Die Tochter des Kardinals

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2008, Titel: 'Die Tochter des Kardinals', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Spannende Intrigen im Vatikan

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2008

Kurzgefasst:

Italien, 1589. Rom wankt unter der Macht der um sich greifenden Reformation. Immer mehr Fürsten bekennen sich zu dem neuen christlichen Glauben. Die Gegner des Papstes wittern eine einmalige Chance, allen voran sein größter Feind, Kardinal Callisto Carafa. Doch seine Mittel sind begrenzt, ein erster Mordanschlag schlägt fehl. Carafa benötigt Informationen aus dem engsten Umfeld Sixtus' V. Unter einem Vorwand lässt er die junge Benediktinernonne Giulia nach Rom holen. Diese ahnt nichts von Carafas niederträchtigem Plan...

 

Im Jahr 1570 kommt ein kleines Mädchen zur Welt, das aufgrund seiner Herkunft in ein Kloster gebracht wird und dort aufwächst. Neunzehn Jahre schmieden in Rom später (und wohl nicht nur da) ehrgeizige Kardinäle Pläne, um den Papst aus dem Weg zu räumen und selbst an die Macht zu kommen. Antreiber dieser Gruppierung ist Kardinal Callisto Carafa, der zusammen mit den Kardinälen Pozzi und Castagna die Intrigen schmiedet.

Nach einem neuerlich erfolglosen Anschlag auf Papst Sixtus V., der die Rechte der Kardinäle beschränkt und sie somit mehr oder weniger zu Beamten degradiert hat, versuchen die Intriganten einen neuen Plan umzusetzen: Sie brauchen einen Spion in der Nähe des Papstes. Die Wahl fällt auf eine junge Nonne namens Giulia, die aus demselben Ort stammt wie der Papst. Sie wird geholt und gewinnt schnell das Vertrauen des Kirchenoberhauptes.

Giulia lernt nicht nur den Papst kennen, sondern auch ihre Mitschwester Fulvia, mit deren Hilfe sie ganz allmählich den Machenschaften Carafas auf die Schliche kommt, zu denen er sie benutzt. Mit der Unterstützung des Hauptmanns Geller von der Schweizergarde, der ihr sehr sympathisch ist, versucht sie vor allem den Papst zu schützen und auch selbst am Leben zu bleiben.

Angenehmer Sprachstil mit Lebensweisheiten

Stefan Fandreys zweiter Roman ist so, wie man sich einen Roman um einen Papst gern vorstellt: voller Intrigen, Kardinäle mit ordentlich Dreck am Stecken, Gefahrenmomente, eine leichte Liebesgeschichte und das ganze mit einem tatsächlich realen Hintergrund, zumindest was das grobe Gerüst angeht.

Fandrey bedient sich einer einfachen Sprache, was dem Roman sehr zugute kommt. Es lässt sich flüssig lesen und bisweilen mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Dies birgt allerdings die Gefahr, dass dabei ein gewisser emotionaler Tiefgang auf der Strecke bleibt, aber Fandrey schafft es, seine sprachlichen Mittel adäquat einzusetzen und mit dem richtigen Tempo durch das Buch zu führen.

Neben einigen unerwarteten, aber dennoch tatsächlich historischen Fakten und einem guten Gespür für Dramaturgie offenbart uns der Autor auch noch Weisheiten fürs Leben, die in diesen Roman passen wie das Kreuz in eine Kirche:

"Man spricht von fünf goldenen Regeln, die man unbedingt zu befolgen hat, wenn man an diesem Ort überleben will. Erstens: Denke nicht. Zweitens: Wenn du denkst, rede nicht. Drittens: Wenn du denkst und redest, schreibe nicht. Viertens: Wenn du denkst und redest und schreibst, unterzeichne es nicht. Fünftens: Wenn du denkst und redest und schreibst und es dann auch noch unterzeichnest, wundere dich nicht."

Tiefgang auf allen Ebenen

Zudem offenbart der Roman ein klerikales Lotterleben, von dem wir schon des Öfteren gelesen haben, uns aber immer wieder gerne an gewissen Ränken und Geschmacklosigkeiten weiden. Warum? Ich denke: Wer hoch steigt, fällt umso tiefer und wenn es in der Kirche passiert, freuen wir uns, weil wir uns das schon immer gedacht haben.

Die Charaktere, denen wir hier begegnen, sind gut gezeichnet und es wird sehr schnell klar, wer auf welcher Seite steht. Obwohl es relativ viele Personen gibt, die an den Geschehen beteiligt sind, geraten alle Figuren zu eigenständigen Individuen, die ein buntes Leben der Renaissance repräsentieren. Überhaupt ist die Zeit gut dargestellt und über allem schwebt das Damoklesschwert der Reformation, die die katholische Welt gehörig ins Wanken bringt.

Überraschungen bis zur letzten Seite

Neben den bereits erwähnten Figuren gibt es auch noch zu erwähnende Personen wie Kardinal Carafas Hure Allegra, die sich eine eigene "Karriere" erhofft. So gibt es nicht nur Intrigen innerhalb des Vatikans, sondern auch von außen nach innen und von innen nach außen. Doch wer am Ende siegt, wer da im Hintergrund welche Fäden zieht und wessen Pläne letztendlich aufgehen, das bleibt buchstäblich bis zur letzten Seite spannend.

Stefan Fandreys Roman bietet alles, was man sich für einen Roman dieser Thematik wünscht. Auf knapp 400 Seiten erzählt er eine spannende Geschichte, die man gern noch weitergelesen hätte. Authentische Figuren und gute geografische Kenntnisse runden einen Roman ab, den man guten Gewissens weiterempfehlen und bestimmt noch ein zweites oder drittes Mal lesen kann - und wird. Lassen Sie sich nur vom Buchtitel nicht abschrecken, der ist nicht so wichtig, wie es scheint.

Die Tochter des Kardinals

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Letzte Kommentare:
04.09.2012 15:01:43
Lia

Mir hat es nicht gefallen, dass eine alte kommunistische Regel aus der Feder eines russischen Sängers und Dichters in einem historischen, in Italien stattfindenden, Roman angeführt wird:
Erstens: Denke nicht. Zweitens: Wenn du denkst, rede nicht. Drittens: Wenn du denkst und redest, schreibe nicht. Viertens: Wenn du denkst und redest und schreibst, unterzeichne es nicht. Fünftens: Wenn du denkst und redest und schreibst und es dann auch noch unterzeichnest, wundere dich nicht.“
....
ich mag diese Übersetzungen und anschließende Aneignung nicht....
schade...von mir NULL PUNKTE

31.10.2008 15:44:07
Fredy Voigt ( 74 Jahre )

Ein gelungener Roman der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Die Sprache ist so schön und leicht verständlich, da macht es Spaß zu lesen und das Buch nicht zur Seite zu legen.
Wer historische Romane gern liest, wie ich, der stimmt mir sicher auch
zu ,ein gelungenes Werk.

Auch hier wird wieder deutlich , welche Rolle die Kirche in der Ver-
gengneheit gespielt hat. Fast unglaublich wie solche Menschen in Rom Unterschlupf fanden und somit ihre Ränke schmieden konnten und der Kiche kein gutes
Bild gaben.
Also Herr Fandrey weiter so.

Zeitpunkt.
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