Zugzwang

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • , 2006, Titel: 'Zugzwang', Originalausgabe

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92

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Carsten Jaehner
Spannender Schachkrimi am Vorabend des Ersten Weltkriegs

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2008

Kurzgefasst:

St. Petersburg, März 1914. An einem stürmischen Morgen wird der Zeitungsredakteur O. V. Gulko vor den Augen einer entsetzten Menge ermordet. Alles deutet darauf hin, dass die Täter zur Kampforganisation der Sozialrevolutionäre gehören, und die Frage, warum ausgerechnet Gulko niedergestochen wurde, beschäftigt ganz St. Petersburg.

Fünf Tage später erhält der Psychoanalytiker Dr. Otto Spethmann Besuch von der Polizei. Es hat einen zweiten Mord gegeben, und man verdächtigt ausgerechnet ihn, darin verwickelt zu sein - ihn und seine rebellische Tochter Catherine. Sorge bereiten ihm auch zwei neue Patienten: Anna Petrovna, eine wunderschöne Frau aus der gehobenen Gesellschaft, die von Albträumen geplagt wird - und in die er sich unpassenderweise verliebt. Und Avrom Rozental, ein genialer Schachspieler, der kurz vor seinem wichtigsten Wettkampf, dem Großmeisterturnier, die Nerven zu verlieren droht. Sie alle werden in ein Netz aus Intrigen, Verrat und Mord verwickelt. Und es ist an Spethmann, jeden Schachzug genau zu planen ...

 

Im Frühjahr des Jahres 1914 findet in St. Petersburg kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein bedeutendes Schachturnier statt. Der Sieger bekommt nicht nur ein Preisgeld, sondern auch vom Zaren persönlich den ersten Titel eines Großmeisters verliehen. Bewerber um den Titel sind neben dem amtierenden Weltmeister Emanuel Lasker auch der Kubaner José Capablanca und Awrom Rozental, Letzterer als Favorit auf den Turniersieg. Leider jedoch hat Rozental in letzter Zeit einige mentale Aussetzer gehabt und so wird er von einem Freund zum Psychoanalytiker Otto Spethmann gebracht, der ihn für das Turnier wieder fit machen soll.

Vermittler zwischen den beiden ist der international berühmte polnische Konzertgeiger R. M. Kopelzon, mit dem Spethmann seit einiger Zeit befreundet ist. Spethmann nimmt ihn als Patient auf, allerdings darf niemand von diesem Arrangement erfahren, da sonst der Ruf des Schachspielers ruiniert wäre.

Kurz nach dem ersten Gespräch mit Rozental bekommt Spethmann Besuch von der Miliz und sein bis dahin ruhiges Leben nimmt nun dramatische Wendungen an. Spethmann gerät zwischen die Fronten von Spionen und Revolutionären, ein Mord jagt den nächsten. Und auch Spethmanns Tochter scheint irgendwie in die ganze Sache verwickelt zu sein.

Dramaturgisch hervorragend

Mit "Zugzwang" ist dem amerikanischen Autor Ronan Bennett ein durchweg spannender historischer Thriller gelungen, der vor dem realen Hintergrund eines Schachturniers spielt. Wie der Begriff "Zugzwang" schon aussagt, werden hier die Personen immer wieder zu Handlungen gezwungen, wobei das Ergebnis daraus nicht immer zum eigenen Vorteil ist. Dabei legt Bennett von der ersten Seite an ein enormes Tempo vor, das er mühelos bis zum Ende durchhält.

Auf 312 Seiten entspinnt der Autor einen geschickten Schachzug nach dem nächsten. Jeder ist verdächtig und niemand weiß genau, wer auf wessen Seite steht und wer im Hintergrund die Fäden zieht. Der Psychoanalytiker Spethmann, aus dessen Ich-Perspektive der Roman erzählt ist, gerät ungewollt zwischen die Fronten und wird trotzdem Mittelpunkt aller Aktivitäten sämtlicher Parteien. Die Wahl seiner Erzählperspektive erweist sich somit als sehr geschickt, denn man hat als Leser immer den gleichen Wissensstand wie er - und das ist nicht immer viel. Die allmähliche Auflösung der Situation ist daher dramaturgisch hervorragend gelungen. Respekt!

Ein weiterer Aspekt, durch den der Autor Spannung erzeugt, ist der zeitliche Faktor, denn bis zum in sechs Wochenenden stattfindenden Turnier soll der Patient Rozental wieder spiel- und vor allem siegfähig werden. Zudem werden mehrere Finten gelegt und nicht jede der Personen ist immer das, was sie zu sein scheint. Die Personen sind nie nur schwarz oder weiß, wie man es vom Schachspiel kennt. Zumindest ist es nicht immer klar, auf welcher Seite welche Figur steht. Das ganze Buch ist ein Schachspiel mit vielen Zugmöglichkeiten.

Wer ist schwarz, wer ist weiß?

Dass dadurch die Charakterisierungen der einzelnen Figuren unklar und unvollständig sind, gehört zum Spiel dazu und passt perfekt in den Rahmen. Der Autor nutzt die historischen Möglichkeiten, die Zeit und Ort ihm bieten, um Spethmann und somit auch den Leser bis hin zu einem furiosen, leicht klischee-angehauchten Finale in Schach zu halten. Mehr kann hier leider nicht verraten werden.

Immer wieder finden sich Bilder eines Schachspiels im Buch, das Spethmann mit dem Geiger Kopelzon spielt. Das ist bestimmt besonders für Schachprofis interessant, aber Schachlaien werden sich vielleicht wundern, was es mit den ganzen Begriffen auf sich hat. Leider werden diese auch nicht weiter erläutert, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Man fragt sich nur, ob man klarer sehen würde, wenn man das Geschehen auf dem Schachbrett besser deuten könnte.

Dennoch ist das Buch nicht nur für Schachfreunde geeignet. Wer auf spannende Thriller steht, der ist mit diesem Roman bestimmt gut bedient. Dass dabei auch viel geschossen wird und es eine Vielzahl von Opfern gibt - lebende wie tote -, das gehört in diesen brisanten Zeiten, in denen es um so viel mehr als nur einen Großmeistertitel geht, dazu. Im Nachwort schlüsselt der Autor das Turnier auf, das wirklich 1914 stattgefunden hat. Somit bekommt das Buch einen realen Hintergrund, der an Brisanz kaum zu überbieten ist. Ein spannender Roman in einem Umfeld, das Potenzial für noch viele spannende Romane bietet. Mehr davon, bitte!

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