Sterne über Sansibar

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2010, Titel: 'Sterne über Sansibar', Originalausgabe

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Bettina Weiß
Ein Märchen wie aus 1001 Nacht

Buch-Rezension von Bettina Weiß Jun 2010

Kurzgefasst:

Unbeschwert verlebt Sayyida Salima bint Said, die Tochter des Sultans, ihre Kindheit und Jugend auf der Gewürzinsel. Ihr Halbbruder Majid bringt ihr Reiten und Schießen bei, heimlich lernt sie Lesen, Schreiben und fremde Sprachen. Als die junge Frau dem wohlhabenden deutschen Kaufmann Heinrich begegnet, kommen sich zwei Welten näher. Die beiden verlieben sich und schon bald erwartet Salima ein Kind. Für eine muslimische Prinzessin ist ein uneheliches Kind jedoch undenkbar. Eine Heirat mit einem Ungläubigen kommt allerdings nicht in Frage. Als Ausweg bleibt nur die Flucht: Sie muss ihr Leben aufgeben, ihren Namen, ihr Vermögen. In Heinrichs Heimatstadt Hamburg hofft das junge Paar glücklich zu werden. Doch was erwartet Salima in dem kalten, fremden Land, das ihrer Heimat so weit entfernt ist?

 

1844 erblickt Salima als Tochter des regierenden Sultans von Oman und Sansibar und seiner tscherkessischen Nebenfrau auf Sansibar das Licht der Welt. Sie wächst unbeschwert mit den Halbgeschwistern in einem Sultanspalast auf. Sie genießt alle Freiheiten einer Prinzessin und den Reichtum des Palastes. Eine besondere Nähe verbindet Salima mit ihrem Halbbruder Majid, der ihr Reiten und Schießen beibringt. Nach dem Tod des Vaters wird Majid Sultan von Sansibar und Salima lebt in seinem Haus. Als auch Ihre Mutter stirbt, wendet sich das Leben Salimas und sie ist gezwungen, Verantwortung für sich und die ihr Anvertrauten zu übernehmen.

Selbstbewusste Entscheidung für das Leben und ihr Glück

Herangewachsen zu einer jungen und selbstbewussten Frau, lernt sie den deutschen Kaufmann Heinrich Ruete kennen und schon bald lieben. Gegen jede Konvention kommen sich die beiden näher und Salima erwartet bald ein Kind von dem Fremden und Ungläubigen. Für eine sansibarischen Prinzessin sind diese Liebe und das Kind undenkbar. Es bleibt Salima nur die Flucht von ihrer geliebten Insel. Auf beschwerlichen Wegen gelangen Salima und Heinrich nach Europa und in Heinrichs Heimatstadt Hamburg. Dort wollen sie sich niederlassen und ein glückliches Leben führen. Doch Salima kämpft in der Ferne mit dem Heimweh nach ihrer geliebten Insel und um ihr Glück in der neuen Heimat. Was wird das Schicksal im kalten und fernen Europa für Salima bereithalten?

Nicole Vosseler hat sich mit Sayyida Salima bint Sa'id eine historische Persönlichkeit als Hauptperson ihres neuen Romans gewählt. Dies ist nicht ohne Risiko. Als Schriftstellerin Emily Ruete machte sich die omanisch-sansibarische Prinzessin im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts einen Namen. Die Wahl einer historischen Persönlichkeit als Hauptperson eines Romans bewegt sich im Spannungsfeld, einerseits der realen Person treu zu bleiben und andererseits die Lücken in der Biographie mit schriftstellerischer Phantasie auszufüllen. Nicole Vosseler ist das in diesem Roman sehr gut gelungen. Salima wird zu einer Vertrauten, mit der der Leser mitleiden und mitlieben kann. Ihre Sehnsüchte und Träume werden greifbar und ein Stück zu den eigenen Wünschen des Lesers. Die in Europa lebende Emily hingegen bleibt ein bisschen diffus. Aber genau dies passt ganz wunderbar zu Emilys Empfindungen, die in Deutschland nie ganz angekommen und immer ein wenig verloren zu sein scheint. Die anderen Personen bleiben angesichts der raumgreifenden Persönlichkeit Salimas etwas blass, was aber dem Lesegenuss keinen Abbruch tut.

Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Die Beschreibungen Sansibars, des paradiesischen Lebens auf der Insel mit seinen Gerüchen und Düften nach Gewürznelken, Mangos, Orangen, Meer und Wind, aber auch die flirrende Hitze über dem Land nehmen den Leser mit auf eine wunderbare Reise in ein fernes Land. Im Kontrast dazu stehen die Kälte und der Schnee in Hamburg, zudem die hanseatische Distanziertheit der Familie und der Bekannten in Hamburg, unter denen Emily sehr zu leiden hat. Aber auch diesen Herausforderungen wird sich Emily mit Disziplin und Willenskraft stellen. Sie dabei zu begleiten und mit ihr zu fühlen macht den Reiz und die Spannung der Geschichte aus. Entstanden ist ein Roman über eine starke Frau, die um ihr Leben und ihre Liebe gekämpft hat, dabei alles verloren und alles gewonnen hat.

Abgerundet wird der Lesegenuss durch die Gestaltung und Ausstattung des Buches. Den einzelnen Kapiteln sind wunderschöne Illustrationen und sansibarische Weisheiten vorangestellt, die eine sehr gelungene Einstimmung schaffen. Ergänzt wird der Roman von einem Nachwort der Autorin zur Entstehung des Buches und einem Personverzeichnis. Zu erwähnen ist noch das sehr schöne und passende Cover, das einen gelungenen ersten Eindruck bietet.

Insgesamt ein sehr einfühlsamer Roman über ein bewegendes Frauenschicksal aus dem 19. Jahrhundert, die zwischen Orient und Okzident ihr Glück fand und verlor und doch ihren Frieden mit dem Leben machen konnte.

 

Sterne über Sansibar

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Letzte Kommentare:
12.09.2013 09:04:09
LettersFromJuliet

Inhalt

Salima ist eine Prinzessin von Sansibar und sie liebt ihre Heimat. Ihr Vater, der Sultan, stirbt viel zu früh und sie wird in ein Gerangel um den Thron verwickelt und landet danach als Geächtete auf ihrer Plantage im Landesinneren. Als sie dann den deutschen Kaufmann Heinrich Ruete kennenlernt beginnt ihre Welt noch mehr zu schwanken, denn eine Verbindung der beiden ist undenkbar. Sie setzen alles daran um doch zusammen zu leben. Kann sie Sansibar wirklich verlassen und ein Leben in Deutschland beginnen?

Meine Meinung

Wer denkt, dass es sich bei dem Buch um einen kitschigen historischen Roman handelt, der irrt sich. Er handelt von dem Leben einer Frau, die versucht ihren Weg zu gehen.
Das Buch beginnt als Salima noch ein kleines Mädchen ist und endet erst mit ihrem Tod.
Ich wusste vorher überhaupt nicht wo Sansibar liegt, dachte aber an den Orient. Nur zu Info: Es ist eine Insel östlich von Afrika und sowohl afrikanische, als auch arabische Einflüsse.
Zuerst hat mir die Protagonistin sehr gut gefallen und es ist nachvollziehbar, dass sie als Jugendliche/junge Frau so hin und her gerissen ist zwischen ihren Geschwistern. Trotzdem zeigt sich schon dort ihr eher schwacher Charakter. Als sie Heinrich kennenlernt bin ich von ihrem Mut beeindruckt, alles will sie für die Liebe aufgeben. Letztendlich darf sich nicht mehr nach Sansibar zurückkehren und sie führt einen ewigen Kampf, dass es ihr doch wieder gewährt wird. Und ab diesem Zeitpunkt wird sie für mich zu einer engstirnigen Egoistin. Sie sieht nur noch ihr Ziel Sansibar und denkt dabei überhaupt nicht an ihre Kinder. Irgendwann hat mich dann einfach furchtbar genervt und aufgeregt. Als Mutter hat sie für mich absolut versagt.
Es dauert relativ lange, bis Salima endlich Heinrich kennenlernt, aber das Buch hat ja auch ein paar Seiten. Ich mag den Schreibstil der Autorin wirklich sehr gerne und historische Romane sind auch meistens dicker, trotzdem bin ich der Meinung, dass manche Passagen etwas kürzer sein könnten. Teilweise hat es sich doch ziemlich gezogen.
Der Schreibstil für einen historischen Roman angenehm. Oftmals ausschweifend, womit man jedoch bei diesem Genre rechnen musst, da dieser einfach dazugehört.
Ich habe bereits „Der Himmel über Darjeeling“ und „Unter dem Safranmond“ von Nicole C. Vosseler gelesen und beide haben mich begeistert, leider kann ich „Sterne über Sansibar“ nur 3 Sterne geben, da es zu langatmig war und mir die Protagonisten nicht wirklich zugesagt hat. Ich freue mich aber schon auf ihre neuen Bücher!

10.08.2012 13:36:22
Hedwig

Vom Cover her dachte ich, ah wieder so eine kitschige Liebesgeschichte über eine Haremsdame.....
Glatt naneben könnte man sagen, vielmehr habe ich ein Juwel enteckt und dieses Buch mit großem Interesse und einigen Tränen leider viel zu schnell ausgelesen.
Schon die ersten Seiten befördern den Leser in eine andere Welt, die Welt des Orients, einer Insel im indischen Ozean mit Nähe zu Afrika, die Welt um einen Sultan und seine Familie und den Menschen auf dieser Insel.
Die Autorin versteht es, diese Welt perfekt zu beschreiben, vor allem die Menschen und deren Leben und Lebensgewohnheiten.
Es gibt feste Regeln und gerade eine Frau bricht diese Regeln, später könnte man sagen, sie hat dafür schwer bezahlt, aber gab es für sie wirklich einen anderen Ausweg?
Die Jahre des Glücks sind gezählt, mehr zählen die Jahre eines Kampfes, der durch verschiedene Gründe verloren ist. Wer seine Heimat verlässt, ist heimatlos und doch hatte die Tochter eines Sultans keine andere Möglichkeit, als ihre Heimat zu verlassen um in einer fremden Land zu leben´, um zu überleben und ihre große Liebe behalten zu können.

Ein wunderbarer Roman über eine interessante Frau und deren Leben. Man kann ihre Gefühle wirklich gut nachempfinden, die Heimat verloren zu haben, die eigene Welt verlassen zu müssen, in ewiger Sehnsucht danach weiter zu leben und schwere Verluste hinnehmen zu müssen.
Was für ein Roman - toll geschrieben!
Hedwig

25.08.2010 23:28:16
HelgaR

Nach dem sehr berührenden Prolog, beginnt 1851 die Geschichte der siebenjährigen Sayyida Salima bint Said, der Tochter des Sultans, in Sansibar. Mit ihren Geschwistern und Halbgeschwistern verbringt sie eine wunderschöne Zeit mit Spielen und Herumtollen am Strand. Ihr Lieblingsbruder Majid bringt ihr Schießen bei und reitet häufig mit ihr am Strand entlang und heimlich lernt sie sogar schreiben, bis plötzlich ihr Vater stirbt. Danach ist für Salima die Welt nicht mehr so, wie sie sie kannte.

Majid wird als Nachfolger des Vaters Sultan, wodurch er mit Salima nicht mehr so oft zusammen kommt und als dann auch noch ihre Mutter stirbt und sie mit ihren vierzehn Jahren Weise ist, ist sie sehr einsam. Nun hat sie nur noch ihre drei geerbten Plantagen, die sie dann auch selbst bewirtschaftet. Eines Tages lernt sie, während ihrer einsamen abendlichen Aufenthalte auf dem Dach des Hauses, ihren Nachbarn Heinrich, einen deutschen Kaufmann, kennen und mit der Zeit verlieben sich die beiden ineinander. Die Probleme sind vorprogrammiert, da der Islam Salima verbietet eine Beziehung bzw. Ehe mit einem Fremden, einem Ungläubigen, einzugehen. Nachdem Salima feststellt, dass sie Heinrichs Kind unter ihrem Herzen trägt und auf ihre Liebe nicht verzichten will, muss sie Sansibar verlassen.

Nun beginnt ihre Flucht nach Hamburg, in Heinrichs Heimat, und in ihr gemeinsames Leben in Deutschland, allerdings mit einigen Zwischenstationen. Sie bleibt von Schicksalsschlägen nicht verschont und muss sich außerdem mit einem fremden Land und dessen Sprache auseinandersetzten, ihre Sehnsucht und ihre Träume aber gehören nach wie vor Sansibar.

Das Buch ist mit viel Liebe für Details geschrieben, sodass man das Gefühl hat, man befindet sich gerade an Ort und Stelle. Sehr ansprechend ist auch das wunderschöne Cover, mit der Landkarte in den Buchdeckeln und die ganz liebevollen Zeichnungen zu Beginn eines Kapitels. Eine sehr gut recherchierte Biografie, die trotz des Umfangs wunderbar dargestellt ist.

Die Geschichte der Salima ist zum Teil wunderschön, aber doch auch sehr bewegend und traurig. Der erste Teil ihres Lebens in Sansibar ist leicht und glücklich, man kann die ausführliche Beschreibung von Sansibar mit den Düften und Farben richtig miterleben. Man spürt förmlich wie glücklich und verwurzelt sie dort ist. Der Abschnitt in Hamburg hat mir ehrlich gesagt nicht so gut gefallen. Nicht nur, dass Salima nun Emily heißt, weil sie die Religion gewechselt hat, auch kommt mir die Zeit und die Personen dort ziemlich oberflächlich vor. Erst nachdem sie nach Dresden gezogen sind, beginnt es wieder interessanter zu werden.

Die außergewöhnliche Biografie der Salima bzw. Emily Ruete nimmt einen richtig gefangen. Ein Leben zwischen unterschiedlichen Religionen und Welten, beginnend in Sansibar 1851 und endend in Jena 1924. Ein ausgefülltes, aber auch sehr einsames Leben. Das Sprichwort aus Sansibar: „Jede Zeit hat ihre eigenen Schicksale“ trifft es genau.