Die Prophetin vom Rhein

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2010, Titel: 'Die Prophetin vom Rhein', Originalausgabe

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Natalie Höhne
Vollgepackt, aber nicht überladen!

Buch-Rezension von Natalie Höhne Dez 2009

Kurzgefasst:

Stets im Konflikt mit den Mächtigen ihrer Zeit, hat Hildegard von Bingen andere Sorgen, als sich um die junge Theresa zu kümmern, die Schutz in ihrem Kloster sucht. Doch schneller als gedacht, wächst das Mädchen der Äbtissin ans Herz. Allerdings scheint die leidenschaftliche Theresa nicht für das Klosterleben gemacht: Sie verliebt sich in den Händlerssohn Willem und muss die Nonnen verlassen. Ihre Berufung findet sie schließlich bei der Wehmutter Eva, die das geschickte Mädchen zur Hebamme ausbildet. Aber Theresa kann Willem nicht vergessen. Blind vor Liebe, ahnt sie nicht, dass er einer gefährlichen Ketzersekte angehört. Helfen kann allein Hildegard, doch gerade die scheint ihre größte Gegenspielerin zu werden...

 

Dieses Buch vereint mehrere Schicksale zu einer großen Geschichte. Hildegard von Bingen ist in ihren jahrelangen Kampf um ein eigenes, eigenständiges Kloster auf dem Rupertsberg verwickelt. Doch auf einmal sind da auch noch Theresa und Gero, ein verwaistes Geschwisterpaar, welches ihrer Aufmerksamkeit und Fürsorge bedarf. Die Schicksale dieser drei Menschen sollen für immer verbunden bleiben, und doch muss jeder von Ihnen seinen eigenen Weg gehen. Nachdem Gero, dessen größter Wunsch das Leben eines Ritters ist, die Lehre bei einem Sarwürker (= Kettenhemdhersteller) antreten muss und sein Ziel in weite Ferne rücken sieht, ist es vor allem seine Schwester, welche sich erst einmal in das klösterliche Leben fügt. Doch auch Theresa ist keine kirchliche Laufbahn vorbestimmt, und so ist es schließlich die Liebe zu Willem, dem Sohn eines Tuchhändlers, welche sie den Händen Hildegards entreißt.

Doch diese Liebe wird die junge Frau einige Entbehrungen und Gefahren lehren, denn Willem gehört der religiösen Bewegung der "guten Christen" an und in der Stunde der größten Not kreuzen sich die Wege von Hildegard, Theresa und Gero schließlich wieder.

Menschliche Hildegard von Bingen

Jede der drei Hauptpersonen hat ihren eigenen Kampf zu bestreiten. Hildegard, die Magistra, muss sogar mehrere Schlachten schlagen. Einmal gilt es die Unabhängigkeit für ihr Kloster auf dem Rupertsberg zu gewinnen, und zum Zweiten steht sie in stetem Kampf um ihre eigene Gesundheit. Drittens versucht sie die ihr von Gott gegebenen Inspirationen in Festgeschriebenes umzusetzen, und zuletzt ist es auch noch die immer stärker um sich greifende Sekte der Katharer, die sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Hildegard von Bingen wird von Brigitte Riebe nicht als jene Heilige gezeichnet, als welche die Benediktinerin heute im Allgemeinen gilt. Die Magistra ist ein Mensch mit großen Stärken und besonderen Fähigkeiten und doch hat sie auch Schwächen und schwierige Eigenschaften. Ein eiserner Willen und Zähheit können eben auch Schärfe und Eigensinnigkeit bedeuten.

Aber Hildegard ist nicht der Mittelpunkt dieses Werks, sondern ein Teil des roten Fadens. Mehr noch ist es Theresas Weg, den der Leser mit Spannung verfolgt. Die junge Frau steht in ihrem Eigensinn der Oberin vom Rupertsberg in nichts nach und kämpft ihrerseits unermüdlich um ein gemeinsames Leben mit Willem. Dieser jedoch ist seinem Onkel, einem strenggläubigen Katharer hörig und beweist kaum einen eigenen Willen. Theresa ist keine sehr vielfältige, aber trotzdem natürliche Figur und entwickelt sich von einem etwas bockigen Teenager zu einer verantwortungsbewussten, jungen Frau mit starkem Willen.

Geros Weg ist ein kleinerer Abzweig, verglichen mit den zwei anderen Hauptsträngen und doch muss auch er einiges durchstehen und sich weiterentwickeln, um die Wandlung vom Handwerkslehrling zum Ritter vollziehen zu können. Hier hätte die Autorin vielleicht noch ein wenig mehr charakterliche Entwicklung in die Figur investieren können, denn die Figur bleibt ein wenig blass.
Brigitte Riebe gelingt es, allen Hauptfiguren ein eigenes, authentisches Gesicht zu verleihen und den Leser zum mitfiebern zu bewegen. Auch die zahlreichen Nebenrollen sind eingängig und farbig gestaltet und tragen zur Lebendigkeit des Romans bei, ohne ihn zu überladen.

Einblicke in die Welt der Katharer

Neben der spannenden Geschichte um Theresas, Geros und Hildegards Lebensweg lernt der Leser einiges über die politischen Vorgänge jener Zeit und erhält Einblicke in die christliche Glaubensbewegung der Katharer. Da Theresa nach dem Verlassen des Klosters den Beruf der Hebamme erlernt, gewinnt man außerdem Erkenntnisse vom Alltag dieses Berufs im 12. Jahrhundert und erfährt, dass besonders das Unwissen und der Aberglauben der Menschen im Mittelalter eine heilkundige Frau schnell zu einer Hexe machen konnten.

Brigitte Riebe wählt eine klassische Struktur für ihren Roman, unterteilt ihn in einzelne Bücher und Kapitel und fasst ihn in einen Rahmen aus Prolog und Epilog. Der Prolog, wiederum in klassischer Form, bildet den Monolog einer dem Leser unbekannten Person. Ein spannender Einstieg, welcher sogleich das Interesse des Lesers fesselt, allerdings ist die Auflösung dessen im Epilog eher etwas zuviel des Guten und ein geheimnisvolleres, offenes Nachwort hätte dem Werk gut gestanden.
Der Roman lässt sich ohne Holpersteine lesen und versetzt den Leser durch einen authentischen Schreibstil und Ausschnitte aus Reden und Schriften Hildegards an den Ort des Geschehens.

 

Die Prophetin vom Rhein

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Letzte Kommentare:
12.10.2011 14:07:55
€nigma

In diesem Buch erzählt die Historikerin Brigitte Riebe gleich mehrere Geschichten. Zunächst geht es um die Bestrebungen der Hildegard von Bingen, für ihr Nonnenkloster auf dem Rupertsberg die Unabhängigkeit vom Mönchskloster auf dem Disibodenberg zu erlangen, da ihr die ständige Überwachung und die Forderungen von Abt Kuno zunehmend missfallen. Während Hildegard sich nicht nur für die Unabhängigkeit ihres Klosters einsetzt, sondern auch unermüdlich Schriften verfasst, in denen sie Visionen des "lebendigen Lichts" zu Papier bringt und außerdem Briefe an die Mächtigen ihrer Zeit schreibt, denen sie mutig ins Gewissen redet, geraten Theresa und Gero von Ortenburg in ihre Obhut: zwei verwaiste Geschwister, deren Vater nicht von einem Kreuzzug zurückgekehrt ist und deren Mutter an einer missglückten Abtreibung gestorben ist. Gero wird einem Sarwürker (Hersteller von Kettenhemden) in die Lehre gegeben, Theresa soll im Kloster zur Infirmarin ausgebildet werden. Theresa verliebt sich allerdings in einen jungen Flamen namens Willem und verlässt zum Kummer der Äbtissin Hildegard das Kloster. Ihr Auserwählter gehört den selbsternannten "Guten Christen", auch bekannt als Katharer an und steht unter der Fuchtel seines fanatischen Onkels Adrian van Gent, der nichts unversucht lässt, um das Liebespaar auseinander zu bringen. Die Geschichte von Theresa und Willem bietet äußerst interessante Einblicke in die leibfeindliche, nur der Seele zugewandten Ideologie dieser Sekte und in die Verfolgung der Mitglieder, gegen die auch Hildegard mit flammenden Predigten zu Felde zieht.
Eine dritte Erzählung rankt sich um das Leben von Theresas Bruder Gero, dem es im Laufe der Jahre gelungen ist, seinen Wunschtraum, als Ritter in die Fußstapfen seines verehrten Vaters zu treten, zu verwirklichen. Auf seine Hilfe wird seine Schwester noch angewiesen sein, als sich die Schlinge um die Hälse der Katharer immer enger zusammenzieht...
"Die Prophetin vom Rhein" ist ein sehr gut recherchierter Roman um viele historisch verbürgte und einige fiktive Persönlichkeiten. Authentische Texte der Hildegard von Bingen sind in die Erzählung eingefügt und durch altdeutsche Druckschrift markiert. Sehr positiv fiel mir die Darstellung Hildegards als Mensch mit Fehlern und Schwächen auf. Während in anderen Büchern immer wieder das Mystische, ihre "Schau" betont wird, denen ich als rational veranlagter Leser des 21. Jahrhunderts nur schwer folgen kann, wird Hildegard hier als bodenständiger Mensch präsentiert, in den ich mich hineinversetzen kann.
Der Roman enthält ein ausführliches "Historisches Nachwort" über das Leben Hildegards, einen Anhang zum Thema "Dichtung und Wahrheit" sowie "Ausgewählte Literaturempfehlungen".
Mein einziger, kleiner Kritikpunkt: mir hat sich der Sinn des Epilogs nicht so ganz erschlossen, der zwar den Prolog abrundet, meiner Meinung nach aber nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre.

20.03.2010 09:31:25
Stella

Spannend fand ich den Roman, in manchen Passagen sogar richtig aufregend, und doch bis zum letzten Satz sehr authentisch. Da hat niemand versucht, die große Nicht-Heilige in eine mysteriöse Verschwörungsgeschichte einzuspinnen oder ihr gar eine geheimnisvolle postmortale Mission anzudichten, wie leider andersort geschehen. Hildegard wird als kratziges Organisationstalent mit verblüffend weichen Seiten geschildert, die um ihre Ziehtochter Theresa mit allen Mitteln kämpft, weil die sich in den Neffen eines Katharar-Diakons verknallt hat. Das war für mich das zweite Highlight dieser Lektüre: endlich mal keine wabernde Beweihräucherung der Katharer als Gralsträger oder Bewahrer des "echten" Christentums, sondern ein gnadenloser Einblick in eine Sekte, die die Katholen an Leibfeindlichkeit noch deutlich übertraf und Schwangerschaft und Geburt für das Schlimmste aller Übel hielt. Das Frauenbild, das daraus resultiert, kann man sich unschwer vorstellen ...
Gut, dass ich heute lebe!
Für mich 97 Punkte

17.03.2010 13:50:34
William Speer

Das fand ich aber mal richtig gut! Kein sogenannter Histo-Schmonzes, wie man ihn jetzt leider vielerorts zu lesen bekommt, sondern sauber recherchierte Fakten, geschickt kombiniert mit Fantasie und Einfallsreichtum - Kompliment! Gefallen hat mir, dass dabei mit einigen Mythen aufgeräumt wurde - Hildegard von Bingen gehört garantiert NICHT in die Eso-Ecke - und die Katharer waren keine harmlose Vereinigung, die ganz besonders bezaubernde Märtyrer hervorgebracht hat, sondern eine kompromißlosegnostisch orientierteb Sekte, die in ihrer gnadenlosen Körperfeindlichkeit ja sogar noch die Katholen weit in den Schatten stellt!
Dass das alles sprachlich ausgefeilt, spannend und flüssig lesbar daherkommt, hat meinem Vergnügen keinerlei Abbruch getan.
Ganz im Gegenteil. Hab mich richtiggehend festgefressen und erst aufhören können, als ich endlich durch war.
Weiter so, frau Riebe! Freue mich schon auf Ihren nächsten Wurf.

11.03.2010 12:10:14
M. Senftleben

Mit Freude habe ich den neuen Roman "Die prophetin vom Rhein" von Frau Riebe gelesen. Besonders gut gefällt, mir, dass sie auf diese Eso-Mystik von Hildegard von Bingen verzichtet hat. Obwohl sie sich neben der fantasievollen Geschichte der beiden adeligen Kinder Theresa und Gero im Bezug auf Hildegard streng an die bekannten Fakten gehalten hat, ist für mich das Klosterleben im Hochmittelalter lebendig und glaubhaft erzählt worden. Ich schätze an ihren Romanen besonders die wissenschaftliche Recherche neben bunten und spannenden sprachlichen Bildern. Für mich haben ihre Romane neben guter Unterhaltung einen lehrreichen und glaubhaften soliden Hintergrund, an dem mir Geschichte lebend und fundiert vermittelt wird.

10.03.2010 14:02:34
MariaAmalia

Kurzweiliger Historienschmöker mit kleinen Macken

Eines muss man Frau Riebe lassen, sie weiß, wie man gute historische Romane schreibt, die diese Bezeichnung auch verdienen. Sie ist eine der wenigen Autorinnen, die es immer wieder schaffen, gut recherchierte historische Fakten in einen spannenden Roman zu packen. Sie erzählt Geschichte unterhaltsam und in einer bildhaften Sprache und sie schafft es auch hier wieder, Stimmungen und Denkweisen der jeweiligen Epoche einzufangen.

Auch wenn der Klappentext vermuten lässt, dass es sich hier um einen biographischen Roman über Hildegard von Bingen handelt, ist es doch in erster Linie die Geschichte von Theresa, der (fiktiven) Hauptprotagonistin dieses Romans. Hildegard von Bingen kommt hier leider über den Status einer Nebenfigur nicht heraus und wird in erster Linie in Bezug zur Hauptprotagonistin gestellt und dieser untergeordnet. Dadurch bleibt sie auch ziemlich blass und austauschbar. Manche von Hildegards Handlungen und Denkweisen sind schwer nachvollziehbar und man bleibt als Leser etwas ratlos zurück. Hier hatte ich mir, ehrlich gesagt, etwas mehr erhofft.

Die Protagonistin Theresa ist eine vielschichtige Figur, auch wenn ich sie mir gern mit ein paar Ecken und Kanten mehr gewünscht hätte. Theresa ist aber bei weitem keine von der Autorin vor eine historische Kulisse gesetzte neunmalkluge Superwoman aus dem 21. Jahrhundert. Sie ist zwar eine starke Persönlichkeit, aber sie bleibt im Denken und Handeln ein Kind ihrer Zeit. Sie hat charakterliche Schwächen, sie darf Fehler machen und sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln. Frau Riebes Romanfiguren sind weder schablonenhaft, noch werden sie in übertriebener Schwarz-Weiß-Malerei gezeichnet. Positiv ist des Weiteren, dass Frau Riebe auch in diesem Roman wieder die Klischeekiste geschlossen lässt und auch auf überzogene Dramatik und billige Action verzichtet.

Was mir an der Geschichte dagegen überhaupt nicht gefallen hat, ist der Handlungsstrang um Theresas Bruder Gero und den Ritter Freimut. Beide Figuren werden von der Autorin ziemlich stiefmütterlich behandelt. Eigentlich dienen sie nur als Staffage und der Handlungsstrang um Gero und Freimut hat für mich den faden Beigeschmack eines Lückenfüllers.

Interessant ist dagegen wieder die Handlung rund um die Kaufleute Adrian von Gent und dessen Neffen Willem. Hier gibt die Autorin einen (kleinen!) Einblick in Glaubensinhalte und Denkweisen der Gemeinschaft der Katharer, die man als Leser aber mit Vorsicht genießen sollte, denn gerade das Thema Abtreibung scheint mir in der Art, wie es die Autorin hier darstellt, wenig glaubhaft. Auch wenn mir Willem für meinen Geschmack etwas zu sehr in Richtung "Weichei" geht, ist seine innere Zerrissenheit doch sehr gut dargestellt. Die Beziehung zwischen Theresa und Willem ist alles andere als einfach, sie ist glaubhaft und realistisch. Wer hier eine rosarote schmalzige Liebesgeschichte erwartet, dürfte ziemlich enttäuscht sein.

Alles in allem war dieser Roman trotz seiner kleinen Mängel und diverser Längen im letzten Drittel für mich ein schöner und entspannender Lesegenuss.

02.03.2010 12:44:25
Miranda

Das Buch über Hildegard von Bingen, ihre Zeit und die Romanfiguren um sie herum hat mir ausgesprochen gut gefallen. Hildegard muss eine nicht ganz einfache Frau gewesen sein; sie wird nicht glorifiziert und dennoch respektvoll behandelt. Um sie herum findet, wie bei Brigitte Riebe eigentlich immer, eine Geschichte voller Handlung und Leidenschaften statt, die einen flüssig und engagiert durch die Zeit der Hildegard - und durch das Buch -trägt. Auch der Blick auf die Katharer, die ja so schwer verfolgt wurden, die allerdings mit ihrem Fanatismus und der Ablehnung des Fleischlichen gar nicht so angenehm dargestellt werden, hat mich sehr interessiert und ist gut geschildert.
Da gibt es auch etwas über Ritter, Hebammen, wüste Kerle - und noch vieles mehr, um sich gute Stunden mit dem Buch zu bereiten.
Eine gute Lektüre.

20.02.2010 08:15:29
Ana S.

Endlich mal ein historischer Roman ohne Kitsch und Klischees! Fand es sehr erfrischend, ein anderes - manchmal auch kritisches - Bild auf die berühmte Antissin von Rupetersberg zu erleben, die ungeniert ihre Briefe frisiert hat und in Wahrheit als Hochadelige niemals daran dachte, auch nur ein einziges Dinkelbrot zu backen! Besonders gefallen aber hat mir die kritische Sicht auf die leibfeindlichen Katharer, die hier ungeschönt und faszinierend von "innen" erzählt werden und ihrer Ablehnung alles Fleischlichen sicherlich nicht die angenehmsten Zeitgenossen gewesen sein können. Dass das alles spannend, zum Schluss sogar superspannend daher kam, hat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch getan.
Für mich 96 Punkte.

18.02.2010 23:12:15
Lea Gudrich

Ich hab gar nicht gewusst, dass historische Romane so spannend sein können! Bin nämlich erst 22 und mag sonst lieber Krimis oder Liebesgeschichten. Doch das Schicksal von Theresa und ihre Begegnung mit der Prophetin vom Rhein hat mich gepackt! Konnte gar nicht mehr zu lesen aufhören, bis ich endlich durch war, weil die Story mich in Atem hielt und ich ganz „nebenbei“ so vieles über das Hochmittelalter erfahren habe, was ich noch nicht wusste. Besonders anrührend fand ich die Hebammen-Problematik, die mich beim Lesen zwischendrin sehr nachdenklich gemacht hat.
Mein größtes Problem: Wann erscheint ein neuer Roman von Brigitte Riebe?
Ich warte!

18.02.2010 18:15:33
olympia

Hildegard von Bingen ist die berühmte Figur um die es in diesem Buch geht. Hildegard ist die Äbtissin des Klosters am Rupertsberg und als eines Tages eine hochschwangere Frau mit ihren Kindern Theresa und Gero bei den Nonnen um Hilfe bitten, werden sie auf Geheiß der Äbtissin aufgenommen. Die Frau stirbt bei der Geburt ihres Kindes und so verbleibt Theresa im Kloster und Gero soll eine Ausbildung als Sarwürker machen. Als Theresa sich verliebt, weiß sie nicht, dass sie sich mit ihrer großen Liebe William in Gefahr begibt. William gehört der verbotenen Glaubensgruppe der "guten Christen" an...

Brigitte Riebe hat zweifellos die wunderbare Gabe, den Leser von Beginn an zu fesseln und bis zum Ende des Buches nicht mehr los zu lassen. Ihre Protagonisten sind nicht in geradlinige gute und böse Menschen eingeteilt, sondern zeigen charakterlich Ecken und Kanten, was sie absolut glaubwürdig werden lässt. Die Sprache der Autorin ist schnörkellos, flüssig und ohne Anachronismen und macht die Erzählung dadurch sehr authentisch.

Es geht aber in diesem Buch nicht rein um Hildegard und wer nun glaubt, dass er einen tiefen Einblick in das Leben dieser ungewöhnlichen Frau erhält, wird etwas enttäuscht sein. Es wird zwar ihr großer Kampf um das Kloster am Rupertsberg einfühlsam und nachvollziehbar beschrieben und stets findet man auch Originalzitate von Hildegard geschickt mit eingewoben, aber die Figur selbst bleibt meines Erachtens etwas zu blass. Bei Hildegard fehlt mir einfach die Empathie, das Verstehen der Person und was diese Frau ausgemacht, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Zu viele Türen werden geöffnet, ohne dass man einen Blick in den Raum erhaschen kann. Was hat Hildegard z.B. mit Kräuter oder Krankenheilung zu tun? Warum hat sie dazu ein Buch geschrieben, obwohl (diesem Roman nach) ihre Mitschwestern die Tätigkeiten für die sie eigentlich bekannt ist, verrichtet haben? Aus welchem Grund sprach man sie heilig? Dem Roman nach stellt sie sich mir als eine Äbtissin dar, die für ihr Kloster kämpft und sich für andere Schwestern (aber nur von höherem Stand!!!) einsetzt. Für mich zeigt sich das Besondere an diesem Menschen hier nicht.

Das Umfeld, der Rahmen, die Geschichte und speziell die Glaubensprobleme rund um die Katharer, schildert die Autorin wiederum ausgesprochen interessant und authentisch. Im Gesamten ist das Buch ein flüssig zu lesendes Werk, welchem auch der Spannungsbogen nicht fehlt und einem so manche Figur ins Herzen schließen lässt. Alle Ereignisse um Theresa und Gero sind sehr glaubwürdig und feinfühlig dargestellt, auch wenn Geros Erlebnisse etwas zu kurz kommen. Hoffnungen, Sehnsüchte, Ängste und auch Liebe finden sich in diesem Roman, ohne je zu pathetisch oder gar kitschig zu wirken.

Fazit: Ein absolut lesenswertes Buch, welches nicht voller Klischees ist und in dem es auch einmal eine unvorhersehbare Wendung gibt.
Wenn auch ich mir persönlich etwas mehr "Hildegard" gewünscht hätte, so muss dies nicht auf andere Leser zutreffen. Auf jeden Fall wird auch dieser Roman von Brigitte Riebe wieder für kurzweilige Stunden sorgen.

18.02.2010 10:39:07
S.M.

Das neue Buch von Brigitte Riebe ist, wie immer, meisterhaft geschrieben und hervorragend recherchiert. Die Autorin entwirft ein farbiges Bild des Mittelalters und kreiert um der geheimnisvollen Gestalt der Hildegard von Bingen eine leidenschaftliche, spannende Geschichte. Liebe und Tod, religiöse Machtspiele, politische Revolten, die stillen Räume des Klosters und einige unvergesslichen Porträts der Frauen jener Zeitepoche: eine explosive Mischung, ein Roman, in dem Erfindungsgabe und Wissen den Leser in den Bann schlagen.

02.02.2010 12:05:44
Berni

Ein klasse Buch von Brigitte Riebe, da es diesmal um eine bekannte Persönlichkeit geht, nämlich um Hildegard von Bingen. Vor allem bekannt durch ihre berühmte Heilkunde und vielleicht seit neuestem durch den Kinofilm. Dieser Roman allerdings beschreibt auch neue Seiten dieser Frau, großartig recherchiert. Verbunden mit den historisch belegten Tatsachen geht es um eine leidenschaftliche Liebe, die die Schwierigkeiten der damaligen Zeit wiederspiegelt. Brigitte Riebe schafft es durch die aufwühlende Liebesgeschichte zu fesseln und mit den Personen mitzufühlen. Aber auch Tod und Verderben, Glaubensfragen, politische und kirchliche Revolten prägen diese 560 Seiten und sind aufs treffslichste miteinander verwoben. Wieder ein Buch das man einfachn nur auf einmal lesen und verschlingen kann.

01.02.2010 19:05:45
Hedwig

Wieder ist Frau Riebe ein wunderbarer historischer Roman gelungen.

Trotz aller Konkurrenz in Sachen "Hildegard von Bingen" schafft es Frau Riebe, nicht nur über diese interessante Persönlichkeit zu schreiben, es gelingt ihr vielmehr eine zu dieser Zeit passende spannende Geschichte zu schreiben.
Wie immer sind die Personen der Handlung sehr lebendig und schon bald geht einem die Geschichte nicht mehr aus dem Kopf und die Spannung steigt mit jeder Seite, vor allem gegen Ende hin, kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Das Buch bietet nicht nur einen spannenden und sehr berührenden Roman, sondern beschreibt vor allem auch sehr viele historische Hintergründe, welche in die Geschichte eingebracht werden.
Ein berühmter Kaiser, viele Kirchenfürsten, Kriege und Machenschaften, Tod und Elend des einfachen Volkes und die Frage des Glaubens, all das und eine große Liebe finden sich in diesem Roman und nicht zu vergessen, Hildegard von Bingen, eine mutige und kluge Frau ihrer Zeit.
Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar und perfekt, wie gewohnt, so gesehen ein typisches Riebe Buch welches alles aufweist, was ein guter historischer Roman braucht.
Hoffentlich lässt die Autorin ihre Fans auf das nächste Werk nicht all zu lange warten.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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