Kapitän Seiner Majestät

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2009, Titel: 'Gentleman Captain', Originalausgabe

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Volker Faßnacht
Ein zäh-flotter Erstlingsroman über die Schifffahrt des 17. Jahrhunderts

Buch-Rezension von Volker Faßnacht Jul 2009

Kurzgefasst:

Cromwell ist tot und England hat wieder einen König. Charles II. braucht loyale Männer, und so ernennt er den jungen Adligen Matthew Quinton zum Kapitän eines Kriegsschiffs. Dabei hat der gerade eine Fregatte auf Grund gesetzt. Bald geht es nordwärts in schottische Gewässer, wo sich dunkle Wolken für die Krone zusammenbrauen und Matthew erkennt, warum mit diesem gefährlichen Auftrag gerade ein Anfänger betraut wurde...

 

Dr. David Davies, anerkannter Historiker und Autor verschiedener Sachbücher und sonstiger Publikationen über die Marine des 17. Jahrhundert, beginnt mit "Kapitän Seiner Majestät" eine zum Roman erweiterten Reihe, basierend auf "The Quinton Journals", die ebenfalls aus seiner Feder stammen.

Dabei ist einmal mehr der originale englische Titel des Romans ("Gentleman Captain") so viel aussagekräftiger, als der eingedeutschte Titel des Rowohlt-Verlags, bei dem nicht zu erkennen ist, dass der Autor über einen speziellen neuen Typus von Kapitänen der englischen Seefahrt unter Charles II. schreibt:

Dabei geht es nämlich um die adeligen Söhnen, die wohl weniger oder auch gar nichts von der Seefahrt verstanden, im Gegensatz zu ihren Pendants - professionelle Seeleute niederer Herkunft (sog. "Tarpaulins"), die sich aufgrund ihrer Erfolge im Kampf einen Namen gemacht hatten. Den adeligen Kapitänen (sog. "Gentlemen Captains") musste aber ebenso, aufgrund der oft jahrelangen treuen Gefolgschaft zum König im Exil, ein Posten im Dienste des wiedereingesetzten Königs zugesprochen werden. Zumindest war das die Meinung der schwachen Regierung Charles II., der versuchte, allen gerecht zu werden und dabei keine eindeutige Stellung bezog.

Zudem waren sich die Verwaltungsorgane des neuen, alten Königs nicht sicher, ob man den Commonwealth Captains alten Schlags immer so ganz trauen konnte, da sie ja zuvor, oft mit großer Begeisterung dem Parlament unter Cromwell gedient hatten und nun plötzlich der wiedereingesetzten Monarchie dienen sollten, die sie gerade eben noch so leidenschaftlich bekämpft hatten.

Eine durch und durch fiktive Geschichte mit Bezug und Vorbild aus der Geschichte

Wie der Autor in seinem Nachwort zugibt, sind die Hauptpersonen des Romans allesamt erfunden, genauso wie auch der im Roman vermutete Aufstand der Schotten unter Führung des Campbell-Clans. Verschwörungen oder auch nur Verschwörungstheorien gab es zu der Zeit jedoch genügend, so dass man als Leser jederzeit dem Autoren Glauben schenken kann und sich somit Geschichte und Fiktion perfekt zu einem Ganzen zusammenfügt.

Und so punktet der vorliegende Roman neben den nicht erwiesenen geschichtshistorischen Erfindungen des Autors ganz eindeutig mit historisch untermauerten Details, wie z.B. der Erwähnung der "Batavia", dem Flagschiff der VOC (Vereinigte Ostindien Companie), eine sehr ausführliche Beschreibung der Seeschlachttaktiken vor 1650 (Entertechniken) und danach (Line of Battle, also einer systematischen Anwendung von Schlachtlinien und Abfeuerung von Breitseiten), oder auch die Ausführungen über die Männer, ihre Bekleidung und Aufgaben an Bord bis hin zu einer Speisenreihenfolge an Bord eines königlichen Kriegsschiffs zu Ehren eines anderen englischen Kapitäns oder anderer hochrangiger Gäste.

Dr. Davies lässt seine Leserschaft förmlich Teil der Mannschaft werden. Man spürt, welche Vorstellungsnormen die Leute an Bord gehabt haben mussten (über Ehre, Recht und Gerechtigkeit, Mannschaftszusammenhalt oder die Rolle der Astrologie in der Seefahrt beispielsweise). Das dies einem Historiker als Fachmann der Materie zuzutrauen ist, nun, das muss nicht diskutiert werden. Dass er es allerdings auch dem interessierten Laien gegenüber verständlich vermitteln kann, schon eher. Und das funktioniert in dem Roman zweifellos ganz hervorragend. Zumal auch die Form der Ich-Erzählperspektive aus Sicht des Kapitäns Matthew Quinton eine große Nähe zulässt.

Ein Auftaktswerk einer Romanreihe mit Entwicklungspotential

Trotzdem fehlt dem Roman "Kapitän Seiner Majestät" noch ein klein wenig zu einem hervorragenden Werk. So ist beispielsweise der Beginn etwas zu zäh geraten. Der Autor braucht mit über 100 Seiten zu lange, bis die Geschichte ins Rollen kommt. Andererseits lässt sich durchaus bemängeln, dass dem Roman der eigentliche Beginn fehlt: Eine Beschreibung, wie und wann der junge Mann zu seinem ersten Kommando kam, vielleicht die Schilderung über die Audienz beim König oder der Flottenadmiralität?
Das Buch beginnt mitten im Sturm, als Kapitän Quinton gerade sein erstes Schiff verliert. Da hätte man sicherlich noch 10 Seiten mehr über die Vorgeschichte erwarten können.
Dafür dann 10 Seiten eingespart bei der Beschreibung der familiären Verhältnisse im Hause Quinton, über das gespannte Verhältnis der Familie zu ihrem erfolgreichen, holländischen, ebenfalls seefahrenden Schwager bzw. Schwiegersohn; es wäre sicherlich ausgewogener gewesen.

Nichtsdestotrotz ein empfehlenswerter Roman, der dank eines detaillierten Einblicks in die Seefahrt des 17. Jahrhunderts vor allem den Fans dieses Genres Spaß machen dürfte, aber auch für die Krimifans durchaus Raum für manch Überraschung und Spannung bis zum Schluss einräumt.

Man kann gespannt sein, wie sich der Schriftsteller bei den nächsten beiden Werken der Reihe (Arbeitstitel: "The Mountain of Gold" und "The Blast that tears the Skies") entwickeln wird.

Kapitän Seiner Majestät

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Letzte Kommentare:
13.08.2009 10:02:36
R. Hörstgen

Man merkt, wenn man sich etwas in der englischen Geschichte auskennt, bei diesem Buch sehr wohl einen recht gelungenen Bezug zur Zeit der Restauration, zum Beispiel dann, wenn der Name Pepys auftaucht der als Sekretär der Marine der Nachwelt ein facettenreiches Sittengemälde in Form seines berühmten Tagebuches hinterließ. Immer wieder flackern sehr authentisch anmutende Darstellungen auf, die Rückschlüsse auf das Fachwissen des Autors zulassen. Wenn dieses Buch wirklich der Auftakt zu einer Reihe darstellt, so freue ich mich persönlich auf ein neues Abenteuer des Protagonisten, obwohl der Handlungsstrang sehr eindimensional ist und obwohl ich die Übersetzung als hölzern empfinde. Der Autor lässt seinen Helden Quinton das Abenteuer rückblickend erzählen und es macht Spass ab und an den Einlassungen des "alten Quinton" zu begegnen. Wer Hornblower gerne sieht oder liest, wird auch diesem Helden folgen, in eine Epoche, die leider nur selten den Rahmen für einen historischen Roman gibt. Es macht Freude den Roman zu lesen. Ob er allerdings das Zeug dazu hat als Reihe Erfolg zu haben..., naja.