Achtunddreißig Nächte

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • , 2006, Titel: 'Achtendertig nachten', Originalausgabe

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87

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Rita Dell'Agnese
Tiefe - statt brutal-dramatischer Szenen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2008

Kurzgefasst:

Doldersum im Frühjahr 1767. Als der Jungbauer Jan Albers tot zusammenbricht, gerät seine Frau Elsjen unter Mordverdacht und kommt ins Gefängnis. Hat sie vielleicht seinen abendlichen Roggenbrei vergiftet?

In den achtunddreißig Nächten ihrer Haft erkennt die unglückliche Frau rückblickend, warum ihr Leben so und nicht anders verlaufen ist: als Kind die tägliche harte Arbeit auf dem Hof, ihre Träume von Glück und Freiheit - aber mit schlechtem Gewissen, weil das strenge Gottesbild der Großmutter alle Vergnügungen ablehnt und die kranke Mutter geschont werden muss. Dann die große Liebe, doch es kommt anders: Die Familie zwingt sie in eine arrangierte Heirat mit dem ungeliebten Jan. Immer hat sie sich als Opfer gesehen und gefühlt. Doch im Gefängnis gelingt es ihr, sich von dieser Rolle zu befreien und die Verantwortung für ihr Leben und ihre Tat zu übernehmen ...Janne Ijmker / Achtunddreißig Nächte - Die Geschichte von Elsjen

 

Der junge Bauer Jan Albers leidet höllische Qualen, doch seine Frau Elsjen kümmert sich nicht um ihn. Mit letzter Kraft schleppt sich Jan Albers zu seiner Schwester, die mit Elsjens Bruder verheiratet ist. Dort bricht er zusammen und stirbt kurz darauf. Schnell ist klar, dass Jan Albers ermordet wurde. Und ebenso schnell ist klar, dass als Täterin nur Elsjen in Frage kommt - die junge Frau wird verhaftet und eingesperrt. Weil sie schwanger ist, wird ihr Prozess vertagt. Nach der Geburt ihrer Tochter besinnt sich Elsjen und schreibt ihr Leben nieder.

Intoleranz und Tradition

Schnell einmal wird klar, dass Elsjen Opfer von Intoleranz und religiösem Wahn, aber auch von starren Traditionen wird. Ihre schwache Mutter, die nach dem frühen Tod von Elsjens Vater auf dem Hof der Schwiegereltern lebt, kann dem verstörten Kind keinen Halt geben. Es ist Lieven, eine verschrobene Schwester ihres Grossvaters, die das Kind mit den Geheimnissen des Lebens vertraut macht und ihm Nähe und Liebe gibt. Sehr zum Missfallen der Großmutter, die Elsjen immer mehr in die Hofarbeit einspannt, um ihren Kontakt zu Lieven zu unterbinden. Kaum erwachsen, wird Elsjen gezwungen, den ungeliebten Jan Albers zu heiraten. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

In kleinen Schritten

Schritt für Schritt eröffnet sich dem Leser eine Welt, in der für die Sehnsüchte des Individuums keinen Platz ist. Die Niederlande der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kämpfen gegen Leberfäule bei Schafen, Pest bei Kühen und andere Unbilden. Janne Ijmker schildert anschaulich das Leben im kleinen Dorf Doldersum. Sie webt die Informationen geschickt in die Geschichte ein, so dass es leicht lesbar und spannend bleibt, auch wenn immer wieder etliche historische Fakten geliefert werden. Feinfühlig macht sich Janne Ijmker daran, Elsjens Beweggründe für den Mord an ihrem Mann aufzuzeigen - und dabei die Frage in den Raum zu stellen, ob Elsjen wirklich schuldig ist.

Während Elsjen ihr Leben niederschreibt und die Träume schildert, denen sie als Kind nachgehangen hat, kommt die Gefangene dem Leser immer näher. Wusste man zu Beginn des Buches nicht so recht, wem denn nun die Sympathien gelten sollten, so dröselt sich der Fall immer mehr auf und es wird schnell einmal deutlich, weshalb Elsjen sich so verhalten hat, wie sie es tat. Der Drang wird immer stärker, der verunsicherten und verzweifelten Frau beizustehen, es kommt eine Wut über den unveränderlichen Ablauf der Dinge auf. So stiehlt sich Janne Ijmker mit einer unprätentiösen Geschichte so stark in das Denken der Leser, dass man glaubt, Elsjen selbst gekannt zu haben.

Gut gewählt

Besonderen Reiz bekommt die Geschichte dadurch, dass sie auf einem wahren Gerichtsfall beruht und sich Janne Ijmker einzig die Freiheit genommen hat, einen anderen Blickwinkel zu wählen und das Geschehen aus Sicht der Verurteilten zu erzählen. Sie kann sich dabei auf zahlreiche Unterlagen stützen und legt glaubwürdig dar, wie es auch gewesen sein könnte. Ihr Thema hat Janne Ijmker gut gewählt und sie hat es sprachlich wie auch dramaturgisch überzeugend umgesetzt.

Einzig die immer wieder eingestreuten Zeugnisse von der Zuwendung Elsjens zur Bibel wirkt etwas störend und hemmt den Lesefluss da und dort leicht. Grundsätzlich kann dies dem soliden Machwerk aber keinen Abbruch tun. Wer auf der Suche ist nach einem Roman, der Tiefe anstatt dramatisch-brutale Szenen bietet, wird mit diesem Buch gut bedient sein. Wer hingegen mehr auf Spannungsliteratur setzt, dürfte enttäuscht werden. Denn auch wenn es sich um einen wahren Mordfall handelt, so ist „Achtunddreißig Nächte" beileibe kein Krimi.

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