Zeit für Unsterblichkeit

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • , 2008, Titel: 'Zeit für Unsterblichkeit', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein Einblick in Sergej Rachmaninows Russland

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jul 2008

Kurzgefasst:

Sergej Rachmaninow! Die Musik dieses Mannes ist unsterblich geworden. Aber wer kennt Rachmaninows Leben? Seine Ängste, Zweifel, Freuden und Leiden und die Geheimnisse seines Herzens? Der Roman rafft die ersten 35 Lebensjahre des Musikers und Komponisten zusammen. Der Sohn eines russischen Landadeligen, 1873 geboren, wächst im Wirbel der Umwälzungen in Rußland zum bewunderten Jungstar heran, wird aus der Heimat herausgeschleudert ins europäische Exil, ins Schicksal des schließlich ruhe- und heimatlosen Weltkünstlers. Er begegnet Zeitgenossen wie Tschaikowski, Rubinstein, Rimski-Korsakow, Tolstoi, lebt in Kunst- und Musikmetropolen wie Paris, London, New York, Moskau und Dresden und schafft vor diesem Hintergrund einige seiner bedeutendsten Werke.

 

Der russische Komponist Sergej Rachmaninow wurde 1873 geboren und war der Sohn eines Landadeligen, der seinen Reichtum jedoch innerhalb von zehn Jahren durchbrachte. Sergej erhielt bereits mit vier Jahren ersten Klavierunterricht und blieb nach der Trennung der Eltern bei seiner Mutter. Durch ein Stipendium konnte er Unterricht am Konservatorium nehmen, scheiterte aber an den Prüfungen und musste das Stipendium wieder abgeben. Da griff die Großmutter zum letzten Mittel und übergab Sergej in die Obhut von Alexander Siloti, Russlands neuem Stern am Klavierhimmel und zudem Sergejs Cousin.

Sergej wurde ein fleissiger und begabter Schüler, der bald erste Kompositionen schrieb, allerdings blieb er als Mensch stets schüchtern und zurückhaltend. Er studierte in Moskau Klavier und Komposition und lernte die berühmtesten Musiker und Komponisten der Zeit kennen. Doch er hatte nie Geld, seine erste Sinfonie fiel beim Publikum durch, und so musste er sich seinen Lebensunterhalt durch Unterricht verdienen, wofür er recht unbegabt war.

Im Jahr 1902 heiratete er seine Cousine Natalja und ging 1904 als Dirigent ans Bolschoi-Theater in Moskau, was ihm zumindest ein Einkommen und damit die finanzielle Existenz sicherte. 1906 ging er für zwei Jahre mit seiner Familie nach Dresden, wo er, der deutschen Sprache nur mäßig mächtig, seine zweite Sinfonie und die sinfonische Dichtung "Die Toteninsel" schrieb. Während er sich für ein Konzert in Paris vorbereite, ging seine Frau zurück nach Russland zu ihren Eltern, um dort ihr zweites Kind zur Welt zu bringen.

Bunte Biographie Rachmaminows

Klaus Funke betrachtet in seinem Roman Zeit für Unsterblichkeit die ersten 35 Lebensjahre des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow bis ins Jahr 1908. Dabei folgt er nicht stringent der Chronologie, sondern springt in größeren Kapiteln vor und zurück, aber immer mit Dresden als Erzählbasis.

Dabei beschreibt Funke nicht nur Episoden und Anekdoten aus Rachmaninows Leben, die teilweise auch recht unterhaltend sind, sondern naturgemäß auch die Zeit, in der Sergej lebte und ihre Menschen und Schicksale. Dies allerdings tut er mit einer hohen Intensität. In langen, des öfteren vielfach ineinandergeschachtelten Sätzen breitet er den ganzen Kosmos Russlands aus, beschreibt das Leben der Menschen, immer angelehnt an Sergej, und zeichnet so ein Bild der Zeit, das so intensiv selten zu lesen ist. Gebannt sitzt der Leser vor seiner Literatur und riecht die Felder, sieht die Menschen und hört die Musik, selbst wenn er vom Stil überhaupt keine Ahnung hat.

Gesellschaftliche Verpflichtungen und Konzerte wie das erste Vorspiel, bei dem auch der Komponist Tschaikowsky zugegen ist, zeigen den Stellenwert der Musik in der Zeit, mit seinen Ritualen und den Gedankengängen der Schüler und Lehrer, mit kurzen Rückblenden und dem Konkurrenzdenken der Schüler untereinander. Doch immer steht die Musik für Sergej im Vordergrund, ihr wird alles untergeordnet, und so wird auch ein Streit um einen Lehrerwechsel vorüberziehen.

In Dresden lernt Sergej die großen Persönlichkeiten vor Ort wie den Dirigenten Ernst von Schuch kennen, heute eher unbekannt. Funke charakterisiert ihn wie alle Künstler und Musiker leicht exzentrisch, jeder hat so seine Macken und kleinen Geschichten, und wenn es nur kleine Lästereien über Sängerinnen sind.

 

 

Schuch erinnert sich, die Molinieri, diese alternde Schönheit, hat ihn besonders gehasst, sie hat sich ihm an den Hals werfen wollen und er ließ sie abblitzen, weil er gewusst hat, wenn er mit dieser Dame eine Liaison begänne, dann wäre es aus mit der Karriere und der ganzen Tournee. Oh, Madame, hat er gesagt, woher soll ich wissen, ob Sie nicht als Liebhaberin genauso unbegabt sind wie als Sängerin. Es wäre vergeudete Zeit, Zeit, die wir für die Proben dringend brauchen. Glauben Sie mir, Madame, werfen Sie ihre ganze Energie in die Proben, so bekommt alles noch einen guten Zweck. Mit wütenden Blicken ist sie, in vollem Theaterkostüm, geschminkt, in ihrer prachtvollen Perücke, mit Bordüren und Schleifen geschmückt, devongesegelt wie ein aufgetakelter Viermaster, der vor dem Feinde abdreht, und hat kein Wort mehr gesagt.

 

Gewöhnungsbedürftiger Erzählstil

Funkes Stil, keine wörtliche Rede zu benutzen, sondern diese mit in den Lauftext einzuarbeiten, ist für den Lesefluss zunächst ungewohnt, und es dauert einige Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat. Ebenso sind die langen und teilweise ausufernden Sätze herausfordern und laden dazu ein, einiges zu überlesen. Doch letztlich ist die Erzählung wie aus einem Guss, zwar mit Längen, aber durchaus packend und informativ. Er charakterisiert nicht nur Sergej und seine Frau Natalja, deren Eheprobleme und Lebenssituation, sondern damit auch die Situation der Zeit und gibt dem Leser die ganze Zeit über das Gefühl, mitgenommen zu werden in ein von Romanen noch weitgehend unbeackertes Feld.

Rachmaninow selbst bleibt zeitlebens zurückhaltend, selbst wenn seine Schülerin Viola Weinheim zu ihm kommt, wenngleich ihr anzusehen ist, dass sie mehr von ihm möchte als nur Klavierunterricht. So lädt ihn Violas Mutter Eva Weinheim, Frau eines Dresdner Großindustriellen, zu einem gesellschaftlichen Abend ein, wo er Hugo von Hoffmansthal kennen lernt und wo er auch selber Klavier spielen soll. Er gerät in eine politische Diskussion, was für ihn völlig neu ist, und so erfährt der Leser über die Zustände der Zeit, wo ein Karl Marx Schriften von sich gibt, die man als politisch interessierter Mensch besser nicht bei sich finden lässt. Ein Land ist im Aufbruch, das macht sich auch in der Musik bemerkbar, doch, wie in der Politik, finden das nicht alle Leute auch gut.

Man muss kein Musiker sein oder musikalisches Fachwissen besitzen, um sich von Zeit für Unsterblichkeit (ein im übrigen schön gewählter Titel) in den Bann ziehen zu lassen. Als geplanter erster Teil einer Rachmaninow-Trilogie darf man auf die beiden zu erwartenden Teile gespannt sein, dann vielleicht auch mit einigen Extras als Beigabe, denn daran spart der erste Roman noch. Eine kleine Zeitleiste zum Komponisten und seinen Hauptwerken wäre für Nichtmusiker beispielsweise eine schöne Ergänzung.

Zeit für Unsterblichkeit

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