Organisation C

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • , 2007, Titel: 'Organisation C', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Interessanter Blick in die Weimarer Republik

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2010

Kurzgefasst:

Berlin, 1922. Noch immer bestimmen Hunger und Armut das Straßenbild, die Geldentwertung schreitet voran, politische Attentate erschüttern das Land.
Im Grunewald wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden, der neun Monate zuvor erschossen und verscharrt wurde. Kommissar Gregor Lilienthal ist fest entschlossen, den Mörder zu finden, auch wenn die Spuren längst erkaltet sind. Sein Bruder Hendrik, Philosophieprofessor an der Universität, und Diana Escher, physikalische Assistentin von Max Planck, unterstützen ihn dabei mit philosophischem Witz und wissenschaftlicher Gründlichkeit.

Wie sich herausstellt, gehörte der Tote der berüchtigten Organisation Consul an, einer Vereinigung ehemaliger Freikorpssoldaten, die die junge Republik mit Terror und Gewalt bekämpfen. Walther Rathenau steht als nächster auf ihrer Abschussliste. In einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen Hendrik, Diana und Gregor, die Verschwörung aufzudecken und dem Anschlag zuvorzukommen. Doch die Attentäter sind ihnen immer einen Schritt voraus.

 

Berlin, 1922. Kommissar Gregor Lilienthal macht mit seinem Bruder, Philosophieprofessor Hendrik, und deren gemeinsamer Bekannten Diana Escher einen kleinen Wochenendausflug, auf dessen Rückkehr sie bereits von einem Polizisten erwartet werden. Die Leiche eines jungen Mannes liegt im Grunewald. Wie die Obduktion ergibt, sogar schon mehrere Monate, so dass durch die starke Verwesung des Leichnams zunächst eine Identifizierung unmöglich ist. Fest steht nur, dass es sich um einen jungen Mann handelt, der mit mehreren Schüssen hingerichtet wurde.

Der Tote ist Harmut Gensch, dessen Mutter seinen einst besten Freund als Mörder bezichtigt. Eifersucht sei der Grund, denn die beiden Männer waren in die gleiche Frau verliebt. In der Wohnung von Gensch finden Hendrik und Gregor ein Geheimversteck, in dem sich eine Liste mit Namen bekannter deutscher Politiker befindet. Angeführt wird diese von Matthias Erzberger, der wenige Tage vor Genschs Verschwinden im Sommer 1921 einem Attentat zum Opfer fiel. Verantwortlich für die Ermordung des früheren Reichsfinanzministers ist die berüchtigte Organisation Consul, kurz OC genannt, die sich aus früheren Freikorpssoldaten zusammensetzte und seit Erzbergers Ermordung verboten ist. Sollte der Fall Gensch in Zusammenhang mit dem Attentat stehen? Gehörte dieser womöglich selbst der OC an und wer auf der bei Gensch gefundenen Liste ist das nächste Opfer? Es verdichten sich die Hinweise, dass es Walther Rathenau als nächsten treffen wird, doch der will von zusätzlicher polizeilicher Hilfe oder weiterem Personenschutz nichts wissen. Gregor kämpft einen aussichtslos erscheinenden Kampf gegen die Zeit und auch sein Bruder kann ihm trotz seiner philosophischen Erkenntnisse nur bedingt helfen...

Bewährtes Muster

Wie schon in Dunkle Tage werden Hendrik Lilienthal und Diana Escher in die Ermittlungen von Gregor Lilienthal einbezogen, obwohl dies bei dessen Vorgesetzten auf keine Gegenliebe fällt. Überhaupt ist das Dreiecksverhältnis der Protagonisten interessant. Hendrik lebt zwar mit Diana zusammen, beide fühlen sich jedoch nur freundschaftlich einander verbunden und genießen die alltäglichen philosophischen Dispute. Deutlich mehr empfinden Gregor und Diana für einander, doch müsste hier mal jemand den Anfang wagen.

Der Aufbau der Handlung ist dem Muster des Debütromans treu geblieben. Ein Mordfall vor dem Hintergrund der Weimarer Republik wird untersucht, zudem die politischen Ereignisse und Befindlichkeiten umfangreich dargestellt und hin und wieder gelingt Hendrik mit Hilfe der großen Philosophen ein Beitrag zur Lösung des Falles.

 

"Komm schon, du weißt, dass auf unsere Verschwiegenheit Verlass ist! Und es kann nützlich sein, eine Sache von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten. Denk an Schopenhauer!"

"An wen?"

"Schopenhauer. Eine gefasst Hypothese gibt uns Luchsaugen für alles sie Bestätigende und macht uns blind für alles ihr Widersprechende."

Im vorliegenden Fall geht es - der Buchtitel nimmt es vorweg - um die zur Zeit der Handlung in 1922 bereits verbotene Organisation Consul und um die Vorgeschichte der Ermordung von Rathenau - mit der der Roman endet. Dies überrascht nicht und trübt auch keineswegs die Spannung, denn Autor Gunnar Kunz ist dafür bekannt, dass er sich in seinen Romanen eng an der Realität orientiert, und so wäre alles andere als der gewählte Ausgang eine ebensolche Enttäuschung wie Dreistigkeit, denn die bekannte Historie lässt ja nun mal leider nur diesen Weg zu. Interessant, wenngleich aus heutiger Sicht verstörend, ist die Darstellung mehrerer Figuren und deren jeweilige Sichtweisen auf die politische Situation. Genauer auf die Auswirkungen des Weltkrieges, des Versailler Vertrages, der "Novemberverbrecher". Vom reaktionären Deutschnationalen bis zum glühenden Kommunisten, der auf den Einmarsch der Rothemden aus Moskau hofft, ist alles dabei und zeigt, zu welchen drastischen Formen der Verrohung der Erste Weltkrieg, aber auch die großen Nöte der Menschen damals führte.

 

Hendrik musste an eine Äußerung von Walther Rathenau denken, dass der sterbende Mittelstand das gefährlichste Gift im Organismus des Staates sei. Beamte, Handwerker, Geschäftsleute - Menschen wie Hartmut Gensch. Aufgewachsen im Bewusstsein, einem geachteten Stand anzugehören, standen sie plötzlich vor dem Nichts und wurden damit nicht fertig. Eine Generation ohne Perspektive wuchs da heran, erdrückt von Reparationslasten, bedroht von Arbeitslosigkeit und Geldentwertung, gedemütigt von den Siegern des Krieges. Eine Generation ohne Zukunft, ohne Hoffnung. Und Menschen ohne Hoffnung waren zu allem fähig. Hendriks Blick fiel wieder auf den Zettel mit den prominenten Namen. Zu allem.

Es gibt noch nicht viele Autorinnen und Autoren, die die spannende Zeit zwischen den Weltkriegen für das Sujet des Kriminalromans entdeckt haben. Der mehrfach preisgekrönte Robert Hültner, Susanne Goga mit ihrem Kommissar Leo und jüngst Paul Grossman fallen beispielhaft ein. Sie alle haben gemeinsam, äußerst lesenswerte Kriminalromane, welche in der Zeit der Weimarer Republik spielen, geschrieben zu haben. Gunnar Kunz darf sich in diesen Kreis problemlos einreihen.

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