Feuer der Vergeltung

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Scherz, 2004, Titel: 'Dark Fire', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Mord, Verschwörung und eine verschollen geglaubte Rezeptur im London der Tudorzeit

Buch-Rezension von Birgit Borloni Jun 2009

Kurzgefasst:

Ein Feuer, das mit Wasser nicht zu löschen ist - Jahrhunderte lang galt die byzantinische Rezeptur des griechischen Feuers als verschollen. Doch jetzt soll ein geheimnisvoller Alchemist in London aufgetaucht sein, der die Zusammensetzung kennt. Vor dem drohenden Seekrieg gegen Frankreich und Spanien muss Thomas Cromwell unbedingt hinter das Geheimnis dieser Mischung kommen. Er beauftragt Matthew Shardlake mit der Suche. Aber gleich die erste Spur führt ihn zu einem Mord. Und weitere werden folgen...

 

Drei Jahre sind vergangen seit der Anwalt Matthew Shardlake im Auftrag von Thomas Cromwell in einem Kloster in Scarnsea ermittelte. Mittlerweile hat Shardlake mit Politik und den Mächtigen wenig am Hut, da er bei Thomas Cromwell in Ungnade gefallen ist. Doch das kommt ihm eigentlich ganz gelegen, denn von Politik hat er erstmal die Nase voll und widmet sich lieber seinen privaten Klienten. Einer davon, Joseph Wentworth, bittet ihn darum, die Verteidigung seiner Nichte Elizabeth zu übernehmen. Diese ist nämlich angeklagt, ihren Cousin ermordet zu haben. Keine leichte Aufgabe für Matthew Shardlake, denn die Beweise sind erdrückend und so läuft die erste Anhörung auch nicht gut. Durch die Intervention Thomas Cromwells gelingt es dem Anwalt allerdings, einen Aufschub für Nachforschungen zu bekommen, damit steht er jedoch in Cromwells Schuld. Daher sieht er sich gezwungen, doch wieder einen Auftrag für ihn zu übernehmen: Er soll die Rezeptur für das berühmt-berüchtigte "Griechische Feuer" finden, die seit Jahrhunderten verschollen ist. Cromwell wurde sie nämlich bereits angeboten, doch dummerweise wurden die Besitzer ermordet und Thomas Cromwell hat nun ein gewaltiges Problem: Er hat dem König bereits versprochen, diese Rezeptur zu besorgen und momentan ist seine Position alles andere als sicher...

Erneut eine hervorragende Figurenzeichnung

Mit seinem zweiten Buch über den Anwalt Matthew Shardlake ist C. J. Sansom wieder ein hervorragendes, spannendes und lebendiges Werk gelungen. Die bereits im ersten Buch angelegte, vielschichtige Charakterzeichnung des Anwalts wird in diesem Buch weiterhin vertieft. Sowohl seine Begeisterung für die Reform als auch seine Bewunderung für Cromwell haben deutlich gelitten, so dass er sich nur gezwungenermaßen an die Erledigung seines Auftrags macht.

Außerdem kann er sich nur schwer damit abfinden, dass ihm sowohl für seine privaten wie auch offiziellen Ermittlungen ein von Lord Cromwell bestimmter Assistent zur Seite gestellt wird. Der Leser wird von Jack Barak allerdings schnell begeistert sein: Aus einfachen Verhältnissen stammend dient er nun mit absoluter Loyalität Thomas Cromwell, alle anderen hingegen sind vor seinem Spott nicht sicher. Mit einem losen Mundwerk, das er sich Dank der Stellung seines Dienstherren leisten kann, und der Bereitschaft, auch körperliche Auseinandersetzungen nicht zu scheuen, scheint er auf den ersten Blick das totale Gegenteil Matthews zu sein. Doch nach und nach erkennen sowohl der Anwalt als auch der Leser, dass hinter Baraks Fassade mehr steckt, als es zunächst den Anschein hat. So kommt es zwischen Matthew und Jack dann auch nach und nach zu einer, zunächst widerwilligen, Annäherung.

Zwei spannende und rätselhafte Fälle

Neben den beiden Hauptpersonen machen allerdings auch die beiden Aufträge, die Shardlake zu lösen hat, das Buch zu einem Lesevergnügen. Gekonnt hält C. J. Sansom den Spannungsbogen kontinuierlich aufrecht. Im Vergleich zu der Suche nach dem "Griechischen Feuer" und den politischen Verstrickungen, die diese nach sich zieht, nimmt der Mordfall um Elizabeth Wentworth deutlich weniger Platz ein, doch wird auch dieser Handlungsstrang konsequent verfolgt. Beide Fälle bieten viele Rätsel und interessante Wendungen, so dass man als Leser gerne den verschiedenen Fährten folgt und versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen, ebenso wie es die beiden Protagonisten tun.

Nebenbei vermittelt der Autor noch ein informatives und faszinierendes Bild über das London zur Tudorzeit, über verschiedene Berufe und das tägliche Leben. Diesmal wird auch etwas näher auf die Anwaltstätigkeit an sich eingegangen sowie auf die Umstände im Tower.

Insgesamt verwebt C. J. Sansom in seinem zweiten Band erneut ausgezeichnet Kriminalroman mit historischem Roman und das Ergebnis kann nur jedem ans Herz gelegt werden, der sich für eines oder beide dieser Elemente interessiert.

 

Feuer der Vergeltung

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Letzte Kommentare:
02.02.2016 08:00:31
Miezekatze

Zwei Alchemisten bieten Cromwell an, ihnen das Geheimnis des griechischen Feuers abzukaufen, einer schrecklichen, alles vernichtenden Waffe, deren Rezeptur seit Jahrhunderten als verschollen gilt. Cromwell zwingt einen unwilligen Matthew Shardlake, sich der Sache anzunehmen, und Shardlake gerät in einen Strudel an Verschwörungen, Verbrechen und Morden, der sich im Kampf um die Superwaffe entspinnt. Dabei stellt ihm Cromwell den zwielichtigen jungen Haudegen Jack Barak als Helfer zur Seite...

"Feuer der Vergeltung" hat mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen. Was die Spannung entscheidend erhöht hat, war das hohe Tempo - Shardlake und Barak haben nur wenige Tage Zeit, um das Geheimnis des griechischen Feuers zu lösen. Mir hat ganz besonders gefallen, dass die Handlung auf London beschränkt ist, und der Autor schafft es, London in jeder Facette zum Leben zu erwecken - ich kann mich an keinen historischen Roman erinnern, der die Vergangenheit in all ihren Einzelheiten so sehr lebendig hat werden lassen! Und dieses vibrierende, schillernde London wird der dreidimensionale Hintergrund für Shardlake und Barak auf ihrer gefährlichen, mitreißenden Suche quer durch alle Schichten und Lokalitäten der Londoner Gesellschaft.

Shardlake ist ein einmaliger und hochkomplexer Charakter, ein genialer und wagemutiger Wurf für einen Protagonisten, der die geschichtlichen Vorgänge auch klug aus seiner eigenen Zeit und seinen eigenen Wertvorstellungen heraus zu reflektieren und kommentieren weiß. Mit Jack Barak hat er nun eine Figur an die Seite gestellt bekommen, die in seiner Cromwell-Treue und mit ihrer physischen Präsenz eine ganz eigene Dynamik ins Spiel bringt und sich trefflich immer wieder mit dem kopflastigen Shardlake reibt.

"Feuer der Vergeltung" ist Lesevergnügen pur und für mich der gelungenste Band aus der Shardlake-Reihe. Ein Must-Read!

10.01.2014 11:02:03
tassieteufel

Drei Jahre nach seinen Ermittlungen im Kloster Scarnsea ist Anwalt Matthew Shardlake bei Cromwell in Ungnade gefallen, da er den Auftrag im Kloster nicht schnell genug aufgeklärt hatte. Enttäuscht von den Intrigen und Machenschaften seines einstigen Gönners hat sich Matthew von der Politik abgewandt und widmet sich ganz seiner Kanzlei. Joseph Wentworth, ein langjähriger Klient Shardlakes tritt mit einem besonders kniffligen Fall an den Anwalt heran. Wentworth’s Nichte Elizabeth wird beschuldigt, ihren Cousin Ralph in den Brunnen gestoßen und ermordet zu haben. Einzig ihr Onkel Joseph glaubt an ihre Unschuld, da die junge Frau jedoch beharrlich zu den Beschuldigungen schweigt, scheint die Folter nicht mehr abwendbar. Auch der erste Gerichtstermin verläuft nicht gut, Elizabeth schweigt weiterhin und so ist die Folter beschlossene Sache. Da naht Rettung in letzter Sekunde durch Matthews alten Gönner Cromwell, doch dessen Intervention ist natürlich nicht umsonst! Um Aufschub für Ermittlungen in Elizabeths Fall zu bekommen, muß er innerhalb kürzester Zeit für Cromwell einen Auftrag erledigen. Diesem wurde die Formel für das legendäre griechische Feuer angeboten, die seit langem verschollen ist. Doch nun wurde der Besitzer der Formel ermordet und Cromwell ist in großer Bedrängnis, hat er doch bereits dem König eine Vorführung versprochen.

Auch der zweite Band um den buckligen Anwalt Matthew Shardlake hat mich restlos begeistert und mir sogar noch etwas besser gefallen als der gelungene Vorgänger.
Mit seinem Einsatz für die im Kerker sitzende Elizabeth wächst dem Leser der ohnehin schon sehr sympathische Matthew noch mehr ans Herz. Sein Charakter wird im vorliegenden Band weiter entwickelt und gewinnt an Tiefe. Als interessanten Gegenpart bekommt Matthew Jack Barak als Gehilfen an die Seite gestellt. Zunächst nicht sehr begeistert von diesem Cromwell ergebenen Assistenten, wachsen die beiden durch die zu meisternden Aufgaben und Gefahren nach und nach zu einem gut agierenden Team zusammen und beide müssen erkennen, dass im jeweils anderen mehr steckt, als zunächst angenommen. Baraks loses Mundwerk und sein Sarkasmus sorgen immer mal für launige Szenen, die das Geschehen auflockern. Neben diesen beiden Hauptfiguren, sind aber auch alle Nebencharaktere vielschichtig und individuell geschildert und vermitteln gut die damalige Gesellschaftsstruktur mit ihrem Standesdünkel.
Durch die 2 Fälle, die Matthew innerhalb kürzester Zeit aufklären muß, wird der Spannungsbogen kontinuierlich aufrecht erhalten. In beiden Fällen gibt es unerwartete und teils dramatische Wendungen, die das Geschehen abwechslungsreich und rätselhaft gestalten und gerade im Fall um das griechische Feuer bleibt der Drahtzieher hinter allem lange im Dunkeln. Beide Fälle werden am Ende schlüssig aufgelöst und lassen keine Fragen offen.

Nebenbei vermittelt der Autor ein umfassendes Bild vom England in der Tudorzeit, religiöse Unsicherheit, das Ränkespiel und Tauziehen der Mächtigen um die Gunst des Königs und die daraus resultierende Unsicherheit der einfachen Menschen wird ebenso bildhaft und anschaulich gestaltet wie das farbenprächtige Setting von London in dieser Zeitspanne, das hier facettenreich zum Leben erweckt wird. Dieser gekonnt gezeichnete historische Hintergrund verwebt sich perfekt mit Shardlakes beiden Fällen. Besonders gut hat mir hier gefallen, wie der Autor Cromwells realen Sturz mit in die Geschichte integriert und so ein tatsächlich mögliches Szenario schafft.

FaziT: eine mehr als gelungene Fortsetzung, die durch einen spannenden Krimifall, einen sehr bildhaften historischen Hintergrund und sympathische Charaktere überzeugt! Ein atmosphärisch dichtes Buch das die Bezeichnung „historischer Krimi“ auch wirklich verdient und das ich uneingeschränkt empfehlen kann!

05.05.2012 09:15:58
Susannah

England, im Jahre 1540. In der Hitze des Sommers schwelt auch die politische Stimmung: König Henry, höchst unzufrieden mit der Ehe mit Anna von Kleve, gibt die Schuld für die momentane Misslage seinem Minister Thomas Cromwell. Cromwell sieht sein Machtgeböude schwanken, doch eine beeindruckende Darbietung einer spektakulären Waffe soll Cromwell wieder stärken. Das Problem: die Waffe ist unauffindbar. Cromwell schickt den Rechtsanwalt Matthew Shardlake auf die Suche. Dabei ist Matthew bereits mit einem Mordfall beschäftigt, und die Suche nach der Wunderwaffe erweist sich als lebensgefährlich. Denn hinterallem stehen mächtige Figuren, die die Strippen ziehen ...

Der zweite Fall um Matthew Shardlake - und erneut ein Volltreffer! Der bucklige Rechtsanwalt muss erneut für Thomas Cromwell ins Gefecht - dabei hatte er sich nach den Ereignisse in Scarnsea vor drei Jahren von Cromwell zurückgezogen. Shardlakes innere Distanz zur Reformation und ihrem großen Anführer ist ein wichtiges Kapitel, und durch seine Augen eröffnet sich uns ein beeindruckendes Gemälde der damaligen Epoche: ständige religiöse Umschwünge, die der einfache Mann nicht mehr versteht und die die Mächtigen für sich nutzen. Neben dem historischen Aspekt weiß auch der Kriminalfall zu gefallen - eine spannende Geschichte mit einer überraschenden Auflösung.

Der Autor erweist sich einmal mehr als Großer unter den Autoren historischer Kriminalromane - und ein Ende ist nicht in Sicht!

06.10.2009 15:16:10
Stefan83

Nachdem der erste Band aus der Reihe um den Anwalt Matthew Shardlake für mich zu den diesjährigen Überraschungen im Genre des historischen Romans gehört hat, war es nur eine Frage der Zeit bis ich auch zum zweiten greifen musste, dem der Fischer Verlag mit "Feuer der Vergeltung" (engl. "Dark Fire") erneut einen ziemlich unpassenden Titel verpasst hat. Vergolten wird in diesem Roman nämlich nicht wirklich was, aber in Zeiten von "Todeskünstlern", "Wanderhuren" und "Seelenbrechern" darf man wohl in Punkto Titelwahl nicht hinten anstehen.

Ein falsches Bild gewinnt dadurch der etwaige Leser, denn auch der zweite Fall Shardlakes ist einmal mehr ein sehr verworrener, mit viel Ruhe erzählter Kriminalroman, dem jegliche Action und größeres Blutvergießen abgeht. Im Vordergrund steht neben dem historischen Kontext nun besonders der Schmelztiegel London, der nach dem abgelegenen Kloster im Vorgänger das diesmalige Setting des Romans darstellt.

Wir befinden uns im Jahr 1540. Seit den Ereignissen in Scarnsea sind mittlerweile drei Jahre vergangen und Matthew Shardlake, bei Staatssekretär Thomas Cromwell in Ungnade gefallen, widmet sich wieder ganz seinen Pflichten als Anwalt. Sein neuestes Mandat stellt ihn dabei vor einige Schwierigkeiten. Ein junges Mädchen wurde des Mordes an ihrem Cousin angeklagt und soll zum Tode verurteilt werden. Ihr einziger Fürsprecher ist ihr Onkel Joseph, der an die Unschuld seiner Nichte glaubt und Shardlake beauftragt, ihr Leben zu retten. Doch als dessen Einspruch vor Gericht abgeschmettert wird, scheint nur noch ein Wunder sie retten zu können. Dies erscheint in Form von Cromwell, der die Haft des Mädchens um zwölf Tage verlängert. Dafür muss sich Shardlake erneut in dessen Dienste begeben und in dieser Zeit eine vor langer Zeit verloren geglaubte Formel vom "griechischen Feuer" wiederbeschaffen. Eine Waffe, die Cromwell wieder in der Gunst des Königs steigen lassen und in einem möglichen Seekrieg gegen die Feinde Englands eingesetzt werden soll. Gemeinsam mit dem jüdischstämmigen Barak macht sich Shardlake auf die Suche...

Erneut nimmt Sansom den Leser bei der Hand und führt ihn ins düstere England des Reformationszeitalters, in dem sich keiner mehr vor der Wankelmütigkeit des despotischen Königs sicher glaubt. Wie schon im Vorgänger hat der Autor den historischen Kontext genauestens recherchiert, wenngleich er sich im Falle des griechischen Feuers, wie auch im Nachwort erklärt, einige Freiheiten herausnimmt. Die Atmosphäre des spätmittelalterlichen Londons konnte mich diesmal jedoch nicht so packen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass Shardlake und Barak, von deren Auftragserfüllung nicht nur ihr eigenes Leben abhängt, durchgängig von einem Ort der Innenstadt zum nächsten hasten. Das das ihrer 12-Tage-Frist geschuldet ist, leuchtet ein, und dennoch vermag sich Spannung erst im letzten Drittel zu entwickeln. Bis dahin ist viel Fußarbeit zu erledigen, ein ganzer Haufen an Befragungen durchzuführen.

Das da keine Langeweile aufkommt, liegt vor allem an den Figuren, welche Sansom hier wieder glänzend zeichnet und die nicht unterschiedlicher sein könnten. Auf der einen Seite der selbstmitleidige, resignierte Shardlake, dem der reformatorische Eifer abhanden gekommen ist. Auf der anderen der robuste und ungehobelte Barak, der Cromwell ohne Skrupel zu dienen scheint und zwischendurch doch ein weiches Herz offenbart. Von ihrem Zusammenspiel lebt dieses Buch. Ansonsten lässt Sansom die wahren Hintergründe lange im Dunkeln, scheinen die Feinde stets einen Schritt voraus, während sich die zwei Ermittler durch ein Gewirr aus Mord und Intrigen kämpfen müssen. Kämpfen kann nun auch mal wörtlich genommen werden, denn hier wird das im Vorgänger nur durch die Gegend getragene Schwert tatsächlich das ein oder andere Mal gezogen. Ob oder wie die zwei parallel laufenden Handlungsstränge am Ende zusammenkommen, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur soviel: Die Auflösung ist schlüssig, wenn auch nur teilweise überraschend.

Insgesamt ist "Feuer der Vergeltung" erneut ein handwerklich exzellenter Roman, dem jedoch die schaurig-düstere Atmosphäre des Vorgängers fehlt und der mitunter aufgrund einer Vielzahl von Namen sehr viel Aufmerksamkeit vom Leser erfordert. Ein intelligentes Werk, das uns in eine vergessene Zeit entführt und weiter Lust auf die Reihe macht.

26.08.2009 22:02:56
Lexa

Matthew Shardlake hat sich noch gesteigert. Er und Barak sind ein gutes Team und ergänzen sich gegenseitig. Matthew der Zweifler, Grübler, der Krüppel, der sich oft selbst bedauert. Barak, der junge rotzfreche Draufgänger, innen ganz weich.
Die Handlung in London läßt das Leben zur damaligen Zeit erahnen.
Mühsam gelangt man mit dem Pferd oder mit dem Boot oder sogar zu Fuß von einer Ecke zur anderen. Hilfreich wäre hier eine Stadtkarte von 1540.
Sehr gut gelungen sind wieder die verschiedenen unverwechselbaren Charaktere wie z. B. Joseph, Grey oder Mrs. Gristwood. Das Buch ist sehr spannend, andauernder Richtungswechsel gibt den Ton an.

Etwas lahm erscheint mir die Begründung zum Schluß, weshalb der Drahtzieher des Komplottes nicht auf Rache an Shardlake und Barak sinnen sollte.

22.08.2009 11:07:56
Krimi-Tina

Matthew Shardlake, der eigentlich bei Thomas Cromwell in Ungnade gefallen ist und auch nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte, muss sich um ein junges des Mordes angeklagtes Mädchen zu retten, doch wieder in dessen Dienste begeben. Es geht um nicht weniger als um die Wiederbeschaffung der verloren gegangenen Formel für das sogenannte „Griechische Feuer“. Aber die Zeit ist knapp für die Klärung beider Fälle und es hängt nicht nur das Leben des Mädchens an dem erfolgreichen Ausgang.
Die Historie kommt auch in diesem Buch keineswegs zu kurz, Cromwells Posten wackelt und damit sein Kopf. Er hat ein paar unkluge Entscheidungen getan und die Fraktion der Traditionalisten am Hof gewinnt Oberwasser. In dieses historisch korrekte Umfeld setzt Sansom sein Geschichte von der zu findenden Wunderwaffe, die Cromwells Kopf retten soll.
So hetzt Shardlake, der eigentlich ein ruhiges Leben führen wollte, begleitet von einem Mitarbeiter Cromwells, dem recht ungehobelten aber schlauen und zähen Barak, durch London.Ohne recht voranzukommen, es scheint aber als wäre ihnen jemand ständig einen Schritt voraus
In diesem Buch fehlt die geheimnisumwitterte Atmosphäre des Benediktinerklosters, die mich in Sansoms ersten Buch so in Bann gezogen hat. Aber das macht überhaupt nichts, dafür ist die Handlung um ein vielfaches actionreicher, ein Ereignis jagt das andere. Ohne dass Sansom damit übertreibt. Das Tempo ist nach immer noch der damaligen Zeit angemessen. Sehr schön auch die Darstellung der seelischen Konflikte Shardlakes, einst ein unverbrüchlicher Anhänger der Reformation, nun aber aufgrund der Taten nicht zuletzt seines ehemaligen Gönners stark schwankend und nach Orientierung suchend. Aber auch hier lässt Sansom Shardlake ein Kind seiner Zeit bleiben, bei vielen Dingen fiele ihn gar nicht ein, sie in Frage zu stellen.
Das Ganze bleibt daher wunderbar stimmig.Gefällt mir fast noch besser als der Erstling.

12.08.2009 18:14:07
ElRascalito

Das Nachfolgewerk von Samson mit seinem Rechtsanwalt Matthew Shardlake hat mich wieder überzeugt. 3 Jahre nach den Geschehnissen im Kloster Scarnsea führt uns der neueste mysteriöse Fall ins London des Jahres 1540. Wieder wird Shardlake in die Machenschaften Lord Cromwells hineingezogen, wenn auch dessen veränderte Machtposition auffällt. Vor dem historischen Hintergrund ist dieses Szenario auch besonders interessant, erahnt man doch zumindest teilweise was geschehen wird, wenn auch nicht WIE in diesem Band.
Mir hat dieser Teil noch besser gefallen als das Debütwerk. Athmosphärisch versteht Sansom noch immer absolut sein Handwerk und gestaltet ein vielstimmiges, detailliertes London. Neue Helfershelfer und Gegenspieler verstärken den positiven Eindruck, die Rahmenhandlung um die Jagd nach dem griechischen Feuer ist bis zuletzt spannend. Besonders schön, dass die sympathische Figur des Mönchen Guy aus dem 1. Teil nun in einer neuen Rolle einen Weg in dieses Buch gefunden hat. Auch die Nebenhandlung (ein weiterer, scheinbar klarer Fall) um Elizabeth Wentworth weiß bis zu ihrer Aufklärung gegen Ende zu gefallen und die Entwicklungen am Ende versprechen ein Wiedersehen mit einigen Charakteren im "Der Anwalt des Königs".
Eindeutige Kaufempfehlung, noch besser als "Pforte der Verdammnis".

30.07.2009 17:29:13
anath

Cromwells Macht ist brüchig geworden. Noch regiert er mit eiserner Hand, aber für ihn zeichnen sich dunkle Wolken am Horizont ab. Um die Gnade des Königs wieder zu gewinnen muß Cromwell ihm etwas ganz besonderes bieten: das griechische Feuer, die Wunderwaffe der Byzantiner.
Nur leider ist die Rezeptur verschwunden und das griechische Feuer gleich mit dazu. Und so hetzt Cromwell verzweifelt seinen alten Freund Matthew Shardlake den Dieben hinterher. Shardlake jedoch muß feststellen, daß die Diebe ihm immer einen Schritt voraus sind und offenbar von beispielloser Brutalität und Skrupellosigkeit.Ein Mord jagt den nächsten, niemand scheint sicher, niemandem kann Shardlake wirklich trauen...

Ein tolles Buch, spannend bis zur letzten Seite. Die letzten Tage der Cromwells werden nacherlebbar gemacht, seine Macht ist in diesem Buch regelrecht fühlbar.
Matthew Shardlake, mittlerweile recht desillusioniert und auf dem Boden der Tatsachen angekommen, ist kein Schnüffler mit dem 7.Sinn. Er ertastet sich mühsam seinen Weg durch das Labyrinth verwirrender Fakten, den Dschungel von Halbwahrheiten und unvollständigen Zeugenaussagen.
Der Leser hat immer die Chance, mit ihm mit zu halten und auch wenn sich langsam eine Ahnung abzeichnet, wer hinter all dem stecken könnte : Ich jedenfalls habe diesmal nicht geschafft, schneller zu sein als der Detektiv.
Dazu kommt die sehr gut nacherlebbare Welt der kleinen Leute, wunderbare Details (von der Kleidung bis zur Medizin, selbst die Klos werden nicht verschont ;-) ). Dieses Eintauchen in ein längst vergangenes London habe ich zutiefst genossen.
Applaus für dieses Buch!