Die Madonna von Saronno

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2007, Titel: 'The Madonna of Almonds', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:76
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":1,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Ein Plädoyer gegen die Kirche des 16. Jahrhunderts

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2008

Kurzgefasst:

Saronno, 1525: Der talentierte Künstler Bernardino Luini erhält den Auftrag, ein Fresko in der Santa Maria della Grazia zu malen. Von der Schönheit der jungen Witwe Simonetta di Saronno bezaubert, verewigt er sie - als Madonna. Simonetta widmet ihm als Zeichen ihrer Zuneigung einen Trank aus Mandeln. Als das Fresko und der Mandellikör kurz vor der Vollendung stehen, wird die Beziehung von einem Skandal überschattet, der ihre Liebe bedroht. Und ihr Leben ...

 

Simonetta di Saronno ist vom Leben verwöhnt. Als Tochter aus adeligem Haus wird sie mit jungen Jahren mit dem attraktiven und reichen Lorenzo di Saronno vermählt. Das junge Paar genießt das Leben in einem wohlhabenden Haus inmitten eines Mandelhains. Doch dann verliert Lorenzo in einer blutigen Schlacht das Leben und Simonetta erstarrt in Trauer. Erst die Erkenntnis, dass Lorenzo das ganze Vermögen für den Krieg ausgegeben hat und sie vor dem Aus steht, lässt Simonetta aus ihrer Trauer um den geliebten Mann wieder auftauchen. Einzig der Jude Manodorata - der Mann mit der goldenen Hand - könnte ihr helfen, zu überleben. Doch er fordert von der jungen Frau selbst eine gewisse Geldsumme aufzubringen. Um wenigstens ihr Haus und den Mandelhain zu retten, nimmt sie das Angebot des Malers Bernardino Luini an, der sie gegen Bezahlung in einem Fresko wiedergeben möchte. Während Simonetta Bernardino Modell sitzt, kommen sich die beiden näher. Es kommt zum Skandal und Bernardino muss flüchten, um sein Leben zu schützen. Manodorata steht Simonetta weiterhin bei, so lange, bis er ins Kreuzfeuer des aufflackernden Judenhasses gerät.

Neben der beiden Lebensgeschichten von Simonetta und Bernardino bringt Marina Fiorato einen ganz anderen Handlungsstrang ins Spiel: In einem abgelegenen Stück Land in der Lombardei leben Amaria und ihre Nonna. Die beiden nehmen den Selvaggio auf, einen jungen Mann, der sich schwer verletzt durch die Wälder schlägt und das Gedächtnis verloren hat. Durch ihre Liebe gelingt es Amaria, Selvaggio zurück ins Leben zu begleiten. Erst spät wird immer deutlicher, in welchem Zusammenhang die verschiedenen Handlungsstränge stehen.

Lodernder Hass

Wer hinter dem Buch eine leise vor sich hin plätschernde Liebesgeschichte vermutet, wird schnell eines Besseren belehrt. Mit ";Die Madonna von Saronno" legt Marina Fiorato ein tiefgründiges Plädoyer gegen die Kirche des 16. Jahrhunderts vor. Ungeschminkt zeigt sie auf, wie die religiöse Verblendung, aber auch die Gier und persönlichen Interessen der Kirchenoberen zur Verfolgung ganzer Bevölkerungsgruppen führten. Nicht nur die Juden leiden unter dem lodernden Hass, der von der Kanzel gepredigt wird, auch die Frauen jener Epoche geraten schnell einmal ins Feuer der Kirchenfürsten. Was anfänglich noch lieblich und in moderatem Erzähltempo daher kommt, steigert sich mit der Verfolgung von Manodorato zu einem erschütternden Akt der Brutalität, die den Leser unvermittelt trifft und fassungslos die Auswirkungen der kirchlichen Feudalherrschaft jener Zeit erleben lässt. Marina Fiorato zieht den Schleier von den Ereignissen in Europa und klagt an, ohne jedoch ein einseitiges Bild zu vermitteln. Denn so fanatisch die Kirchenoberen reagieren, so umgänglich und verständnisvoll werden jene geschildert, die die kirchliche Basis ausmachen. In Pater Anselmo finden Simonetta und Bernardino einen ebenso vernünftigen wie umsichtigen Berater und auch im Nonnenkloster, in das sich der Maler Bernardino de Luini zurück zieht, um seine Liebe zu Simonetta zu vergessen und die Klosterkirche mit Freskos zu verschönern, trifft er auf Liebe und Verständnis.

Geschickte Verknüpfung

Die Autorin verknüpft die verschiedenen Schicksale ihrer Protagonisten geschickt zu einem stimmigen Bild, das immer mal wieder auch atemlose Spannung bietet, wenn auch der Grundtenor des Buches eher in der Tiefe und den leisen Tönen liegt. Die Liebe, die durchaus ihren Platz in den einzelnen Handlungssträngen findet, wird so geschickt eingewoben, dass keine Gefahr besteht, der Geschichte einen zu süßen Hintergrund zu verleihen. Im Gegenteil: Es ist erstaunlich, wie virtuos die Autorin gleich mehrere Grundthemen aufnimmt und gar nebenbei die Geschichte um die Entstehung des heute noch beliebten Likörs ";Amaretto" einflicht.

Mit ";Die Madonna von Saronno" legt Marina Fiorato ein vielschichtiges Buch vor, das sich von der breiten Masse durchaus abzusetzen vermag und auf weitere Highlights der Autorin hoffen lässt.

Die Madonna von Saronno

Die Madonna von Saronno

Deine Meinung zu »Die Madonna von Saronno«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
13.07.2012 10:30:42
Isabel Heller

Ich war sehr überrascht und sehr angetan von diesem Buch und es wirkt noch nachhaltig sehr nach, was ich besonders gut finde. Dennoch schade finde ich das sich Simonetta di Saronno und Lorenzo di Saronno nicht noch einmal begegnet sind, aber ich denke das ist ja auch gerade der Grundtenor dieser Zeit das, das die Kirche nicht erlaubte. Und gerade dadurch bleibt das Buch ja auch tiefsinniger. Ein sehr tiefgründiges, gelungenes Buch das ich nur weiterempfehlen kann.

23.09.2009 22:15:31
Katharina

Diese Buch kann einen auf besondere Art und Weise fesseln. Man glaubt zu wissen, was als nächstes geschehen wird, doch immer wieder zweifelt man daran - zu Ende hingegen wurde alles ziemlich offensichtlich und in nur ein paar Seiten zusammengefasst. Das Buch im Großen und Ganzen sehr gelungen, allerdings ein zu knappes Ende.