Des Teufels Sanduhr

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2009, Titel: 'Des Teufels Sanduhr', Originalausgabe

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78

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Carsten Jaehner
Eine spannende Geschichte mit erzählerischen Schwächen

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2009

Kurzgefasst:

Westfalen im Dreißigjährigen Krieg: Die junge Anna Pippel hat alles verloren und schließt sich dem Tross eines Heeres an. Dort findet die schüchterne Frau in der resoluten Marketenderin Liese Kroll und dem kauzigen Geschichtenerzähler Hans Mergel eine neue Familie. Doch im Umfeld des Heeres ereignen sich brutale Frauenmorde. Schnell sucht man einen Schuldigen und bezichtigt Liese, Anna und Mergel der Hexerei. Liese wird hingerichtet, Anna und Mergel werden aus dem Tross vertrieben. Aber das Morden geht weiter - und der Mörder ist immer in Annas Nähe...

 

Während der Dreißigjährige Krieg in Westfalen wütet, verliert Anna Pippel ihre Familie, und sie wird so gezwungen, sich einem Troß des Heeres anzuschließen. Dort lernt sie Liese Kroll und den redefreudigen Hans Mergel kennen und schliesst mit ihnen eine Art Freundschaft, helfen sie sich ja gegenseitig in dieser für alle schweren Zeit. Im Umfeld des Heeres ereignen sich jedoch immer wieder Morde an jungen Frauen, die aufgehängt werden, ein Hund wird an ihren Fuß gebunden, und es findet sich eine kleine Sanduhr in ihrer Hand.

Schon bald wird Liese der Hexerei bezichtigt, und Anna, Hans und einem jungen Mann namens Balthasar gelingt die Flucht aus dem Troß. Sie werden von einem unbekannten Reiter nach Süden an den Ammersee geschickt, wo sie sich an einem bestimmten Hof einfinden und leben sollen, bis er wiederkommt. So begeben sie sich allein auf den Weg. Doch das Morden um Anna herum geht weiter, nur sie wird weiterhin verschont. Wer mag die Bestie sein, die so brutal vorgeht?

Beeindruckende Beschreibungen des Dreißigjährigen Krieges

Simone Neumanns erster Roman besticht durch intensive Beschreibungen der Lebensverhältnisse im Dreißigjährigen Krieg. Eindrucksvoll versetzt sie den Leser in eine Zeit, in der man von der Hand in den Mund und von einem Tag in den nächsten lebte, und sie beschönigt nichts und hat ein Händchen für die kleinen und großen Gräuel der Zeit. Das ist sehr bestechend und manchmal schon fast zu viel, aber es bringt den Leser zum Nachdenken.

Die Geschichte ist auch recht gut konstruiert. Zwischen der Erzählung taucht immer wieder ein zweiter Erzähler auf, von dem schnell klar ist, dass er Anna verfolgt, aber man weiß nicht, wer er ist und was er vorhat. Aus dieser zweiten Perspektive entsteht so ein weitere Ebene, die den Roman spannendend macht und den Leser bei der Stange hält.

Einstreuung von historischen Ereignissen

Auch die Beschreibung der Charaktere ist gelungen. Anna ist eine junge Frau, die mit der Zeit im Troß lernt, ihre Schüchternheit abzulegen, und der Überlebenskampf hinterlässt seine Spuren. Liese ist eine Dame, die umstritten, aber doch irgendwie herzig ist, und der alte Hans erzählt gerne aus seinem langen und reichhaltigen Leben. Alles in allem Figuren, wie sie irgendwie jeder kennt, und daher kann man sich auch gut in sie hineinversetzen.

Neben den persönlichen Geschichte lässt die Autorin auch immer wieder die historischen Ereignisse mit in die Handlung einspielen, so um Wallenstein und seine Karriere und dem ganzen Wirrwarr des Krieges. Dies macht sie zwar dezent aber immer an den richtigen Stellen und gut dosiert, so dass man das große politische Geschehen immer mit der kleinen Situation um Anna in Verbindung bringen kann.

Schwächen im Erzählstil

Allerdings gibt es vom Formalen her noch einige erzählerische Schwächen, die die sonst sehr talentierte Autorin unbedingt ausmerzen muss. Sätze wie "gesagt, getan" oder der häufige Gebrauch des Wortes "also" stören doch den Lesefluss. Besonders auffällig sind Brüche in Erzählungen, die mit Halbsätzen wie "Und das kam so:" eingeleitet werden. Aber das sind im Prinzip Anfängerfehler, und die Autorin hat bereits bewiesen, dass sie es besser kann. Dennoch stören sie hier und da den Lesefluss, und zwar so, dass man in diesem Roman leider nicht darüber hinweglesen kann. Auch sind manchmal die zeitlichen Dimensionen im Roman nicht klar und logisch.

Die Auflösung der Mordfälle dürfte für aufmerksame Leser keine Überraschung sein (für nicht aufmerksame schon), aber dennoch bleibt bis zum Schluß eine gewisse Spannung erhalten. Der Autorin ist zu wünschen, dass sie Ihren Stil weiter entwickelt und weiter gute Geschichten dramatisiert.

Immerhin hat es auch der Goldmann-Verlag mit diesem Buch geschafft, einmal nicht einen "Die ...-in"-Titel zu wählen, deren Verwendung mittlerweile schon ins groteske abdriftet und die Leserschaft mehr und mehr ermüdet und von Büchern abschreckt, die es eigentlich verdient hätten, gelesen zu werden. Aber Des Teufels Sanduhr ist ein sowohl ansprechender als auch treffender Titel, der hier auch einmal lobend erwähnt werden soll. Leider bietet der Roman keine Ergänzungen wie eine Zeittafel oder eine Landkarte, die den Leser noch ein wenig weiter in die Materie geführt hätten.

Ein empfehlenswerter Roman mit leider zu gravierenden erzählerischen Schwächen, aber einer schönen und spannenden Geschichte. Wir warten gerne auf weitere Romane der Autorin.

 

Des Teufels Sanduhr

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Letzte Kommentare:
15.02.2012 20:07:09
antje

Ich fand das Buch gut geschrieben und auch recht spannend - die Verknüpfung Krimi und Geschichte finde ich sowieso super und hier auch ganz gut geglückt. Natürlich gibt es weitaus bessere Werke dieses Genres, die man in einem Atemzug hier eigentlich nicht nennen sollte (alles von C.J. Sansom!!), aber als wohlig-schaurige Nachmittagslektüre an einem kalten Wintertag durchaus zu empfehlen!

25.01.2012 18:55:20
Schnagg

Habe das Buch geschenkt bekommen mit den Kommentar es wäre superinteressant u. man wisse bis zum Ende hin nicht wer der Täter ist. Hmmm, also m.E. kein fesselnder Roman. Ich war froh als ich´s durchgelesen hatte. Von wegen Spannung bis zum Ende u. Überraschung bzgl. des Täters. Es hat sich zieml. schnell abgezeichnet wer dafür in Frage kommt u. warum. Eigentlich im Groben gesehen eine langweilige Lektüre deshalb wird sie erst gar nicht verliehen sondern gleich verschenkt für eine soziale Einrichtung.
Die Figur Anna Pippel an sich war schon nicht schlecht. Auch die Zeiten in der sie lebte u. wie sie um´s Überleben kämpfte waren interessant geschildert. Die Dialoge des Pfarrers hingegen waren grausam u. fad. Mergels Geschichten hat man schnell mal überlesen um weiter zu kommen. Der Kriegswirrwarr hat mir zudem gar nicht gefallen. War mir zuviel durchnander. Ich hab noch ein Buch der Autorin u. bin gespannt ob es da spannender zugeht :-)

26.09.2009 22:19:34
Martin Sandler

Eines vorweg: Simone Neumann ist ein durchaus bemerkenswertes Buch geglückt! Der Plot ist gelungen, nicht zu verkompliziert und die Erzählweise der Autorin ist flüssig, farbig und ansprechend, mit durchaus genügend Empathie für Zwischentöne menschlicher Art und Gespür für die Menschen und ihrer jeweiligen Lage, in der sie sich befinden. Sicher, die Spannungsbögen halten sich unheimlich drohend im Hintergrund (mit dem lange Zeit phantomisierten Mörder und seinen Motiven, diese geraten am Ende auch etwas zu flach) und werden von anderen (Follett, Patterson, Dübell, Meister, Schätzing usw.) besser beherrscht. Es ist aber eine flotte, kurzweilige Geschichte vorzufinden, die ihre erzählerischen Reize streut und als Erstling wirklich anspricht. Jede/r wächst mit ihren/seinen Aufgaben heißt es und das wird auch Simone Neumann gelingen. Von den Besten ist sie noch ein gutes, aber nicht allzu großes Stück entfernt. Vor allem auch der Situationskolorit ihres Buches wirft ein recht realistisches, wenngleich teilweise auch nur facettenhaftes Licht auf das unmenschlich-barbarische verzweifelte Leben und Überleben im Troß eines entwurzelten Kriegsheeres des Dreißigjährigen Krieges.
Fazit: Gut lesbar, klopft zaghaft an die gehobenere Klasse historischer Romane an, empfehlenswert und hoffentlich wird das Klopfen bald unüberhörbar.

19.08.2009 16:18:57
Julchen2

Ich habe das Buch jetzt auch ausgelesen und ich muss sagen, daß es mir sehr gut gefallen hat. Das Buch hat eine düstere Atmosphäre, aber genau das hat mir gefallen. Ich kann nicht beurteilen, ob die historischen Fakten alle richtig sind, aber das Buch ließ mich in die Zeit eintauchen und mitfühlen, wie das Leben damals in Kriegszeiten war.

Die Dialoge von Pippin und Terese fand ich nun überhaupt nicht nervig, dafür waren sie viel zu selten gestreut. Im Gegenteil, bei Pippin muss ich sagen, daß sie mir gefallen haben und passend waren.

Was Balthasar angeht, finde ich es schon verständlich, daß er sich sträubt, denn ich denke, daß er davor Angst hat, was er finden oder besser nicht finden könnte.

Die Kriegsgeschichte fand ich auch nicht verwirrend. Wenn man aufmerksam liest, dann ist alles verständlich (ich bin auch keine grosse Kennerin der Geschichte, dazu habe ich noch zuwenig gelesen). Man mußte sich halt ein bißchen konzentrieren beim Lesen, aber das finde ich ok, denn seichte Unterhaltung gibt es genug.

Mir hats jedenfalls sehr gut gefallen und ich würde mir weitere Bücher der Autorin wünschen.

18.08.2009 15:23:28
Rixa

Hab das Buch eben fertig gelesen und kann mich bonomania nicht wirklich anschließen - es war zwar nicht SO gut, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte, aber es war auch nicht überhaupt nicht empfehlenswert. Ein vielversprechender Erstling, der hier und da an einer ungeschickten Formulierung krankte. Schade fand ich auch den Handlungsstrang um Baltasar - aber es wurde wohl eine Figur gebraucht, die sicherstellte, dass Anna nicht auf dem Weg nach Süden "vom Pfad abkommt", sondern dass sie das Ziel verfolgt, eine Aufgabe hat. Die "kursiven Selbstgespräche" waren für mich Highlights des Buches, ich mag solche Einschübe unheimlich gern und die waren auch sehr folgerichtig formuliert.
Und was die Kriegsgeschichte angeht - nun, die hat mich nicht verwirrt, aber in dieser Hinsicht bin ich auch nicht "Otto Normalleser" - gestört hat mich dahingehend nur, dass mal wieder die Schweden als das größte Übel des Krieges hingestellt wurden. Aber das ist immer Ansichtssache, denke ich ...

Ich gebe 75 Punkte, Luft nach oben ... aber auch nach unten ...

12.08.2009 01:04:31
bonomania

Ich habe das Buch zu Ende gelesen, kann es aber leider überhaupt nicht weiterempfehlen.

Ein Frauenmörder der Frauen/Huren die Kehle aufschlitzt, sie immer an einem Baum aufknüpft und an deren Bein einen kleinen Hundewelpen dranhängt und daneben eine Sanduhr, die besagt. dass die Zeit der Frauen abgelaufen ist.

Ätzend fand ich die Dialoge des Pfarrers und die wirren Worte von Pippin und Terese (alles wird doppelt und dreifach wiederholt )
Für meinen Geschmack ist einfach zu viel Kriegsgeschichte drin. Irgendwann verliert man den Überblick über die marodierenden Schweden, Spanier, Katoliken- und Protestantischen Krieger.
Auch werden immer mal wieder kurze Geschichten in die Geschichte reingepackt, was meinen Lesefluss erheblich geschmälert hat.
Auch hängt der Handlungsstrang um Balthasar völlig in der Luft. Er soll zu seinen Eltern nach Heidelberg gebracht werden. Warum sträubt er sich da hinzugehen und warum wird er immer wortkarger??
Dieses Rätsel ist überhaupt nicht gelöst worden
Bis Seite 150 zieht es sich, dann, nachdem Anna sich mit Hans nach Bayern auf Wanderschaft macht, der Pfarrer beim Tross bleibt und Teresa als Hexe auf den Scheiterhaufen verbrannt wird, wird es ein bisschen besser, weil Teresa\'s wirre Dialoge wegfallen. Die waren eine Qual zu Lesen.
Man hätte viel mehr aus der Geschichte machen können, dem Buch fehlt aber der berühmte rote Faden.

Potenzial der Autorin ist da, ich hoffe sie steigert sich beim 2. Buch?

04.08.2009 10:37:28
Regina Sauermann

Ein düsteres und spannendes Erlebnis. Ich wurde gleich von den ersten Seiten an gepackt und konnte nicht aufhören zu lesen. Die Heldin ist eine einfache Tagelöhnerin in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, eine scheue, schicksalsgläubige Frau, die durch die Wirren des Krieges und die zunehmenden Verluste, die sie durch ihn erfährt, gezwungen wird, sich selbst und auch einen Mörder zu finden, der den Krieg nutzt, um seine grausigen Taten unbemerkt zu begehen. Interessanter Stil und vor allem hervorragend recherchiert. Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen.

Zeitpunkt.
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