Die Inselvogtin

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2009, Titel: 'Die Inselvogtin', Originalausgabe

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Annalena Brix
Ein charmantes Ostfriesland in historischem Kleid

Buch-Rezension von Annalena Brix Mär 2009

Kurzgefasst:

Juist im Jahr 1717. Die kleine Maikea wird unter dramatischen Umständen geboren: Eine große Flut erfasst die Insel und reißt die Hälfte der Bevölkerung in den Tod. Etliche Jahre später will Maikea Inselvogtin werden, um genau solche Katastrophen zu verhindern. Aber sie hat nicht mit einem Widersacher aus ihrer Vergangenheit gerechnet. Der eifersüchtige Weert nutzt die politischen Unruhen am ostfriesischen Fürstenhof und zettelt eine Intrige an, die Maikea und ihren Geliebten in Todesgefahr bringt.

 

Ebbe und Flut beeinflussen seit jeher die ostfriesische Küste. Das Meer bemächtigt sich immer wieder kleinerer Landstriche und beherrscht das Leben der Menschen, die so eng mit ihm in Verbindung stehen. Autorin Sandra Lüpkes, die selbst auf Juist geboren und aufgewachsen ist, hat ihre Heimatinsel zum Schauplatz ihres ersten historischen Romans gemacht. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die unter schicksalhaften Umständen in einer Weihnachtsnacht geboren wird und noch in Kindertagen ihre Heimat verlassen muss.

Im Jahre 1717 tobt eine große Flut in der Heiligen Nacht, sie wird als so genannte ‚Weihnachtsflut‘ in die Geschichte eingehen. Eben in dieser Nacht wird Maikea auf der Insel Juist geboren, während viele Inselbewohner in den Sturmwehen den Tod finden. Von Maikeas Familie überleben nur sie und ihre geschwächte Mutter. Die heilkundige Geeschemöh, die bei der Geburt geholfen hat, nimmt sich der beiden an und wird eine Art Ziehmutter für Maikea. Doch mit fast zwölf Jahren wird Maikea Vollwaise und in ein Waisenhaus auf dem Festland geschickt. Sie ist bestürzt und nimmt sich fest vor zurückzukehren, um in die Fußstapfen ihres Vaters, dem Inselvogt Boyunga, zu treten.

Vorahnung und Vergnügen

Maikeas Geschichte beginnt stürmisch und so geht sie auch weiter. Vom Waisenhaus gerät sie in die Hände von Rebellen, die eigentlich den Fürstensohn entführen wollten. So kommt es, dass Maikea bei dem Kartenmaler Josef Herz unterkommt und von ihm Vieles lernt, was sie einer Zukunft als Inselvogtin näher bringt.

 

"Maikea erhielt auf diese Weise ein sehr umfangreiches Bild von der Entstehung, Wanderung und partiellen Vernichtung der Ostfriesischen Inseln, aber auch die Veränderung der Küstenlinien durch Deichbau oder heftige Fluten konnte man auf diese Weise nachvollziehen. Und sie liebte es am Abend mit Josef Herz über ihre Heimat zu sprechen. Das machte sie zufrieden."

Die Geschichte rund um Maikea und den ostfriesischen Fürstenhof ist leichtgängig und erreicht den Leser sofort. Die Figuren sind sympathisch, die Ereignisse reizvoll und gut erzählt. Nur leider ist so einiges vorhersehbar. Sowohl die Beziehungen der Figuren zueinander, als auch manche Geschehnisse lassen sich leicht erahnen. Da der Roman aber immer "in Fahrt" bleibt und keine Längen entstehen, stört dieser Umstand nur von Zeit zu Zeit und das Lesevergnügen bleibt ungetrübt. Den Ausgleich schafft vor allem das Geschick der Autorin bei den Beschreibungen der Emotionswelt der Figuren. Ihr gelingt es, die unterschiedlichen Facetten von Freundschaft, Argwohn, Verbundenheit und Unsicherheit in ihren Nuancen darzustellen und dabei bleibt sie stets glaubwürdig.

Fürstliche Freundschaft

Die Menschen, denen Maikea begegnet, sind sehr unterschiedlich. In dem Waisenmädchen Jantje hat sie auf Anhieb eine treue Freundin gefunden. Im Gegensatz dazu wird ihr alter Widersacher Weert Switterts niemals ihr Herz erobern und wie sie zum Rebellenführer, dem Weißen Knecht, steht, weiß sie selbst nicht so genau. Als Maikea an den Fürstenhof kommt, trifft sie dort Jantje und Weert wieder. Weert ermöglicht Maikea eine Stellung zur Erforschung von Flutauswirkungen und Strandbepflanzung. Die jungen Frauen freuen sich und tauschen sich sofort aus - auch über den jungen Fürsten, den Maikea einst vor einer Entführung bewahrte. Das Fürstenhaus braucht einen Nachfolger, aber der frisch verheiratete Herrscher macht keine Anstalten ins Gemach der Fürstin geschweige denn in ihr Bett zu kommen. Unruhen kommen auf und verschiedene Gruppen wittern ihren Weg zur Macht.

Daher sind es nicht nur die buchstäblichen Stürme, die Maikea zu bewältigen hat. Sie gerät mehrfach in die Unruhen bei Hofe und um die Rebellen. Doch sie durchschifft die Schwierigkeiten mit allen Höhen und Tiefen.

Eine starke Frau ist Sandra Lüpkes Feder entsprungen und man begleitet sie gerne auf ihrem Weg. Die Figur der Maikea ist vor allem anderen menschlich und das macht sie so liebenswert. Liebenswert ist sie natürlich auch innerhalb des Romans. Die verschiedenen Liebesgeschichten hat die Autorin aber dezent und ganz nebenbei erzählt.

Das Ende des Buches - und bis dahin passiert ganz schön viel - lässt dann dem Leser viel Raum, sich seine Details selbst auszumalen. Viel passiert ist auch für die Autorin, die bisher vor allem mit Krimis in Erscheinung getreten ist. Mit ihrem Roman "Die Inselvogtin" liefert sie ein gelungenes Debüt im historischen Genre und erfreut mit der Verortung an die norddeutsche Küste. Hoffentlich gibts bald mehr vom Meer!

Die Inselvogtin

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Letzte Kommentare:
16.01.2014 15:55:05
murmeltier

Als Nordseeliebhaberin und Histo-Freak habe ich mich auf dieses Buch gestürzt. Jetzt, nachdem ich es gelesen habe, bleibe ich ein bisschen ratlos zurück, wie ich das Buch bewerten soll.
Ich fand die Bilder, die die Autorin beschreibt, schön. Ich wurde von der Sturmflut mitgerissen und habe im Waisenhaus gefroren. Die Personen waren für mich sehr real, und auch der geschichtliche Hintergrund bildet einen schlüssigen Rahmen für den Roman.
Allerdings hatte das Buch für mich Längen. Einige Vorkommnisse wurden öfter dargestellt und betont, so dass ich mich gefragt habe, ob dem Leser nicht ein wenig mehr Grips zugetraut wird. Auch habe ich so meine Probleme damit, ob emanzipierte Frauen wie Maikea tatsächlich in der im Buch dargestellten Art in ihrer Gesellschaft leben konnten. Daneben gab es aber auch sehr packende und spannende Szenen wie beispielsweise die Ermordung des Kanzlers oder den Kampf in der brennenden Mühle.
Gut fand ich, dass sich im Anhang ein Glossar befindet, das Auskunft über Hintergründe und Fachbegriffe gibt. Gestört hat mich allerdings, dass diese Begriffe im Text kursiv gedruckt waren, so dass der Lesefluss doch sehr gestört wurde. Da hätte sich sicher von Lektorenseite ein anderes Mittel finden lassen.
Als Urlaubslektüre - vielleicht bei einem Nordseeaufenthalt - ist das Buch sicher zu empfehlen.

07.12.2013 10:37:28
isabelle

Die Idee ist spannend. Ein für einen historischen Roman ungewöhnlicher Handlungsort, der Gegensatz zwischen dem harten Inselleben und dem Fürstenhof, der Versuch einer sprachlichen Annäherung an die Vergangenheit bei gleichzeitiger Modernität - leider bleibt es aber bei der guten Idee, an der Umsetzung hapert es.

Zur Geschichtlichkeit kann ich nicht viel sagen (siehe Rezension Henning Becker), also stelle ich nur fest, daß sowohl die Inselschilderungen als auch die Schilderung des Fürstenhofes sehr blaß und oberflächlich bleiben, sogar für LeserInnen, die die Gegend kennen und die entsprechenden Bilder im Kopf haben.
Die Erzählweise ist zum Teil allzu sprunghaft und mir ist nicht klar, nach welchen Kriterien die Autorin Szenen auswählt, die sie etwas breiter auserzählt oder über die sie schnell hinweggeht. Ihr Stil ist gleichzeitig nicht geeignet, mit kurzen Worten große Stimmungen oder Handlungen zu evozieren, so bleibt eigentlich nur der Eindruck von Oberflächlichkeit - und das bei einem Buch mit über 400 Seiten.
Ähnlich mißlungen ist die Sprache. Einerseits baut die Autorin auch unnötige historische Terminologie ein ('Maladie') und versucht zum Teil altertümelnd zu klingen, andererseits wimmelt es von sprachlichen Anachronismen, manchmal sogar im selben Absatz.

Fazit: Das Buch funktioniert auf keiner Ebene so richtig. Für einen faulen Lesenachmittag ist das Buch nicht spannend genug, für ein langsames Genießen nicht gut genug.

03.09.2012 10:23:36
Henning Becker

das zentrale Thema der Machtdifferenzen zwischen dem ostfriesischen Fürstenhaus und den Ständen wird eindimensional auf die alte friesische Freiheit begründet und damit die eigentlichen Zusammenhänge offengelassen. Selbst bei Konzedierung dichterischer Freiheit bleiben die Schilderungen der geschichtlichen Personen und Geschehnisse fragwürdig, vor allem deren gewählte Dialoge sind dilettantisch. So geht z.B. die Liebesaffäre der Fürstin Wilhelmine Sophie mit dem Bauernsohn und späteren Ratsherrn Weert Switterts völlig daneben. Die hinzugedichteten Personen geben in ihren Geschehensabläufen einen immerhin lesenswerten Kriminalroman ab, der aber durch die Einbettung in eine Geschichtsklitterung des 18. Jahrhunderts in Ostfriesland wieder reichlich verliert.