Das Caffeehaus

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2009, Titel: 'Das Caffeehaus', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Nach diesem Roman schmeckt der Kaffee plötzlich ganz anders

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2009

Kurzgefasst:

Der Würzburger Bischof will eine Residenz, prächtiger als Versailles. Zum Baumeister bestimmt er den unbekannten Balthasar Neumann. Die Konkurrenten sinnen auf Rache. Da erhält Neumann Unterstützung von der jungen Sabiha. Das Schicksal hat die ehemalige Haremsdame nach Franken verschlagen. Sie träumt von einem Caffeehaus, prunkvoll und eines Sultans würdig. Gegen alle Widerstände machen sich die beiden Außenseiter daran, ihre kühnen Pläne zu verwirklichen.

 

Wenn es Bücher gibt, die nicht nur zur Unterhaltung beitragen sondern deren Spuren bis tief in den Alltag der Leser führt, dann gehört Das Caffeehaus von Roman Rausch zweifellos dazu. Denn nach der Lektüre wird sich so mancher bis dahin "gewöhnliche" Kaffeetrinker dabei ertappen, auf dem Etikett der Packung nach der Herkunft der Kaffeebohnen zu gucken. Der Autor hat es auf seine eigene Art verstanden, dem Kaffeegenuss eine neue Note beizufügen. Und hier vereint der Autor auch gleich die größten Stärken und Schwächen des Buches. Während an vielen Stellen die Erklärungen zum Kaffee stimmig und als besondere Würze des Romans daher kommen, werden sie an anderen Stellen so ausschweifend, dass nur noch eine bittere Brühe bleibt.

Einblick in andere Kulturen

Sprachlich gekonnt und mit großem Detailwissen über die türkische Hofkultur steigt Roman Rausch in die Geschichte ein. Er lässt schon nach wenigen Seiten die junge Haremsdame Sabiha ein eigenes Gesicht bekommen. Sie, die Schöne, mit der der Wesir die Nacht verbringen wollte, überlebt wie durch ein Wunder den Sturm auf die von den Türken belagerte Festung Kalemegdan in Belgrad. Veit Sturm, der beim Ausspionieren der Festung einen Blick auf Sabiha werfen konnte, ist in unsterblicher Liebe zu der fremden Schönheit entbrannt. Diese aber macht ihn und dessen Förderer Balthasar Neumann - einen begnadeten Kanonier und in seinen Träumen ebensolchen Architekten - dafür verantwortlich, dass ihre Träume platzten. Sabiha gelingt es ausgerechnet mit Hilfe von Veit Sturm und Neumann nach einigen Wirren, in Würzburg ein Caffeehaus zu errichten und wird bald durch die außergewöhnliche Qualität des Trunks berühmt. Derweil versucht sich Neumann als Baumeister und verblüfft mit seinen gewagten Konstruktionen.

Gute Ansätze, aber...

Der Roman besticht durch mehrere gute Ansätze, die die Handlungsstränge auch teilweise bestimmen. Aber immer wieder stolpert Roman Rausch etwas über seinen eigenen Anspruch, möglichst viel seines Wissens einzubauen. Dies geht eindeutig zu Lasten der Spannung und es braucht an einigen Stellen denn doch recht viel Durchhaltewillen, um nicht ein paar Seiten weiter zu blättern oder den Roman ganz beiseite zu legen. Während die ersten Beschreibungen und Überlegungen Sabihas zur Herkunft der Kaffeebohne noch durchaus reizvoll und interessant ist, so wirkt sie auf den "normalen" Kaffeetrinker bisweilen etwas grotesk, wenn es um Begriffe wie: "fruchtige Blume mit leichten Anklängen von Pfirsichen und Aprikosen" geht. Hier stößt der Autor zu tief in eine Fachsprache - die bestenfalls von Weindegustationen her bekannt ist - vor.

Welche Geschichte wird erzählt?

Das Buch kränkelt auch etwas an der Unschlüssigkeit des Autors, welche der beiden Geschichten denn nun im Vordergrund stehen soll: Ist es jene von Sabiha und dem Saray, dem Caffeehaus, oder ist es die Geschichte von Balthasar Neumann und seiner Architektur? Sicher, es lassen sich in nahezu jedem Roman zwei oder mehr Handlungsstränge miteinander verknüpfen, doch hier ist die Gewichtung unklar und so kommt es zu einer Konkurrenzierung statt Verknüpfung. Dem Lesegenuss vollends abträglich ist das Fehlen eines vernünftigen Glossars sowie einer Zeittafel, auf der die sich ständig wechselnden politischen Verhältnisse ablesen ließen oder die verwandtschaftlichen Verknüpfungen besser ersichtlich würden.

Gut ausgearbeitete Figuren

Die Stärke von Das Caffeehaus  findet sich vor allen Dingen in den guten ausgearbeiteten Figuren. Sie sind facettenreich und nicht davor gefeit, das eine oder andere Mal eine völlig falsche Richtung einzuschlagen. Besonders Sabiha, die sich bei aller Hilfe durch Veit und Neumann nicht von ihrem Groll gegen die beiden lösen kann, ist sehr gekonnt dargestellt. Einige wenige Figuren bleiben zwar zu blass und zu schwarz-weiß, doch das Gesamtkonzept stimmt durchaus.

Fortsetzung vorgesehen

Leider gehört Das Caffeehaus wie immer mehr der neu auf den Markt drängenden historischen Romane zu jenen, für die die Fortsetzung schon fest vorgesehen ist und die deshalb mit einem sehr vagen Schluss auskommen müssen, der die Neugier auf den nächsten Band ankurbeln soll. Dass dabei die Lust auf einen zweiten Band auch vergehen kann, weil im Mund schließlich ein schaler Geschmack zurück bleibt, wird nur allzu schnell vergessen.
Wer sich mehr mit dem Thema "Kaffee" und dessen Herkunft auseinander setzen möchte, wird bei diesem Roman auf seine Rechnung kommen. Für andere könnte es aber auch zu viel des Fachwissens werden. Gleiches gilt übrigens für das Thema Architektur, das dem geneigten Fachmann einige Informationen zu bieten hat, dem Durchschnittsleser aber ein Buch mit sieben Siegeln bleiben könnte. Auf jeden Fall eignet sich Das Caffeehaus nicht für jene, die vor allem kurzweilige Unterhaltung suchen.

Das Caffeehaus

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Letzte Kommentare:
10.02.2010 18:46:56
anath

Von diesem Buch hatte ich mir wesentlich mehr versprochen. Ich bin zwar jetzt im Wesentlichen über die Bauphasen der Würzburger Bischofsresidenz informiert und als Nichtkaffeetrinkerin weiß ich nun auch bestens über Kaffee Bescheid (nur trinken mag ich ihn wirklich nicht ), aber das kann\\\'s doch eigentlich nicht gewesen sein.
Dabei ist der Autor ja spürbar darum bemüht, sein umfangreiches Wissen irgendwie an den Leser zu bringen. Aber genau hier liegen m.M. nach die Probleme : im \\"spürbar\\" und im \\"irgendwie\\". Zum einen sind da die zwei Handlungsstränge, von denen einer eigentlich nur das Anhängsel des anderen ist. Die Geschichte um die Kaffeerösterin Sabiha als Aufhänger für die Geschichte des großen Balthasar Neumann ? Das hat er nun wirklich nicht verdient! Dieser Mann, mit seinem einzigartigen Weg vom bettelarmen Handwerksgesellen zum Stararchitekten hätte ein eigenständiges Buch gebraucht - ebenso wie die schillernde Haremsdame mit ihrem Kaffeehaus. In diesem Fall wären zwei Bücher tatsächlich mehr geworden.
So bleiben die Figuren flach und emotionslos, ihr Denken erschließt sich nur selten als Motiv für ihr späteres Handeln. Bißchen mehr Butter bei die Fische, bitte!
Aber hier steht sich der Autor mit seiner Art zu schreiben wohl selbst im Wege. Dabei hätte es mehr als genug Gelegenheit gegeben, besagte Butter in die Pfanne zu schmeißen : ein Haus brennt ab, ein Mann stirbt, Sabiha wird beschuldigt - und Schluß, Jahre später trifft man sie wieder.
Neumanns größtes Werk wird als Pfusch bezeichnet, er läßt sich auf eine wahnwitzig scheinende Probe ein - und Schluß, in einem Nebensatz erfährt man, wie die Sache ausgegangen ist. Natürlich weiß der Leser wahrscheinlich, daß der bemängelte Plafond noch existiert und heute eine der größten Attraktionen in der Würzburger Residenz ist. Aber darum geht\\\'s doch gar nicht ! Wo bleiben so lebensnotwendige Sachen wie Jubel, Verzweiflung, Haß,Wut ? Genau das aber fehlt, um die Protagonisten mit Leben zu erfüllen. Einzig Sabiha hat ein wenig Farbe abbekommen, das ließ sich wohl nicht völlig vermeiden bei einer Odaliske. Das diese heiße Braut sich aber nicht in so einen blutleeren Typen wie Veit verlieben kann - naja, da ist das Buch dann wieder stimmig.
Schade, viel Potential verschenkt, fade Kost, leider.

11.01.2010 09:45:16
MariaAmalia

Dieser Roman hat zwei ineinander greifende Handlungsstränge; Protagonist des einen ist der begnadete barocke Baumeister Balthasar Neumann. In diesem Erzählstrang geht es hauptsächlich um den Bau der Würzburger Residenz, die zu dieser Zeit herrschenden vier Fürstbischöfe und die wichtigsten politischen Ereignisse. Protagonistin des zweiten Handlungsstranges ist die Türkin Sabiha, eine ehemalige Haremsdame, die in Würzburg ein Kaffeehaus eröffnet. In diesem Erzählstrang steckt jede Menge Wissen über Kaffee und die Entwicklung der Kaffeehauskultur im 18. Jahrhundert. Der Roman wartet mit einer Fülle an historischen Details auf, die das Buch damit aus dem mittelmäßigen Einheitsbrei gängiger Histotainment-Literatur heraushebt. Der Sprachstil ist allerdings eher einfach, lässt sich aber flott und flüssig lesen.

Leider hat dieser Roman einige gravierende Schwachpunkte.

Dem Autor, der bisher Krimis geschrieben hat, gelingt es leider nicht, die vielen historischen Details in eine spannende und in sich schlüssige Rahmenhandlung zu packen. Auch ist ihm wahrscheinlich nicht bewusst, dass ein historischer Roman eine andere Dramaturgie benötigt als ein Krimi.

Während Sabiha eine rein fiktive Figur ist, hat es den Baumeister Balthasar Neumann tatsächlich gegeben. Könnte man über Balthasar Neumanns bewegtes Leben schon allein einen großen biographischen Roman schreiben, bleibt er hier ziemlich abstrakt und schablonenhaft, man erfährt über den Menschen hinter dem Baumeister Balthasar Neumann so gut wie gar nichts

Der Handlungsstrang um die Protagonistin Sabiha liest sich teilweise so aufregend wie ein Lehrbuch über Kaffeeanbau und -veredlung. Die Figur Sabiha ist genauso wie alle anderen Haupt- und Nebencharaktere dieses Romans wenig bis kaum ausgearbeitet und so manches wirkt gerade in Bezug auf diese Figur sehr konstruiert und ziemlich weit hergeholt. Nähe zu den Figuren kommt nicht auf, man bleibt als Leser auf Distanz. Dazu trägt nicht zuletzt der sehr nüchterne Erzählstil des Autors bei.

Zusammenfassend kann man sagen, dass dieser Roman lesenswert und trotz seiner Mängel um Längen besser ist als das, was dem Leser historischer Romane in der Regel vorgesetzt wird. Hervorzuheben ist auch das Fehlen jeglicher billiger Action und Effekthascherei und eine Liebesgeschichte wird man auch vergeblich suchen.

Von mir gibt es für dieses Buch 75 Grad.

23.11.2009 10:33:59
Claudia

In einem Rutsch übers Wochenende gelesen. Das sagt schon viel über "Das Caffeehaus" von Roman Rausch aus.
Die Ziele und Leidenschaften der beiden Protagonisten (Baumeister Balthasar Neumann und die Haremsdame Sabiha) sind stimmig entworfen, spannend erzählt und ohne übertriebene Gefühlsduselei in Szene gesetzt. Der Leser erfährt viel über das frühe 18. Jahrhundert, den politischen/kriegerischen Auseinandersetzungen, den Beginn einer einer Stilrichtung (Rokoko) und die Kultivierung des Kaffees in Deutschland.
Das osmanische Reich hat Deutschland damals sehr beeinflusst - und das mit einer unscheinbaren, braunen Bohne. Kaum zu glauben, aber wahr. Mein Morgenkaffee hat mir heute ganz anders geschmeckt - gehaltvoller, schmackhafter.