Varus

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Heyne, 2008, Titel: 'Varus', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Perfekt unterhaltender Ausgangspunkt zum Varus-Jahr 2009

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2008

Kurzgefasst:

Zwei Männer - ein Verrat: Nie war eine Schlacht so verheerend

Publius Quinctilius Varus war ein Mann von Charakter, Stärke und viel Vertrauen in die Seinen. Denn sonst hätte der römische Statthalter die Zeichen deuten können, die er übersehen wollte. Hinweise darauf, dass der Cherusker Arminius nicht zuallererst sein enger Vertrauter war, sondern im Herzen immer noch Germane - und als Germane die römischen Unterdrücker auf brutalste Weise zu vernichten plante. Die Varusschlacht tötete 20.000 Menschen - Männer, Frauen, Kinder - und gilt als Schicksalsstunde Europas.

 

Als vor 2.000 Jahren die Römer in Germanien waren, gab der römische Statthalter Publius Quinctilius Varus den Befehl, Richtung Süden in die Winterquartiere bei Xanten abzuwandern. Als Vorhut reitet Arminius voraus, selbst Germanenfürst und enger Vertrauter von Varus. Am Vorabend der Abreise wird Varus noch von Fürst Segestes in Arminius' Anwesenheit gewarnt, dass Arminius einen Hinterhalt gegen die Römer plane. Doch Varus ignoriert dies und startet am nächsten Morgen mit drei Legionen, drei Alen und sechs Kohorten mit insgesamt 15.000 bis 20.000 Soldaten.

Zeuge dieser Unterredung ist Annius, ein römischer Schreiber, der sich zu einem der engsten Vertrauten von Varus hocharbeitet. Kurz vor der Abreise hat Annius die germanische Sklavin Thiudgif beim Würfeln gewonnen. Gewisse Sympathien verbinden die beiden miteinander - und doch unterscheidet sie wesentlich mehr als ihr Rang. Sie sprechen nicht dieselbe Sprache und können sich nur rudimentär einander verständlich machen. Annius bringt Thiudgif bei Bekannten unter, die sie während der beschwerlichen Reise in ihre Obhut nehmen.

Während der geschickt geplanten Schlacht, bei der die Armee des Varus nahezu komplett vernichtet wird, geraten Annius und Thiudgif immer wieder in Gefahr, zumal sie unabhängig voneinander versuchen zu überleben. Während um sie herum das Chaos herrscht, wissen sie nicht, ob sie den jeweils anderen überhaupt jemals wiedersehen werden. Aufgehalten von Kämpfen und schlechtem Wetter, geht es für beide um mehr als nur das nackte Überleben.

Historisches Geschehen gespickt mit fiktiver Story

Mit "Varus" ist der Autorin Iris Kammerer ein Roman gelungen, der den Leser unmittelbar in die schlimmsten vier Tage der römischen Geschichte mitnimmt. Nie war eine Niederlage der Römer schmachvoller und folgenreicher und über die gesamte Länge von 445 Seiten entspinnt die Autorin eine Atmosphäre, in die sich der Leser mühelos hineinversetzen lässt.

Statt einfach nur den Verlauf dieser berühmten Schlacht wiederzugeben, verwebt die Autorin sie mit einer Liebesgeschichte. Das ist geschickt, denn es ist immer schwer, Ereignisse zu erzählen, deren Ausgang weithin bekannt ist, ohne den Leser dabei zu langweilen. Jeder weiß, dass die Titanic ihren Zielhafen bei der Jungfernfahrt nicht erreichen wird und jeder weiß auch, dass Varus die Schlacht verliert, daher müssen andere fiktive Ereignisse eingebettet werden - und dies versteht die Autorin sehr gut.

Erzählperspektive geschickt gewählt

Dabei konzentriert sich Iris Kammerer auf die Sichtweise des Annius und somit seines Herrn Varus, für den die unvermeidliche Niederlage im Selbstmord endet. Durch diese Erzählweise erhält der Leser interessante Einblicke in das Seelen- und Gefühlsleben des Heerführers am Rande einer Katastrophe, seine Ohnmacht dem Feind gegenüber und dem Irrglauben der Treue des Arminius gegenüber. So wird die Charakterisierung der Geschlagenen noch intensiver, der Leser leidet förmlich mit und ist dem Geschehen genauso ausgeliefert wie die Römer selbst.

Und hieraus bezieht der Roman auch einen Großteil seiner Spannung. Durch die geschickt gewählte Erzählperspektive werden die brutalen Gefechtsschilderungen (und hier wird wahrlich nicht an Grausamkeit gespart) noch eindringlicher und daher glaubwürdiger. Arminius wollte ein Niederschlachten ohne Gnade und genau das bekommt der Leser präsentiert.

Als einziger Wermutstropfen kann genannt werden, dass gerade die Motive des Arminius hier vollkommen in den Hintergrund geraten. Warum diese Schlacht stattfindet und so brutal sein muss, dass erfährt der Leser nur ansatzweise. Hier hätte die Autorin noch etwas näher auf die Hintergründe eingehen können.

Ein glaubhafter Einblick in die Zeit

Die Geschichte um Annius und seine erwürfelte Sklavin, der er sich trotz der widrigen Verhältnisse doch zu nähern scheint, bietet nicht nur einen Einblick in das Schlachtgeschehen, das ja gerade in der zweiten Hälfte durch unglaubliche Unwetter für die Germanen begünstigt wurde, sondern auch in das Leben neben dem Schlachtfeld und dem Leben in der Fremde an sich. Hier gelingt der Autorin eine Einsicht in die Zeit und das Leben von vor 2.000 Jahren.

Obwohl nur wenige historische Quellen von der Schlacht existieren, gelingt es der Autorin, einen plausiblen Ablauf der Geschehnisse darzustellen und so das Unausweichliche passieren zu lassen. Sprachlich wird dabei nichts geschönt oder verharmlost, was vielleicht den einen oder anderen Leser abschrecken lässt. Wer sich allerdings darauf einlässt, wird einen spannenden historischen Roman lesen, der Appetit auf mehr macht.

Ein historische Karte Germaniens zu Beginn des Buches, zwei Glossare und ein Nachwort am Ende runden einen Roman ab, den sich interessierte Leser nicht entgehen lassen sollten. Und gerade in diesem Jahr 2009 bietet er den perfekten Ausgangspunkt zu Ausstellungen, Büchern und Vorträgen zum "Thema Varus". Der Leser indes freut sich auf das nächste Werk der Autorin.

Varus

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Letzte Kommentare:
02.05.2010 19:16:42
Titus

Ein wundervolles Buch. Nur eine Szene zum Beispiel:
Ein Zenturio steht kurz davor entlassen zuwerden und sagt seinem Optio, dass er ihn als seinen Nachfolger vorgeschlagen hätte. Aber die Reaktion des Optios "Du verlässt uns?" und der vielsagende Blick. Ich meine, dass geht einem schon nahe und sagt doch soviel aus. Ein Zenturio wird erschlagen und während er auf unmenschliche Weise zu Grunde geht, sieht er vor seinem inneren Auge seine große Liebe, die vor ihm auf tragische Weise verstarb, und sie lächelt ihn tadelnt und liebevoll an... Es zeigt was uns vom Tier unterscheidet, sowohl die dunklen als auch die hellen Seiten. Meine Güte manchmal bereue ich es richtig, dass manche historischen Romane nicht verfilmt werden.

13.09.2009 14:29:38
Joachim Neumaier M.A.

Mich persönlich erinnert der Roman an Romane und Filme über den Vietnamkrieg der US-Amerikaner. Jenseits des gängigen Schemas gut-böse erzählt die Autorin das Schicksal des \'westlichen\' Menschen, der in einen Krieg in einem fernen, exotischen Land bewohnt von Leuten, die einem gönzlich fremden Kulturkreis angehören, hineingerät. Der Tribun Cladus entspricht darüber hinaus doch so ganz dem Bild des integren,aber unerfahrenen Kavallerieleutants in Western wie \'Ulzanas Rache\'.
Auch kam mir bei der Lektüre die Debatte um Auftrag und Sinn der NATO-Soldaten in Afghanistan in den Sinn.
Neben der spürbaren Spannung, ein Durchatmen gönnt die Autorin dem Leser nur ab und an, war es für mich gerade dieser Brückenschlag in Neuzeit und Gegenwart, der den Reiz des Buches ausmacht.

01.09.2009 20:12:23
Henriette

Die Varus Schlacht. Wer kennt es nicht, wenn auch nur vom Namen her: Das Hermann-Denkmal im Teutoburger Wald. „Deutsche Geschichte“ in ganz frühen Jahren.
Iris Kammerer beschäftigt sich in ihrem Buch „Varus“ mit der Schlacht, mit den Menschen, die sie miterleben. Das Thema ist höchst faszinierend, allerdings habe ich mich vorher wohl zu wenig mit dem Thema beschäftigt. Ich hatte Schwierigkeiten mit den Namen, konnte mir die Personen nicht vorstellen, außerdem fiel mir die Zuordnung einiger Namen zu den Personen sehr schwer.
Angenehm aufgefallen sind mir die historische Daten, Erklärungen und das Nachwort zu diesem Roman.
Der Schreibstil ist schon angenehm, trotzdem habe ich unheimlich lange gebraucht, das Buch zu lesen, und ich weiß nicht warum.
Und mir fehlte das Kino im Kopf. Das fand ich eigentlich schade.

31.05.2009 16:22:17
trude

Die Varusschlacht aus der Sicht, der einfachen Soldaten, ihrer Familien und dem einfachen Volk.
Im Buch wird nicht schön geredet oder Partei für die eine oder die andere Seite ergriffen es zeigt wie die Menschen damals in dieser Situation zu überleben versuchten.

Es wird erzählt, wie eine Legion auf Wanderschaft funktionierte, wie jeder im Tross seine Aufgabe hatte und unter Strafe nicht von dieser abweichen durfte, denn nur so war es möglich, ans Ziel zu gelangen.

Es wird erzählt, wie die Römer in die Knie gezwungen werden konnten und warum das möglich war.

Dies alles erfährt man spannend erzählt in eine Geschichte verpackt, die einen fesselt und nicht vor der letzten Seite loslässt.

21.11.2008 19:13:58
Thomas_Willeitner

Ein Jubiläumsjahr steht der deutschen Geschichte 2009 ins Haus, wie man es kaum je erlebt hat: 60 Jahre BRD, 20 Jahre Mauerfall und - last not least - 2000 Jahre Varusschlacht.
Iris Kammerer ist ganz vorne mit dabei, nicht nur zeitlich, sondern auch literarisch: "Varus" ist ihr bislang bestes Buch. Sehr lebendig erzählt, aus verschiedenen Perspektiven, die jeweils schlüssig gezeichnete Charaktere entwerfen. Und es bleibt zu hoffen, dass das "Varus-Jahr" dafür sorgt, dass dieser Roman der promovierten Altertumswissenschaftlerin Iris Kammerer den Kinkels und Ebners der hitsorischen-Roman-Landschaft den Rang abläuft! Daumen ganz hoch!

14.11.2008 10:27:12
Geli

Iris Kammerer hat sich am Ende doch noch der Varusschlacht gewidmet, die sie ihrer Trilogie vorausgesetzt aber ausgeblendet hat. Ein schwieriges Thema, denn man weiß ja, wie es ausgeht. Spannung kann nicht aus irgendwelchen unerwarteten Wendungen entstehen.
Die Autorin widersteht der Versuchung, solche Wendungen durch Verschwörungstheorien und angebliche Geheimnisse zu konstruieren, sondern konzentriert sich auf die Schlacht, die eigentlich keine war, und wenige Tage davor und danach. Sie konzentriert sich auf eine Seite, nämlich die der Verlierer und wenige Teilnehmer, von denen die meisten mit Namen in den Quellen erwähnt sind. "Erfunden" sind nur Personen aus dem Manschaftsstand und dem Tross: ua der Gefreite Annius und das germanische Mädchen Thiudgif.
Die Autorin bezieht zwar Stellung für die Opfer der Kämpfe, aber sie beschönigt nichts. Die Römer haben die Katastrophe durch ihr Verhalten mit verursacht. Sie beschönigt auch nicht die Grausamkeit der Guerillakämpfe, die sich über Tage hinziehen und den etliche Kilometer langen Heereszug allmählich aufreiben.
Aus der Sicht mehrerer Offiziere und des Gefreiten Annius erlebt man das Ganze bis hin zu Regen, Wind, Kälte und Schlamm hautnah.
Ohne krampfhafte Vergleiche gelingt es der Autorin, aktuelle Bezüge herzustellen. Denn Krieg gehört ja nicht der Vergangenheit an, sondern wird fern der Heimat um so erbitterter gekämpft. Auch die Kriegsschauplätze des 20 und 21 Jh sind meist Guerillakriege, in denen mächtige Besatzer oder Angreifer aus der ersten Welt und Milizen unter Warlords mit demselben Hass gegeneinander kämpfen.
Iris Kammerer zeigt, wie die betroffenen versuchen, in diesem Wahnsinn ihre Menschlichkeit zu retten.
Ein grossartiger historischer und zugleich zeitgenössischer Roman, der die guten Kritiken absolut verdient!!!

Zeitpunkt.
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