Die Schlüsselträgerin

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2010, Titel: 'Die Schlüsselträgerin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

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Rita Dell'Agnese
Ganz anders, als der Titel vermuten lässt

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jun 2010

Kurzgefasst:

Sachsen, 825: Gegen den Willen ihrer Familie ist Inga zur Frau des verfeindeten Rothger geworden. Als dieser eines Abends nach einem Saufgelage nicht nach Hause zurückkehrt, findet Inga ihn mit gebrochenem Genick im Wald. Kurz darauf kommt auch Rothgers schwangere Nebenfrau Uta ums Leben. Inga beschleicht ein ungutes Gefühl. Sie fürchtet, mithilfe heidnischer Rituale den Tod der beiden heraufbeschwört zu haben. In ihrer Sorge wendet sie sich an den strengen Mönch Bruder Agius. Schon bald wird deutlich, dass es zwischen Agius und Inga eine besondere Verbindung gibt...

 

Cover und Titel von Simone Neumanns Die Schlüsselträgerin animieren dazu, dieses Buch ganz schnell in eine bestimmte Ecke des Genres zu schieben - und es dort unbeachtet liegen zu lassen. Wer sich mit der Zusammenfassung auf der Buchrückseite beschäftigt, wird jedoch ein erstes Mal aufmerken. 9. Jahrhundert: schon dies lässt darauf schliessen, dass man es hier nicht mit einem weiteren Exemplar von höchst durchschnittlicher Dutzendware zu tun hat. Und tatsächlich, mühelos gleitet man in eine Geschichte hinein, die fesselnd erzählt und ungewöhnlich aufgebaut ist.

Fenster zur Vergangenheit

Sehr geschickt öffnet Simone Neumann das Fenster zur Vergangenheit. Zunächst führt sie ihre Leser auf ein Schlachtfeld und öffnet dort den Fokus auf einen Verrat, der weitreichende Folgen haben sollte. Später setzt sie mit ihrer Geschichte dort ein, wo die Nachkommen die Taten ihrer Väter zu büssen haben. Die Autorin verzichtet auf allzu üppige, theatralische Momente. Sie setzt mehr auf Nähe. Ihre Protagonisten sind so gezeichnet, dass es mühelos möglich ist, in die jeweilige Person zu schlüpfen und das Geschehen aus deren Blick zu betrachten. So kommt ein sehr abwechslungsreiches Leseerlebnis zustande. Ausgesprochen wertvoll ist dabei die scheinbar nebensächliche, aber sehr bildlich gestaltete Beschreibung der Lebensumstände von Hauptfigur Inga. Sie ist es auch, die dem Roman diesen unsäglichen Titel verliehen hat. Ein Titel, der zwar zum Geschehen passt, aber wohl gründlich verkannt wird.

Das Leben in einer "Kommune"

Inga ist mit Rothger verheiratet, der sie einst aus ihrem Elternhaus raubte. Rothger hat sich aber längst einer Nebenfrau zugewandt. Uta wird bald ein Kind von ihm haben, was Inga verwehrt geblieben ist. Die Familie Rothgers - zu der neben seinen zwei Brüdern auch seine beiden Schwestern - ein unerträgliches Zwillingspaar - sowie weitere Personen gehören, bewohnen einen stattlichen Hof. Im grossen Wohnhaus gibt es jedoch nur den einen Raum, in dem alle zusammen schlafen, essen und leben. Dass da Spannungen nicht ausbleiben, ist verständlich. Als Rothger stirbt, muss Inga, die bisherige Schlüsselträgerin und umsichtige Hausfrau die Macht an Ada abgeben, die als Frau des zweitgeborenen Ansgars nun die Rolle der Hausfrau bekleidet. Während Uta aus dem Kreise der Familie ausgeschlossen wird, darf Inga bleiben. Denn Ansgar hat ein Auge auf sie geworfen. Die Sippe kommt aber nicht zur Ruhe. Händel, Mordfälle und böse Verleumdungen lassen die Situation eskalieren. Dass der Versuch Bruder Agius, die Familie zu christianisieren, nicht zur Beruhigung beiträgt, ist verständlich. Denn die Sachsen sind tief in ihrem heidnischen Glauben verankert.

Eingängige Sprache

Simone Neumann pflegt eine gut verständliche, aber eindringliche Sprache. Mit wenigen Worten kann sie Atmosphäre schaffen und den Leser in die Geschichte einladen. Eine Geschichte, die grundsätzlich recht nüchtern erzählt wird, aber gerade deshalb einen eigentümlichen Reiz besitzt. Wer sich bei seiner Lektüre gerne ausserhalb des gängigen Schemas bewegt, wird hier gut unterhalten. Umso ärgerlicher, dass es der Verlag versäumt hat, dieses ungewöhnliche Buch mit entsprechendem Titel und Cover zu versehen. Wenn auch Die Schlüsselträgerin grundsätzlich zum Thema passt, so verleitet er doch zu einem falschen Eindruck.

Von Simone Neumann darf noch einiges erwartet werden. Die Entwicklung von ihrem ersten Roman Die Sanduhr des Teufels zu Die Schlüsselträgerin lässt das Potential dieser Autorin erahnen. Es ist zu hoffen, dass sie dem Genre treu bleiben wird.

 

Die Schlüsselträgerin

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Letzte Kommentare:
24.03.2011 10:35:57
Silky

Dieses Buch ist genau meine Geschmacksrichtung.Die Lebensumstände der damaligen Zeit werden toll beschrieben und die Protagonisten bekommen schnell ein Gesicht. Simone Neumann schweift nicht ab, sondern hält den Spannungsbogen mit ihrem einfachen aber fesselnden Schreibstil bis zum Schluss aufrecht.
Inga war, bis zum Tode ihres Mannes, die Herrin des Hauses Hilgers und somit die Schlüsselträgerin. Danach muss sie diese aber an ihre Schwägerin Ada abgeben und auch diese "Schlüsselträgerin" spielt eine bedeutende Rolle womit ich den Titel dieses Romanes garnicht so schlecht gewählt finde.
Es war ein tolles Lesevergnügen mit spannender Unterhaltung.

15.03.2011 13:41:23
Henriette

Inga ist mit Rothger verheiratet. Sie wurde in der Familienfehde entführt und musste Rothger ehelichen. Sie führt neben Rothger den Hof, sie hatte die Schlüsselgewalt. Eines Tages kommt Rothger nicht nach Hause. Er war bei einem Saufgelage mit Nachbaren. Inga findet in am nächsten Tag mit gebrochenem Genick. Als Witwe muss sie die Schlüssel an die Schwägerin Ada abgeben. Adas Mann Ansgar ist der rechtmäßige Erbe. Nun kann Inga nur noch mit Aufgaben, wie eine Magd, ihr Leben fristen, denn aus ihrer Ehe gibt es keine Nachkommen. Etwa zur selben Zeit versuchen Mönche in der Gegend den christlichen Glauben zu verbreiten. Mit der Zeit lernt Inga die beiden Mönche näher kennen. Und der Mönch Agius gefällt ihr besonders.
Doch es bleibt nicht nur beim Tod von Rothger, auch die Nebenfrau von Rothger verschwindet auf unerklärlicher Weise und wird eines Tages tot aufgefunden.
Inga wird bald auf dem Hof ihres Schwagers nicht mehr geduldet. Sie findet eine Bleibe und verdingt sich als Kräuterfrau.
Und doch hören die Todesfälle nicht auf. Und das Band zum Mönch Agius wird immer stärker.

Leider muss ich gestehen, dass mir das lesen dieser Geschichte nicht leicht gefallen ist. Der Schreibstil war der Zeit des 9. Jahrhunderts angelehnt und für mich nicht so schön zu lesen.
Was mir besonders gefehlt hat, war die Spannung in der Geschichte. Es verlief immer gleich, ohne Höhen und Tiefen. So hatte ich nie das Gefühl: Oh, ich muss unbedingt weiterlesen und sehen, wie es weitergeht. Schade eigentlich, man hätte bestimmt mehr aus der Geschichte machen können.

[B]Fazit:[/B] Für diese leider nicht ganz so gelungen Unterhaltung kann ich nur drei von fünf Sternen vergeben.

20.12.2010 12:39:19
Lexa

Inga ist ein Mädchen nach meinem Geschmack: jammert nicht, labbert nicht viel, denk mit und kombiniert. Ohne viel Geplauder ist man mitten in der Geschichte ohne Längen. So eigenwillig wie die Protaginistin, so ist auch die ganze Handlung des Buches. Ohne große Dramatik werden Szenarien erzählt, die das Blut gefrieren lassen. Anschaulich eingebettet ist die Lebensweise und das Drumherum im frühen Mittelalter. Der flüssige schnörkellose Schreibstil und die wendungsreiche Geschichte haben das Buch für mich zu einem echten Leserlebnis gemacht.
90 Punkte

Zeitpunkt.
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