Das Buch des Teufels

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2008, Titel: 'Revelation', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Für Freunde historischer Krimis aus England eine klare Empfehlung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2010

Kurzgefasst:

Der Ostertag des Jahres 1543 wird für Anwalt Matthew Shardlake zum schlimmsten Tag in seinem Leben. Denn an diesem Morgen findet er die brutal zugerichtete Leiche seines Freundes Roger Elliard in einem Brunnen. Bald darauf wird ein neues Opfer gefunden, ebenso brutal zugerichtet, und wie Elliard liegt auch dieser Leichnam in blutrotem Wasser. Ein Glaubenseiferer, der auf diese Weise das Ende der Welt herbeiführen will? Oder einer, der vom Teufel besessen ist? Und welche Rolle spielt das Buch der Offenbarung nach Johannes mit seinen apokalypthischen Prophezeiungen? Matthew Shardlake fürchtet, dass es noch weitere Opfer geben wird.

 

London im Jahr 1543. Am Ostersonntag findet Matthew Shardlake seinen Freund Roger Elliard grausam ermordet in der Brunnenanlage in Lincoln's Inn, der Arbeitsstätte zahlreicher Anwälte. Da der zuständige Coroner kaum Interesse an der Aufklärung des Mordfalles zeigt, beschließt Shardlake zusammen mit seinem Rechtsgehilfen Jack Barak auf Spurensuche zu gehen. Wenige Tage später kommt es zur Verhandlung vor Gericht, bei der der zweite Coroner des Königs, Sir Gregory Harsnet, die Sitzung leitet. Doch zum Entsetzen von Elliards Witwe und zum großen Erstaunen Shardlakes ist für diesen der Sachverhalt schnell zu den Akten gelegt: "Dieser Fall ist nicht zu klären, weil der Mörder nicht gefasst werden kann." Als Shardlake daraufhin interveniert, bittet ihn Harsnet ihn nach Lambeth Palace zu begleiten, wo Thomas Cranmer, der Erzbischof von Canterbury, residiert.

Cranmer verpflichtet Shardlake zu Stillschweigen und enthüllt ihm, dass der Mord an Elliard nicht der erste brutale Mord dieser Art ist. Offenbar treibt ein Serienmörder sein Unwesen, und was die Angelegenheit noch schlimmer macht, ist auch die höhere Politik im Spiel. Das erste Opfer war Dr. Gurney, Leibarzt des kürzlich verstorbenen Lord Latimers, dessen Witwe Lady Parr begehrlich vom König Heinrich VIII. umworben wird. Ein Mordfall in der unmittelbaren Umgebung von Lady Parr könnte jedoch den abergläubischen König womöglich von seinen Hochzeitsplänen abbringen, und so versucht eine kleine Gruppe einflussreicher Personen unter Führung von Erzbischof Cranmer, die Vorfälle geheim zu halten. Die Hochzeit soll auf jeden Fall stattfinden, da man sich so einen deutlichen Einfluss beim König vor allem in religiösen Fragen erhofft. Seit einiger Zeit tobt nämlich ein intensiver Kampf zwischen reaktionären und reformierten Kräften, die sich unversöhnlich gegenüber stehen. Lady Parr, die mit einer Zusage an den König zaudert, könnte diesen auf die Seite der Reformer ziehen.

So ermitteln Shardlake und Harsnet in geheimen Auftrag fortan gemeinsam. Schon bald besteht Gewissheit, dass ein Serienmörder unterwegs ist, denn weitere grausame Morde geschehen. Dabei scheint sich der Täter auf die Offenbarung des Johannes zu beziehen, denn die Begleitumstände der Morde weisen erstaunliche Ähnlichkeiten zu den sieben Schalen des Zorns auf. Eile ist geboten, denn die Abstände in denen der Mörder zuschlägt werden immer kürzer...

Detaillierte historische Atmosphäre

C. J. Sansom hat mit seinen Matthew-Shardlake-Romanen eine beliebte Serie erschaffen, die einen unmittelbar in das England des 16. Jahrhunderts führt. Hier treibt sich zahlloses Bettelvolk auf den Straßen umher, überall lärmt und stinkt es abscheulich. Zwei große Meeresungeheuer, die am Ufer der Themse gestrandet sind, halten zudem die einfachen Leute in Atem. Nicht wenige halten die Wale irrtümlich für den Leviathan, jenes Ungeheuer aus der Meerestiefe, dessen Erscheinen der Wiederkunft Christi vorausgeht. Auch neue Berufe wachsen und gedeihen, so haben vor allem die Zahnreißer Konjunktur, da es einer neuen Mode der Wohlhabenden entspricht, sich die gesunden Zähne junger Menschen auf eine Holzschiene zu stecken und diese als Zahnersatz zu nutzen.

Die historische Atmosphäre wird von Sansom gewohnt detailliert eingefangen und wiedergegeben. Zudem nehmen die religiösen Konflikte zwischen Papisten und Reformern einen nicht unwesentlichen Teil des Buchumfanges in Anspruch. Diese prägten bekanntlich die späten Regierungsjahre Heinrichs VIII. Durch das Mitwirken mehrerer historischer Persönlichkeiten, wie zum Beispiel dem Erzbischof Cranmer, kommt noch zusätzliche Authentizität in den Roman. Dieser fällt mit über 640 Seiten allerdings sehr umfangreich aus, was auch an einer Side-Story liegt, die gerne hätte entfallen können. Es sei denn, sie spielt für zukünftige Romane noch eine Rolle. Unverständlich ist zudem, dass die eigentliche Arbeit des Anwaltes (!) Shardlake - sofern überhaupt - nur sehr oberflächlich beschrieben wird.

Die Figuren, allen voran der Protagonist Shardlake, sind gelungen und nicht übertrieben gezeichnet. Wie bei Romanserien üblich, gibt es zahlreiche Wiedersehen mit Personen, die bereits in den vergangenen Büchern vorkamen, und so entwickelt sich selbst Shardlakes Privatleben langsam voran. Der kriminalistische Teil der Geschichte ist ordentlich geplottet und überzeugend, wenngleich der Roman - wie schon erwähnt - durchaus etwas kürzer sein dürfte, da der Spannungsbogen nicht durchgängig aufrecht erhalten werden kann. Schnell wird klar, dass die sieben Schalen des Zorns aus der Offenbarung des Johannes eine zentrale Rolle spielen und somit versteht es sich fast von selbst, dass noch mehrere Morde geschehen müssen, bis die nicht ganz überraschende Auflösung folgt. Eine wiederholt vorkommende Andeutung auf die Lösung gibt es jedenfalls.

 

Das Buch des Teufels

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Letzte Kommentare:
10.07.2014 10:13:55
tassieteufel

Als Anwalt Matthew Shardlake am Ostertag die brutal zugerichtete Leiche seines Freundes Roger Elliard im Brunnen von Lincolns Inn findet, gibt er dessen Witwe Dorothy ein folgenschweres Versprechen, nämlich den Mörder ihres Mannes zu fassen. Doch damit gerät er nicht nur selbst in große Gefahr, sondern begibt sich auch wieder in die Gefilde der hohen Politik, die er eigentlich meiden wollte. Nach ersten Nachforschungen stellt sich heraus, dass Roger nicht das erste Opfer des Mörders war. Die Taten des Mörders scheinen religiös motiviert und der Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer, hat die Morde zur politisch brisanten Geheimsache erklärt. In Cranmers Auftrag machen sich Matthew und sein Gehilfe Barak auf die Suche nach einem Serienmörder, der es scheinbar auf abtrünnige Reformer abgesehen hat.

Der inzwischen 4. Fall für den Anwalt Matthew Shardlake entführt den Leser erneut in die Tudorzeit unter Heinrich dem VIII. Der König steht wieder mal vor einer Heirat, diesmal mit Lady Cathrine Parr, die auf Seiten der Reformer steht. Der Arzt ihres kürzlich verstorbenen Gatten, Dr. Gurney war das 2. Opfer des Serienmörders und religiös bedingte Morde im Umfeld von Lady Parr will Erzbischof Cranmer unbedingt vor dem König verheimlichen, doch das bedeutet auch, dass die Morde vor der breiten Öffentlichkeit und vor allem vor den erstarkenden Papisten verschwiegen werden müssen. Daher gestalten sich Matthews Ermittlungen doppelt schwer. Zudem hat der Anwalt in einer Nebenhandlung noch einen Fall von religiösem Wahn zu vertreten, hier muß er einen jungen Mann vor der Anklage der Häresie und dem drohenden Scheiterhaufen bewahren. Bis der Fall restlos geklärt ist, muß Adam Kite im Irrenhaus Bedlam verbleiben und auch diese Unterbringung bereitet Matthew einigen Ärger und viel Arbeit. Gerade durch diesen Fall erfährt man viel über den medizinischen Stand der damaligen Zeit und den Umgang mit Geisteskrankheiten. Wie in allen Vorgängern, so ist auch diesmal wieder der historische Hintergrund hervorragend recherchiert und in die Geschichte eingebunden. Das London des Jahres 1543 ersteht quasi vor den Augen des Lesers und man kann in die aufgeheizte Atmosphäre eintauchen. London wird regelrecht von Bettelvolk überschwemmt, ein Resultat der Auflösung der Klöster, das viele Menschen obdachlos und zu Bettlern werden ließ. Zudem spitzt sich der religiöse Konflikt zwischen Reformern und Papisten immer mehr zu und droht zu eskalieren. All das wird beim Lesen greifbar, ebenso wie die Sorgen und Nöte der einfachen Menschen, die zwischen den religiösen Zwistigkeiten aufgerieben werden. Und auch Matthew Shardlakes Entwicklung schreitet weiter voran, der einst glühende Reformer wendet sich mehr und mehr vom Glauben ab und hinterfragt die Entscheidungen der Mächtigen.
Aus den Vorgängern trifft man viele Figuren wieder, die man inzwischen lieb gewonnen hat und kann auch deren Entwicklung weiter verfolgen, wie z.B. bei Barak und Tamasin, die nun verheiratet sind und mit diversen Problemen kämpfen oder Guy, der inzwischen als Arzt praktizieren darf und natürlich stößt man auch auf einige unsympathische Charaktere wie Anwalt Bealknap, der ein extrem unangenehmer Zeitgenosse ist. Das Auftauchen von div. historisch verbürgten Charakteren wie Erzbischof Cranmer, Thomas Seymour oder Cathrine Parr verleiht der Geschichte zusätzlich Authentizität und trägt zum stimmigen Gesamtbild bei.
Die Jagd nach dem Mörder ist spannend und wendungsreich geschildert und die Lösung am Ende in sich schlüssig, so dass keine Fragen offen bleiben. Zwischendurch gibt es ab und an ein paar kleine Längen, da hier die Nebenhandlungen etwas vom Krimifall ablenken, da aber in diesen Szenen der historische Hintergrund und die Figuren weiter beleuchtet werden, stört das beim Gesamtkonzept in keiner Weise.

FaziT: wer einen anspruchsvollen historischen Krimi mit einem spannenden, gut durchdachten, kniffligen Krimifall, authentischen und lebensnah gezeichneten Charakteren und mit einem bildhaft und detailliert geschilderten historischen Hintergrund sucht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Auch der 4.Teil der Serie überzeugt restlos!

15.11.2013 21:45:54
Derfel

Das Buch ist gut, keine Frage.
Richtig fesselnd wird es aber erst ab der Mitte. Vorher erfährt man viel aus dem Leben von Master Shardlake, Barak und dem Leben allgemein im damaligen London.
Hat man die ersten drei Bände gelesen, so weiss man, was einen erwartet. Und man kann gut mit den handelnden Personen mitgehen.
Etwas verwirrend sind die religiösen Unterschiede und man muss manche Passagen überdenken, wer nun auf welcher Seite steht.
Ein Lob dem Autor, der sehr penibel recheriert.
Für historische England-Fans ein Muss, dür andere Leseratten die auf Spannung stehen aber auch zu empfehlen.

02.09.2012 15:04:01
Stefan83

Nachdem die ersten drei Bände vor allem im Punkto historischer Authentizität und Atmosphäre geglänzt haben, kommt Matthew Shardlakes vierter Auftritt auch endlich richtig spannend daher - das weitschweifige Geschwafel kann Sansom aber auch diesmal nicht ganz sein lassen. Und auch der naive, dauerjammenrnde Gutmensch Shardlake ist weiterhin vor allem nur eins - nervig. Das fällt jedoch weniger ins Gewicht, da der Fall um rituelle Serienmorde in London stets bei der Stange hält. Eine Prise Jack the Ripper hier, ein bisschen Paul Harding da - Sansoms Rezept schmeckt. Endlich, muss ich sagen, denn die Würze hat den irgendwie sterilen Vorgängern doch etwas gefehlt. Insgesamt ein überzeugender, schaurig-spannender Historien-Krimi, dessen überraschendes Ende ein sehr gutes Leseerlebnis abrundet.

12.10.2011 14:16:14
€nigma

Dieses Buch ist der vierte Band aus der Serie um den Anwalt Matthew Shardlake.
Nach seinen vergangenen Abenteuern hat Shardlake genug von der Politik und befasst sich nur noch mit der rechtlichen Vertretung der "kleinen Leute". Er ist gerade damit beschäftigt, einen offenbar an religiösem Wahnsinn leidenden Jugendlichen vor einer Anklage wegen Häresie( möglicherweise mit anschließendem Tod auf dem Scheiterhaufen) zu bewahren und den Jungen stattdessen in "Bedlam", dem Irrenhaus, sicher unterzubringen, als sein Kollege und guter Freund Roger Elliard bestialisch ermordet aufgefunden wird. Shardlake verspricht der Witwe, den Täter ausfindig zu machen und ahnt nicht, dass er damit wieder ins Getriebe der Politik gerät, das er doch unbedingt meiden wollte.
Es stellt sich nämlich bald heraus, dass dieser Mord keine Einzeltat, sondern das Werk eines Serienkillers ist und dass der Mordserie politische, bzw, religiöse Motive zugrundeliegen könnten.
In London beobachtet man das Werben König Heinrichs VIII um die gerade verwitwete Catherine Parr . Die reformerischen Kreise (Hardcore Protestanten) möchten Catherine Parr als Königin sehen, denn sie erhoffen sich durch ihren Einfluss eine Rückkehr des Königs auf protestantischen Kurs, nachdem er zuvor unter dem Einfluss der Howards (Verwandtschaft der vorherigen Ehefrau Catherine Howard ) bedauerlicherweise papistische Tendenzen - nur ohne Papst - gezeigt hatte. Ist die Mordserie, der abtrünnige Protestanten zum Opfer fallen, ein Versuch, die Heirat des Königs mit Catherine Parr zu hintertreiben?
Es ist mal wieder Matthew Shardlake, der auf eine neue Spur gelangt und erkennt, dass die Morde einer biblischen Vorlage folgen, die er im "Book of Revelation" (Offenbarung nach Johannes) findet...
Die weitere Handlung beschreibt spannend, abwechslungs- und kenntnisreich die Jagd von Shardlake, seinem Assistenten John Barak und der Seymour-Brüder (Brüder der verstorbenen Queen Jane und Onkel des Thronfolgers Edward) unter der Oberaufsicht des Erzbischofs von Canterbury, Thomas Cranmer . Die Charakterisierung der Figuren ist sehr ausgefeilt und meiner Meinung nach wahrheitsgetreu gelungen: Cranmer ist klug, sachlich abwägend, aber auch sehr menschlich, Thomas Seymour ist dagegen impulsiv, selbstgefällig, berechnend und oft arrogant, andererseits aber unbestritten mutig und ein strategischer Denker. Auch die Charaktere der fiktiven Figuren zeichen sich durch realistische Grautöne im Gegensatz zur Schwarz-Weißmalerei anderer Romane aus.
Neben der eigentlichen Krimihandlung erfährt man auch interessante Einzelheiten über die Zustände in den Irrenhäusern der Tudorzeit und über die medizinischen Neuerungen, die sich durch die Veröffentlichung der bahnbrechenden Werks "De humani corporis fabrica" des Reformators der Anatomie Andreas Vesalius ergaben.
Es handelt sich hier um einen sehr komplexen, sowohl inhaltlich als auch sprachlich anspruchsvollen Roman, der dem Leser Lust auf den demnächst erscheinenden fünften Fall von Master Shardlake macht. Man sollte allerdings für die Lektüre Zeit und eventuell auch zusätzliche Recherchen einplanen, falls man mit der englischen Geschichte nicht besonders vertraut ist.

Kein Buch für zwischendurch, aber ein Leckerbissen für Freunde anspruchsvoller historischer Kriminalromane.

23.08.2010 21:51:11
anath

Wieder ein ausgesprochen spannendes Buch um den sympathischen Matthew Shardlake. Und ich muß sagen, Sansoms Schilderung der damaligen Zeit ist so packend, daß ich die Ängste, die Bedrohlichkeit der Atmosphäre , regelrecht spüren kann. Shardlake spielt nicht ganz oben mit im Gefüge der Macht, aber er gehört auch nicht zu den untersten Schichten. Sein Blick aus der Mitte der Gesellschaft heraus bietet ein breites Spektrum. So entsteht neben dem Krimi ein Sittengemälde der Zeit wenige Jahre vor dem Tod Heinrichs VIII.. Schon allein dieses lohnt das Lesen. Der Krimi selbst bietet Spannung und Rätsel, obwohl viele der Fakten doch recht offensichtlich sind. Aber vielleicht ist das nur für uns Heutige mit unserem Wissen über Terroristen und psychisch kranke Serientäter mit Sendungsbewußtsein so - manches hat mich tatsächlich an den Film "Sieben" erinnert. Natürlich hatten die Menschen der Renaissancezeit dieses Wissen noch nicht - was die Lösung des Rätsels für sie nicht einfacher machte. Und ich finde es ausgesprochen lobenswert, daß Sansom nicht einen Dr. Allwissend aus dem Hut zaubert sondern Shardlake in dem Rahmen agieren läßt, den seine Zeit eben so zu bieten hat - damals neue wissenschaftliche Erkenntnisse eingeschlossen.
Insgesamt also ein großer bunter Bilderbogen, der nahtlos an die Vorgänger anschließt, viel Spannung und Atmosphäre bietet und sich auf jeden Fall zu lesen lohnt.

08.08.2010 10:30:29
erich wihler

Leider war das "Buch des Teufels" der erste Roman von C.J.Sansom den
ich gelesen habe. Gut und spannend geschrieben keine Frage.
So spannend, daß ich mir inzwischen "Feuer der Vergeltung und "Pforte
der Verdammnis" zugelegt habe.
Einziges Manko - diese Romane spielen vor dem erstgelesenen Buch,
so daß noch nicht alle Personen mitspielen.

19.05.2010 18:14:30
tweedy39

Meine Meinung:

Das bislang beste Buch der Reihe um Matthew Shadlake. Wer in die Tudorzeit eintauchen möchte, sollte dieses Buch lesen. Der Autor schreibt so, dass man das alte London bildlich vor Augen hat, es riecht und fühlt. Es ist unglaublich spannend zu lesen, wie das Mittelalter endet und die Renaisanncezeit beginnt und wie schwierig es für die Menschen gewesen sein muss. Die Charaktäre sind so gut ausgearbeitet, dass es eine Freude ist, sie bei der Jagd nach dem Mörder zu begleiten. Der Roman lässt sich flüssig lesen und entwickelt eine unheimliche Sogwirkung, die mich das Buch nur schwer hat aus der Hand legen lassen.

Ich freue mich auf Band 5, welcher demnächst auf Englisch erscheint, und hoffentlich ins Deutsche übersetzt wird