Die Kiliansverschwörung

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2008, Titel: 'Die Kiliansverschwörung', Originalausgabe

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Dirk Jaehner
Noch eine Verschwörung ...

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Jul 2008

Was für ein Stoff! Welche Möglichkeiten! Eine Verschwörung, die den Reliquienhandel abschaffen soll. Die Zeit, in der Uwe Klausners neuer Roman "Die Kiliansverschwörung" spielt, im Jahr 1416, ein Plot mit Potenzial. Denn die Glaubenswelt ist in Aufruhr, die Reformation steht sozusagen in den Startlöchern, obwohl Martin Luther noch lange nicht am Horizont dräut. Andererseits, mögen Verschwörungs-müde Leser sagen, schon wieder ein Verschwörungsroman, der die katholische Kirche und den Vatikan in schlechtem Licht erscheinen lässt, gähn.

Dan Browns "Sakrileg" hatte die Büchse der Diskussions-Pandora geöffnet. Gerade ist sie wieder geschlossen, da kommt jemand, der sich über den Reliquienkult verbreitet. Eigentlich sollte klar geworden sein, dass es sich um Romane, also erfundene Geschichten handelt. Aber in Glaubensfragen ist Vorsicht geboten, niemand kann die Reaktion eines sensibilisierten Publikums vorhersehen.

Redundanz allüberall

Dass "Die Kiliansverschwörung" einen ähnlichen Status wie "Sakrileg" erreicht, darf jedoch bezweifelt werden. Gründlich. Denn Klausners Werk hat zu viele Schwächen, als dass es in die Weltliteratur eingehen könnte. Die größte: Der Roman ist geschwätzig. Oft genug werden Dialoge künstlich in die Länge gezogen, so dass der Leser die Ungeduld des Bischofs in folgendem Beispiel nachvollziehen kann:

 

"Fürstbischöfliche Gnaden mögen mir meine Impertinenz verzeihen, aber soeben hat mich eine Nachricht erreicht, von der man annehmen kann, dass sie für Euch von allergrößtem Interesse ..."

"Ad rem, von Weißenfels", schnauzte der Fürstbischof seinen Kammerherrn, einen vorzeitig gealterten Speichellecker, in rüdem Ton an. "Was führt euch zu solch später Stunde noch hierher?!"

Der Blick des Kammerherrn, dem eines verängstigten Kaninchens nicht unähnlich, irrte ziellos zwischen seinem Herrn und seinen beiden Gästen hin und her. Eine Antwort auf die ihm gestellte Frage blieb er jedoch schuldig.

"Jetzt lasse Er sich nicht lange bitten!", forderte ihn von Brunn unmissverständlich auf. "Was gibt es so Wichtiges, dass Er so mir nichts, dir nichts in eine wichtige Unterredung zwischen mir und Bruder ..."

"Gerade darum geht es, Fürstbischöfliche Gnaden."

"Um was denn, in des heiligen Kilian Namen?!"

Der Kammerherr scharrte verlegen mit dem Fuß, uneins mit sich, wie er seinem Herrn die nun folgende Hiobsbotschaft überbringen sollte: "Man hat ihn gefunden, Herr", quiekte er in erbarmungswürdiger Manier.

"Wen denn?" Johann von Brunn biss vor Wut die Zähne zusammen. "Mein Gott, von Weißenfels, wenn Ihr euch jetzt nicht endlich ermannt und mir sagt, was los ist, dann ..."

"Stellt Euch nur vor, Herr: Man hat diesen Agilulf gefunden. Er ist tot!"

 

Was für eine schwierige Geburt. Dieser Dialog zieht sich über eine komplette Seite. Fast bekommt man den Eindruck, als hätte der Autor Zeilen schinden müssen, weil er nach Umfang seines Buches bezahlt wird. Leider ist dieser Dialog für fast alle, besonders jedoch Streitereien - die aus keinem erfindlichen Grund einen Großteil der Dialoge ausmachen, stellvertretend. Haben sich im ausgehenden Mittelalter alle Menschen sofort angegiftet? Es wimmelt von überflüssigen Einwürfen, herausgezögerten Antworten und unpassenden sprachlichen Wendungen. Redundanz ist kein Stilmittel, sie ist eine Schwäche.

Zu viele Schwächen

Vielleicht muss man Uwe Klausners ersten Bruder-Hilpert-Roman lesen, um die Figuren näher und besser kennenzulernen. Doch in der "Kiliansverschwörung" fehlt es ihnen schlicht an charakterlicher Tiefe. Klausner verschenkt die Prämisse des Buchs, indem er eindimensionale Figuren unnachvollziehbare Handlung ausführen und platte Dialoge aufsagen lässt. Das zeugt nicht nur von inhaltlichen, sondern auch von handwerklichen Mängeln. Da nutzt auch die Meinung einer Literaturkritikerin nichts, die auf dem hinteren Buchdeckel abgedruckt ist. Von "bildhafter Sprache" und "Atmosphäre des Mittelalters", von "illustren Gestalten" und "lauernden Gefahren in der Zeit um 1416" ist dort die Rede. Ja, in unterschiedlichen Dosierungen ist das alles enthalten. In anderen Büchern aber besser, mehr und konzentrierter.

Die Kiliansverschwörung

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Letzte Kommentare:
21.01.2010 15:48:15
Th. Völker

Ich habe schon sehr viele Krimis gelesen. Aber sowas ist mir - mit Abstand - noch nie untergekommen. Zum Glück habe ich das Buch geschenkt bekommen (und es nur deswegen zu Ende gelesen). Da schaut man dem Gaul nicht ins Maul, jedenfalls nicht allzutief. Gleichwohl ist es mir ein echtes Bedürfnis, andere vor den Grausamkeiten und Zumutungen zu warnen.

Der Held, Bruder Hilpert, sticht insbesondere dadurch hervor, dass er der einzige im Roman ist, der noch einfachste Zusammenhänge erkennt. Der Trick, dagegen alle anderen besonders dumm dastehen zu lassen, ist derart billig, dass sich der Leser schon nach wenigen Seiten verhöhnt fühlt. Die Figuren bleiben genauso starr und penetrant in Ihren Klischees hängen wie die vorhersagbaren Naturschilderungen.

Die Spannung liegt allein in der Frage, ob der Autor die Dinge immer noch platter darstellen kann. Keine Erwartung wird hier enttäuscht. Der Sonnenuntergang ist rot, die Frau ist schön, der Wald ist grün.

Überraschend, weil zusammenhanglos, glänzt der Autor dann und wann mit eingeschobenen klügelnden Abhandlungen, die vermutlich das Zeitkolorit ersetzen sollen. Aber selbst der gestelzte, gehoben sein wollende Sprachstil ist nicht der der Lutherzeit, sondern muffiger Kathederstil des 19. Jhs. (‚diesbezüglich’).

Die religiösen Einsprengsel - eine Todsünde für einen im Kirchenmilieu spielenden Roman - bleiben reine Versatzstücke. Sogar das Christentum der wahrhaft gläubigen Kleriker ist völlig unglaubwürdige Fassade, ihnen rein äußerlich. Man erfährt denn auch kaum mehr, als dass es jährlich Feste gab und fragt sich befremdet, warum denen im Mittelalter dieses Kirchenzeugs so wichtig war.

Genauso unwichtig erscheint das Buch seinem Autor. Nirgends ist ein Wille zu erahnen, warum dieses Buch unbedingt geschrieben werden musste. Unfassbar, wie sich jemand freiwillig so an den Pranger der Unbedarftheit stellen kann, ohne dass er von seinem Lektor daran gehindert wird.

Fazit: Einfach nur Ärgerlich.