Der Seher des Pharao

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Piper, 2008, Titel: 'The Twice Born', Originalausgabe

Couch-Wertung:

79

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Eva Schuster
Gelungener Start einer Amenophis-Trilogie

Buch-Rezension von Eva Schuster Sep 2009

Kurzgefasst:

Der hochbegabte Schreiberschüler Huy hat viele Neider bis ihn schließlich ein Mitschüler tödlich attackiert. Doch nach fünf Tagen kehrt er von den Toten zurück und verfügt daraufhin über göttliche Gaben, die ihn noch viel mächtiger und magischer werden lassen, als zuvor: Der Pharao beruft ihn schließlich an seinen Hof, und aus dem kleinen Huy wird "Amenophis, Sohn des Hapu", Architekt des bis heute berühmten Luxor-Tempels. Zugleich gewinnt er das Vertrauen der schönen Prinzessin Senetamu...

 

Ägypten, rund 1400 Jahre v. Chr.: Der kleine Huy ist der Sohn des Bauern Hapu und dessen Frau Itu. Trotz seiner einfachen Herkunft kommt er durch seinen reichen Onkel zur Tempelschule in Iunu, wo seine Intelligenz gefördert wird. Der überaus begabte Junge lernt schnell Lesen und Schreiben und findet in dem gleichaltrigen Thutmosis einen besten Freund. Trotz des anfänglichen Heimwehs gewöhnt er sich ein und arbeitet eifrig mit.

Huy hat unter den Mitschülern aber von Beginn an einen Neider, den hinterlistigen Sennefer. Als Huy zwölf Jahre alt ist, kommt es zu einem Streit mit Sennefer und Huy wird von einem Wurfholz tödlich getroffen. Fünf Tage nach seinem Tod, kurz vor seiner Einbalsamierung, erwacht Huy aber wieder zu Leben. Er erinnert sich dunkel an Gespräche mit dem verstorbenen hohen Gelehrten Imhotep und an das Buch Thot. Nach seiner Genesung stellt sich heraus, dass Huy das zweite Gesicht hat und bei Berührungen das weitere Schicksal der Menschen sehen kann.

Huy leidet zunächst unter seiner neuen Gabe, die vielen Menschen Angst einjagt. Die Tempelpriester ermöglichen ihm jedoch ein intensives Studium, um seine Gabe zu fördern. Auf Huy wartet ein neues Leben als Seher, das einige schmerzhafte Entbehrungen mit sich bringt - auch wenn es ihn schließlich an den Hof des Pharao führt ...

Vom Bauernjungen zum Berater des Pharao

Pauline Gedge ist eine der erfahrensten Autorinnen auf dem Gebiet des Alten Ägypten. Daher liegen die Erwartungen bei jedem neuen Roman in diesem Metier hoch. Der Seher des Pharao ist der Auftakt einer Trilogie und der deutsche Titel ist dabei durchaus irreführend - erzählt werden hier nämlich nur die ersten achtzehn Lebensjahre von Huy alias Amenophis, der erst auf den letzten fünfzig Seiten dem Pharao begegnet. Stattdessen wird der Leser ausführlich in die Vorgeschichte eingeführt, über die faktisch wenig bekannt ist. Pauline Gedge schmückt das spärliche Wissen um seine früheren Jahre gekonnt aus und führt detailliert das Leben im Alten Ägypten vor Augen. Huy wächst als Sohn eines einfachen Bauern auf. Seine überdurchschnittliche Intelligenz und die Förderung seines Onkels Ker ermöglichen ihm den Besuch der Tempelschule, wo er Lesen und Schreiben lernt. Es ist eine große Ehre für einen Jungen seiner Herkunft, doch Huy weiß diese Ehrung zu Beginn nicht wirklich zu schätzen - der kleine Junge hat Angst vor Heimweh und tatsächlich ist das Leben in der Tempelschule nicht gerade leicht.

Zum Glück schließt er schnell Freundschaft mit einem anderen Neuling, Thutmosis, der zu einem der sympathischsten Charaktere des Buches wird. Thutmosis ist schon als kleiner Junge ein wenig geziert, höflich und umständlich, dabei ordentlich bis zur Pedanterie und gleichzeitig mit einem hoffnungslos schlechten Orientierungssinn ausgestattet. Er und der chaotische, lebhafte Huy ergänzen sich großartig und der Leser erlebt eine schöne, andauernde Freundschaft, die, wie angedeutet wird, bis ins hohe Alter bestehen bleibt. Weitere reizvolle Charaktere sind Ischat und Anuket. Ischat ist die Tochter der Diener von Huys Eltern, die gemeinsam mit ihm heranwächst. Im Jugendalter kommt es zu Konflikten mit Ischat, da sie immer stärker die Kluft zwischen dem gelehrten Huy und ihrer Dienerherkunft spürt und sich vergeblich eine Ehe mit ihm wünscht. Anuket ist Thutmosis' jüngste Schwester, für die Huy seine erste Liebe empfindet - doch so gern er auch in der Familie seines besten Freundes gesehen wird, ist es hier seine eigene niedere Herkunft, die eine Verbindung mit der adligen Anuket aussichtslos macht.

Gemächlicher Einstieg und steigende Spannung

Der Roman liest sich von Beginn an durchaus unterhaltsam, gewinnt aber erst ab Huys zwölftem Lebensjahr an Spannung. Dann jedoch überschlagen sich die Ereignisse und der Leser verfolgt gebannt die Entwicklungen. Huys Göttergabe ist zugleich ein Fluch für ihn: Nicht nur, dass er nach seiner Auferstehung zunächst für einen Dämon gehalten wird und sich Teile seiner Familie von ihm distanzieren - er muss auch lernen, mit seiner Gabe umzugehen. Ohne es zu wollen, sieht er mehrfach das Schicksal anderer voraus und ist unsicher, ob seine Ratschläge wirklich dazu beitragen können, etwa einen frühen Tod abzuwenden. Seine Umwelt begegnet ihm meist entweder mit Ehrfurcht oder mit Misstrauen und Thutmosis ist einer der wenigen, die ihn nicht anders behandeln als zuvor. Das Studium des Buches Thot fordert und erschöpft ihn, ebenso wie die regelmäßigen Visionen. Dazu kommt der Kummer über die erste Liebe und die Befürchtung, dass es für ihn und Anuket keine gemeinsame Zukunft gibt - einmal, weil ihre Herkunft zu unterschiedlich ist und einmal, weil eine Ehe sich mit seiner göttlichen Berufung widersprechen könnte. Huy ist sichtlich ein Auserwählter wider Willen, der seine Gabe als Bürde empfindet und sehr authentisch darauf mit Ängsten und Ablehnung reagiert. Aus dem anfangs verzogenen Kind entwickelt sich allmählich ein verantwortungsbewusster junger Mann, der sein schweres Schicksal nach und nach annimmt, dabei aber auch immer wieder Rückfälle erleidet und vergeblich versucht, einen anderen Lebensweg einzuschlagen. Pauline Gedge schreibt in einem angenehmen Stil, der für ein rasches Einlesen in die Handlung sorgt. Es gibt einige reizvolle Einblicke in den altägyptischen Alltag. Der kleine Huy hat tausende Jahre vor unserer Zeit einen ganz ähnlichen Tagesablauf wie heutige Kinder auch mit Spielzeug wie Kreisel und Nachziehhund, mit kleinen Zankereien zwischen Freunden und Familie. Es gibt kleine Informationen zu den damaligen Speisen, zu Krankheitsbehandlungen und zur gesellschaftlichen Ordnung. Hin und wieder gibt es auch amüsante Lesemomente, vor allem zwischen Huy und Thutmosis, die sich in vielerlei Hinsicht nicht von Jungen der Gegenwart unterscheiden.

Kleine Schwächen

Ein bisschen problematisch ist die Darstellung des kleinen Huy. Nachdem der Leser ihn auf den ersten Seiten erlebt, sieht er ein recht altkluges, vielleicht achtjähriges Kind vor seinem geistigen Auge - nur um kurz darauf zu erfahren, dass Huy tatsächlich erst vier Jahre alt sein soll. Sein übertrieben reifes Auftreten, vor allem die sichere Sprache, die an ältere Kinder denken lässt, könnte noch mit seiner Hochbegabung erklärt werden - doch Huy beste Freundin aus Kindertagen, Ischat, ist erst drei Jahre alt und wirkt ebenfalls einige Jahre älter, obwohl sie alles andere als gelehrt ist. Hilfreich wäre zudem ein Glossar zum Nachschlagen einschlägiger Begriffe gewesen, seien es Götter- oder Herrschernamen, auch auf eine historische Karte muss der Leser verzichten. Vor allem in den Szenen, in denen aus dem Buch Thot zitiert wird und in denen Huy seine Studien und Deutungen anstellt, wird es teilweise etwas philosophisch und langatmig - vor allem für alle Leser, die sich nicht intensiv für den ägyptischen Götterkult interessieren.

Als Fazit bleibt ein gelungener Roman, der die ersten Jahre des berühmten Amenophis, hochverehrter Architekt, Priester und Berater des Pharao, erzählt. Der Leser verfolgt gebannt sein Schicksal und bekommt Lust, auch die weiteren Bände zu lesen, die noch folgen werden. Zwar gibt es zwischendurch kleine Längen, die aber den Lesegenuss nicht zu stark schmälern.

 

 

Der Seher des Pharao

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Letzte Kommentare:
29.01.2011 12:43:24
akase

Ein spannender Leseausflug ins alte Ägypten. Man taucht in die Landschaften und Orte ein und kann mitunter so tief ins Geschehen eintauchen, dass man das Echo seiner Schritte durch die Hallen der Tempelschule von Iunu zu vernehmen meint....

Irritierend: Mitten im Geschehen bricht die Geschichte plötzlich ab und man forscht nach der Fortsetzung.
Gibt es die nun schon???

18.11.2009 15:46:11
Antje Schmalzbauer

Huy ist ein kleiner intelligenter Junge aus Hut-Herib in Ägypten. Von seinem reichen Onkel wird er auf eine Schule geschickt und findet dort nicht nur Freunde. Seine Begabung fordert auch die Neider heraus. Einer dieser Neider erschlägt ihn eines Tages mit einem Wurfholz. Fünf Tage später kehrt er, nach dem Willen der Götter, von den Toten zurück und verfügt daraufhin über göttliche Gaben. Seine seherischen Fähigkeiten sind von ihm ungewollt und machen ihm das Leben schwer. Auch die Frau, die er liebt kann er nicht heiraten und so kehrt er, nachdem er die Schule beendet hat, von Iunu nach Hut-Herib zurück, um als einfacher Schreiber zu arbeiten. Ischat, seine Freundin aus Kindertagen unterstützt ihn als Dienerin und er bringt ihr das Schreiben bei. Doch bald sprechen sich seine Fähigkeiten in der Stadt und auch im ganzen Land herum und der Pharao wird auf ihn aufmerksam. Er weissagt dem Pharao und sein Schicksal nimmt seinen Lauf.

Der Seher des Pharao ist der erste Teil einer Trilogie und man darf auf die Fortsetzungen gespannt sein. Allerdings dürfte es schwer sein, für jemanden, der sich in der Geschichte Ägyptens nicht auskennt, sich gleich zurecht zu finden. Ein Glossar wäre da hilfreich gewesen. So heißt es recherchieren oder sich einfach mit dem Lesen zufrieden geben. Das Buch ist flüssig zu lesen und es macht Spaß in das alte Ägypten ein zu tauchen. Pauline Gedge schreibt lebendig und bunt. Man wird hineinversetzt in eine wunderbare Welt, aber auch in das Leiden von Huy.

Mit hat das Buch gut gefallen und ich freue mich schon auf die Weiteren. Ich habe schon viel über Ägypten gelesen und bin immer wieder fasziniert davon.

Was mich sehr gestört hat, waren die vielen Druckfehler. Leider ist der Beruf des Korrekturlesers wohl schon ausgestorben.

03.10.2009 22:25:12
Moehrchen

Huys Aufstieg zum Seher

Pauline Gedge wurde 1945 in Auckland in Neuseeland geboren. Sie wuchs in England und Kanada, wo sie heute noch lebt, auf . Sie arbeitet heute als Schriftstellerin und hat schon viele Romane verfasst, die im Ägypten des Altertums spielen.

Der Roman beginnt kurz vor dem vierten Namensgebungstag des kleinen Huy, Sohn des Hapu. Sein Onkel ermöglicht ihm den Besuch einer Tempelschule. Schweren Herzens geht Huy auf diese Schule, lernt dort Freunde aber auch Feinde kennen und erweist sich als begabter Schüler. Er wird schließlich von einem seiner Mitschüler erschlagen, erwacht aber mehrere Tage später im Haus der Toten wieder. Huy hat in diesen Tagen eine göttliche Wandlung erfahren, die seinen weiteren Lebensweg bestimmen wird.

Pauline Gedge erweckt das Ägypten des Altertums, zur Zeit Tutmosis\' und Amenhoteps - also zur Zeit der 18. Dynastie (14. Jahrhundert v. Chr.) -, vor unseren Augen zum Leben. Sie beschreibt, wie das ganze Leben in Ägypten von der Nilschwemme abhängig war, dass die Ägypter zahlreiche Götter verehrten und dass man kaum eine Chance hatte, aus dem Stand, in den man hineingeboren wurde, aufzusteigen. Bildung war teuer, man musste dafür viel Geld zahlen und hatte, wenn man aus einem niedrigen Stand kam, kaum die Chance dies aufzubringen. Huy konnte auch nur dank eines vermögenden, kinderlosen Onkels die Schule besuchen.

Verwirrt hat mich - als nicht so mit den ägyptischen Bräuchen und Göttern Vertraute - die ganze Götterwelt der Ägypter. Leider hat die Autorin es versäumt, diese - vielleicht in einem Anhang - näher zu erklären und deren Funktion zu beschreiben. Man lernt zwar einiges zusammen mit Huy, dem die ganzen Funktionen der Götter durch seine Erziehung auch nicht so geläufig sind, aber er weiß immer noch mehr als man selber.

Das Buch ist flüssig zu lesen, jedoch hat es bei mir bis zur Mitte des Buches gebraucht, bis es mich endlich gepackt hat und ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht. Davor plätschert die Handlung etwas dahin und es passiert nicht viel Spektakuläres bzw. Interessantes - vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich eher in der Spannungsliteratur zu Hause bin und eher selten historische Romane lese. Leider übertreibt es die Autorin auch damit, dass Buch Thot - das Huy lesen muss - in aller Ausführlichkeit darzustellen, so dass es stellenweise fast langweilig wird.

Ein historischer Roman, der erst mit der Zeit an Fahrt gewinnt. Für Einsteiger in die Materie des alten Ägypten teilweise etwas holprig, für Kenner sicher ein Schmankerl.