Der Verdacht des Mr Whicher oder Der Mord von Road Hill House

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • btb, 2008, Titel: 'The Suspicions of Mr Whicher or The Murder at Road Hill House', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Die wahre Geschichte eines Mord-Mythos

Buch-Rezension von Almut Oetjen Nov 2009

Kurzgefasst:

In einer Sommernacht im Jahr 1860 geschieht ein Mord in einem herrschaftlichen Landhaus in Wiltshire. Die Leiche des dreijährigen Saville wird mit durchgeschnittener Kehle hinter dem Haus gefunden. Die ganze Familie, mitsamt Personal, steht unter Schock, umso mehr, als der Verdacht auf ein Mitglied der Hausgemeinschaft fallen muss. Jack Whicher von Scotland Yard, einem der bekanntesten Detektive seiner Zeit, fällt die Aufgabe zu, den Fall aufzuklären. Der Mordfall löst eine nationale Hysterie aus, und als Whicher sein schockierendes Ergebnis vorlegt, gibt es Aufruhr und Proteste. Eine wahre Geschichte, die Generationen von Autoren wie Wilkie Collins, Charles Dickens und Arthur Conan Doyle inspirierte.

 

 

In einer Sommernacht des Jahres 1860 geschieht in einem englischen Landhaus in Road, Wiltshire, ein grauenhafter Mord. Der dreijährige Francis Saville Kent wird mit mehreren Stichen im Körper und durchschnittener Kehle aufgefunden. Da das Kind nachts aus seinem Bettchen gestohlen und außerhalb des Hauses im Abort ermordet wurde, es aber keine Einbruchspuren oder Hinweise darauf gibt, dass sich ein Unbefugter im Haus versteckt haben könnte, lässt dies nur einen Schluss zu: Einer der Hausbewohner muss der Täter sein. Die örtliche Polizei beschränkt ihre Ermittlungen auf das Dienstpersonal, ihre Hauptverdächtige ist das Kindermädchen.
Als nach zwei Wochen der Täter immer noch nicht gefasst war und die ganze Nation sich hysterisch in wilde Spekulationen ergab, entsandte das Innenministerium einen Mann von der noch jungen Metropolitan Police nach Road. Detective Inspector Jack Whicher, einer der ersten und fähigsten Ermittler, wird mit einer konkurrenzneidischen Ortspolizei konfrontiert, die in einer brisanten Mischung aus Unfähigkeit und falsch verstandenem Respekt mehr vertuscht als enthüllt hat, und mit dem noch größeren Problem, dass er bei seinen Ermittlungen die geheiligte Privatsphäre der bürgerlichen Familie verletzen muss, was von vielen als ein schlimmeres Verbrechen als der Mord selbst betrachtet wird. Bis zur Auflösung des Falls sollten Jahre vergehen. Bis dahin waren die Bewohner von Road Hill House abwechselnd Verdächtige, Komplizen, Verschwörer oder Opfer.

Ein Mordfall als Blaupause für den Landhauskrimi

Kate Summerscale erzählt die wahre Geschichte eines Mordes, der für ein ganzes Land zu einer Art Mythos wurde. Der Fall Road Hill erschütterte und verunsicherte die Bevölkerung und löste ein wahres Entdeckungsfieber aus, gefährdete die Karriere und Gesundheit eines der wohl besten Kriminalisten seiner Zeit, schädigte das ohnehin ramponierte Image der englischen Polizei noch mehr und lieferte darüber hinaus die Blaupause für den klassischen Sensationsroman, inspirierte zur Kriminalform des Landhauskrimis: ein abgeschiedenes Haus, ein mysteriöser Mord, einer der Bewohner ist der Täter, alle lügen, weil jeder ein Geheimnis wahren will. Wilkie Collins, Charles Dickens, Henry James und Arthur Conan Doyle wurden von dem Fall inspiriert, Mr. Whicher war Vorbild für Dickens Mr. Bucket, den ersten Detektiv der englischen Kriminalliteratur, und Collins' Mr. Cuff.

Exquisite Recherchearbeit

Formal orientiert sich Der Verdacht des Mr Whicher am Landhauskrimi und bedient sich einiger Kunstgriffe der Kriminalliteratur. Inhaltlich zielt er auf eine Wiedergabe der Fakten ab. Summerscales wichtigste Quellen sind die polizeilichen und amtlichen Akten zu dem Mord, die in den National Archives in Kew, Südlondon, aufbewahrt werden, außerdem Zeitungsartikel, Broschüren und Bücher, die in den 1860er Jahren zu dem Fall veröffentlicht wurden, ergänzt um Wetterberichte, Zugfahrpläne, medizinische Lehrbücher, Lebenserinnerungen von beteiligten Polizisten. Alle Informationen, alle Dialoge basieren auf harten Fakten. Neben dem eigentlichen Fall liefert Summerscale in Exkursen Wissenswertes über die Entstehungsgeschichte der Metropolitan Police, die Arbeit von Kriminalpolizei und Schutzpolizei und über Mr. Whichers Werdegang und insgesamt einen fundierten Einblick in die viktorianische Gesellschaft und die enorme Wirkungskraft des Mordes.
Ein Familienstammbaum der Kents, ein Personenverzeichnis, diverse Skizzen von Road Hill House und Lagepläne sowie die Kapiteleinteilung dienen der Orientierung, Fotos von Beteiligten, Örtlichkeiten und Dokumenten der Veranschaulichung, eine Einleitung, ein Nachwort und viele hilfreiche Anmerkungen ergänzen das Buch.

Kritikpunkte

Summerscale hat einen Wust an Informationen gesammelt, verarbeitet und daraus ein lebendig erzähltes und gut nachvollziehbares Buch geschrieben. Ein wenig störend könnte der mehrfache Hinweis sein, dass Whicher Vorbild für Bucket und Cuff war, und manche Exkurse sind zwar informativ und auch relevant, stören jedoch die Texthomogenität, was daran liegt, dass der Inhalt bei Summerscale oberste Priorität hat, gefolgt von der Form.

Fazit

Interessant für Leser, die sich für historische Kriminologie interessieren, historische Kriminalfälle, das Wurzelwerk des viktorianischen Kriminal- und Sensationsromans sowie für die englische Geschichte, speziell das viktorianische Zeitalter.

 

Der Verdacht des Mr Whicher oder Der Mord von Road Hill House

Der Verdacht des Mr Whicher oder Der Mord von Road Hill House

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