Die Verführung

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2003, Titel: 'Een schitterend gebrek', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:84
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":1,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Eine sprachlich virtuose, etwas <i>andere</i> Casanova-Geschichte!

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2008

Kurzgefasst:

Amsterdam 1758. Nach allen Regeln der Kunst beginnt ein Mann, eine Frau zu verführen. Er ist unter dem Namen Chevalier de Seingalt im Auftrag der französischen Regierung in der Handelsmetropole. Lucia ist eine Edelprostituierte, in den höheren Kreisen Amsterdams auch dafür bekannt, daß sie nie den ihr Gesicht verbergenden Schleier ablegt. Überzeugt von seiner Unwiderstehlichkeit, wettet er mit ihr, daß sie, wie jede andere Frau vor ihr, es nicht bereuen wird, sich von ihm lieben zu lassen. Was Seingalt nicht weiß, ist, daß er die geheimnisvoll Verschleierte in seiner Jugend gekannt und geliebt hat; was Lucia nicht weiß, ist, daß Seingalt als einer der größten Liebhaber der Welt in die Geschichte eingehen soll: Er ist Casanova.

 

Einmal zumindest war auch der Frauenheld Giacomo Casanova so verliebt, dass er heiraten wollte. In seinen Memoiren erwähnt der weltberühmte Verführer, dass diese große Liebe, seine Verlobte, ihn verließ, bevor er sie Jahre später als Prostituierte wiedertraf. Wie es dazu kam, beantwortet Arthur Japin in ";Die Verführung".

Amsterdam 1758: Unter dem Namen Galathée ist die Venezianerin Lucia zu einer geheimnisumwobenen, begehrten Kurtisane geworden: Nie legt sie den schwarzen Schleier ab, der ihr Gesicht verbirgt, niemand kennt ihre Geschichte. Als Casanova inkognito im Auftrag der französischen Regierung in die niederländische Handelsmetropole reist, ist er sofort von Lucia fasziniert. Nach allen Regeln der Kunst beginnt er, sie zu verführen, fest überzeugt von seiner eigenen Unwiderstehlichkeit. In Lucia jedoch findet er eine ebenbürtige Gegnerin.

";Was ich wirklich kann, ist lieben ..."

Auf einem Landgut im italienischen Pasiano wächst Lucia in einer ungestümen Wildheit auf. Die heranwachsende Frau erlebt ihre erste Liebe, als Giacomo Casanova als Gast auf dem Gut eintrifft. Im jungen Venezianer entdeckt sie einen Herzensbruder und nach einem Sommer voller Entdeckungen und unschuldiger Liebe versprechen sich die jungen Leute einander. Casanova, der nach einem Winter in Venedig zurückkommen will, um Lucia zu heiraten, erlebt nicht mehr, wie seine Verlobte von den Pocken betroffen und ihr Gesicht dadurch vollständig verunstaltet wird. Um das Fortkommen von Casanova nicht zu behindern, beschließt Lucia, ihn zu verlassen. Sie verlässt Pasiano.

Etliche Jahre später begegnen sich die einstigen Liebenden in Amsterdam, zunächst jedoch ohne einander zu erkennen. Casanova erzählt Galathée - wie sich Lucia inzwischen nennt - von seiner ersten, einzigen unglücklichen Liebe und reißt damit alte Wunden auf.

Ohne Selbstmitleid

Nicht die amourösen Abenteuer von Casanova stehen im Mittelpunkt dieses Romans von Arthur Japin, sondern die geheimnisumwobene Figur von Lucia alias Galathée, die von Giacomo Casanova einst ungestüm geliebt wurde. So wie die Kurtisane in Amsterdam nur noch mit Schleier auftritt, den sie niemandem gegenüber lüftet, so ist die Liebesgeschichte zunächst durch einen Schleier bedeckt. Nach und nach lüftet Lucia in einer Ich-Erzählung den Schleier und lässt den Leser teilhaben an ihrer tragischen Geschichte.

Ohne jede Note von Selbstmitleid erzählt Lucia, wie es dazu kam, dass sie ihren Verlobten verließ, ohne ihm die Wahrheit zu offenbaren. Sie schildert die Wochen ihrer Pocken-Erkrankung und das Erschrecken über ihre Verunstaltung auf eine Weise, die die Tragik des Geschehens nachvollziehbar macht, ohne zugleich vor Mitleid zu zerfließen. Betroffenheit macht sich breit und lässt während des Lesens immer wieder inne halten und über seine eigenen Schicksalswindungen nachdenken.

Virtuose Sprache

Die Stärke Japins liegt nicht zuerst in der faszinierenden Lebensgeschichte, die er schildert, sondern in der virtuosen Sprache, der er sich bedient, um von diesem Leben zu berichten. Ihm gelingt es, die Erzählungen Lucias in einer Sprache fließen zu lassen, die dem unschuldigen Gemüt des Mädchens angepasst ist. Nicht banal, sondern wie ein ungeschliffener Diamant, präsentiert sich Lucias Schilderung ihrer unbeschwerten Kindheit. Ganz anders das Leben von Galathée. Die Dialoge der Kurtisane mit dem Chevalier de Seingalt zeugen von Lebenserfahrung und Geschliffenheit. Der Leser ahnt schnell, dass sich hier zwei ebenbürtige Menschen begegnen - und zwei Menschen, die durch das Schicksal enger verbunden sind, als sie selbst zunächst ahnen. Denn hinter der Kurtisane und dem französischen Staatsmann verbergen sich niemand anders als die beiden Liebenden von einst.

Als Lucia unvermittelt mit der Enttäuschung Casanovas über den vermeintlichen Verrat seiner Verlobten konfrontiert wird, gerät sie in einen tiefen Gewissenskonflikt. Die Ausweglosigkeit ihrer Situation ist so gut dargestellt, dass die Gedanken und Handlungen der Kurtisane zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt wirken oder langweilen.

Andere Sichtweise

Japins "Verführung" gestattet dem Leser eine andere Sichtweise des Lebens von Casanova, wenngleich dieses während des ganzen Buches nur angedeutet bleibt und höchstens in den Dialogen zum Ausdruck kommt. Die an vielen Stellen mit poetischen Einschlägen versehene Geschichte schildert aber auch den Weg Lucias vom ungestümen und lebensfrohen Mädchen zur erfahrenen und illusionslosen Frau. Die Schilderung ist so aufgebaut, dass nie der Eindruck aufkommt, Lucia hätte einen anderen Weg einschlagen können und sich ihrem Schicksal auf eine andere als die gewählte Weise stellen müssen. Schließlich kann man sogar verstehen, dass Lucia als begehrte Kurtisane Galathée sich eine eigene Freiheit erschaffen hat. Und so wird der Leitspruch, mit dem der Leser ins Buch begleitet wird, zu einem roten Faden durch die ganze Geschichte: ";Was ich wirklich kann, ist lieben ..."

Die Verführung

Die Verführung

Deine Meinung zu »Die Verführung«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.