Die Lichter des George Psalmanazar

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • , 2009, Titel: 'Die Lichter des George Psalmanazar', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Vom bekehrten Wilden zum Oxford-Dozenten

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jul 2009

Kurzgefasst:

Fischmann!, verspotten die Kinder den seltsamen Jungen, der im Jahr 1749 in einem schottischen Küstendorf erscheint. Mit bloßen Händen fängt er Doraden, und während er sie verkauft, singt er immer neue fremdländisch klingende Schicksalsweisen. Der alte Bischof von Innes wird Zeuge des Schauspiels. Er lockt den Jungen fort vom Meer und nimmt ihn mit sich. Die Folianten in der bischöflichen Bibliothek ziehen George magisch an. In einer Nacht blättert er in einem Buch über die Insel Formosa, die er am nächsten Tag als Ort seiner Herkunft besingt. Der geschäftstüchtige Innes gibt dem Jungen den Namen George Psalmanazar und bringt ihn in die Hauptstadt. In aller Öffentlichkeit erzählt er von Formosa, und er präsentiert das formosische Alphabet. Auch Mr Johnson, der Löwenmann, ist gekommen. Er kauft dem Bischof den wundersamen Jungen ab und nimmt ihn zu sich in die Fleet Street, wo er mit seiner üppigen Frau Elizabeth und Stieftochter Lucy lebt. George und Lucy sind klein, unschuldig, nicht von dieser Welt. Ihre Begegnung ist der Beginn einer zarten Liebesgeschichte im London des 18. Jahrhunderts.

 

Im 18. Jahrhundert taucht ein Junge namens George an der schottischen Küste auf. Er fängt Fische mit bloßen Händen und verkauft sie, in Leinentücher, getrocknete Palmblätter und andere Materialien gewickelt, auf die er kleine Geschichten geschrieben hat. Er singt in einer den Menschen unbekannten Sprache Lieder.
Als Bischof Innes von ihm hört, wird er neugierig und holt ihn auf sein Gut. Zwar wird er aus George nicht wirklich schlau, ist aber von dem Jungen fasziniert, der die lateinische Sprache besser als er beherrscht und ihm verschiedene Geschichten über seine Herkunft und Identität auftischt.
Innes verspricht sich persönliche Vorteile - Geld und ein höheres Amt - davon, George als bekehrten Heiden dem Bischof von London und dem Wissenschaftler und Dichter Samuel Johnson zu präsentieren. Er bereitet ihn zwei Jahre lang vor, tauft ihn auf den Namen George Psalmanazar und fährt mit ihm nach London. George erzählt der Öffentlichkeit von seiner angeblichen Heimat Formosa, beantwortet Fragen und trägt tanzend ein Alphabet vor, das er formosisch nennt.
Johnson kauft George dem Bischof ab und nimmt ihn mit in sein Haus in der Fleet Street, das er mit seiner Frau Elizabeth und seiner Stieftochter Lucy bewohnt. Georges "formosische Fata" wird vom Bischof von London für wahr anerkannt. Binnen drei Jahren soll er den Katechismus und die Bibel in die formosische Sprache übersetzen. George wird nach Oxford berufen, wo er Newton und Halley kennen lernt. Er hat Fürsprecher, Bewunderer und Gegner. Der Niederländer Olfert Dappers intrigiert gegen ihn auf übelste Weise, weil Georges Buch über Formosa, anders als die Bahn brechende Arbeit von Großvater Dappers, Lüge und Erfindung sei.
Lucy verliebt sich in George, sie heiraten und bekommen einen Jungen, "Junior".

Das historische Personal

Die Figuren in Dröschers Roman sind ihren Namen nach Personen der Geschichte. Die Vorbilder der beiden Hauptfiguren sollen kurz vorgestellt werden.
George Psalmanazars (ungefähr 1679-1763) Herkunft ist nicht geklärt. Er gab vor, Ureinwohner Formosas (Taiwans) und von Jesuiten nach Europa entführt worden zu sein. William Innes, Militärkaplan, im Roman schottischer Bischof, traf ihn in den Niederlanden, taufte ihn und stellte ihn 1703 dem Bischof von London vor. 1704 veröffentlichte Psalmanazar das Buch "An Historical and Geographical Description of Formosa, an Island subject to the Emperor of Japan", in dem er seine (angebliche) Herkunftsinsel beschrieb, seltsame Riten darstellte, Polygamie, Kannibalismus, das formosische Alphabet. Zwar wurde er nebst seinen Beschreibungen von Anfang an kritisch und argwöhnisch betrachtet. Aber seine Berufung nach Oxford ermöglichte es ihm, als Übersetzer und als Dozent für Sprache und Kultur Formosas zu arbeiten.
Samuel Johnson (1709-1784) war ein Autor, dessen heutiger Ruf insbesondere begründet wurde durch sein Wörterbuch der englischen Sprache, eine 1744 veröffentlichte Biografie über seinen Freund, den Dichter Richard Savage, und sein Theaterstück "Irene", an dem er von 1726 bis 1749 geschrieben hat, um dann doch nur unzufrieden damit zu sein. Er war verheiratet mit Elizabeth Porter (1689-1752) und Stiefvater ihrer Tochter Lucy.

Daniela Dröscher ist an einer authentischen Verwendung historischer Fakten und an einer akkuraten Nachzeichnung der Figuren nicht interessiert. Ihr liegt mehr daran, mit dem historischen Material zu arbeiten, um daraus eine eigene Geschichte zu entwickeln. So wurde der historische George Psalmanazar dreißig Jahre vor Samuel Johnson geboren, der im Roman Georges Vater sein könnte.

George Psalmanazar als edler Wilder

Bischof Innes und Johnson projizieren auf George ihre Vorstellungen vom edlen Wilden, wie sie sie aus Jean-Jacques Rosseaus "Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen" herausgelesen haben (die mittlerweile in einer genaueren Übersetzung vorliegt: "Diskurs über die Ungleichheit" UTB, 2008). George ist danach ein bekehrter Wilder, der als guter Mensch erst durch die Gesellschaft verdorben wird.
Tatsächlich ist George eine naiv anmutende Person, bisweilen ein romantischer Träumer, der vielleicht nicht alles verstehen will, was er verstehen könnte.

Auffällige Bild- und Klangeffekte

Der Autorin fallen ein paar schräge Bilder ein. Dazu gehören hochmütige Doraden. Die personalisierten Fische erinnern an das indische Märchen vom hochmütigen Geier. Fliederfarbene Melodien kommen vor, in denen das Titellied aus dem Heimatfilm "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" nachhallt. Ferner gibt es im Roman zuckende Hirnfinger, drahtene Spiegel im Herzen Georges und Finger, die sich in stockende Zitteraale verwandeln.

Manche parallele Konstruktionen scheinen Daniela Dröscher besonders zu gefallen und finden in Varianten Verwendung. Gerne betont sie Unbestimmtheiten: "Etwas an Georges Gedanken stimmte Lucy froh - Etwas an seiner Erdbeere hatte sich verändert - Etwas Neues begann und ein anderes würde enden - Nur das zugeschnürte Gefühl dort, wo die Kehle endete und etwas anderes begann"; oder die Einheit: "Sie setzte einen Punkt und noch einen - Sie saßen eine Stunde und noch eine - Manchmal schrieb er auch einen ganzen Satz, dann schrieb er... dann noch einen Satz und noch einen."

Der literarische Klub

Den literarischen Gesprächskreis aus dem Roman hat es tatsächlich gegeben. Mitte des achtzehnten Jahrhunderts gründeten Elizabeth Carter, Elizabeth Montagu und Elizabeth Vesey die "Blue Stockings Society", den "Blaustrumpfclub", der bald berühmt wurde und dem neben Samuel Johnson und dem Schauspieler David Garrick unter anderen der Schriftsteller, Philosoph und Politiker Edmund Burke angehörte, der Porträtmaler Sir Joshua Reynolds, auch Charlotte Lennox, die als Autorin des weiblichen Gegenstücks zu Don Quixote bekannt wurde ("Der weibliche Quichotte oder Arabellas Abenteuer").
Ein Treffen dieses Clubs findet im sehr amüsanten vierten Kapitel statt, diskutiert wird über "Nutzen und Nachteil des Glaubens für das Leben".

Nicht Menschen richten die Gesellschaft zugrunde, sondern Tee

Samuel Johnsons Lieblingsgetränk ist Tee. Das Getränk erreichte Mitte des achtzehnten Jahrhunderts den Höhepunkt seiner Popularität in England und wurde kontrovers diskutiert wie wohl jede andere Neuerung auch, insbesondere, wenn sie von außerhalb kommt. Ein skurril anmutendes Werk, auf das sich der Roman im vierten Kapitel bezieht, ist William Hanways Kampfschrift: "Ein Bericht über Tee, der, verderblich für die Gesundheit, die Industrie lahm legt und die Nation arm macht in 25 Briefen an zwei Damen gerichtet". Die Schrift macht nicht einmal vor der Behauptung halt, der Genuss von Tee sei verantwortlich für den Verfall der Schönheit englischer Frauen.

Daniela Dröschers Romandebüt über einen Hochstapler, in der Aufklärung und Märchen eine Symbiose eingehen, besetzt im Biotop der literarischen Gegenwartsliteratur eine Nische, weil es seine Geschichte anders erzählt als der gegenwärtige Mainstream, nicht zuletzt durch Stilmittel, die eine George und Lucy eigene naive Form der Unbestimmtheit erzeugen. Die Liebesgeschichte ist eher im Grobschnitt gestaltet.

Die Lichter des George Psalmanazar

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Letzte Kommentare:
06.01.2014 18:13:24
Birgita Schüller

Mich sprach das Buch an, aber es gibt, finde ich, Schwächen. Die Metaphorik ist überfrachtet und es werden Bilder wiederholt: Wie oft muss "fliederfarbene Lieder" vorkommen? Dre Schluss bleibt hinsichtlich des Verbleib des Jungen unklar, auch wird hierbei Georges Rolle aus dem Text nicht ersichtlich, obwohl Dröscher - aber dies nicht im Text erkennbar - mit einer Rahmenhandlung und einer zwieten Erzählebene argumentiert. Hier hätte das Lektorat eingreifen müssen.

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