Die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2009, Titel: 'Die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Historische Feinheiten im charmanten Plauderton vermittelt

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2009

Kurzgefasst:

Giacomo Casanova, der selbst ernannte Chevalier de Seingalt, kommt im Sommer 1764 nach Berlin und Potsdam, um dort sein Glück zu machen. Restlos pleite, lediglich unterstützt von seiner geheimnisvollen Brieffreundin, trifft er dort auf die Rokoko-Welt des preußischen Adels, unter anderem auf Johanna von Preußen, deren Gatte auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Nur um der jungen Gräfin näherzukommen, übernimmt Casanova die zwielichtige Rolle des Commissaire und begibt sich auf die Suche nach dem Vermissten...

 

Giacomo Casanova steht im Mittelpunkt dieses Romans, der zwar unter anderem einen Mord und das geheimnisvolle Verschwinden eines deutschen Adeligen thematisiert, aber keineswegs als historischer Krimi bezeichnet werden kann. Denn der italienische Lebemann und Liebhaber alles Weiblichen (und wie aus dem Roman unschwer zu erkennen ist, auch dem Männlichen nicht abgeneigt scheint) schildert in seinen Briefen an eine innige - aber lange anonyme - Freundin nicht etwa seine kriminalistischen Erfolge. Vielmehr erzählt er ihr von seinen amourösen Erlebnissen, von seinem sehr speziellen Diener Lambert und vom Leben in Preußen nach dem Krieg, der sieben Jahre lang Schrecken über die Bevölkerung gebracht hat.

Etwas zähflüssig

Autor Herbert Beckmann beginnt seinen Roman um die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova mit einem forschen Tempo, lässt der Handlung in charmantem Plauderton Leben einfließen. Leider kann er diese humorvolle Erzählweise nicht bis zum Schluss durchhalten. Dies ist letztlich das größte Manko des Romans. Stellenweise wird die Handlung so zähflüssig, dass eine leichte Langeweile aufkommt. Detailverliebt schildert der Autor Inneneinrichtungen, Möbelstücke, Tapeten, Hausfronten. Zu detailverliebt. So werden zwar einige historische Feinheiten serviert, doch nachdem sich der charmante Plauderton zu einer etwas verkrampften Erzählweise gewandelt hat, sind diese Feinheiten nicht mehr so exquisit wie in den ersten Briefen.

Verzerrte Figuren

Leider übertreibt es Herbert Beckmann auch etwas, wenn es um die Figurenzeichnung geht. Wohl kommt Giacomo Casanova stimmig und trotz seiner Eskapaden recht sympathisch rüber, doch verliert er bei einigen anderen Figuren das Maß und überzeichnet sie so sehr, dass das Ensemble, das der Autor entstehen lassen wollte, unglaubwürdig und verzerrt wirkt. Das ambivalente Verhalten einer jungen Baroness kommt ebenso übertrieben daher wie die Schlampigkeit des Dieners, der nicht nur regelmäßig stinkt, sondern auch dem Alkohol sehr zugetan ist. Schade. Hätte hier der Autor etwas mehr Zurückhaltung gezeigt, wären die indiskreten Briefe zu einem wahren Lesegenuss geworden. So aber verliert sich der anfänglich mehr als nur positive Eindruck nach und nach in einem gewissen Überdruss.

Roter Faden fehlt

Dem Roman fehlt es letztlich auch am roten Faden. Die Geschichte entwickelt sich nur langsam und wirkt stellenweise etwas gequält. Da vermag auch das Augenzwinkern, mit dem Casanova seiner unbekannten Briefpartnerin (es wird allerdings im Laufe des Romans aufgeklärt, um wen es sich handelt) die Ereignisse schildert, nicht darüber hinweg täuschen. Angenehm nimmt sich aber die Sprache heraus. Das Buch liest sich flüssig und die französischen Ausdrücke, die da und dort eingestreut sind, wirken weder deplatziert noch hemmen sie den Lesefluss. Zudem gibt ein umfangreiches Glossar zum Ende des Buches Auskunft über die verwendeten Ausdrücke, was überaus positiv ist.

Wer einen historischen Krimi sucht, sollte von Die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova definitiv die Finger lassen. Dazu wird an Spannung zu wenig geboten. Wer sich für Details aus dem Preußen des 18. Jahrhunderts interessiert - insbesondere auch für Friedrich den Großen - dürfte hingegen schon eher auf seine Kosten kommen. Herbert Beckmann legt hier ein zwar stilistisch außergewöhnliches, aber sich nicht über ein Mittelmaß hinaus bewegendes Buch vor.

 

Die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova

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