Geheimagent Marlowe

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2007, Titel: 'Geheimagent Marlowe', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2008

Kurzgefasst:

England im elisabethanischen Zeitalter: Der Dichter Christopher Marlowe wird vom Geheimdienst angeworben, um aus Frankreich über feindliche Aktivitäten zu berichten. Versehen mit einer falschen Identität und einem in unsichtbarer Tinte ausgestellten Kreditbrief wird er nach Paris geschickt, wo er nach Kneipenschlägereien und amourösen Abenteuern allerdings schnell auffliegt und zum Doppelagenten umgedreht wird. Zurück in England erwartet ihn wegen Landesverrats die Liquidierung. Gelingt der verwegene Plan, seinen Tod vorzutäuschen, sich nach Irland abzusetzen und undercover neue Theaterstücke zu schreiben?

 

Der englische Dichter Christopher Marlowe stand stets im Schatten des großen William Shakespeare. Stets aufbrausend und trotzdem beliebt, nahm sein kurzes Leben ein unrühmliches Ende. Einige Lücken in Marlowes Biografie schließt Dieter Kühn in seinem Roman "Geheimagent Marlowe".

Christopher Marlowe spioniert für England

Wieder einmal ist der Dichter Christopher Marlowe auffällig geworden. Ihm wird zur Last gelegt, einen Mann getötet zu haben. Um seiner Gefängnisstrafe zu entkommen, bietet ihm der neu installierte, aber bereits gut organisierte britische Geheimdienst an, als Spion für England nach Frankreich zu gehen. In Calais soll er als Architekturstudent eingeschrieben werden und Informationen über die französischen Häfen, ihre Flotte und deren Veränderungen geben. Gerade erst hat die englische Flotte die spanische Armada besiegt und man will auf weitere Geschehnisse auf See gut vorbereitet sein.

Marlowe willigt ein und geht nach Frankreich. Schnell zeigt sich jedoch sein ungestümes Temperament und seine Tarnung fliegt schneller auf, als er es sich hätte vorstellen können. Dies will nun der französische Geheimdienst nutzen und Marlowe als Doppelagenten einsetzen. Für Marlowe beginnt ein Tanz zwischen zwei Regierungen, die nicht nur der anderen Regierung, sondern auch ihren jeweiligen Mitarbeitern misstraut. Und immer wieder manövriert sich Marlowe in unangenehme Situationen.

Ein ungewöhnlicher Protokollroman

Dieter Kühn legt mit seinem Spionageroman "Geheimagent Marlowe" ein Werk vor, das anders ist als die meisten historischen Romane. Auf 263 Seiten entspinnt er einen Lebensabschnitt Marlowes, der unglaublicher nicht sein könnte, der allerdings durchaus Ähnlichkeiten mit den historischen Tatsachen hat.

Kühns Roman ist kein Briefroman, sondern, wenn man so will, ein Protokollroman. Jedes Kapitel beginnt mit einer bürokratischen Einleitung als Einordnung des folgenden Gesprächsprotokolls in den laufenden Zusammenhang einer Akte Christopher Marlowes. In insgesamt 60 Protokollen verschiedener Aussagen setzt sich so ein Bild des letzten Spionageeinsatzes Marlowes zusammen, das mehr oder weniger vollständig für den Leser zusammengestellt wurde.

Britische Bürokraten richten über Marlowe

Dabei bekommt der Leser nicht nur Einblick in das Leben Marlowes und dessen Charakter, sondern auch in die bürokratischen Abläufe des Geheimdienstes. Letzteres ist manchmal interessanter als das, was Marlowe zu berichten weiß. Von einem übereifrigen und quasi speichelleckenden Protokollanten, der in seiner Akribie fast lächerlich wirkt, bis zu den Vernehmungen selber, in denen man sich so gestelzt wie möglich ausdrückt, gibt es eine bunte Mischung von Texten, die aber immer derselben Spur folgen. Hier sieht man des öfteren das Augenzwinkern des Autors, denn vieles erinnert einen an das Vorgehen in Behörden von heute und man denkt, dass es schön ist, dass es den Menschen damals insofern nicht besser ging als uns heute. Ein kleiner Witz am Rande ist, dass sich Marlowe von seiner Kontaktperson erbittet, ihn über das neuerliche Auftreten eines jungen Dichters in London auf dem Laufenden zu halten. Jeder Leser heute weiß, wer damit gemeint sein kann, Marlowe allerdings kann sich den Namen leider nicht merken. Eine Fußnote der Geschichte ist, dass den Namen Shakespeare heute jeder kennt und Marlowe ist der eher Unbekannte ...

Ob der historische Marlowe tatsächlich in Diensten des Geheimdienstes stand, ist nicht klärend überliefert. Sein Freund und Gönner war aber tatsächlich ein Lord Walsingham, der den Britischen Geheimdienst ins Leben gerufen hat. Von daher ist das Gesamtergebnis der Protokolle zumindest nicht so unwahrscheinlich. Dieter Kühn gelingt es so sehr charmant, geheim zu haltende Handlungen und Geschehnisse weiterhin geheim und eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt zu deklamieren. Auch wenn er unter seinem eigenen Namen für manch ein Protokoll die Einführung schreibt, so bleibt man doch immer in der Chronologie der Ereignisse, so sie denn erwähnt werden. Das ist amüsant zu lesen und hält den Leser bei der Stange.

Sprachliche Schwächen

Sprachlich weiß Kühn allerdings nicht so sehr zu überzeugen. Die Ausdrucksweise seiner Protokollanten ist doch streckenweise unserer heutigen Zeit entlehnt, wenngleich zwischenzeitlich das Bemühen zu erkennen ist, seine Formulierungen nicht zu sehr abgleiten zu lassen. Wobei man ihm zugestehen muss, dass gerade diese Formulierungen dem Leser den einen oder anderen Schmunzler auf die Lippen zaubert. Britischer Humor in Beamtenausdrucksweise ist eben noch ein besonderes Vergnügen.

Über die Zeit erfährt man leider auch nicht all zu viel. Nie wird eine konkrete Jahreszahl oder auch nur ein Datum genannt, was allein einem gerade zu Beginn das Eintauchen in die Geschichte erschwert. Wer aber weiterliest, wird mit einem Lesevergnügen belohnt, das trotz bekanntem Ende interessant bleibt. Man fragt sich, ob der letztendliche Mord an Marlowe tatsächlich stattgefunden hat.

Dieter Kühn nennt "Geheimagent Marlowe" nicht einen "historischen Roman", sondern "Roman eines Mordes". Das ist im Endeffekt klug gewählt, kann man doch an einigen Ecken das wirklich "Historische" vermissen. Das macht Kühn aber durch ein stetiges Augenzwinkern wett, und man hat sich über die gesamte Strecke des Buches über gut unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

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