Die Stadt der Heiligen

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2009, Titel: 'Die Stadt der Heiligen', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Historischer Roman mit unspektakulären Krimielementen

Buch-Rezension von Birgit Borloni Jan 2009

Kurzgefasst:

Aachen, 1412: Der Geselle Klas liegt erschlagen im Dom. Verdächtigt wird sein Meister, Reliquienhändler Reinold Markwardt. Dessen Frau Marysa glaubt an eine Verschwörung. Unterstützt von dem Mönch Christophorus, stößt sie bei ihren Nachforschungen auf einen Handel mit gefälschten Reliquien. Doch ihre Feinde sind mächtig: Marysa wird der Ketzerei angeklagt und soll auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Und die Zeit arbeitet gegen Christophorus ...

 

Marysa Markwardt ist die Tochter eines verstorbenen Reliquienhändlers in Köln und hat nach dem Tod ihres Vaters einen Schreinbauer geheiratet. Obwohl die Ehe alles andere als glücklich ist, hat sie sich doch mit ihrem Leben arrangiert. Eines Tages allerdings wird der Geselle Klas erschlagen im Dom vorgefunden. Bei seiner Leiche findet man eine gefälschte Reliquie, die sich in einem Schrein aus der Werkstatt Markwardt befindet. Somit fällt der Verdacht zunächst auf Reinold, Marysas Mann. Da es aber keine Beweise gibt, wird er wieder freigelassen und fasst den Entschluss, zum Einen wirklich in den Handel mit gefälschten Reliquien einzusteigen und zum Anderen den Mörder seines Gesellen zu stellen. Damit bringt er nicht nur sich in Gefahr ...

An dem Tag, an dem der Geselle ermordet wird, taucht Christophorus, ein Dominikanermönch, bei Marysa auf und überbringt ihr die Nachricht vom Tode ihres Bruders. Er starb während einer Pilgerreise. Christophorus ist nicht nur Ablasshändler, sondern auch Mitglied der Heiligen Inquisition und unterstützt die Familie Markwardt durch eigene Nachforschungen.

Aachen zur Heiltumsweisung

In Aachen werden bis zum heutigen Tag wertvolle Reliquien aufbewahrt: Die Windeln und das Lendentuch Christi, das Kleid Marias, das sie angeblich in der Christnacht trug, sowie das Enthauptungstuch Johannes des Täufers. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts ist belegt, dass diese Reliquien alle sieben Jahre im Rahmen der Heiltumsweisung den Pilgern öffentlich gezeigt werden. Dieses Schauspiel bildet den Rahmen von Petra Schiers Roman. Die Zeigung der Reliquien war ein großes Ereignis, zu dem die Leute von weither strömten, das teilweise Volksfestcharakter hatte. In dieser Zeit blühte natürlich der Ablasshandel, denn nicht jeder konnte die Bedingungen für den vollkommenen Sündenerlass, der einmal pro Tag gewährt wurde, erfüllen. Auch Reliquien aller Art waren sehr begehrt. Da es aber nicht unbegrenzt viele Heilige gab und auch jeder Heilige nur eine bestimmte Anzahl an Finger- und Fußknöchelchen hatte, konnte der Handel mit gefälschten Reliquien ein sehr einträgliches Geschäft sein.

Historisch gelungen, aber kaum Spannung

In einer leicht zu lesenden und eingänglichen Sprache gelingt es Petra Schier sehr gut, die Atmosphäre der Heiltumsweisung und den Geschehnissen drumherum einzufangen und darzustellen. Durch Christophorus erfährt man einiges über Ablässe, da er einen schwungvollen Handel damit betreibt und durch Marysa, als Tochter eines Reliquienhändlers, lernt man etwas über echte und gefälschte Reliquien. Das zusammen ergibt eine atmosphärisch dichte Geschichte, in die man sich als Leser an vielen Stellen hineinversetzt fühlt.

Spannung kommt allerdings in dem Roman wenig auf. Die Aufklärung des Mordes an dem Gesellen Klas, sowie der nachfolgenden Verdächtigungen an der Familie Markwardt gehen zum Teil nur schleppend voran oder treten ganz in den Hintergrund. Zudem weiß der Leser mehr als Christophorus und Marysa, so dass gerade erfahrene Krimileser der Lösung ziemlich schnell auf der Spur sein dürften - die Auflösung keine großen Überraschungen mehr birgt.

Noch ausbaufähige Figurenzeichnung

Marysa und Christophorus sind recht gut gelungene Protagonisten. In ihrer Ehe alles andere als glücklich, versucht Marysa sich mit der Situation zu arrangieren und nimmt allerlei Schikanen hin. Ihr innerer Widerstreit zwischen Wut und Unzufriedenheit und dem Bemühen, ihr Leben so zu nehmen, wie es ist, wird gut und einleuchtend dargestellt.

Christophorus als Ablasshändler und Inquisitor hat bei der jungen Frau keinen leichten Stand, denn beides lehnt sie ab. Christophorus sieht sich hingegen an das Versprechen gebunden, dass er Marysas Bruder gab, und bemüht sich, der Familie zu helfen, auch wenn Marysa seine Geduld manchmal überstrapaziert. Zudem scheint er ein eigenes Geheimnis mit sich herumzutragen, dass möglichst nicht ans Licht kommen sollte.

So ist die Beziehung der Beiden zueinander eher von Abneigung und Streitereien geprägt, als von Freundschaft. Petra Schier verzichtet in diesem Band auf eine große Liebesgeschichte, nur mit leichten Andeutungen wird gezeigt, dass Marysa und Christophorus doch nicht nur negativ gegenüber dem anderen empfinden.

Die restlichen Figuren hingegen bleiben eher blass und zum Teil recht eindimensional. Marysas Ehemann ist zum Beispiel ein rechter Widerling, was sich nicht nur durch seine Taten, sondern auch schon durch die Beschreibung seines Äußeren zeigt. Auch Marysas Mutter oder der Goldschmied Bardolf Goldschläger sind für den Leser schwer zu fassen und nehmen nur wenig Konturen an. Da bereits ein weiterer Band um Marysa in Arbeit ist, bleibt zu hoffen, dass die Autorin die Figurenzeichnungen noch vertiefen wird.

„Die Stadt der Heiligen" ist ein vergnüglicher, leicht zu lesender Roman, dessen historische Komponente sehr gelungen ist, von dessen Kriminalfall man allerdings nicht zu viel erwarten sollte. Abgerundet wird das Buch durch ein Nachwort der Autorin über die Heiltumsweisung und die Reliquien, sowie einem Rezept über Konkavelite, einer von Marysa sehr geschätzten Süßspeise.

Die Stadt der Heiligen

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Letzte Kommentare:
09.02.2013 20:21:43
PMelittaM

Im Aachener Dom wird ein Toter gefunden, ausgerechnet kurz vor der Heiltumsweisung. Der Tote ist der Geselle des Schreinbauers Reinold Markwardt. Zur gleichen Zeit erscheint bei dessen Ehefrau Marysa der Geistliche Christophorus um ihr vom Tod ihres Bruders Aldo zu berichten. Als Reinold Markwardt des Mordes an seinem Gesellen verdächtigt wird, nehmen Marysa und Christophorus die Ermittlungen auf und stoßen in ein Wespennest, das sie alle in Gefahr bringt.

Wie von Petra Schier gewohnt, ist auch dieser historische Roman wieder ein Pageturner. Die Autorin schreibt so bildhaft und spannend, dass man das Buch kaum vor dem Ende aus der Hand legen will. Gleichzeitig erweckt sie das historische Aachen zum Leben und zwar zu einer für Aachen ganz besonderen Zeit: Die Heiltumsweisung gibt es nur alle sieben Jahre und lockte damals Unmengen an Pilgern in die Stadt.

Zu diesem Hintergrund passend lernen wir die Charaktere des Buches kennen: Marysa, Tochter eines mittlerweile verstorbenen Reliquienhändlers und Ehefrau eines Schreinbauers sowie Christophorus, der ein Geheimnis hat, sind die beiden Hauptprotagonisten. Marysa ist einem gleich sympathisch, sie, ein eigentlich lebensfroher Mensch, wird von ihrem Ehemann stark unterdrückt, dennoch bewahrt sie sich ihre Lebensfreude. Christophorus ist ein sehr geheimnisvoller Mensch, der aber Marysa bedingungslos unterstützt, auch, aber nicht nur, weil er das ihrem Bruder Aldo versprochen hat.

Auch die restlichen Charaktere, wie z. B. Marysas temperamentvolle ungarische Mutter oder ihr sehr schwieriger Gatte Reinold, sind gut gelungen und fügen sich jeweils logisch in die Handlung ein.

Die Thematik, Reliquien- und Ablasshandel sowie das Pilgern an heilige Stätten finde ich sehr interessant. Petra Schier hat umfassend recherchiert und bringt das Ganze sehr nahe. Abrundend gibt es noch ein Nachwort, das sich vor allem mit der Heiltumsweisung beschäftigt. Und für alle, die Appetit auf Marysas Lieblingsspeise bekommen haben (Konkavelite), gibt es sogar noch das Rezept dafür. Sehr schön auch die, in die Handlung eingestreuten, mittelalterlichen Lieder.

Der Roman ist der Beginn einer Trilogie, deshalb bleiben am Ende noch einige Fragen offen. Der Kriminalfall an sich ist aber logisch und zufriedenstellend gelöst. Alle Bände der Trilogie sind schon erhältlich, ich freue mich darauf, bald den nächsten Band zu lesen.

Ein tolles Buch und ein vielversprechender Beginn der Trilogie,für alle Fans historischer Romane/Krimis sehr zu empfehlen.

20.12.2011 18:45:46
Leseratte

Auf die Handlung gehe ich nicht ein, die kann sich der, der will, selbst erlesen. Habe schon schlimmere Bücher erlebt. Der Schreibstil ist flüssig. Doch alles in dieser Geschichte geht zu glatt, zu schnell und zu einfach, ist zu rund, es zeigen sich keine Ecken und Kanten, an denen man hängenbleibt und die einem den Atem rauben. Die Geschichte plätschert ohne Spannung vor sich hin, man sieht auf sie wie ein neutraler Beobachter und wird in das Geschehen nicht hineingesogen. Trotz aller Bösewichter ist die Welt in dieser Geschichte zu gut, als daß etwas wirklich Schwerwiegendes geschehen könnte. Keine Sekunde lang machte ich mir über irgend jemanden ernsthafte Sorgen. Zu guter Letzt das unausbleibliche Herzklopfen, das die Protagonisten überfällt, nachdem sie sich 300 Seiten lang angekeift haben - das ist Klischee pur.

15.12.2011 09:59:20
tigerbea

Aachen, 1412.
Marysa Markwardt wird durch den Tod ihres Vaters, eines Reliquienhändlers, zur Ehe mit Reinhold, einem Schreinbauer, gezwungen. Als der Geselle Klas Tod im Dom aufgefunden wird, findet man bei der Leiche eine gefälschte Reliquie. Markwardt wird der Fälschung bezichtigt, Reinhold steht unter Mordverdacht.
Mönch Christopherus, der auf dem Jakobsweg seinen Freund Aldo verlor, trifft in Aachen ein, um Marysa und deren Mutter vom Tod des Bruders und Sohnes zu berichten. Christopherus hatte Aldo versprochen, für Marysa zu sorgen. Doch Marysa ist Christopherus gegenüber zunächst mißtrauisch.
Marysa wird der Ketzerei bezichtigt. Nun ist Christopherus in der Pflicht, sie zu retten.

Dieses Buch beinhaltet nicht nur den historischen Roman. Es ist gleichzeitig Krimi und Liebesgeschichte. Weiterhin hervor zu heben ist die sehr gute Schilderung des alten Aachens, sowie des alltäglichen Lebens zur damaligen Zeit.
Der sehr flüssige Schreibstil macht es einem einfach, dieses Buch zu genießen!

07.01.2010 12:26:17
anath

Ich empfehle der Autorin die Lektüre so unterhaltsamer wie informativer Bücher wie "Die Frau im Mittelalter" von Shulamit Shahar, das gleichnamige Buch von Erika Uitz von Tosa oder "Die Geschichte der Frau" von Maria Blochmann .
Vielleicht schafft sie es ja dann doch mal bis zu einem gewissen Punkt, realistische Darstellungen ihrer Protagonisten zu schreiben. "Die Stadt der Heiligen" ist jedenfalls weit unter Mittelmaß und kommt mir nicht ins Bücherregal.

07.01.2010 04:37:58
Nomadenseele

Ich mag die Tudors. Ja, die Serie strotzt vor historischen Ungenauigkeiten – Heinrich VII. war seinen 160 Kilo kein appetittlicher Anblick, Anna von Kleve sprach von Haus aus keine Fremdsprachen und gemeinsame Gemächer gab es auch nicht, um ein paar Beispiele zu nennen. Aber die Serie war unterhaltsam.

Auch dieses Buch wimmelt vor Ungenauigkeiten, das es schmerzt: Da wird sich über das niedrige Heiratsalter einer Frau aufgeregt (14, das durchschnittliche Alter betrug 16), über die Stellung der Frau, die nur für Haushalt und Kinder gebären da sein sollte (wofür den sonst?, ganz davon abgesehen, dass die romantische Liebe/Ehe, wir wir sie kennen gute 100 Jahre alt ist) und die Dame geht ohne Begleitung (»Bin weder Fräulein, noch bin ich schön – kann unbegleitet nach Hause gehn«; Goethes Gretchen) mit fremden Männern durch die Stadt – irgendwann war es einfach zuviel.
Schlimm sowohl bei den Tudors, als auch bei historischen Romanen ist das mittelalterliche Weltbild, welches dem Leser /Zuschauer verkauft und in Unwissenheit als bare Münze genommen wird.
Auch der Plot ist extrem mager bis langweilig, zudem enthüllt die Autorin in Kapiteln einer Seitenlänge mitten im Buch die Verschwörung; warum soll ich dann noch den *Krimi* zu Ende lesen? Der unvermeidliche Oberbösewicht ist diesmal in Form des Ehemannes vorhanden, der die gebildete Ehefrau dragsaliert, Facetten werden keiner Figur zugestanden.

Fazit:

Das Buch ist platter als die sprichwörtliche Flunder. Abbruch auf Seite 200.

04.08.2009 11:25:26
Leserin

Auftakt zu einer neuen Trilogie

Petra Schier nimmt ihre Leser mit ins Aachen des Jahres 1411: Die Stadt bereitet sich auf die Feierlichkeiten zur Heiltumsweisung vor, die alle sieben Jahre im Dom stattfinden und die damit verbundene Kirmes. "Die Stadt der Heiligen" bietet dieser Roman den Lesern eine Zeitreise in das mittelalterliche Aachen.

Zehntausende von Pilgern und Händlern sind auf dem Weg nach Aachen. Auch der Mönch Christophorus und der Pilger Aldo sind unter ihnen. Aldo möchte seine Familie besuchen, doch er stirbt auf dem Weg und Christophorus soll seine letzten Briefe überbringen, sowie sich um seine Schwester Marysa und Mutter Jolánda kümmern. In Aachen angekommen, wird er in einen Kriminalfall verwickelt, denn der Lehrling von Marysas Mann wurde gerade ermordet aufgefunden - ausgerechnet im Dom und trug eine gefälschte Reliquie bei sich...

Einmal angefangen, wollte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Lebensgeschichte der fiktiven Figuren wird geschickt mit den historischen Ereignissen verflochten. Fast hatte ich das Gefühl, selbst dabei zu sein, so lebendig ist die Beschreibung der Atmosphäre in der Stadt und der religiösen Zeremonien, sowie der Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit. Marysa und die anderen Figuren sind glaubwürdig gezeichnet und insbesondere die Entwicklung von Marysa und ihrer Mutter gefiel mir gut.

Einziger Kritikpunkt ist der skandalös verräterische Klappentext, der Dinge aus den letzten Kapiteln verrät. Eine Karte von Aachen aus jener Zeit wäre nett gewesen, aber nicht notwendig. Am Ende ging es mir ein wenig zu schnell, aber das könnte auch daran gelegen habe, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte.

Ein spannendes Buch, das mir die damalige Zeit nähergebracht hat und Vorfreude auf den nächsten Band um Marysa geweckt hat. "Der gläserne Schrein" ist für April 2010 geplant.

14.04.2009 22:05:54
tassieteufel

Aachen ist im Juli 1412 kurz vor der Heiltumswerdung von Pilgern überfüllt, die auf das nur alle 7 Jahre stattfindende Ereignis warten, da wird der Geselle des Scheinbauers Reinold Markwardt im Dom ermordet aufgefunden, bei dem Toten findet sich auch eine gefälschte Reliquie und so fällt der Verdacht schnell auf Meister Markwardt.
Marysa, die Frau des Schreinbauers beginnt mit dem Mönch Christophorus zu ermitteln und stößt damit auf wenig Gegenliebe.
Alles in allem hat mir das Buch ganz gut gefallen, wobei ich die Adelina Burka Reihe noch besser fand. Marysa, die eher aus der Notwendigkeit als aus Zuneigung nach dem Tod ihres Vaters den Schreinbauer geheiratet hat, ist nun in einer Ehe gefangen, in der
sie von ihrem Mann zu völliger Unterodnung gezwungen wird und obwohl sie mir mit all ihren Sorgen Leid tat, fand ich ihre Mutter Jolanda und deren beginnende Beziehung zum Goldschmied fast interessanter. Der recht undruchsichtige Mönch und Ablasshändler Christophorus, der Marysa eher gegen deren Willen hilft erinnerte mich ein wenig an die Almut und Ivo Reihe von Andrea Schacht, wobei hier deren Wortwitz und die herrlichen Schlagabtäusche fehlen.
Insgesamt hat sich das Buch aber flüssig lesen lassen, der Krimifall ist ganz gut konstruiert und nicht auf Anhieb durschaubar und das mittelalterliche Aachen kurz vor der Heiltumsweisung ist lebendig und farbenfroh geschildert. Das recht offene Ende läßt darauf hoffen, das sich Marysa und der Ablaßhändler wieder begegnen und eine
Fortsetzung werde ich auf jeden Fall lesen.
Fazit: viel mittelalterliches Flair und ein gelungener Krimifall bescheren ein kurzweiliges Lesevergnügen, bei den Personen hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht, aber das ist sicher noch ausbaufähig. 75° von mir

11.03.2009 07:53:38
MyLady

Ich fand den Roman von Petra Schier so wohl vom sprachlichem als auch vom Unterhaltungswert her sehr gelungen. Eine Geschichte von einer unglücklichen Ehe zwischen einem Mann, heutztage würde man ihn "Macho" nennen und einer jungen Frau die sich ihm freiwillig unterordnet, die aus der Not heraus geschlossen wurde. Und dann noch ein etwas seltsamer Ablasskrämer von dem man die ganze Erzählung über nicht weiß was man von ihm halten soll. Ohne irgendeine Leistung besonders hervorzuheben oder zu schmälern muß ich eingestehen das mich "Die Stadt der Heiligen" vom Schreibstil her sehr an die Almut-Reihe von Andrea Schaht erinnert. Und da diese zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehören nimmt Petra Schier´s Buch einen sehr hohen Rang in meiner Liste ein. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung den das Ende von "Die Stadt der Heiligen" lässt reichlich Spielraum offen.