, in denen Camilleri-Caravaggio sein abenteuerliches Leben mit all seinen Drangsalen, erotischen Intermezzi, Fluchten vor den Häschern des Papstes und des Malteser-Ordens, kleinen und großen Verbrechen - die Caravaggio-Camilleri samt und sonders auf das Niveau eines Dumme-Jungen-Streiches hinunterspielt - lässt sich erkennen, dass das Phänomen der schwarzen Sonne immer in den höchsten Seelennöten am stärksten hervortritt, also so etwas wie eine psychosomatische Reaktion des Körpers auf Seelenqualen ist. Aber das macht einen großen Künstler aus: Er kann seine Gefühlswelt in Kunst umsetzen. Die Frage, ob sich Caravaggios Stil gewandelt hätte, wäre er von Papst und Malteserorden begnadigt worden und hätte ein einigermaßen stabiles Privatleben gehabt, ist müßig, ihre Beantwortung wäre nichtsdestoweniger interessant.

Feine Charakterisierung

Camilleri bedient sich einer historisierenden Sprache, die Übersetzung macht ein etwas holperiges Barock-Deutsch daraus. Oft muss man Sätze mehrmals lesen, um sie zu verstehen. Die Übersetzung strammt von Moshe Kahn, dessen Arbeiten in der Vergangenheit durchaus kritisiert wurden. In diesem Fall passt der eckige Sprachstil jedoch zur Literatur, vervollständigt er doch das Bild eines naiv-genialen Malers, der in seiner Kunst alles, im wahren Leben jedoch so gut wie gar nichts zu tun vermag, ohne dass jemand Anstoß daran nimmt.

Camilleri geht die Caravaggio-Biografie anders als andere an. Er konstruiert mit viel Geschick die Rahmen- wie die Binnengeschichte und schafft eine filigrane und von feinem ironischem Humor durchzogene Charakterisierung eines der einflussreichsten Maler des italienischen Barock. Der Verlag setzt diesem Büchlein das i-Tüpfelchen auf, indem er Farbtafeln der erwähnten Bilder beigibt und ihnen jeweils ein Zitat zuordnet.

 

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