Der letzte Shogun

Erschienen: Januar 1967

Bibliographische Angaben

  • Bebra, 1966, Titel: 'Saigo no Shogun', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Der Untergang des Shogunats und die Öffnung Japans sind nicht mehr aufzuhalten

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2010

Kurzgefasst:

Im Mittelpunkt des fesselnden, in Japan seit seiner Erstveröffentlichung 1966 unverändert erfolgreichen Romans steht mit Tokugawa Yoshinobu der "letzte Shôgun", der 1867 die historische Aufgabe zufiel, die politische Macht an den Kaiser zurückgegeben - zu einer Zeit, da das bisher strikt abgeschlossene Land vor der Entscheidung stand, sich der westlichen Welt zu öffnen; einer Entscheidung, an der sich die Gemüter erhitzten und über der Japan in Aufruhr geriet.

 

In Shiba Ryotaros politischem Roman geht es um den Werdegang Yoshinobus, den fünfzehnten und letzten Shogun des Tokugawa-Shogunats, der im Jahr 1867 die politische Macht an den Kaiser, Tenno Komei, zurückgab und damit das Zeitalter der Shogune beendete. Das Yoshinobu überhaupt Shogun wurde, wenngleich nur für sehr kurze Zeit, gleicht einer Sensation.

In der Tokugawa-Zeit (auch Edo-Zeit genannt) kommt der Shogun aus dem Haus der Tokugawa. Zu dessen drei Nebenhäusern zählen die Häuser Mito, Kishu und Owari. Wann immer es im Haus des Shoguns an männlichen Nachkommen mangelt, stellen im Wege der Adoption immer die Kishu und die Owari den Erben, niemals jedoch die Mito. Die Mito leben wie der Shogun selbst in Edo (heute Tokyo), so dass der Herr des Hauses Mito auch als Vize-Shogun bezeichnet wird. Dieser ist Rekko Nariaki, dessen Frau und Nebenfrauen zahlreiche Kinder zur Welt bringen, darunter "Shichiromaro", den siebten Sohn, Yoshinobu. Dieser wird im Sommer 1848 im Alter von gerade einmal elf Jahren auf Wunsch des Shoguns Ieyoshi als Adoptivsohn in das Haus Hitotsubashi gegeben, einem der drei Zweithäuser der Tokugawa. Ieyoshi ist krank und wird nicht mehr all zu lange leben und sein Nachfolger, sein Sohn Iesada, gilt als schwächlich und geistig zurück geblieben. Da die Häuser Kishu und Owari zurzeit keine männlichen Nachfolger haben, die sie als Erben dem Shogun zur Verfügung stellen können, muss auf die Zweithäuser zurückgegriffen werden. Doch auch hier herrscht Fehlanzeige, und so könnte, zumindest theoretisch, Yoshinobu - durch Adoption ja kein Mito mehr, sondern ein Hitotsubashi - als Erbe in Frage kommen. Zuvor müsste er nur durch Iesada adoptiert werden.

Wenn man sich durch die ersten zehn Seiten des Romans "gequält" hat, um die hier in kurzen Auszügen dargestellten Familienverhältnisse zu verstehen, dann hat man das Schlimmste überstanden und die eigentliche Geschichte kann beginnen. Shogun Ieyoshi stirbt im Juni 1853 zu einem Zeitpunkt, als sich die außenpolitische Lage Japans immer mehr zuspitzt. Der amerikanische Commodore Perry liegt mit einer Armada vor der Küste und will Japan zur Öffnung seiner Grenzen zwingen. Andernfalls droht er mit Krieg. In dieser schwierigen Zeit bedarf es eines entscheidungswilligen Shoguns, da die politischen Geschicke des Landes vom Shogunat, dem sogenannten Schwertadel, geführt werden. Kaiser Tenno Komei und seinem Hofadel obliegen lediglich Verwaltungs- und Repräsentationsaufgaben. Da kommt es natürlich zur Unzeit, dass der junge Shogun Iesada geistig zurück geblieben ist und nur über die Intelligenz eines Kindes verfügt. So übernimmt dessen Mutter Omitsu zunehmend die Regierungsgeschäfte, und da ihr das Haus Mito seit jeher verhasst ist, ist an eine Adoption Yoshinubos durch Iesada nicht mehr zu denken. Fast scheint sicher, dass die einzige Chance Yoshinubas auf das Shogunat für alle Zeiten dahin sind.

Doch die Zeit läuft weiter, Iesada stirbt und der nahezu unbekannte Ii Naosuke reißt die Macht an sich. Von September 1858 bis Ende 1859 sorgt er für eine wahre Schreckensherrschaft in der große Verhaftungswellen das Land überrollen. Hausarreste und Enthauptungen stehen auf der Tagesordnung und so wird auch Yoshinobu unter Hausarrest gestellt. Im März 1860 dann wird Naosuke von geflohenen Vasallen des Hauses Mito ermordet, doch erst zwei weitere Jahre später, im April 1862, wird der Hausarrest Yoshinobus aufgehoben.

Was folgt ist eine spannende Zeit, denn radikal-patriotische Kräfte am Kaiserhof fordern die Grenzen zu schließen und die Fremden zu vertreiben. Tenno Komei stimmt entsprechenden Anträgen zu, ohne jedoch über die militärischen Kräfteverhältnisse informiert zu werden. Yoshinobu ahnt, dass ein Krieg mit den Amerikanern nur zu unnötigen Verlusten führen kann und ist insgeheim für eine Öffnung der Grenzen. Da er sich jedoch nicht offen gegen den Kaiser stellen will, fährt er einen seltsamen Zick-Zack-Kurs, den zahlreiche seiner Gefolgsleute mit dem Leben bezahlen. Als ihm letztlich - nach zahlreichen Wendungen - doch noch das Amt des Shoguns angetragen wird, will er dieses nicht annehmen.

Der letzte Shogun ist kein Roman im "westlichen" Sinne, sondern eher ein "politischer Roman". Der Werdegang Yoshinobus wird genauestens aufgezeichnet und zwischendurch immer mal wieder durch Dialoge unterbrochen. Wie schon eingangs angedeutet, ist der Roman nicht immer leicht zu lesen, da die zahlreichen Namen, Familienverhältnisse und historischen Ereignisse einiges abverlangen. Wer sich hierdurch nicht entmutigen lässt, erlebt einen fundierten Einblick in einen der wichtigsten Abschnitte der japanischen Geschichte und mag sich an zahllosen Intrigen und Ränkespielen erfreuen. Zudem lernt man mit Shiba Ryotaro (1923-1996) den "Schriftsteller des Volkes" kennen, der vor allem in den 1970er Jahren einer der populärsten Bestsellerautoren seines Landes war, wo er als "der Meister des historischen Romans" noch heute verehrt wird. Sein hier besprochener Roman Der letzte Shogun (Erstveröffentlichung in Japan 1966) ist in der edition q im be.bra Verlag erschienen.

 

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