Der Anwalt des Königs

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2006, Titel: 'Sovereign', Originalausgabe

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Sabine Bongenberg
Hochverrat und Mord zur Zeit Heinrichs VIII.

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jun 2009

Kurzgefasst:

England im Jahr 1541: Thomas Cromwell ist gestürzt und König Heinrich VIII. ist mit seinem gesamten Hofstaat in den Norden Englands unterwegs. Nach der Niederschlagung der "Pilgrimage of Grace", als sich der gesamte englische Norden gegen den König und die Reformation erhoben hat, kommt es erneut zu Revolten in Yorkshire. Mit seiner großen Reise (dem "Great Progress") will Heinrich VIII. dem rebellischen Norden Stärke demonstrieren und sich von der dort herrschenden Klasse Treue schwören zu lassen.

Auch Anwalt Shardlake wird von Erzbischof Thomas Cranmer auf eine Mission nach York geschickt. Zum einen soll er dort die Petitionen an den König auswählen, zum anderen einen gefangenen Rebellen sicher in den Tower nach London bringen. Aber der Mord an einem Yorker Glaser verwickelt Shardlake und seinen Gehilfen Jack Barak in eine Verschwörung gegen den König und bringt ihr Leben in Gefahr.

 

Eigentlich sollte Anwalt Matthew Shardlake erleichtert aufatmen: Obwohl sein politischer Gönner Thomas Cromwell sein Leben auf dem Richtplatz beendete und ihn in diesem Strudel mitreißen könnte, erhält er einen besonderen Auftrag: Erzbischof Thomas Cranmer beauftragt ihn damit, einen eingekerkerten Rebellen wohlbehalten nach London zu bringen, damit ihm dort seine Geheimnisse unter der Folter entrissen werden können. Damit aber nicht genug: Shardlake erhält nebenher noch den Auftrag, dem König der mitsamt seinem Hofstaat den rebellischen Norden bereist, Petitionslisten der murrenden Bevölkerung vorzulegen, damit dieser seine Volksnähe demonstrieren kann.

Leider stellt sich das als wesentlich schwieriger als gedacht heraus. In York, das sich auf die immer wieder verzögerte Ankunft von Heinrich VIII. vorbereitet, geht es drunter und drüber, der bucklige Shardlake wird trotz seiner neuen Position regelmäßig Gegenstand des Spotts und dann wird er auch noch in einen Mord hineingezogen. Der alte Glaser Oldroyd verstirbt auf mysteriöse Weise und teilt dem Anwalt sterbend eine mysteriöse Botschaft über die zukünftigen Thronerben und den König an sich mit.

Gemeinsam mit seinem Assistenten Jack Barak nimmt Shardlake die Ermittlungen zum Tod des Glasermeisters auf und muss hierbei feststellen, dass die mögliche Rebellion des Nordens nicht wie bisher vermutet, zerschlagen wurde, sondern dass sich in den Händen der Rädelsführer Beweise befinden, die den Thron Heinrichs ins Wanken bringen können. Der Anwalt und sein Assistent mühen sich, das Dickicht von Lügen, Halbwahrheiten und Vertuschungen zu durchdringen und müssen dabei alsbald feststellen, dass sie selber in eine Handlung hereingezogen werden, die nicht nur für sie tödlich enden, sondern sie auch als gemeine Verräter in den Tower bringen kann.

Spannungsgeladene Handlung

In seinem mittlerweile dritten Fall lässt der Autor C. J. Sansom seine Helden Matthew Shardlake und Jack Barak die Erlebnisse um den "Great Progress" - die Reise Heinrichs des VIII in den englischen Norden - mitverfolgen. Dabei schafft er es zunächst auch, den Leser in die Handlung einzuschwören. Einfühlsam und nachvollziehbar wird hier die spannungsgeladene Haltung der Helden in der damaligen durch die Abspaltung der englischen Kirche zerrissenen Gesellschaft geschildert, bei der ein falsches Wort zur falschen Zeit bereits die Folter oder den Tod nach sich ziehen konnte. Ein besonderes Augenmerk legt der Autor dabei auf die Person des buckligen Matthew Shardlake, der durch seine körperliche Behinderung immer wieder Gegenstand des Spotts wird und allein durch den König, dem er sich zu dienen verpflichtet hat, eine gnadenlose Demütigung erfährt. Zur Person Shardlakes muss hier allerdings auch festgehalten werden, dass dessen Naivität teilweise nicht nachvollziehbar ist. So sieht er sich aus Loyalität gegenüber dem ungeliebten König dennoch regelmäßig verpflichtet, seine Erkenntnisse und Verdächtigungen zum Tod des Glasers an seine Vorgesetzten weiter zu leiten und damit die des Hochverrats Verdächtigten der Folter zu überantworten.

Neben dem Sittengemälde aus der Zeit Heinrichs des VIII., das insgesamt ein Szenario von dauernden Ängsten vor Denunziationen und Hochverratsvorwürfen erschafft, ist es C. J. Sansom gelungen, einen spannenden Krimi zu konstruieren, wobei sich die Spannung allerdings in erster Linie aus der Sorge um den Helden Shardlake ableitet. Da es allgemein bekannt sein dürfte, dass Heinrich VIII. nicht einem Komplott zum Opfer fiel, sondern in seinem Bett starb, ist der entscheidende Ausgang der Verschwörung von Anfang an unerheblich bzw. nimmt vorweg, dass es Shardlake letztendlich offensichtlich gelingt, die Verschwörung zu zerschlagen. Dieser Hintergrund schränkt die Spannung dieses Buches von vornherein ein, wozu auch beiträgt, dass Sansom einmal zu oft falsche Fährten legt, die letztendlich dazu führen, dass die Handlung zu sehr dahin plätschert, da sich angebliche heiße Spuren dann doch als ebensolche heiße Luft erweisen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem Autor ein lesenswertes und fesselndes Gemälde der damaligen Zeit gelungen ist, auch wenn der darin enthaltene Kriminalroman von Anfang an durch die Geschichte widerlegt wird. Dennoch hätten dem Buch einige Straffungen zu Gunsten eines höheren Tempos nicht geschadet.

 

Der Anwalt des Königs

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Letzte Kommentare:
26.12.2016 14:24:01
PMelittaM

1541: Im Norden des Landes ist man immer noch unzufrieden mit Heinrich VIII, nicht nur, aber auch wegen seiner Religionspolitik. Der König macht sich daher mit einem riesigen Tross auf die Reise, um sich bei seinen nördlichen Untertanen persönlich blicken zu lassen und deren Unterwerfungsbekundungen entgegen zu nehmen.

Auch Matthew Shardlake ist mit einbezogen, er soll in York, zusammen mit einem örtlichen Anwalt, die Petitionen sichten und sortieren. Erzbischof Cranmer erteilt ihm einen zusätzlichen Auftrag, er soll dafür sorgen, dass ein wichtiger Gefangener sicher im Londoner Tower ankommt. Vor Ort gerät Shardlake in einen Todesfall. Da immer mehr offenbar wird, dass der Tod fremdverschuldet sein könnte, das aber am Vorabend der Ankunft des Königs gar nicht gut ausschaut, soll möglichst unauffällig ermittelt werden. Auch Shardlake wird in die Ermittlungen miteinbezogen und steckt bald ziemlich in der Klemme.

Matthew Shardlakes dritter Fall ist mein erster, das macht aber gar nichts, denn auch ohne Vorkenntnisse kann man der Geschichte gut folgen, wobei es aber sicher von Vorteil ist, wenn man wenigstens ein paar geschichtliche Hintergrundkenntnisse hat.

Der Protagonist war mir vom Fleck weg sehr sympathisch, er ist einer der Buchcharaktere, die ich gerne einmal persönlich kennen lernen würde. Der Autor lässt ihn selbst in Ich-Form erzählen, so dass man nicht nur der Handlung folgt, sondern auch Shardlakes Gedankengänge und Gefühle hautnah miterlebt. Er ist ein schlauer Kopf mit einiger Empathie für seine Mitmenschen, was nicht immer gut für ihn ist. Sein körperlicher Makel, er hat einen Buckel, wird zwar erwähnt, bestimmt aber nicht sein Leben, auch wenn er immer wieder einmal deswegen gedemütigt wird. Freundschaft und Loyalität sind ihm wichtig, ebenso Gerechtigkeit, dafür setzt er sich ein, auch wenn davon jemand profitieren sollte, der ihm nicht so gut gesonnen ist.

Heinrichs Reise in den Norden nimmt eine wichtige Rolle im Roman ein, ist nicht nur Auslöser der Ereignisse, sondern ist auch nicht unwesentlich in das Geschehen integriert. Durch die bildhafte Beschreibung des Autors, nicht nur der (historischen) Charaktere, sondern auch der (historischen) Ereignisse, wird das Geschehen vor dem inneren Auge des Lesers regelrecht lebendig, man meint nicht nur zuschauen zu können, sondern auch Geräusche und Gerüche wahrzunehmen – man fühlt sich regelrecht mittendrin. Auch sprachlich gefällt mir der Roman sehr gut, die Sprache wirkt der Zeit und den Menschen angepasst. Sehr gut kommt heraus, welch ein logistischer Aufwand die Reise gewesen sein muss. Ein großer Teil der Handlung spielt in York, aber auch die Rückreise nach London und weitere Ereignisse dort werden berichtet.

Der König kommt bei C. J. Sansom nicht gut weg, es sind schon seine späteren Jahre, er leidet an seiner Beinverletzung, die nicht heilen will, kann kaum noch laufen, ist mehr als griesgrämig und handelt immer willkürlicher. Auch die aktuelle Königin, Catherine Howard, ist handelnder Charakter, ihr Stern ist bereits am Untergehen.

Dem Autor ist ein spannender und interessanter Roman gelungen, mit Charakteren wie aus dem wahren Leben, allesamt lebendig gezeichnet. Der gewählte historische Abschnitt harmoniert gut mit der Romanhandlung und macht Lust, sich weiter mit den geschichtlichen Hintergründen zu beschäftigen. Der Kriminalfall fügt sich ebenfalls gut in die Handlung ein, die Auflösung ist logisch, und hat mehr als eine Überraschung zu bieten, vor allem eine Szene hat mich regelrecht umgehauen. In den geschichtlichen Anmerkungen des Autors im Anhang erfährt man noch ein bisschen mehr über den historischen Hintergrund.

Ich fühlt mich mehr als nur unterhalten, fühlt mich, als sei ich mit dabei gewesen und habe eine große Zuneigung zum Protagonisten entwickelt. Ich freue mich auf weitere Romane mit ihm und vergebe sehr gerne volle Punktzahl. Wer historische (Kriminal)Romane mag, sollte bei dieser Buchreihe zugreifen.

05.02.2014 14:45:03
tassieteufel

König Heinrich VIII ist mit seinem gesamten Hofstaat im Norden Englands unterwegs um dort nach der „Pilgrimage of Grace“ und weiteren Revolten Stärke zu demonstrieren und die Adligen zum Treueschwur zu zwingen.
Matthew Shardlake, der sich eigentlich ganz aus der Politik zurück ziehen wollte, erhält von Erzbischof Thomas Cranmer den Auftrag, nach York zu reisen um dort die Petitionen auszuwählen, die dem König vorgelegt werden sollen. Ein weiterer Grund dieser Reise ist der Gefangene Sir Edward Broderick, dessen sichere Überstellung nach London Matthew gewährleisten soll. Man vermutet bei Broderick, der zu den Aufständischen gehörte, wichtige Geheimnisse, die man ihm unter der Folter im Tower zu entlocken gedenkt. Zwei Aufgaben, die zunächst nicht sonderlich schwierig erscheinen, doch kaum sind Matthew und sein Gehilfe Barak in York angekommen, stürzt der Glaser Oldroyd Matthew vor die Füße und bevor er stirbt, flüstert er dem Anwalt eine mysteriöse Botschaft über den König zu. Als Matthew und Barak herausfinden, dass der Glaser ermordet wurde und in seinem Haus ein Kästchen mit brisanten Schriften finden, geraten beide in große Gefahr und es werden Anschläge auf Matthews Leben verübt.

Wie die Vorgängerbände so besticht auch der 3. Fall für Matthew Shardlake durch seine bildhafte und atmosphärisch dichte Schilderung der Tudorzeit und die Verknüpfung von realen Personen und Ereignissen mit fiktiven Figuren und Geschehnissen. Wieder ist es dem Autor wunderbar gelungen, seinen Krimifall in die realen Geschehnisse so einzubetten, so dass sich daraus ein Szenario ergibt, von dem man sich vorstellen könnte, dass es tatsächlich so passiert sein könnte. Die Stimmung im Norden ist sehr angespannt, der König ist nicht gern gesehen und die Vertrauten Heinrichs haben alle Hände voll zu tun, um die Sicherheit des Königs zu gewährleisten. Diese ablehnende und auch bedrohliche Stimmung wird vom Autor wunderbar vermittelt, ebenso die Situation der einfachen Leute und auch die Beweggründe der Verschwörer werden deutlich und überzeugend geschildert. Sehr gelungen ist auch die Beschreibung des großen Reisetrosses um den König, das schwierige Leben in dem gewaltigen Gefolge von tausenden Menschen und Tieren und die sich daraus ergebenden logistischen Schwierigkeiten und Probleme. Hier kann man als Leser in eine lange vergangene Zeit abtauchen und deren Turbulenzen und Unwägbarkeiten miterleben. Die beschriebenen Kerker und Folterszenen geben dem Buch etwas düsteres und bedrückendes, tun aber ein Übriges um die Authentizität zu verstärken.

Die Krimihandlung rund um den ermordeten Glaser und die Verschwörung gegen den König ist spannend, wendungsreich und voller Überraschungen. Durch die Vielzahl der beteiligten Charaktere und die diversen Verdächtigen wird der Fall allerdings recht komplex und vielschichtig so dass man beim Lesen auch etwas aufpassen muß, um nicht den Überblick zu verlieren.
Die Figur des Anwalts Shardlake, der schon in den vorangegangenen Bänden die Sympathien des Lesers auf seiner Seite hatte, wird hier weiter ausgebaut. Matthews Umdenkprozess in Bezug auf Cromwells Reformen, der schon in den Vorgängern begann, schreitet hier weiter fort. Der einst glühende Reformator hinterfragt immer mehr die Motive der Mächtigen und die damit verbundenen Machenschaften. Er selbst muß auf Grund seiner Behinderung Demütigungen und Hänseleien ertragen, wie er damit umgeht, hat ihn mir nur noch mehr ans Herz wachsen lassen und macht gespannt auf die noch folgenden Teile.

FaziT: Band 3 überzeugt durch einen absolut realistisch wirkenden historischen Hintergrund in den man als Leser eintauchen kann und einen spannenden und wendungsreichen Krimifall, der mit verblüffenden Wendungen ein ungetrübtes Lesevergnügen bietet und sich wohltuend aus der großen Masse an historischen Krimis heraushebt!

12.10.2010 08:06:26
maupe

Ich habe das Buch in den Ferien erworben, weil alles mitgenommene schon gelesen war. Im üblichen Fall hätte ich wohl nicht zugegriffen und nach dem Lesen weiß ich auch, dass ich meine Auswahl sonst richtig tätige.

Ich bin kein Leser historischer Krimis. Vielleicht ist das Buch für diese Leser ein Highlight. Immerhin stand es ja in den Listen sehr weit oben und wurde ja damit auch beworben.

Zu meiner Kritik. Die Geschichte plätschert dahin ohne nennenswerten Höhepunkte. Nicht einmal schafft es der Roman mich zu packen und mit zu ziehen.

Hin und wieder wird Bezug genommen auf vorangegangene Geschehnisse und zu wenig für Erstleser erläutert. Oder es ist nicht zu unterscheiden, ob ein Ereignis in einem der vorherigen Bücher seinen Anfang genommen hatte oder schon geschehen ist oder in diesem Buch zum ersten mal erwähnt wird.

Auch wenn es keine Höhepunkte gibt, fällt die Geschichte auch nicht ab. Ein roter Faden ist die tägliche Bedrohung durch ein falsches Wort inhaftiert zu werden. Das ist gut eingefangen.

Die Situationen, Handlungsorte und Personen waren gut gezeichnet und konnten leicht vor den Augen entstehen.
Für mich sind die positiven Punkte jedoch zu wenig um noch einen Roman dieser Reihe zu lesen.

13.09.2010 13:41:21
Gero Z.

Ein spannender Roman und weit, weit über dem Durchschnitt. Den Lobreden der obigen Rezensenten ist nichts hinzuzufügen.
Dennoch gibt es für mich ein Haar in der Suppe, nämlich die hanebüchene, ja ärgerliche Übersetzung des Verlags. "Der Anwalt des Königs" (Original: "Sovereign"!). Das passt wirklich vorn und hinten nicht. Shardlake ist mitnichten der Anwalt HeinrichsVIII, der als der Tyrann dargestellt wird, der er wohl auch war.
Der deutsche Titel ist etwa vergleichbar mit "DieVertraute des Wolfs" - als neuer Titel für "Rotkäppchen", ha ha.

09.12.2009 10:17:42
Krimi-Tina

Matthew Shardlake, der sich nach den ganzen Wirren um den Sturz von Thomas Cromwell, eigentlich auf ein ruhiges Leben gefreut hatte, wird von Erzbischof Cranmer gebeten einen Auftrag zu übernehmen. Der König hat sich entschlossen mit seinem gesamten Hofstaat den Norden Englands zu besuchen, um Petitionen entgegen zu nehmen, welche vorzubereiten sind.
Da der Auftrag lukrativ zu sein verspricht und Shardlake eine Hypothek ab zutragen hat, nimmt er an. Und natürlich gibt es, es ist bekanntlich nie klug einem Machtträger zu vertrauen, einen Pferdefuß. Es geht nicht nur um die Petitionen sondern auch ein gefangener Aufständischer ist sicher und gesund in den Tower zu überführen, damit er dort der Folter unterzogen werden kann.
So zieht Shardlake mit seinem bewährten und raubeinigem Gehilfen Jack Barak ins trübe, kalte und feindselige Yorkshire. Dort geschehen alsbald seltsame Dinge, ein ehrenwerter Glaser wird ermordet und auf Shardlake werden wiederholt Anschläge verübt.
Der in den vorherigen Bänden schon begonnene Umdenkprozess Shardlakes setzt sich weiter fort. Anfangs ein glühender Reformator. der wegen Cromwells Methoden zu zweifeln begann, ist es nun mit seiner Königstreue endgültig vorbei. Er beginnt nicht nur die Motive und Günstlingswirtschaft der Mächtigen an zu zweifeln, sondern auch die von ihm bisher unkritisch als notwendige akzeptierte Methoden zu hinterfragen. Erst recht als ihm selbst die Folter droht.
Insgesamt trotz vorhandenem Kriminalfall weniger ein Krimi als ein, sehr guter, historischer Roman. Ein atmosphärisch dichtes, spannendes detailstarkes Buch. Das trotz seiner erheblichen Dicke kaum Längen aufweist Insbesondere die Beschreibungen des Aufwands und Trubels den ein 1000 Mann starker Tross auf seiner Reise verursacht sind besonders gelungen
Mein Wunsch: noch mehr von Master Shardlake zu lesen zu bekommen.

09.12.2009 09:30:30
Stefan83

Mit "Der Anwalt des Königs", dem dritten Band aus der Reihe um Matthew Shardlake, ist Christopher J. Sansom wieder ein authentischer Historienkrimi gelungen, der den Beweis antritt, dass genaue geschichtliche Recherchen dem Aufbau eines spannenden historischen Romans nicht im Wege stehen müssen. Im Gegenteil: Es ist gerade Sansoms Blick für das kleine Detail, welcher hier überzeugt und den Leser einmal mehr geistig in das England des 16. Jahrhunderts katapultiert. In einer Zeit in der "Wanderhuren", "Seidenweberinnen" und "Lebküchnerinnen" das Genre beherrschen, besinnt sich der Autor auf die Ursprünge dieser Literaturgattung und damit auf die Wiedererweckung einer längst vergangenen Zeit. Dafür bedarf es keiner zurechtgezimmerten Liebesgeschichten oder Actioneinlagen. Vielmehr zieht die Handlung ihre Sogkraft aus den realen Geschehnissen der Geschichte, die Sansom als Fundament nutzt, um darauf seinen Plot aufzubauen. Dieser sei hier schnell angerissen:

England im Jahres des Herrn 1541. Matthew Shardlake hat sich nach dem Sturz und der Hinrichtung seines Dienstherrn Thomas Cromwell vor einem Jahr weitestgehend aus dem politischen Geschehen zurückgezogen. Gemeinsam mit seinem neuen Gehilfen Jack Barak bearbeitet er die Fälle seiner Kanzlei, versucht er beharrlich alles dafür zu tun, dem Recht zum Sieg zu verhelfen, ohne dabei abermals ins Visier der Mächtigen zu geraten. Ein Versuch der schnell scheitert, denn als sein eigener Vater urplötzlich stirbt und zu Grabe getragen werden muss, erreicht ihn eine Nachricht von Erzbischof Cranmer. Shardlake, der sich einen weiteren Feind am Hofe nicht leisten kann und zudem dringend Geld benötigt, folgt dessen Ruf und nimmt widerwillig einen neuen Auftrag an:

Heinrich VIII., König von England, plant seit längerem eine Reise in den Norden seines Reiches, um diesen nach der Niederschlagung des "Pilgrimage of Grace" wieder für sich einzunehmen. Es will der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen, weshalb in jeder Stadt Klagen gegen die örtlichen Behörden vorgebracht werden dürfen. Shardlake soll nun als einer der Anwälte des Königs im Tross mitreiten und in York eine Vorauswahl der zu verhandelnden Fälle treffen. Gleichzeitig ist es seine Pflicht den Aufständischen Sir Edward Broderick von dort sicher nach London zu überführen, wo ihm unter der Folter alle Geheimnisse entlockt werden sollen. Eine auf den ersten Blick einfache Aufgabe, die sich erheblich kompliziert, als Shardlake Zeuge eines Mordes wird und sein Blick auf einen Stapel geheimnisvoller Dokumente fällt. Diese ziehen Heinrichs königliche Abstammung stark in Zweifel und scheinen der Gipfel einer Verschwörung zu sein, welche das Ziel hat, den Souverän vom Thron zu stürzen. Während die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen, gerät Shardlake aufgrund seines Wissens in höchste Lebensgefahr...

Einmal mehr dient uns der bucklige, prinzipientreue Anwalt Shardlake als Fernrohr in eine lang zurückliegende Vergangenheit, in welcher Englands Thron von allen Seiten bedroht wurde. Der Norden war immer noch alles andere als königstreu und ein erneuter Aufstand stets zu befürchten. Sansom gelingt es hervorragend diese angespannte Stimmung auf Papier zu bringen und das Leben in dem gewaltigen Tross zu schildern, der über Wochen durchs Land zog und als "Great Progress" in die Geschichte einging. Das hat natürlich auch Nachteile: Die vielen Charaktere, potenziellen Verdächtigen und Nebendarsteller machen den Handlungsaufbau sehr komplex und nicht selten droht man in diesem Gewitter von Namen und Titeln den roten Faden zu verlieren. Sansom fordert hier ein hohes Maß an Aufmerksamkeit vom Leser, braucht diese Weitschweifigkeit aber auch um die gewollte Atmosphäre herüberzubringen. Und nach Teil eins und zwei hat man sich mittlerweile nicht nur daran gewöhnt. Auch die Hauptfiguren, um die im Buch gleich an mehreren Stellen gebangt werden muss, sind nun ans Herz gewachsen. Das die als zentrales Motiv gewählte Blaybourne-Geschichte tatsächlich auf Fakten beruht, sorgt zudem für eine gewisse Faszination, kann jedoch nicht kompensieren, dass Sansom bei der Verschleierung des eigentlichen Täters diesmal kein gutes Händchen hat. Selbst Gelegenheitsleser sollten die Identität ziemlich früh entschlüsselt haben, was der einzige, aber große Kritikpunkt ist, dem Lesevergnügen aber im Ganzen keinen Abbruch tut.

Insgesamt ist "Der Anwalt der Königs" der bisher beste Band der laufenden Reihe, welche mit "Pforte der Verdammnis" begann und im Mai 2010 mit "Das Buch des Teufels" fortgesetzt wird. Eine Empfehlung für alle Geschichtsinteressierten Leseratten und ein Schmöker, den man trotz gewisser Längen nur ungern aus der Hand legt.

06.09.2009 08:42:17
Lexa

Nochmals eine Steigerung zu den ersten beiden Büchern.
Sansom gelingt es hervorragend, diesen Krimi spannend in die Reise des Königs mit seinem Hofstaat und mit einem Tross von tausend Mannen einzuweben.
Er zeigt die logistischen Schwierigkeiten bei einem solchen Unternehmen auf, man erfährt interessante Einzelheiten über den Verlauf der Reise und deren Unbill. Gut gelungen wieder die verschiedenen Protagonisten mit ihren Schwächen und Eigenheiten, Vorlieben und Lastern. Empfehlenswert!
Ich bin gespannt auf Band 4 im nächsten Jahr!

24.08.2009 01:50:00
Margitta

Ich habe selten einen so guten Hist.Krimi gelesen.Altbekannte Fakten spannenst verpackt.Habe das Buch per Zufall entdeckt.Nachdem ich dieses 3.Buch gelesen habe bleibt mir nicht\'s anderes übrig die beiden Vorgänger zu lesen.
Es hat mich von der ersten bis zur letzten Minute gefangen.Ich kann es nur weiter empfehlen.

13.07.2009 16:34:48
anath

Matthew Shardlake sitzt in der Falle. Erzbischof Cranmer hat ihm einen durchaus ehrenvollen Auftrag erteilt : Shardlake soll die Petitionen an König Heinrich VIII. bearbeiten ,die während des Aufenthalts des Königs in York eingereicht werden. Leider gehört zu der Ehre auch eine unangenehme Aufgabe :Die Bewachung eines wichtigen Gefangenen,der wohlbehalten im Tower ankommen soll um dort seine Aussage zu machen. Keine Aufgabe, der Shardlake sich gerne stellt, aber nun kann er nicht mehr zurück.
Als jedoch in York ein alter Glaser ermordet wird und Shardlake in dessen Haus höchst brisante Papiere findet die die Legitimität des Königs in Frage stellen, wird die Lage für den Anwalt immer brenzliger.Mit knapper Mühe entkommt er mehreren Mordanschlägen und ihm wird klar, daß er offenbar viel zu viel weiß...

Ein phantastisches Buch. Endlich mal wieder eines, das ich gar nicht aus der Hand legen mochte ! Hochgradig spannend,wunderbar authentisch. Die Charaktere eine bunte,vielfältige Mischung und Master Shardlake selbst ein ausgesprochen sympathisches Weichei dem sein Hang zum selbständigen Denken immer mal wieder auf die Füße fällt.
Es kommt ja selten vor, aber ich habe mitgefiebert bis zum Schluß und als der arme Shardlake gar den Folterknechten des Tower in die Hände fiel habe ich bis nachts um 03:00 Uhr gelesen um zu erfahren, wie die Sache nun ausgeht.
Der alternde Heinrich VIII. spielt zwar die hauptrolle, kriegt aber nur einen Kurzauftritt - der ihn allerdings nicht gerade zum Sympathieträger macht. Um so bedauernswerter neben ihm Catherine Howard in ihren letzten Tagen als Königin. Schon allein der Blick auf ihre Geschichte war das Lesen des Buches wert.
Das die gesamte Geschichte der verschwundenen Papiere auf einer Theorie beruht, die tatsächlich die Geschichtsschreiber beschäftigte ist sozusagen noch ein Bonbon als Draufgabe!
Insgesamt ein historischer Roman wie ich ihn gern öfter hätte. Die dazu gehörigen Vorgänger habe ich schon auf dem SUB und sie werden dort nicht lange schmoren.

01.07.2009 11:37:28
Eliza08

Eines Vorweg, eigentlich bin ich ja nicht so der Krimileser, aber dieses Buch hat mich sofort angesprochen und es hat mich bis zu Schluss auch nicht enttäuscht.
England erwacht in all seiner Pracht zum Leben! Das 16 Jahrhundert mit all seinen Facetten wird für den Leser greifbar. Zudem ist der Schreibstil sehr flüssig, sodass man es gut lesen kann.
Abzüge gibt es bei mir für die etwas kleinen Durchhänger zwischendurch, 50- 100 Seiten weniger hätten dem Buch nicht geschadet ;-) Alles in Allem kann ich das Buch allen empfehlen die ein guten historischen Krimi lesen wollen.

26.06.2009 10:16:12
Falk Streubel

Ich war mit diesem Buch überaus zufrieden. Es verbindet gekonnt Züge eines modernen Krimis mit einem gelungenen Sittenbild eines Englands des mittleren 16. Jahrhunderts. Es fasziniert und schlägt einen so in den Bann, dass man den dekadenten Gegenspielern des Protagonisten am liebsten selbst an die Gurgel springen möchte, was der Protagonist aufgrund gesellschaftlicher Zwänge der damaligen Zeit leider nicht vermag.
Kurz um - ein absolut lesenswertes Buch.