Die Vagabundin

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Kindler, 2009, Titel: 'Die Vagabundin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:85
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":1,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Manchmal wünschte man sich einen strahlenden Helden herbei

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2009

Kurzgefasst:

Die wahre Geschichte der Eva Barbiererin. Passau, 1561: Nach dem Tod ihrer Mutter wächst die junge Eva bei ihrem brutalen Stiefvater auf. Als er sich an Eva heranmacht und sie mit einem alten Trunkenbold verkuppeln will, flieht sie aus der Stadt und beginnt ein abenteuerreiches Wanderleben. Schnell merkt Eva, dass sie als Frau den Männern schutzlos ausgeliefert ist. So verkleidet sie sich als Schneiderknecht und zieht von nun an mit gefälschten Papieren durch die Lande. Doch ihr Geheimnis droht ständig aufgedeckt zu werden. Vor allem, als ihr unterwegs ein Mann begegnet und mit ihm die erste große Liebe ...

 

Ihrer Zeit ist Eva Barbierin weit voraus. Die junge Frau, die in ihrer Kindheit vom Stiefvater misshandelt wurde und seinen Zudringlichkeiten erst ein Ende setzen konnte, indem sie ihn mit dem Messer verletzte, möchte das Schneiderhandwerk lernen. Doch in Deutschland dürfen Frauen nur Weißwäsche nähen. Deshalb macht sich Eva als Schneiderknecht verkleidet auf zu ihrem Bruder nach Straßburg, wo sie die welsche Sprache lernen möchte. Denn sie hat gehört, dass bei den Franzosen Frauen auch schneidern dürfen. Immer wieder gerät Eva Barbierin in Gefahr, entdeckt zu werden. Ihrer jahrelangen Wanderschaft macht schließlich das Gericht in Nördlingen ein Ende: Eva Barbierin wird entlarvt, ihr wird der Prozess gemacht.

Durch Akten belegt

Mit der historisch belegten Figur von Eva Barbierin hat sich Astrid Fritz eine Protagonistin ausgesucht, die große Charakterstärke aufweist. Wer geneigt ist, abzuwinken, weil einmal mehr ein „Hosenroman" präsentiert wird, tut sowohl der historischen Eva Barbierin als auch der Autorin Unrecht. Zwar schlüpft die Protagonistin tatsächlich in die Kleidung eines Schneidergesellen, doch kann Astrid Fritz glaubhaft belegen, dass dies für das 16. Jahrhundert gar nicht so ungewöhnlich ist, konnten doch mehrere solcher „Vergehen" in den Gerichtsakten jener Zeit gefunden werden. Die Autorin verzichtet in „Die Vagabundin" auch darauf, ihre Protagonistin in den allzu schillerndsten Farben zu zeichnen: Sie präsentiert dem Leser eine junge, selbstbewusste Frau, die gelernt hat, sich durch das Leben zu schlängeln. Die aber auch immer wieder falsche Entscheidungen trifft und sich so in manche schwierige Situation hinein manövriert.

Mitreißende Geschichte

Die gefahrenvolle Wanderung von Eva Barbierin entwickelt sich schnell zu einer mitreißenden Geschichte. Immer wieder baut Astrid Fritz Spannung auf, lässt den Leser atemlos zurück und macht die Verzweiflung spürbar, die die junge Frau antreibt. Sprachlich wie szenisch legt die Autorin eine solide Arbeit vor. Die Geschichte ist nachvollziehbar, wenn auch da und dort etwas gar viele Zufälle dem Plot einen Drall geben. Der Autorin sei dies verziehen, hilft es doch mit, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten.

Bedrückende Situation

Das Schicksal von Eva Barbierin hinterlässt ein dumpfes Gefühl der Ohnmacht. Feinfühlig, und oft nur in einigen wenigen Nebensätzen, zeigt Astrid Fritz die gesellschaftliche Ordnung des 16. Jahrhunderts auf. Oft wirkt dies bedrückend, wünschte man sich, ein strahlender Held würde in Erscheinung treten und dem dumpfen Gefühl der Ohnmacht ein Ende bereiten. Doch die Autorin hat sich an den Fakten orientiert und nichts beschönigt. Da und dort hebt sie den Mahnfinger, doch in einer so subtilen Art, dass nie der Eindruck entsteht, das Buch wolle eine Art Schelte betreiben.

In „Die Vagabundin" serviert Astrid Fritz ein gekonnt zusammengestelltes Menü aus Fakten, Fiktion, Spannung und Gefühl. Selbst Vielleser in Sachen historische Romane dürften die eine oder andere neue Erkenntnis aus diesem Roman ziehen. So ist es denn ein durchaus gelungenes und eingängiges Werk geworden. Abgerundet wird der gute Gesamteindruck durch die Karte, die die Wanderung von Eva Barbierin nachvollziehbar macht. Erfreulich ist auch das Glossar, das auch einem Leser, der nicht so bewandert ist mit den historischen Gepflogenheiten und Ausdrücken, die Geschichte näher bringt.

Die Vagabundin

Die Vagabundin

Deine Meinung zu »Die Vagabundin«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
01.03.2014 17:22:42
Jumale

Sehr geehrte Frau Fritz,

habe mir das Buch aus Bücherei ausgeliehen. Habe zwar erst knapp 100 Seiten gelesen, aber ich finde es total spannend. Kann das Buch kaum aus der Hand legen, so sehr fesselt mich ihr Buch. Auch der "Pestengel von Freiburg" war sehr gut gelesen.
Was ich ganz besonders klasse finde ist, die Wort Erklärung .
Weiter so !!!!!!!!

13.09.2013 19:50:29
Line

Hi , habe das Buch geschenkt bekommen und es dann auch gelesen . Hat Spass gemacht , weil es ein lebhafter Roman ist aus einer vergangenen Zeit . Ich habe bisher wenig geweint bei Filmen oder Büchern , aber am Ende dieses Buches konnte ich die Tränen auch nicht mehr zurückhalten . Das Ende trifft einen wirklich sehr , weil man den ganzen Roman über mitfühlen und mitfiebern konnte . Also wirklich ein Roman , auch wie für mich (18 Jahre) , den auch jüngeres Publikum verschlingen kann . Es wird nicht langweilig werden ;) .

12.10.2010 11:45:38
grossebine

Ein gelungener und interessanter Roman über das kurze aber ereignisreiche Leben der Eva Barbierin. 1650 in Passau. Eva flüchtet vor dem gewalttätigen Stiefvater und begibt sich gemeinsam mit dem jüngeren Bruder auf den Weg zur Verwandtschaft ins entfernte Straubing. Später schlüpft das Mädchen zu ihrer eigenen Sicherheit in "Männerkleidung". Sie geht mit gefälschten Papieren als Schneidergeselle auf Wanderschaft. Ihr Ziel ist Strassburg, wo es auch Frauen erlaubt sein soll das Schneiderhandwerk zu erlernen und auszuüben.

Die Geschichte ist spannend erzählt, der Leser hofft und bangt bis zum Schluß mit. Das nagende Gefühl des Hungers, die Angst vor Entdeckung und die ständige Bereitschaft zur Flucht sind auf jeder Seite spürbar. Auch sehr schön, die Karte auf der genau die Reise der Eva Barbierin verfolgt werden kann.
Sehr empfehlenswert!!!!

19.04.2010 20:52:44
Martin Holnburger

Unterhaltsamer und immer spannender Roman mit meist realistischen Darstellungen und Handlungen.
Was mir überhaupt nicht gefallen hat war der stümperhafte Versuch, bayerischen Dialekt einzubauen, vor allem mit dem Wort "aufi". Es wurde nur einmal im ganzen Buch richtig verwendet, ansonsten wirkte es nur lächerlich. Mehrfach wäre die Redewendung "schick di" besser gewesen, als "mach hin". Obst wurde meist in geflochtenen Körben auf den Tisch gebracht, nicht in Schalen.
Erstaunlich war allerdings die gute Kenntnis von weiteren Dialektwörtern.