Die Mystikerin

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 1998, Titel: 'Die Mystikerin - Hildegard von Bingen', Originalausgabe

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Jkk Jkk
Fesselnd und sprachgewaltig

Buch-Rezension von Jkk Jkk Jan 2010

Kurzgefasst:

Keine Frau des Mittelalters hat einen solchen Ruf erlangt wie Hildegard von Bingen. Ihre Visionen, sorgsam von ihr oder ihren Helfern festgehalten, sind einzigartig in ihrer Farbigkeit und Tiefgründigkeit. Und ihre medizinischen Anwendungen, die sie in ihrem Kloster Ratsuchenden empfahl, werden auch heute noch, neunhundert Jahre später, mit großem Erfolg durchgeführt. Doch Hildegard war mehr als nur eine heilkundige, gottesfürchtige Frau. Sie trat mit vielen der Großen ihrer Zeit in Kontakt, sie unternahm Reisen, mischte sich ein und mußte sich stets gegen den - männlichen - Klerus zur Wehr setzen, der ihr Tun argwöhnisch verfolgte.

 

Als die kränkliche, zehnjährige Hildegard dem Kloster Disibodenberg geweiht wird, konnte niemand ahnen, dass sie einmal als große Mystikerin, Heilige und Heilkundige in die Geschichte eingehen würde. Zeitlebens von tiefer Spiritualität erfasst wird Hildegard nach dem Tod ihrer Vertrauten und Magistra Jutta von Sponheim nicht nur Vorsteherin des Klosters, sondern erlangt zunehmend so viel Selbstbewusstsein, dass sie ihre Visionen und Gottesbotschaften zu verschriftlichen beginnt und die Gründung eines eigenen Klosters vorantreibt. Es der Beginn einer Legende, die von klerikalen Männerwelt streng beäugt und beneidet wird.

Gabriele Göbel schafft es mit ihrem Roman Die Mystikerin nicht nur die Lebensgeschichte von Hildegard von Bingen zu erzählen, sondern auch deren tiefe Gläubigkeit, Spiritualität und Heilkraft in sanfte Worte zu kleiden, die ein eindringliches Bild einer großen Frau zeigen. Sprachgewandt scheint sie Zeile für Zeile das Innere, die Seele von Hildegard, nach außen zu kehren und greifbar zu machen. Es fasziniert, dank Göbels einfühlsamen Blick, wie aus der Nonne eine Äbtissin, eine bekannte Heilerin und eine Mystikerin wurde, deren Ruf ihr bereits zu Lebzeiten voraus eilte. Doch fernab von kirchlicher Strenge und Gepflogenheiten war Hildegard auch nur ein Mensch. Ein Mensch, der zutiefst verletzt und enttäuscht war, als ihre getreue Freundin und Schülerin Richardis von Stade sich von ihr abwendet. Ein Mensch, der so von Selbstzweifeln geplagt war, dass sie daran erkrankte. Diese zwei Seiten, die menschliche wie die spirituelle, vermag Göbel geschickt einzufangen.

Abendfüllende Lektüre

Doch Göbels Roman ist keine leichte Kost, nicht etwa weil es von Schauern oder anderen düsteren Geschehnissen geprägt ist, sondern weil er so wortgewaltig und komplex ist, dass man schon ein Muse braucht zum Lesen. Mal eben an einem Abend in die Welt der Mystikerin einzutauchen, ist nicht möglich. Dafür ist der Roman zu anspruchsvoll. Und selbst für jene, die auf dem Gebiet der Mystik und theologischen Abhandlungen bewandert sind, wird es zu weilen doch recht schummrig werden. Sprachgewaltig und komplexe Satzstrukturen fordern ihren Tribut. Doch einmal den Rhythmus von Göbels Syntax gefunden, offenbart sich eine Welt, die voller Regeln, Strenge und tiefer Gläubigkeit ist. Sie ist so mittelalterlich wie sich ein Laie das Mittelalter vorstellt, doch so modern und lebensnah wie ein Historiker es kennt.

Zugute halten muss man Göbel unbedingt den enormen Rechercheaufwand, den sie betrieben hat. Sie kann ihre Leser förmlich mit Wissen und Fakten überhäufen. Zugegeben, das muss man mögen, und den einen oder anderen wird sicherlich schon ab und zu einmal der Kopf brummen. Auch die ständigen Zeitsprünge und die vielen authentischen Textstellen der Hildegard, so faszinierend sie auch sind, können ermüden, zumal dadurch schon mal der roten Faden verloren gehen kann. Doch wer durchhält, wird von dem Roman und einer großen Frau, die auch noch nach achthundert Jahren ihre Spuren hinterlassen hat begeistert sein.

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Letzte Kommentare:
22.05.2019 23:57:41
Lolotte

Lese ich zum 10. oder ist es schon das 11. Mal? Abschalten, zen werden, sich in die Welt der Hildegard und der Gabriele Göbel fallen lassen, herrlich! Tausend Dank