Madame empfängt

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2010, Titel: 'Madame empfängt', Originalausgabe

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82

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Bettina Weiß
Giftmorde in Frankfurt erschüttern die bürgerliche Welt des Biedermeier

Buch-Rezension von Bettina Weiß Feb 2010

Kurzgefasst:

Frankfurt, 1836. Eine Serie von Giftmorden an jungen Dienstmädchen, die alle nebenbei der Prostitution nachgingen, erschüttert die Stadt am Main. Augenzeugen haben keine Zweifel, dass der Täter der besseren Gesellschaft angehört. Der ebenso verschlafenen wie korrupten Polizeibehörde gelingt es aber nicht, dem Mörder auf die Spur zu kommen.
Empört über so viel Unfähigkeit und Ignoranz beginnt die Frankfurter Dichterin Sidonie Weiß, gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Johann Konrad Friedrich, auf eigene Faust zu ermitteln ...Frankfurt, 1836. Eine Serie von Giftmorden an jungen Dienstmädchen, die alle nebenbei der Prostitution nachgingen, lässt die heile Fassade der Stadt am Main bröckeln. Augenzeugen haben keine Zweifel, dass der Täter der besseren Gesellschaft angehört. Der ebenso verschlafenen wie korrupten Polizeibehörde unter der Leitung von Oberinspektor Brand gelingt es aber nicht, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Nach dem Dafürhalten von Presse und Obrigkeit handelte es sich bei den Opfern ohnehin um »liederliche Weibsbilder«, deren schlimmes Ende nicht verwunderlich sei.
Empört über so viel Unfähigkeit und Ignoranz beginnt die Frankfurter Dichterin Sidonie Weiß, gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Johann Konrad Friedrich, auf eigene Faust in den mysteriösen Mordfällen zu ermitteln. Unterstützung finden die beiden bei dem Arzt und städtischen Leicheninspektor Heinrich Hoffmann. Ihre Nachforschungen führen Fräulein Sidonie, Johann und Doktor Hoffmann in die Salons des großbürgerlichen Frankfurts, aber auch in die schäbigen Dachkammern der Dienstboten...

 

Frankfurt am Main in Jahre 1836. Der gewaltsame Tod eines Dienstmädchens, das seinen kargen Lohn als Gelegenheitsprostituierte aufbesserte, findet zunächst wenig Beachtung in der bürgerlichen Gesellschaft und die Verfolgung des Mörders wird auch bei der Polizei nicht intensiv betrieben. Diese ermittelt lediglich halbherzig, da es sich ja nur um ein Dienstmädchen handelte, das sich auch noch gegen Geld mit Herren einließ. Die Frankfurter Dichterin Sidonie Weiß will dies nicht hinnehmen, auch wenn es sich nach Meinung von Presse und Obrigkeit nur um ein "liederliches Weibsbild" handelt, deren Ende nicht verwundert.

Ermittlungen von den schäbigen Dienstbotenkammern bis zu den führenden Salons der Stadt

Sidonie beginnt gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Johann Konrad Friedrich zu ermitteln. Als sich weitere Morde an Dienstmädchen mit zweifelhafter Nebentätigkeit ereignen, kann auch die Polizei nicht weiter die Augen verschließen, zumal der städtische Leicheninspektor gemeinsam mit Sidonie und Johann eigene Vermutungen anstellt, wobei auch Sidonie ihre Bekanntschaft mit dem Polizeisenator zu nutzen weiß. Die Suche nach dem Täter führt Sidonie nicht nur in die Elendsviertel Frankfurts im Biedermeier, sondern ebenso auch in die Salons der besten Gesellschaft. In allen Orten trifft Sidonie auf enge Beziehungen, aber auch menschliche Abgründe, die sie erschüttern. Kann der Mörder gefunden werden, bevor weitere jungen Frauen zu Tode kommen ?

Starke Hauptperson und Spannung durch unterschiedliche Erzählperspektiven

Der Roman beschreibt sehr eindringlich aber auch empfindsam die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Salons und der Armenvierteln der Stadt. Getragen wird die Handlung von einer starken Hauptperson mit der Dichterin Sidonie Weiß, sie wird sehr einfühlsam als reifes Fräulein von 52 Jahren beschrieben. Die weiteren Protagonisten wie Johann Konrad Friedrich oder auch der Polizeiinspektor Wilde, dem eine wesentliche Rolle zukommen wird, bleiben hingegen etwas blass. Dies tut jedoch der Spannung keinen Abbruch. Bereits der Prolog, der sich vier Jahre vor der eigentlichen Handlung ereignet, weckt die Neugier des Lesers. Es dauert, bis sich die Verbindung zwischen Geschehen im Epilog und den späteren Ereignissen auftut, aber die Spannung wird dadurch nur erhöht. Der Spannungsbogen wird stringent durch den gesamten Roman gehalten, da das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, ohne die Handlung dadurch zu zerfasern.

Die Sprache ist flüssig zu lesen und der Stil passt gut zur Zeit der Handlung. Die Personen handeln ihrer Zeit angemessen, auch wenn die Art von Sidonie Weiß doch sehr forsch und modern ist. Dieses wirkt in dem Romangeschehen aber dennoch passend, da ihr als Dichterin mehr Freiheit zugebilligt wird. Der Roman endet mit einem Epilog, in dem der weiteren Lebensweg der Hauptpersonen geschildert wird. Die persönlichen Ereignisse um Sidonie Weiß scheinen an dieser Stelle allerdings sehr aufgesetzt und nicht aus der Romanhandlung heraus zu erklären. Dies beeinträchtigt jedoch in keiner Weise den Lesegenuss.

Der Einband ist sehr schön mit einer bekannten Frankfurter Häuserzeile gestaltet, das Cover ziert eine zeitgenössische Schriftstellerin, die wohl auf Sidonie Weiß hinweisen soll, leider aber altersmäßig nicht passend ausgesucht wurde. Die Titel des Romans nimmt Bezug auf einen wesentlichen Aspekt der Handlung und ist somit sehr gut gewählt. Ein Personenglossar und das Backrezept für Frankfurter Kranz runden das Buch schön ab.

Insgesamt ein spannender historischer Kriminalroman, der ein unverblümtes Bild der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts zeigt und doch vergnügliche Lesestunden bereitet. Die Kriminalhandlung ist logisch aufgebaut und schlüssig gelöst und lässt einen zufriedenen Leser zurück.

 

Madame empfängt

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Letzte Kommentare:
24.08.2017 18:49:08
bettina link

Wer etwas über die Stadt Frankfurt im 19.Jh erfahren möchte, über die gesellschaftlichen Verhältnisse und sozialen Probleme und das Ganze in einer netten Lektüre verpackt ist gut unterhalten.
Es ist ein Ratekrimi und schon recht früh kann man ahnen wer der Täter sein könnte. Die Sprache ist einfach und leicht zu lesen. Die Figuren haben einprägsame Namen, sind typische Vertreter ihrer Schicht und leider etwas schemenhaft und oberflächlich beschrieben. Das Buch eignet sich sehr gut für eine lange Bahnfahrt oder als Mitbringsel für eine kranke Freundin...

11.01.2014 21:17:48
PMelittaM

1836 werden in Frankfurt am Main mehrere Morde verübt. Die Opfer sind Dienstmädchen, die sich allerdings aus der Not heraus auch prostituierten. Die Polizei ist nicht wirklich engagiert dabei, den Täter zu fassen, zu unwichtig sind die Opfer. Darüber ist Sidonie Weiß, Schriftstellerin und Wohltäterin, äußerst erbost und mischt sich zusammen mit ihrem Jugendfreund Johann Konrad Friedrich in die Ermittlungen ein.

Sidonie Weiß ist eine tolle Ermittlerin, Anfang 50 und unverheiratet, gilt sie als „alte Jungfer“, hat aber sicher wesentlich mehr Lebenserfahrung als manch eine verheiratete Frau jener Zeit. Als Schriftstellerin schreibt sie Kriminalromane, Schauergeschichten und Liebesgedichte, sie setzt sich für die Armen ein, sorgt z. B. dafür, dass Kinder regelmäßig Milch trinken können, um Mangelerscheinungen vorzubeugen, und ist allem Möglichen gegenüber aufgeschlossen, sei es Prostitution oder Homosexualität. Sie lässt sich so schnell nicht unterkriegen, kennt Gott und die Welt, ist mutig und entschlossen, ein toller Charakter.

Auch die anderen Charaktere hat Ursula Neeb gut gezeichnet. Im Anhang findet sich ein Personenregister, dem man entnehmen kann, wer tatsächlich gelebt hat, bei einigen bin ich wirklich erstaunt, z. B. auch bei Johann Konrad Friedrich, der im Übrigen Sidonie bei ihren Ermittlungen großartig unterstützt, sie aber auch bremst, wenn es nötig ist. Ein männlicher Zweitermittler ist immer mal wieder von Nöten, denn es gibt Orte, an denen Sidonie nicht selbst ermitteln kann.

Die Geschichte lebt auch davon, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit einbezogen werden. Leider hat die Autorin kein Nachwort geschrieben, in dem sie Fiktion und Phantasie differenziert, doch schon durch die große Anzahl historischer Persönlichkeiten, die eine Rolle spielen und die Örtlichkeiten, die sie wählt, wie z. B. das städtische Irrenhaus, kann man erkennen, wie gut sie recherchiert hat. Alles wirkt sehr authentisch.

Ursula Neeb hat eine Sprache gewählt, die der Zeit angepasst wirkt, Leute aus den niedrigeren Schichten lässt sie zudem oft dialektgefärbt sprechen, die Gebildeten benutzen dagegen viele französische Begriffe. Das gibt einem das Gefühl mittendrin zu sein im Frankfurt der Biedermeierzeit. Sehr oft schreibt die Autorin auch mit einer feinen Ironie, was das Ganze noch gesellschaftskritischer wirken lässt, wenn z. B. die Polizei einen vermeintlich homosexuellen Verdächtigen zum Verhör erwartet, sich in Vorurteile hineinsteigernd schon eine Art Monster erwartet – und dann eine zarte, feine Person kommt.

Der Kriminalfall ist interessant, die Ermittlungen Sidonies – aber auch der Polizei – eindrucksvoll dargestelllt, die Auflösung logisch. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass die Opfer dem Leser nahe gebracht werden, man erfährt viel über sie, ihren persönlichen Hintergrund, ihre Hoffnungen, ihre Probleme, so dass man auch mit ihnen leiden kann, als sie dem Mörder in die Falle gehen. Schön fand ich auch, dass der Titel der Geschichte im Nachhinein wunderbar zum Roman passt.

Abschließend erfährt man im Epilog die weiteren Lebensgeschichten der handelnden Personen, es gibt ein Rezept für Frankfurter Kranz (der im Roman gegessen wird) und das schon erwähnte Personenregister. Hätte die Autorin auch noch ein bisschen zu den tatsächlichen historischen Gegebenheiten erzählt, wäre das Buch rundum perfekt gewesen.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, ich würde Sidonie gerne noch einmal in einem weiteren Roman treffen. Von mir gibt es daher volle Punktzahl und eine Leseempfehlung vor allem für Freunde gut recherchierter historischer Kriminalromane. Wer gerne einmal in dieses Genre hineinschnuppern möchte, hätte hier ebenfalls den perfekten Roman dafür.

26.10.2011 15:22:33
Leseratte

Ohne die Zustände im Frankfurt der damaligen Zeit zu kennen nimmt man Ursula Neeb die spannend geschilderten Umstände und Menschenschicksale ohne Wenn und Aber ab.
Mal wieder eine Autorin mit Suchtfaktor.
Habe auch schon "Das Geheimnis der Totenmagd" verschlungen und werde wohl die zwei weiteren Romane in mein Regal einreihen.
Auf geht\'s Frau Neeb, an den Schreibtisch!!!!!

06.04.2010 08:46:25
Henriette

Sidonie Weiß, ledig und von Beruf Dichterin, lebt in Frankfurt. Dort geschehen seit neuestem Giftmorde an jungen Frauen. Es sind Dienstmädchen, die nebenbei noch der Prostitution nachgehen, weil das Geld nicht für den Lebensunterhalt reicht. Die Frankfurter Polizeibehörde nimmt den mutmaßlichen Mörder fest. Dieser Mann erhängt sich, was als Schuldeingeständnis gesehen wird. Sidonie Weiß traut der Frankfurter Polizei nicht und unternimmt eigene kriminalistische Nachforschung und gelangt auf eine heiße Spur ….

Die Geschichte von Ursula Neeb spielt Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Autorin beschreibt ein Frankfurt, das starke Klassenunterschiede hat. Die gut gestellten Bürger beschäftigen sich nicht mit den Dienstboten, man kann ihnen grundsätzlich nicht trauen. Daher ist es nicht sonderlich bemerkenswert, dass die Dienstmädchen ermordet werden. Unterschwellig munkelt man, dass sie es sowieso nicht anders verdient haben.
Für mich persönlich beginnt das Buch etwas schleppend. Ich hatte mich aufgrund des Klappentextes auf Sidonie Weiß gefreut, die aber erst in der zweiten Hälfte des Buches aktiv wurde.
Der Schreibstil wirkte ab und an etwas gestelzt, was aber zum Teil auch in die Geschichte der gut gestellten Bürger und Kaufleute passte. Es war alles gut verständlich geschrieben.
Einen Überblick über die beteiligten Persönlichkeiten im Buch konnte man am Ende des Buches nochmals nachschlagen. Ich fand es sehr angenehm und habe es auch genutzt.
Als eine sehr gute Idee empfand ich es, das Rezept des Kuchens „Frankfurter Kranz“ mit abzudrucken.
Das Cover ist schlicht gehalten. Man sieht eine nachdenkliche Dame im Vordergrund einer altertümlichen Häuserfront. Aufgrund dieses Covers hätte mich das Buch nicht unbedingt angesprochen.

Fazit: Alles in allem kann ich von guter Unterhaltung sprechen, trotz schleppenden Beginns. Es ist ein interessanter Krimi, der noch am Ende spannend wurde.
Ich vergebe 4 von 5 Sterne.