Das Heiligenspiel

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2008, Titel: 'Das Heiligenspiel', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Die andere Perspektive einer<br> überlieferten Geschichte

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2008

Beim Versuch, seine neugeborene Tochter aus den Fluten zu retten, stirbt Annas Vater und lässt ihre junge Mutter weitgehend unversorgt zurück. Barbara Laminit kann das Geschehene nie verwinden und macht ihre Tochter für das schwere Los verantwortlich. Anna scheint die düsteren Prognosen ihrer Mutter zu bewahrheiten, als sie der Kupplerei angeklagt und aus der Stadt Augsburg gejagt wird. In ihrer höchsten Not begegnet Anna dem Kräuterweib Oda, das das verstörte Mädchen bei sich aufnimmt und es in die Geheimnisse der Heilkunst einführt.

Als Anna Heimweh nach Augsburg bekommt, ist es wiederum Oda, die sich für eine Begnadigung einsetzt und ihr eine Unterkunft bei Betschwestern verschafft. Nach einer Magenerkrankung wird Anna von einer Mitschwester als Heilige angesehen, die sich lediglich von Hostien ernähren kann. Anna versäumt es, das Missverständnis aufzuklären und beginnt, ihren Status als "Heilige" zu genießen. Bald schon muss sie sich aber heimlich ernähren, was nur unter großer Gefahr möglich ist. Zusätzlich schwierig wird es, als Anna sich in den Augsburger Kaufmann Anton Welser verliebt und von ihm schwanger wird. Das Glück, das dem Mädchen hold war, scheint zu schwinden.

Überlieferte Geschichte

Ursula Niehaus hat als Vorlage für "Das Heiligenspiel" die überlieferte Geschichte um Anna Laminit genommen und versucht, die Ereignisse in ein etwas anderes Licht zu tauchen, als sie landläufig erzählt werden. Insbesondere hat sie Anna Laminit als Opfer einer Verkettung von unglücklichen Zufällen dargestellt, während die angebliche Heilige in den Überlieferungen als verschlagene Betrügerin aufscheint. Diese Veränderung der Perspektive könnte durchaus reizvoll sein, wenn die Autorin die Umkehr wirklich konsequent umgesetzt hätte. Doch es gelingt ihr nicht, Anna vom Vorwurf, sich den Irrtum bewusst zunutze zu machen, zu entlasten.

Vielmehr verliert der Charakter Annas im Verlaufe des Buches immer mehr an Stärke - ist das zu Unrecht schlecht behandelte Kind anfänglich in seiner Naivität eine Sympathie-Trägerin, so scheint bald einmal eine Frau durch, die sehr berechnend auftritt. Selbst ihrer Liebe zu Anton Welser scheint nichts von unschuldiger Leidenschaft inne zu wohnen - vielmehr kommt sie zwar als Ausdruck einer tiefen Einsamkeit Annas daher und wird aber in einer Form rücksichtslos ausgelebt, die eher unsympathisch wirkt.

Es braucht Durchhaltewille

Ganz so flüssig zu lesen ist "Das Heiligenspiel" nicht, wie es zu Beginn vermuten lässt. Nach den ersten, temporeichen und atmosphärisch dichten Szenen schleicht sich eine seichte Nuance ein, die letztlich immer wieder mal Durchhaltewillen fordert, um an der Geschichte dran zu bleiben. Erst gegen Ende des Buches vermag Ursula Niehaus das Tempo wieder spürbar zu steigern und den Leser mit den seichten Passagen im Mittelteil zu versöhnen. Sprachlich ist "Das Heiligenspiel" jedoch auf einem angenehmen Niveau gehalten und so liest sich der Roman recht flüssig.

Der Autorin hoch anzurechnen ist der Versuch der "anderen Perspektive", die die Geschichte in ein völlig neues Licht tauchen könnte. Leider scheint es, als sei sich Ursula Niehaus nicht ganz sicher, ob sie hinter ihrer Version stehen könne, sie lässt Anna damit als Figur ohne echte Konturen erscheinen. Dennoch gebührt Niehaus Lob dafür, die Geschichte der Anna Laminit überhaupt thematisiert und damit ein Kapitel der mittelalterlichen Geschichte aufgeschlagen zu haben, das nicht schon in unzähligen ähnlich gelagerten Büchern seinen Niederschlag gefunden hat.

Das Heiligenspiel

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Letzte Kommentare:
15.01.2012 14:17:49
Henriette

Augsburg, 15. Jahrhundert: Anna, jung und unbedarft, wird Opfer einer Intrige. Sie wird der Stadt verwiesen.
Sie lebt bei Oda, eine Kräuterfrau, mitten im Wald. Anna lernt viel. Dank Oda wird Anna in Augsburg begnadet und darf wieder zurückkehren.
Anna lebt nun in einem Ordenshaus. Und verschreibt sich der Hilfe der Armen.
Durch Zufall wird bekannt, dass Anna eine Zeitlang sich nur von der Abendmahlhostie ernährt. Sie gilt nun als Heilige. Die Menschen pilgern zu ihr und erhoffen ihren Segen und Rat.
Als Anna wieder essen kann, möchte sie es aufklären, doch sie wird weiterhin in diese Ecke gedrängt.
Erst als sie den reichen Kaufmann Anton Welser kennenlernt, wird sich wieder einiges in ihrem Leben ändern.

Diese Geschichte beruht auf einer wahren Lebensgeschichte. Für mich macht es den Eindruck, dass es gut recherchiert wurde. Am Ende des Buches wurde vom Autor klar gestellt, welche Dinge als künstlerische Freiheit gelten, welche Geschehnisse zeitlich verschoben wurden. Für mich ist das völlig in Ordnung. Mir hat die Geschichte an sich gut gefallen. Der Schreibstil war flüssig zu lesen.
Beschriebene Begebenheiten ließen mich auch mal schmunzeln. Sicherlich war nicht alles erfreulich im Leben der Anna Laminit. Wer kann das schon von sich behaupten?
Ich mag historische Romane sehr gern. Sie vermitteln dem Leser einen schönen Eindruck damaliger Städte, Personen, Verhältnisse.
Es ist natürlich schwer, dass richtige Mittelmaß für die Geschichte zu finden. Konzentriert sich der Autor auf eine gewisse Zeitspanne im Leben der zentralen Gestalt in dem Roman, oder arbeitet er mit Zeitsprüngen, um mehr aus dem Leben der Hauptfigur zu erzählen. In diesem Roman gab es viele Zeitsprünge. Ich habe allerdings nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe. Die Geschichte fand ich sehr interessant und sehr spannend.

Für diesen historischen Roman mit Unterhaltungswert vergebe ich gern fünf von fünf Sternen.

03.04.2009 12:46:05
MyLady

Den Titel "Das Heiligenspiel" fand ich nach dem Auslesen des Romanes sehr treffend. Im Grunde handelte der Roman durchgehend von einer jungen Frau deren Leben aus einem einzigen Spiel bestand. Die Persönlichkeiten der Darsteller waren gut nachempfunden und doch hatte man einige Male wärend des Lesens den Eindruck jetzt könnte der Roman von der Handlung her eigentlich zu Ende sein und doch hatte man noch 200 Seiten vor sich. Im Großen und ganzen kein schlechter Roman was mich störte war das einige Schicksale von Liebgewonnenen Darstellern ungeklärt geblieben sind und, wenn auch die Handlung aus einer wahren Begebenheit entstanden ist, alles etwas zu viel für ein einziges Leben war. Leider konnte "Das Heiligenspiel" an die Leistung von "Die Seidenweberin" nicht heran was mich allerdings nicht davon abhalten wird einen zukünftigen Roman der Autorin wieder zu lesen.