Der Bernsteinbund

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2010, Titel: 'Der Bernsteinbund', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Familienzwist zur Hansezeit

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2010

Kurzgefasst:

1362. Die Hanse ist auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Einflussreiche Kaufleute beherrschen die Städte an Nord- und Ostsee und diktieren Königen und Fürsten ihre Forderungen. Macht hat, wer Geld hat. Im Kampf um die besten Geschäfte ist jedes Mittelrecht. Und so strebt auch der ehrgeizige Lambrech Suterman, Verwalter des mächtigen Handelshauses Grootehus, nach Höherem: dem Patriziat und einem Sitz im Rat der Stadt. Für seine Pläne ist er sogar bereit, das Glück seiner Kinder zu opfern.

 

Bremen im Jahr 1362. Die Frau des Kaufmanns Lambrech Suterman liegt im Kindbett, und es sieht nicht gut für sie aus. Bevor sie stirbt, lässt sie ihren Mann und ihre beiden Söhne auf ihr Kreuz aus Bernstein schwören, das sie um den Hals trägt, dass sie sich immer unterstützen und immer zusammen halten sollen. So entsteht der Bernsteinbund, der allerdings von Anfang an unter keinem guten Stern steht.

Henric, der Ältere, soll dereinst Nachfolger Lambrechs im Geschäft werden, während der jüngere Daniel im Dienste der Kirche steht. Er verliebt sich in das Mädchen Christine, Tochter eines wohlhabenden Geschäftsmanns und Konkurrent der Lambrechs, wird aber nach Italien beordert, um dort Arzt zu werden. Als er nach mehreren Jahren wiederkommt, muss er feststellen, dass Christine inzwischen verheiratet ist - ausgerechnet mit seinem Bruder!

Lambrechs geschäftliches und auch privates Verhalten indes ist nicht immer von der feinen Art, und so wenden sich die beiden Brüder und auch die Tochter Mette mehr und mehr von ihm ab und verlassen sogar die Stadt, um sich von seinem Einfluss zu entziehen. Lambrech schwört Rache und will die Existenzen seiner Söhne zerstören. Doch die Kinder werden in der Ferne nicht nur glücklich, und so führt es sie immer wieder an das Haus des Vaters zurück, der inzwischen vor nichts mehr zurückschreckt.

Nicht genutztes Lokalkolorit

Der Bernsteinbund markiert das Romandebüt von Heike Wolf, das mit 650 Seiten gleich ein ordentlicher Wälzer geworden ist. Er spielt ab dem Jahr 1362, Mettes Geburt, bis 1381 über einen Zeitraum von 19 Jahren und liegt somit in der Blütezeit der Hanse und spielt auch noch an den wichtigen Orten Bremen und Lübeck sowie in weiteren Handelsstädten wie Nowgorod, Danzig und auch in Bologna, wo Daniel seine Ausbildung zum Arzt erfährt.

Viel Potenzial für illustre Begegnungen, geschäftiges Treiben und Bildern und Geschichten aus aller Welt, möchte man meinen. Doch leider beschränkt sich die Sicht der Erzählerin allzu sehr auf die Geschichte der Familie, so dass eine gefällige Atmosphäre, in der man Raum und Zeit einatmen könnte, weitestgehend im Verborgenen bleibt. Das ist schade und sogar fahrlässig, denn gerade bei dieser Handelsthematik hätte das jeweilige Lokalkolorit sehr wohl dazugehört und den Unterschied zur allgemeinen Dutzendware ausgemacht. So wurde das selbst angelegte Potenzial leichtfertig verschenkt.

Ein Roman über familiären Zusammenhalt

Besser ergeht es da den Charakteren, die die Handlung bestimmen. Wenn auch Lambrechs Hass auf seine drei Kinder recht überzogen wirkt und er sich so gar nicht einsichtig zeigt, so sind doch alle anderen Handlungen nachvollziehbar, wenngleich natürlich wie in fast allen Büchern gilt: Hättet ihr mal im richtigen Moment den Mund aufgemacht, wären die meisten Romane nur halb so dick.

Heike Wolfs Erzählstil ist flüssig und sehr lesbar, und so geschieht auch viel auf den 650 Seiten. Dabei geht es neben - natürlich - dem Geld auch viel um Moral, um Ehre und natürlich um den familiären Zusammenhalt. Das Bernsteinkreuz, das der Vater nach dem Tod der Mutter an sich genommen hat und an das er seine Jungen immer wieder erinnert, soll diesen Zusammenhalt symbolisieren, allerdings ist es, wie man schon ahnen kann, damit nicht weit her, wenn der Vater sogar den Mord an einem seiner Söhne plant oder, eleganter ausgedrückt, wissentlich in Kauf nimmt. Wie Hohn kommt es den beiden Brüdern vor, wenn sie gelegentlich ihren Vater mit dem Kreuz sehen. Doch auch unter den beiden ist der Zusammenhalt nicht immer gegeben, und das liegt - auch natürlich - an Christine, Henrics Frau und einst Daniels Geliebter.

Als Henric einmal auf Schiffsreisen ist, kümmert sich Daniel um Christine - mit Folgen, denn sie wird schwanger, ein Umstand, auf den sie mit ihrem Mann schon lange gewartet hat. Sie beschließt, das Kind zu bekommen, zumal es rechnerisch nach Henrics Rückkehr nicht unmöglich wäre. Daniel entzieht sich der Entscheidung und verlässt die Familie, ehe Henric nach Hause kommt und weiß daher nicht, ob es ein Kind gibt oder nicht. Kompliziert ist es in dieser Familie, und einiges wird noch komplizierter, denn auch Mette, die mit Christine mitgegangen ist, ist kein Unschuldslamm. Sie verliebt sich in einen jungen Mann - nicht standesgemäß natürlich - und wird von Henric, der ihr Erzieher ist, in die Ehe mit einem anderen Geschäftsmann gezwungen. Nicht unüblich für die Zeit, insgesamt aber sollte man meinen, dass man doch aus dem eigenen Schicksal etwas über das der anderen gelernt haben sollte.

Unklarheiten in den zeitlichen Dimensionen

Gelegentlich beschleicht den Leser das Gefühl, dass man so viel in so wenig Jahren eigentlich gar nicht erlebt haben kann. Gerade Mette wirkt zu früh zu frühreif, und so geraten manchmal die gesamten zeitlichen Dimensionen etwas ins Wanken. Dafür hört man von Daniel aus seiner Zeit in Bologna und während dieser Zeit fast gar nichts. Das ist schade, hier hätte sich ein schöner Kontrast zu seiner Heimat ergeben, der so einfach umgangen wurde.

Ein vierseitiges Nachwort mit historischen Erklärungen ergänzt einen Roman, der den Leser in ein Auf und Ab an Gefühlen und an Handlung versetzt, der zwischenzeitlich auch richtig spannend ist, letztlich aber nicht komplett zu überzeugen weiß. Wenn die Autorin es schafft, ihren künftigen Werken neben einer spannenden und möglichst plausiblen Handlung auch noch mehr Farbe in Charakteren und Zeit und Ort zu verpassen, dann darf der Leser auf einen nächsten Roman gespannt sein.

 

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