Der letzte Tanz im Paradies

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • , 2009, Titel: 'Der letzte Tanz im Paradies', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Spannung in den Deutschen Kolonien

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Nov 2009

Kurzgefasst:

Hamburg, Januar 1899. In einer Sammlung von Eingeborenen-Schädeln aus Ozeanien wird der Totenkopf eines jungen deutschen Forschers entdeckt...

Ein Jahr zuvor legt der Frachtsegler "Emily Godeffroy" von den Landungsbrücken ab. Sein Ziel: die Insel Neupommern im Bismarck-Archipel. An Bord sind der Generalbevollmächtigte des Handelshauses Godeffroy, Theobald Kolber, der junge Naturforscher Sebastian Kleine und die Hebamme Anna Scharnhorst. Kolber und Kleine reisen im besonderen Auftrag des finanziell angeschlagenen "Deutschen Südseekönigs" Johan Cesar Godeffroy: Sie sollen herausfinden, ob in einem unzugänglichen Vulkangebiet tatsächlich eine Diamantenmine entdeckt worden ist. Kolber verliebt sich dabei in die faszinierende "Queen Emma", die reichste Frau des Pazifiks. Forscher Kleine gerät in ein Massaker, als aufständische Kannibalen ein deutsches Missionsdorf überfallen.

 

Johan Cesar Godeffroy ist Besitzer eines Kontors in Hamburg, das regen Handel mit den Deutschen Kolonien in Deutsch-Neuguinea im Bismarckarchipel betreibt. Zu Beginn des Jahres 1899 wird wieder eine Kiste geöffnet, die den Weg in den Heimathafen gefunden hat, doch unter den Schädeln der Eingeborenen, die zudem Kannibalen sind, findet sich auch ein Schädel, der sichtbar von einem Mitarbeiter Godeffroys stammt, den er erst im Jahr zuvor in die Kolonie geschickt hat.

Im Jahr zuvor schifft sich der Abgesandte des Kontors Godeffroy, Theobald Kolber, zusammen mit der jungen Anna Scharnhorst und Sebastian Kleine, einem jungen und aufstrebenden Abenteurer auf der Emily Godeffroy nach Neupommern in der sogenannten Deutschen Südsee, um weiteren Handel zu betreiben. Zudem sollen sie ein zufällig gefundenes Diamantenvorkommen überprüfen, das die finanzielle Sicherheit des Godeffroy-Kontors sichern soll. Sebastian und Anna finden sich sympathisch und werden schnell Freunde, bis Sebastian erfährt, dass sie auf der Insel einen Missionar heiraten soll. Doch dieser ist nicht der, der er vorgab zu sein.

Sebastians Expeditionen erweisen sich als erfolgreich. Zusammen mit seinem fähigen polnischen Kollegen Stanislaus Gornik macht er so manche Entdeckung. Währenddessen meutern die eingeborenen Kannibalen gegen die Missionare, doch der Anführer der Miliz, Gustav Schmeile, führt seine Armee mit harter Hand gegen die Eingeborenen. Die Situation auf dem Archipel droht zu eskalieren, und so manchen Anwesenden holt seine Vergangenheit ein. Nicht jeder wird dieses Abenteuer überleben.

Ein hervorragender Thriller vor atemberaubender Kulisse

Jürgen Petschull entführt den Leser mit seinem spannenden Roman Der letzte Tanz im Paradies in eine Zeit und an einen Ort, der selten bis nie in Romanen behandelt wird und allein deswegen frisch und unverbraucht daherkommt. Wurden die Deutschen Kolonien des Kaiserreichs bislang stiefmütterlich an der Seite liegen gelassen, beschert der Autor dem Leser hier einen Roman, der von der ersten Seite an packend ist und den Leser bis zum Ende nicht mehr loslässt. Obwohl das Ende bereits am Anfang klar ist, interessiert es den Leser doch, wie es dazu kommen konnte, und geschickt legt der Autor verschiedene Fährten, die er alle perfekt miteinander zu verweben weiß.

Am Ende eines jeden Kapitels finden sich Tagebucheintragungen von Sebastian Kleine, dessen Schädel einwandfrei anhand seiner Zähne im Godeffroys Kontor identifiziert werden konnte. Der mit "Historischer Thriller" untertitelte Roman ist ein genau ebensolcher, spannend und ohne Leerlauf. Dramaturgisch geschickt führt der Autor nach und nach die Charaktere ein, die rundum gelungen sind und die sich erst im Laufe der Geschichte richtig entfalten. Die Mischung zwischen Erzählung und Tagebucheintragungen bietet Raum für Erklärungen außer der Reihe. Geschickt ist es auch vom Autor, manche Dinge nur in der Rückschau zu erzählen, wodurch die ohnehin reichlich vorhandene Spannung noch gesteigert wird. Diese Spannung wird nach hinten heraus bald unerträglich, versteht es der Autor doch glänzend, immer wieder Momente und Situationen einzufügen, die das Unvermeidliche hinauszögern.

Ein (schlechtes) Beispiel stellvertretend für alle Kolonialherren

Es mag nicht besonders "deutsch" sein, wie die Kolonialherren die Einwohner der Kolonien behandelt haben, andere Herren anderer Nationen haben sich ebenso benommen, also mag diese Beschreibung, wie man auf Teufel komm raus die "Wilden" missionieren muss, nur als Beispiel für alle anderen gelten. Das Besondere ist jedoch, dass dies bislang niemand aus deutscher Sicht getan hat. Die Deutschen waren seiner Zeit, was das Kolonialisieren anging, anderen Nationen hinterher, und sehr erfolgreich waren sie letztendlich auch nicht. Gerade die Begegnung mit Kannibalen und die Art und Weise des Kontakts zu ihnen mag auch ein Beispiel dafür sein, wieso es nicht gelang.

Zwar läßt der Titel des Romans zunächst eher an einen seichten Schmöker à la Konsalik denken, Südsee unter Palmen mit romantischen Abendessen, während im Hintergrund schnulzig die rote Sonne untergeht, aber weit gefehlt! Zwar gibt es auch hier romantische Augenblicke, diese sind aber nur ein Ruhepol im Strudel der Ereignisse. Fast möchte man meinen, alles würde gut ausgehen, was man zwischendurch durchaus denkt, wenn man das Ende nicht kennen würde. Selten ließ man sich so gern und so voller Spannung aufs Glatteis führen.

Zwei Karten und ein paar historische Anmerkungen ergänzen den Roman, allerdings bringt einem die Karte auf dem Schutzumschlag fast mehr als die beiden zu dunkel geratenen kleineren Karten am Ende des Buches. Hier hätte es gerne etwas genauer sein können. Wer sich vom Titel des Buches nicht abschrecken läßt, bekommt tatsächlich das, was die Beschreibung auf dem Umschlag verspricht: einen "ungewöhnlichen Schauplatz der deutschen Spannungsliteratur", 500 Seiten voll gespickt mit Historie, Abenteuer und Dramatik. Hier hat der Osburg-Verlag einen guten Riecher bewiesen. Man sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen.

 

Der letzte Tanz im Paradies

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