Mit einem Schlag

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • , 2008, Titel: 'Mit einem Schlag', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Mord im Appenzellerland

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Nov 2009

Kurzgefasst:

1780 taucht im Herisauer Tobel eine Leiche auf. Der Viehhändler Jakob Rüegg aus dem Zürcher Oberland wurde erschlagen und ausgeraubt. Verdächtigt werden Bettler, die sich im Ausserrhodischen herumtreiben, aber auch einige Faulenzer, welche sich im Sönderli bei Waldstatt treffen. Der ehemalige Salbenkrämer Jock Räfler besitzt zwar noch eine Weide mit Weidstall, musste aber seine beiden einzigen Kühe verkaufen. Sein Schwestersbob Konrad Zellweger schlägt sich mit Weben durch. Beide verdienen sich hin und wieder ein Zubrot, indem sie, sennisch gekleidet, vor fremden Kaufleuten heimische Lieder zum Besten geben. Zur Runde der Verdächtigen gehören ferner: der Hausierer Hans Stark, Jock Räflers Schwager Hansueli Alder, der den Mund gerne etwas voll nimmt, der gefürchtete Schläger Sepp Brunner vom Hemberg sowie der 16jährige Hanessli Rohner aus der Waldstatt, der kurz nach der Tat vermisst wird. Untersucht wird der Fall vom buckligen Arzt und Verhörrichter Jakob Zuberbüeler aus Speicher, der seinerseits nach höheren Würden strebt.

 

Durch Zufall findet ein Junge im Jahr 1780 im schweizerischen Herisauer Tobel die Leiche eines Mannes. Es stellt sich nach einigem Suchen heraus, dass der Tote der Viehhändler Jakob Rüegg aus dem Zürcher Oberland ist. Der Verhörrichter Jakob Zuberbüeler aus Speicher wird mit der Lösung des Falls beauftragt.

Als buckliger Doktor der Medizin ist er ein harter Amtsmann, der bei seinen Methoden auch gerne auf die Folter zurückgreift, wodurch alle Respekt und Angst vor ihm haben. Schnell hat er einige Verdächtige ins Auge gefasst. Als sich der eine oder andere Verdacht zu verdichten beginnt, wird der 16jährige Hanessli Rohner als vermisst gemeldet. Auch er ist verdächtig, doch schon bald finden sich zwei Hauptverdächtige, die sich den Foltermethoden des Verhörrichters nicht entziehen können.

Ausreichende Darstellung von Folter

Mit einem Schlag, so auch der Titel des Romans von Walter Züst, wurde der Viehhändler Jakob Rüegg getötet, und zudem noch ziemlich stümperhaft vergraben, da er viel zu schnell gefunden wurde. Die vermeintlichen Helden des Romans sind dabei nicht unbedingt der Verhörrichter Zuberbüeler, sondern vielmehr die beiden Schwäger Jock Räfler und Konrad Zellweger. Es geht auch nicht so sehr um die Täter, sondern vielmehr um die Art der Aufklärung des Falls und der angewandten Methoden, wie aus den Verdächtigen die Geständnisse herausgepresst werden. Neben den beiden Schwägern sind dies auch Jocks Ehefrau, der Hausierer Hans Stark, Hansueli Alder und der grundverdächtige Schläger Sepp Brunner.

Gerade in seinen Foltermethoden sieht der krüppelige Verhörrichter Zuberbüeler seine Macht, wenn die Menschen schon vor seiner Statur keinen Respekt haben. Walter Züst beobachtet sehr fein und sehr genau, wie er sich verhält, und warum er so auf seine Daumenschrauben und die anderen Verhörmethoden zurückgreift. Der Leser erfährt viel über das Foltern und über die Leiden der Gefangenen, manchmal zu viel, denn die Beschreibungen sind schon teilweise sehr ausführlich und genau und daher wohl nicht jedermanns Geschmack.

Dunkle Stimmung in der nebligen Schweiz

Der Roman ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste heißt "Ermittlungen und Folter", worin Zuberbüeler ermittelt und die Täter schließlich stellt und verhaftet. Im zweiten Teil "Geständnis und Hinrichtung", der ziemlich genau auf der Hälfte der 296 Seiten beginnt, beobachtet man die Täter im Gefängnis, wie sie ihre Geständnisse ablegen, wie sie ihnen abgepresst werden, und wie sie auf ihr Urteil und dessen Vollstreckung warten. Gerade dieser zweite Teil hat dadurch so seine Längen, obwohl es nicht uninteressant ist. Aber die Spannung ist erst mal dahin, nachdem das Verbrechen minutiös geklärt wurde.

Zuberbüeler macht denn auch letztlich alles richtig, wenngleich ihn das nicht sympathischer macht. Die Beweggründe für seine Brutalität bleiben letztlich im Dunkeln, ebenso die Gründe, warum alle Amtsmänner seiner Strafforderung folgen. Die Verdächtigen sind auch alle etwas zurückgeblieben oder zumindest mit einigen seltsamen Eigenheiten ausgestattet, so dass niemand in diesem Roman eigentlich als Sympathieträger herhalten kann. Und doch passen alle irgendwie in diese Gegend und in die Situation, denn hier nimmt nichts einen geraden Weg.

Klare Sprache ohne Extras

Punkten kann der Roman mit seiner Beschreibung der Sitten und Gebräuche, und auch die Rechtslage ist interessant. Züst schafft es, eine Atmosphäre zu beschreiben, in der man sich als Leser schnell zurecht findet. Die kleinen schweizerischen Orte, die deftig brodelnde Gerüchteküche, das Zerreissen der Mäuler untereinander, das ist wie im Klischee auf dem Land, was nicht negativ gemeint ist. Gerade in der Zeit der Aufklärung, wo es selbst bis in den letzten Winkel der beschaulichen Schweiz gedrungen ist, dass Amerika ein Zufluchtsort sein kann, sind solche Utopien wie "Flucht" und "Auswanderung" mehr als unerreichbare Ziel, können Träume schnell war werden, gerade dann, wenn das Geld des Raubmordes immer noch nicht aufgetaucht ist.

Züst wählt eine klare Sprache, wenngleich für den deutschen Leser der eine oder andere schweizerische Begriff wie "nüntiger Siech", "reicher Löli" oder "nüntege Chog" ungewohnt ist, aber im Zusammenhang kann man sich meist schnell denken, was gemeint ist. Der Appenzeller Verlag hat keinen Glossar und bis auf eine Karte des Appenzellerlandes im Umschlag der Buches keine weiteren Extras hinzugefügt. Gerne hätte man mehr über die realen Verhältnisse zu dieser Zeit erfahren, beispielsweise, ob der erzählte Fall auf einer wahren Begebenheit beruht. So bleibt ein Roman, der im zweiten Teil seine unnötigen Längen hat, aber nicht abflacht, und der mit dem schweizerischen Hintergrund einen fast exotischen Erzählort hat. Auch wenn der Roman im Inneren als "Historischer Kriminalroman" geführt wird, so hätte man doch mehr Spannung erhofft. Aber nun, der Gerechtigkeit wurde ordentlich Genüge getan, und das ist ja auch nicht immer der Fall.

 

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